Die »Gelehrtenrepublik« bei den Pirckheimern

Im Blog der Pirckheimer Gesellschaft wurde die »Gelehrtenrepublik« in der fulminant-fantastischen Folianten-Ausgabe erwähnt – hier.
Das Fazit hat der Autor möglicherweise bei Horst Illmer abgelesen :)

Mit der von Franke reich illustrierten und gemeinsam mit Michael Haitel gestalteten sowie als Künstlerbuch aufwendig hergestellten, bei p.machinery edierten Neuausgabe des Romans erweist sich Franke als ein Liebhaber des Schmidtschen Humors und seiner bissigen Ironie, weswegen er bei der Gestaltung des Künstlerbuches nicht zurückstehen wollte: die Bücher wurden in Cabra gebunden, ein Material, das sich anfühlt als würde man einer Zentaurin aus dem „Hominidenstreifen“ das Fell streicheln.

Schmidt, Arno, DIE GELEHRTENREPUBLIK

Fünf Jahre Arbeit

Neue Fabulisten am Start

InterNOVA legt nach Vol. 2 gleich Vol. 3 nach. Ohne viele Worte:

Michael K. Iwoleit (Ed.)
NEW FABULISTS
InterNova Vol. 3 • 2023
p.machinery, Winnert, February 2023, 116 pages, PDF + eBooks
ISBN PDF: 978 3 95765 781 7
ISBN ePub 978 3 95765 782 4

Under the motto „New Fabulists“ it includes the following stories:

Guy Hasson (Israel) „Editorial. Behind the Curtains of World SF&F“
Robert Jeschonek (USA) „With Love in Their Hearts“
Dafydd McKimm (Great Britain) „A Lady of Ganymede, a Sparrow of Io“
Jetse de Vries (Netherlands) „Connoisseurs of the Eccentric“
Gustavo Bondoni (Argentina) „Blossoms“
Adriana Alarco de Zadra (Peru) „Neon and the Snake“
Frank W. Haubold (Germany) „He Who Picks the Bones“
Frank Roger (Belgium) „Variant Readings“
Sven Klöpping (Germany) „Our Daily Bread“

Also the already classic story „Our Daily Bread“ by Sven Kloepping (Germany) from one of the early issues of InterNova’s mother magazine Nova and an insightful guest editorial by one of my veteran collaborators who I hold in high esteem, Guy Hasson from Israel.

A special thanks to our proofreaders. Nicole Ashfield and Tasha Bajpal have joined in with this issue.

Available online at https://internova.worldculturehub.net/2023/01/19/january-2023 or for download (PDF, ePub, mobi, azw3) at https://www.pmachinery.de/internova/online/in03.zip.

Lindwurm-Fiction

Aliens, die Bewohner fremder Welten, sie werden auf die verschiedensten Arten beschrieben, dargestellt. Möglicherweise war alles schon da – von der Amöbe bis zum weltumspannenden Gigantmonster, vom ätherischen Hauch bis zum intelligenten Schwarzen Loch. Lindwürmer sind eine Möglichkeit, und ich erinnere mich nicht, jemals eine SF-Geschichte mit Lindwürmern gelesen zu haben. Wobei ich zugeben muss, dass meine Perry-Rhodan-Zeit lange vorbei ist; den Autoren dieser Serie wäre zuzutrauen, dass sie schon Lindwürmer im Programm hatten …

Gernot Schatzdorfers »Der Lindwurmplanet« lag wie so oft eine ganze Weile auf meinem Server herum. Ich könnte die Schuld an der Verzögerung auch meinem Lektor Kai Beisswenger in die Schuhe schieben, aber das wäre nicht nur unfair, sondern schlicht falsch. Und die Arbeit, die er gemeinsam mit dem Autor geleistet hat, hat dem Werk sicher gutgetan.

Herausgekommen ist jedenfalls eine kleine, aber feine SF-Geschichte, die alles hat, was man für Amüsement und Kurzweil braucht, während man sich Science-Fiction gönnt. Nun gut, ja, sinnlose Gewalt fehlt. (Und gegendert wird auch nicht.)

Schatzdorfer, Gernot, DER LINDWURMPLANET

Tüpfel zum Jubeltage

Es ist kein Geheimnis, dass Monika Niehaus eine Tüpfelhyäne besitzt. Sie ist ausgestopft, leider. Oder Gott sei Dank. Ich kenne keine lebenden Tüpfelhyänen, ich kann es also nicht beurteilen. Beeindruckend ist sie allemal, auch wenn man sie nur auf einem Foto gesehen hat. Und sicher ist: So ein Tier hat nicht jeder im Hause stehen.

