Fantasy speziell: Märchen

Heute neigt manche Marketingabteilung dazu, Märchen als Fantasy zu deklarieren und zu vermarkten. Ob das so richtig ist, muss jedermann selbst entscheiden – ich halte es für irreführend. Und so mag Sebastian von Arndts neues Buch »Wächter der verbotenen«, das jüngst in meinem Verlag erschienen ist, für die Marketinggläubigen dieser Welt als Fantasywerk gelten, ich halte es eher für ein Märchen.
Marianne Labisch, selbst Autorin, dazu Herausgeberin, Lektorin usw., hat das Buch als »bezauberndes Kinderbuch« bezeichnet, wobei ich den Begriff »Kinderbuch« nicht ganz passend finde; es könnte den Eindruck erwecken, es handle sich um eine Vorlesegeschichte für Vier- bis Sechsjährige. Ein wenig älter sollten die jugendlichen Leser des Buches schon sein, denn das fördert das Verständnis der Geschichte. Wenn man den Begriff »Kinderbuch« auf den Plot bezieht, so liegt man nicht ganz falsch, denn die vier Protagonisten, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sind Kinder, wenn auch »gehobeneren Alters«.
Auf jeden Fall war und bin ich erfreut, nach beinahe zehn Jahren (sein erstes und bislang einziges Buch »Die letzte Saat« erschien als Fantasy 7 im März 2012) ein weiteres Buch von Sebastian veröffentlichen zu dürfen.

von Arndt, Sebastian, Wächter der Verbotenen

NOVA 30 + Thomas Sieber: Die gute Fee von Proxima B

Eines Morgens erwachte ich mit einem seltsamen Gefühl innerer Leere. Ich sah an mir herab und bemerkte, dass ich mich in einen von ihnen verwandelt hatte, in eine Margerita mit Olivenaugen, aus denen ich in einem Winkel von 180° meinen fladenartigen Körper auf der Schilfmatte liegen sah. Mir schwindelte wegen der ungewohnten Perspektive und der multiplen Augenparallaxe. Der Schlauchkörper fühlte sich so vollständig fremd an, dass ich beim Versuch, mich zu erheben, mehrfach in mich zusammenfiel. Schließlich wankte ich hinaus auf den Strand, wo sich eine Gruppe von Proxern versammelt hatte und mir erwartungsvoll entgegensah.

»OKAY, WER VON EUCH HAT SICH DAS GEWÜNSCHT?«, fragte ich in die Runde und erschrak über den Fanfarenton meiner eigenen Stimme.

Die Antwort war leicht zu erraten, da die einzige Margerita weit und breit sich verschämt im Hintergrund hielt. Ich war nicht richtig verärgert, doch es kostete mich einige Tage intensiver Konzentration und Versenkung, bis ich meine frühere Gestalt zurückerlangt hatte.

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Wer glaubt denn so was? Das Popotop!

Jedermann hat heutzutage den Begriff des Biotops im Ohr und im Kopf. Ständig wird er in den Mund genommen. Wenn eine Autobahn gebaut werden soll, ein Windrad zu errichten ist, irgendein Eingriff in die Natur erfolgen soll, entstehen auf einmal Biotope – wie aus dem Nichts. Die Nachbarin meiner Hundephysiotherapeutin wollte ein durchaus für Bebauung geeignetes Grundstück zum Biotop erklären lassen, um keinen direkten Nachbarn hinnehmen zu müssen. Das einzig Biotopische an dem Grundstück allerdings waren und sind bis heute plattgemachte Bäume, die offensichtlich auch gestört haben.

