Bürokratenopfer

Warum dieser Baum sterben musste, weiß ich nicht. Er war etwas größer und stämmiger als der noch verbliebene Baum, den man auf dem Foto sieht:

Ich will gar nicht wissen, warum der Baum gefällt wurde. Die Antwort kenne ich sowieso: Er sei alt und krank gewesen und gefährdete den Verkehr. Blödsinn – denn die öfter mal zu sehenden Aststücke unter dem Baum waren letztlich dem Sattelschlepper einer in der Nähe angesiedelten Zimmerei zu verdanken, die Holzhäuser baut und Geschwindigkeitsbegrenzungen ebenso ignoriert wie mit Hauselementen vollbeladen den sogenannten »eingeschränkten Lichtraum«.

Möglicherweise waren es auch Bürokraten, die die Fällung verlangten. Zuzutrauen wär’s ihnen. Immerhin stand der Baum direkt neben einer Laterne – siehe obiges Foto – und in der Nacht warf er einen Schatten durch das Laternenlicht. Was natürlich gar nicht geht, weil die beiden einzigen Gassigänger in frühen Morgenstunden, also im Dunkeln, einen Unfall erleiden könnten.

Manchmal frage ich mich, woher die Menschen glauben, dass der Sauerstoff, den sie atmen wollen, kommen würde, wenn sie alles abgeholzt haben, was grün und Sauerstoff produzierend sein könnte.

[VDS eV] Das Ende unserer Sprachkultur

Bevor mir so einer in den Verlag kommt, verzichte ich lieber auf Buchkäufer …

Zu empfindlich für Literatur

Anstößige Stellen streicht der Sensitivity Reader an.  Das ist eine Person und die ZEIT stellt Marius Schaefers als einen solchen Leser vor (Anmerkung: auf Deutsch Sensibilitätsleser oder Empfindsamkeitsleser). Schaefers prüft neu erscheinende Bücher und Geschichten auf ihre mögliche diskriminierende Wirkung hin, oder ob sich Leser beim Lesen unwohl fühlen könnten. Wichtig sei bei dieser Aufgabe, an die Werke mit Sensibilität heranzugehen: Manche Leser empfinden ihre Ansprüche bereits als zeitgemäß und normativ; sie würden durch Formulierungen nach herkömmlichen Normen verletzt werden. Das seien z. B. Formulierungen wie „man“, denn hier könnte das Wort als „Mann“ missverstanden und allein auf männliche Personen bezogen werden: Der Sensibilitätsleser erkennt „Rassismus, Transfeindlichkeit, Neurodiversität, Hochsensibilität und Queerness. Das heißt: Er schaut auf Diskriminierungen nach Hautfarbe, Geschlecht, psychischer Gesundheit und sexueller Orientierung“, schreibt die Zeit. Er sehe sich als spezialisierter Lektor, der keine ganzen Texte lektoriere, sondern bloß die bestellten Aspekte. Ziel sei es, Verlage vor Shitstorms (Anmerkung: auf Deutsch Stürme aus Scheiße) zu bewahren, also vor dem Furor der Allgemeinheit, der unerwünscht und meist beleidigend ist. Beim Ravensburger Verlag, so Schaefers, wäre eine solche Vorablesung der beiden neuen Winnetou-Bücher sinnvoll gewesen. Aber nicht die Angst vor Shitstorms solle Anlass für das Engagieren eines Sensitivity Reader sein, „sondern der Wunsch, mit Texten nicht zu verletzen.“

Über die entfernteste Gegenposition zum Empfindsamkeitslesen berichtet Irina Rastorgujewa in der NZZ in Form einer Collage über Presseberichte in Russland: „Witali Milonow, Mitglied der Staatsduma, schlägt vor, eine spezielle Organisation zur Erkennung von LGBT-Propaganda einzurichten, damit Videospiele, Bücher, Filme und andere Medienprodukte überprüft werden können.“ (zeit.de  (Bezahlschranke), nzz.ch)

Aus: VDS-Infobrief vom 05.02.2023

[VDS eV] Infobrief vom Sonntag, 12. Februar 2023

Link zum Inhalt

1. Presseschau
• Mehrsprachig aufwachsen
• Gesprächsrunden zur Sprachförderung
• Heulsprache bei Hunden und Wölfen
• Katalanisch auch für Ausländer
• Die Welt der Synästheten
2. Gendersprache
• Vater klagt gegen Gendern an Schulen
• Wende beim WDR
• Gender-Regelung für Berliner Landesmitarbeiter
3. Kultur
• Niedersorbisch retten
• Sprache entkolonialisieren
4. Berichte
• Volksinitiative in Hamburg gestartet
• Walter Krämer im Interview
• Weitere Volksinitiativen geplant
5. Denglisch
• The Ländarzt
• Englisch für das Wirtschaftswachstum
6. Soziale Medien
• Genderpolizei schalalalala
7. Kommentar
• Einmal tief durchatmen
8. Termine

[Susi] Wenn zweie einen Gassi tun

Es ist wieder Zeit für lange Gassigänge. Vor allem, wenn Naomi beim Schwimmen ist. Dann kommt Susi ins Geschirr, an die Leine – und ab auf die Strecke. Heute waren es gleich mal anderthalb Stunden durchs Wilde Moor:

Gestartet wurde natürlich daheim, aber den Tracker habe ich erst hinter der Zimmerei Opitz eingeschaltet.

[VDS eV] Infobrief vom Sonntag, 5. Februar 2023

Link zum Inhalt

1. Presseschau
• Vielsprachiges Berlin
• Bildungsministerin fordert Englisch als zweite Amtssprache
• Zu empfindlich für Literatur
• Keine Delilah mehr im Stadion
2. Gendersprache
• Tyrannische Wörter
• CDU unterstützt Hamburger Volksinitiative
• Radeberger Stadtrat gendert nicht
• FDP-Gender-Antrag abgelehnt
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Verlieren – gewinnen
4. Kultur
• Tradition und Zukunft einer Druckerei
• Verstorbene in Stoffbinden
• Bürosprache
5. Berichte
• Deutsch an der Elfenbeinküste
6. Denglisch
• Empowernd
7. Kommentar
• Eine Frage der Realität
8. Termine

[VDS eV] Infobrief vom Montag, 30. Januar 2023

Link zum Inhalt

1. Presseschau
• Aus für das Argentinische Tageblatt
• Erwachsenenbildung wird immer beliebter
• Deutsch gegen Gesundheitsschäden
2. Gendersprache
• Wirkung des Genderns unklar
• Elegantes Gendern
• Gott verweigert Gendern
• Nun auch Hessen
3. Kultur
• Atlas zur deutschen Alltagssprache
• Hessens vielfältige Dialekte
4. Wirtschaft
• Deutschkenntnis als Hürde
5. Berichte
• Sprachpreis für gutes Deutsch
6. Denglisch
• Cooles Kassel
7. Soziale Medien
• Landratt und Zipfelmensch
8. Kommentar
• Nessie im Winterloch