Nicht nur Monika Niehaus steht auf ihre Tüpfelhyäne – ihrem Bekunden nach ist das auch bei ihrer Frau Mama der Fall. Und da nach den »Austern im Halbschlaf« (AndroSF 158) ganz sicher noch eine Sammlung der niehausschen Geschichten erscheinen sollte – betitelt »Hyänengelächter«, nach einer der enthaltenen Storys –, war die Gelegenheit günstig, das Buch der Frau Mama zum fünfundneunzigsten Geburtstag zu widmen und zu schenken. Was problemlos gelungen ist.

Ebenso, wie die Storys in diesem Buch gelungen sind. Aber das ist kein Wunder. Kein annähernd so großes wie das, durch das eine Autorin wie Monika Niehaus das Licht der Welt erblicken durfte … Herzlichen Dank, Charlotte Niehaus – und nachträglich meinen herzlichen Glückwunsch zum Fünfundneunzigsten.

Niehaus, Monika, HYÄNENGELÄCHTER

Vernissage der Ausstellung zum Künstlerbuch »Die Gelehrtenrepublik« von Arno Schmidt

Vernissage der Ausstellung einiger zum Kurzroman vom Grafiker, Buchkünstler, Dichter, Schauspieler und ›Erforscher des tellurischen Kabinetts‹ (© Elisabeth Einecke-Klövekorn) Thomas Franke geschaffener Holzstichcollagen samt einigen geschwätzigen Ausführungen zur Entstehung des Buches sowie der Lesung ausgesuchter Passagen aus dem Kurzroman

am Mittwoch, den 8. Februar 2023,
um 19.30 Uhr,
in der Altstadtbuchhandlung Büchergilde in Bonn
(Breite Str. 47, 53111 Bonn, Telefon: 0228 636750)

Arno Schmidt (1914–1979) arbeitete vor dem Krieg als Grafischer Lagerbuchhalter in Greiffenberg / Schlesien, nach Kriegsdienst und Gefangenschaft schließlich als Übersetzer und Schriftsteller. Seit 1949 erschienen zahlreiche von ihm geschriebene Romane, Erzählungen und literarische Radioessays. Arno Schmidt erhielt 1973 den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main verliehen.

Der Gegenstand dieses Abends – und selbstverständlich der Ausstellung – ist Arno Schmidts Kurzroman aus den Roßbreiten, »Die Gelehrtenrepublik«. Erstmals 1957 erschienen, spielt er in der Welt fünfzig Jahre nach einem Atom-, dem Dritten Weltkrieg. Der Roman schildert in Tagebuchform die Reise des amerikanischen Journalisten Charles Henry Winer im Jahre 2008 durch einen von Mutationen bevölkerten »Hominidenstreifen« in Nevada zu der im Pazifik treibenden künstlichen Insel IRAS (International Republic for Artists and Scientists), auf welcher – unter ebenso gleichberechtigter wie rivalisierender Verwaltung durch die Russen und die Amerikaner – die letzten Geistesgrößen aus Wissenschaft und Kunst Zuflucht gefunden haben. Der Erzählstil des Romans erinnert im Tonfall an klassische Schelmenromane – und aus der Position eines Schelms, der einen anderen Schelm auf seiner Wanderung beobachtet, macht der Illustrator Thomas Franke viele weitere Details dieser Welt sichtbar, Details, die der Schriftsteller nicht erzählte, die er verschwieg oder selbst nicht entdeckt hatte, oder die symbolisch, allegorisch und metaphorisch neue surreale Erlebnisse in der Schmidtschen Welt präsentieren.

Mit der von Franke reich illustrierten und gemeinsam mit Michael Haitel gestalteten sowie als Künstlerbuch aufwendig hergestellten, bei p.machinery edierten Neuausgabe des Romans erweist sich Franke nicht nur als ein Liebhaber des Schmidtschen Wirkens, sondern auch seines Humors und seiner bissigen Ironie. Er entdeckte, dass hinsichtlich Schmidts Einschätzung des Interesses der Deutschen an Büchern gleichfalls eine Wahlverwandtschaft besteht. Als sein Monumentalwerk »Zettels Traum« erschienen war, antwortete er auf die Frage, wer denn das monumentale Buch lesen solle, dieses Buch wäre für die »eigentlichen Kulturträger« der Nation bestimmt, die er folgendermaßen errechnete: »Die Zahl der Kulturträger erhalten Sie, wenn Sie die dritte Wurzel aus P ziehen, wobei P für Population oder Bevölkerung steht: macht bei 60 Millionen Einwohnern in Westdeutschland 390 Leser.«

Ein solcher Humor gefällt Franke und so wollte er bei der Gestaltung des Künstlerbuches nicht zurückstehen: Die Bücher wurden in CABRA gebunden, ein Material, das sich anfühlt, als würde man einer Zentaurin aus dem »Hominidenstreifen« das Fell streicheln.