Was aber ist ein Popotop? Wenn man zwei Hunde hat, dann weiß man irgendwann, dass auch Hunde mit zunehmendem Alter ihre Zipperlein entwickeln. Meine beiden Mausemädchen leiden gleichermaßen unter Arthrose. Hüfte, Rückgrat, Pfoten – man könnte glatt von klassischen Problemstellen sprechen. Damit die Entwicklung nicht ganz so schnell und nicht ganz so umfangreich ausartet, gibt es heute Möglichkeiten. Zum Beispiel eine Hundephysiotherapeutin, die über einen Pool verfügt, in dem die Hunde schwimmen können (auch wenn meine beiden Mäuse das zugegebenermaßen lieber nicht tun würden).
Nach so einer Schwimmung, die in der Regel zwanzig bis dreißig Minuten pro Hund dauert, sind die Hunde nass. Ja, manch Leser mag überrascht sein, aber sie sind nicht nur einfach nass – sondern nass bis auf die Haut (und nicht nur oberflächlich wie nach einem Gassigang bei Regen). Und auch, wenn der Hund den größten Teil des Wassers im Fell los wird, indem er sich schüttelt, und auch, wenn man als Mensch selbst mit großen Badetüchern zulangt, Feuchtigkeit bleibt.
Interessanterweise ist der Körperteil des Hundes, der sich am längsten die Feuchtigkeit bewahrt, das Heck, das Hinterteil – vulgo: der Popo. Und es dauert Stunden, bis der getrocknet ist, und in dieser Zeit hat man das Vergnügen, ein vierbeiniges Feuchtbiotop im Hause zu haben, das beim Hinsetzen auf Laminat und Parkett gerne einen Sitzfleck hinterlässt.
Und das ist es – das hündische Feuchtbiotop, das sogenannte Popotop.

Hat man diese Erkenntnis erst einmal verinnerlicht, ereilen einen Menschen mit verlegerischer Tätigkeit sogleich verlegerische Gedanken. Das Genre der Utopie ist uralt, Thomas Morus hat es begründet und viele Autoren haben sich mehr oder minder erfolgreich an Utopien versucht. Die ewigen Griesgräme unter den Schriftstellern kamen irgendwann auf die Idee, die Lesewesen dieser Welt mit dem Gegenteil der Utopie zu behelligen – der Dystopie. Sie ist heutzutage nicht nur modern, sondern omnipräsent. Wer etwas anderes zu schreiben und zu vermarkten versucht, als eine Dystopie, muss schon damit rechnen, schräg angeschaut zu werden.
Aber die Rettung ist in Sicht. Utopien sind durch, Dystopien nerven – morgen schreibt man Popotopien, und wer behauptet, das sei Literatur für den (Hunde-) Arsch, der ist ein böser Mensch. Popotopien zu schreiben ist einfach. Knuffig muss die Literatur sein, mit langem oder kurzem Fell gestaltet, eben feucht – mal mehr, mal weniger –, und vier Beine, zwei große, nicht kupierte Ohren und einen allerlieblichsten Blick muss das Werk haben, so sehr, dass der Leser bei der Lektüre vor Freude und Zuneigung zum Werk, zur Popotopie förmlich zerfließt.
Also auf! Autoren! Schreibt Popotopien! Mein Verlag, die p.machinery (vulgo: popoganda machinery, deutsch: Popogandamaschinerie), wartet auf eure Ergüsse.

Nasenoriginale im Angebot

Gabriele Behrend, heißgeliebte Autorin meines Verlages, hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Zusätzlich zu jedem gekauften Exemplar ihres Kompendiums »Na|sen|gno|mo|no|mie [sing., fem.] 1.0« (vulgo: »Die Nasengnomonie 1.0«) vergibt sie – natürlich nur, solange der Vorrat reicht – die Originalzeichnungen (handcoloriert und signiert) aus dem Buch. Diese Zeichnungen sind natürlich Unikate und man bekommt sie, wenn man das Buch direkt – und nur direkt – bei Gabriele bestellt. Details zum Vorgehen und Abbildungen der Originale finden sich hier.

Das Angebot sollte man sich nicht entgehen lassen. Nicht nur, dass das Buch ausgesprochen knuffig ist – und förmlich danach schreit, verschenkt zu werden –, auch die Grafiken von Gabriele Behrend sind als Unikate eines Tages vielleicht sehr wertvoll.
(Ich selbst habe eine entsprechende Erfahrung gemacht, als ich aus Platzgründen [an der Wand] Originalgrafiken, die ich von Grafikern in den 1980ern kaufte, weiterverkauft habe. Reich wird man nicht, aber es finden auch bei Fangrafikern erkennbare und mitunter deutliche Wertsteigerungen statt.)

Behrend, Gabriele, Na|sen|gno|mo|no|mie [sing., fem.] 1.0

NOVA 30 + Uwe Post: Der automatische Depp

»Har, har!«, dröhnt da eine Stimme mit übertriebener Lautstärke aus verborgenen Lautsprechern. Ich zucke zusammen.

»Mist«, sagt Anna verdrossen. »Winnfried.«

»Ihr Deppen!«, ruft der böse Onkel. »Ihr seid mir alle in die Falle getappt, die ich mir letzten Sonntag beim Frühschoppen ausgedacht habe. Har, har!« Die Tür knallt zu. Aus kleinen Öffnungen in den Wänden ergießt sich Zitronensprudel in die Zelle.

»Wir sind verloren«, sagt C-3PO.

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus

Eigentlich daneben

Ja, eigentlich. Eigentlich sollte dieses Buch viel früher erscheinen. Aber einmal mehr hat mir alles Mögliche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hier eine Verzögerung, da ein Schnellschuss, zwischendurch irgendwas anderes. Manchmal ist es zum Heulen. Aber nicht immer. Denn durch die entstandene Verzögerung kam das Buch nun halt pünktlich zum 70. Geburtstag von Thomas Le Blanc heraus, um dessen Phantastische Bibliothek sich dieses Buch direkt und indirekt dreht. Direkt jedenfalls, weil die Erlöse des Buches der Phantastischen Bibliothek zugutekommen sollen und werden.

Frambach, Sabine & Focke, Kai (Hrsg.), STAUBKORNFEE TRIFFT ICH-MASCHINE

Nun ist sie weg, die 6 vornweg – oder: Wenn man 70 wird

Ja, so ist das. So geht das vielen Menschen – und allen, denen es so geht, ist es nicht nur grundsätzlich zu wünschen, sondern auch immer in Verbindung mit Gesundheit, geistiger und körperlicher Fitness und der Aussicht auf noch zahlreiche fantastische Jahre. Heute hat es Thomas Le Blanc erwischt, den Mann, der nicht nur die Phantastische Bibliothek zu Wetzlar gegründet und aufgebaut hat, sondern der auch mit der Erfindung der »Phantastischen Miniaturen« für alle Kurzgeschichtenfans – zu denen ich mich auch zähle – eine Pioniertat begangen hat. Nachdem Herbert W. Franke in den 1960ern die ersten Kürzestgeschichten im »Grünen Kometen« präsentierte, hat Thomas Le Blanc diese winzigsten aller Literaturwerke – sieht man von Gedichten ab – gemeinsam mit zahlreichen Autoren kultiviert. Und nicht nur die gratulieren mit diesem Buch, sondern vor allem auch ich. Denn bislang haben Thomas Le Blanc und ich wenig miteinander zu schaffen gehabt – aber es zeigen sich Tendenzen, dass sich das ändern könnte.

Niehaus, Monika, Weigand, Jörg & Karla (Hrsg.), PHANTASTISCH! PHANTASTISCH!

NOVA 30 + Michael Schmidt: Faith Healer

Borison hatte eine lange Reise hinter sich. Quer durch die Galaxie, immer auf der Suche nach dem letzten der Teenage Idols. Als würde dieser Borison absichtlich ausweichen, kam er immer erst zu einem beliebigen Ort, wenn der Idol schon wieder weg war, und oft genug glaubte er, einem Phantom aufgesessen zu sein, dass es weder den Planeten Idols gab, von dem niemand wusste, wo er sich befinden sollte, noch dass einer der sagenumwobenen Faith Healer wahrhaft existierte. Bisher waren die Faith Healer wie Rauch gewesen: aus der Entfernung schienen sie Substanz aufzuweisen, doch je näher man ihnen kam, desto mehr lösten sie sich in Wohlgefallen auf. Aber hier, im Galactic Pot Healer, der Raumstation der Abartigkeit, war er fündig geworden …

NOVA 30 – das Jubiläum

Ein neues Baby ist im Haus