Seit 1979 ist Franke als freier Grafiker, Buchkünstler und Illustrator z. B. für den Suhrkamp-, den Heyne-, den Goldmann-Verlag, für p.machinery und viele andere tätig. Für seine buchgestalterische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, ebenso für seine Arbeit als Schauspieler. Neben seiner Bühnenarbeit bestreitet er seit beinahe vierzig Jahren szenische Lesungen. Er liest Hörbücher ein und produziert sie, arbeitet als Sprecher für den Hörfunk, spielt in Fernseh- und Filmproduktionen …

Die Buchausgaben wurden durch ein Künstlerstipendium im Rahmen der NRW-Corona-Hilfen gefördert.

Arno Schmidt
DIE GELEHRTENREPUBLIK
Kurzroman aus den Roßbreiten
Illustriert von Thomas Franke
Fulminant Fantastische Folianten 1
p.machinery, Winnert, September 2022, 246 Seiten (incl. 25 Farbseiten, davon 7 Ausklappseiten), Hardcover mit Cabra-Bezug und Blindprägung
Normalausgabe: ISBN 978 3 95765 302 4 – EUR 99,90 (DE)
Vorzugsausgabe (limitiert auf 111 Ex., davon 100 Ex. im Verkauf, mit nummerierter Digigrafik im Einleger und im Schuber): ISBN 978 3 95765 303 1 – EUR 222,00 (DE)

Weshalb nun macht Franke sich die Mühen, trotz der Ignoranz und der Schwerfälligkeit der Menschen dieses Landes gegenüber der Buchkunst solche Kunstbücher zu schaffen?

Seine Antwort: »Nun, – ich habe mir nie Gedanken über Inhalte, Tendenzen oder gar über eine Philosophie hinter meiner künstlerischen Arbeit gemacht und auch selten darüber nachgedacht, was mich zu dieser Arbeit treibt; ich habe all die Jahre einfach lustvoll drauflos gearbeitet. Aber wenn ich nun kausal darüber nachdenke, was mich bewegt, während ich meine Zeichnungen, Grafiken, Holzstichcollagen und schließlich solche Bücher schaffe, stelle ich fest: Ich möchte etwas Geheimnisvolles, noch nie in diesem Zusammenhang Erschautes schaffen, Bilddetails in ungewöhnliche Zusammenhänge zeichnen oder montieren, um damit seltsame, mysteriöse Geschichten zu erzählen; ich möchte die Betrachter mit spannenden Motiven und Buchobjekten reizen, über das Dargestellte nachzudenken und sich selber Abenteuer aus dem zu ersinnen, was sie in diesen Werken sehen.«

Tiny Stricker liest wieder

Diesmal liest er am 25.01.2023 ab 18 Uhr im Rahmen der »Hörbahn on Stage« des Literatur Radio Hörbahn, der Aufzeichnung einer Radiosendung mit Publikum: »Tiny Stricker liest aus ›London – Pop und frühe Liebe‹ und spricht mit Uwe Kullnick über sein Buch, London und Reisen«. Das Ganze in der Bayerischen Volksstiftung, Georgenstr. 63, München-Schwabing (U2 Josefsplatz). Der Eintritt ist frei, die Zahl der Plätze ist allerdings begrenzt, man muss sich unter literaturradio@online.ms anmelden.

Details: hier.

Stricker, Tiny, LONDON, POP UND FRÜHE LIEBE

 

Und Würzburg feiert noch immer – das Finale

Und am letzten Tag der Feierlichkeiten zum 42jährigen Jubiläum von Hermkes Romanboutique, im Netz zu finden unter www.comicdealer.de, gibt sich ab 14 Uhr nochmals Aiki Mira die Ehre (im Keller »Fuchsbau«), mit einer Lesung und Signierstunde, danach mit einem Vortrag und evtl. Diskussion. Und ab 16 Uhr liest Petra Jörns mit anschließender Signierstunde und »offenem Künstlergespräch«. — Details hier.

Jörns, Petra E., FREMDE HEIMAT

Krasse Sache

Heribert Kurth kenne ich nun schon ein Weilchen. Nicht persönlich, aber aus zahlreichen Mails und inzwischen einigen Telefonaten. Seinen ersten Roman – »Unter den Sternen von Tha« (AndroSF 105) durfte ich auf Empfehlung von René Moreau, den die Szene als Herz und Hirn von EXODUS (und inzwischen COZMIC) kennt, veröffentlichen (und das Buch war und ist ein besonderes Leseerlebnis). Als er vor einigen Monaten mit der Idee des neuen Buches kam, das den Titel »SOUNDCASE. The Playlist Book« bekam, musste er nicht lange argumentieren und diskutieren. Verrückten Ideen bin ich durchaus aufgeschlossen – nicht jeder, aber dieser doch durchaus, denn es geht um Musik, Musik aus einer Zeit, meiner Zeit, als ich anfing, mich für Musik zu interessieren, einer Zeit, die bis heute anhält, wenn sich mein Musikgeschmack auch stark verändert hat. Bei der Arbeit an dem Buch habe ich schnell und immer wieder festgestellt, was ich im Laufe meines Lebens alles gehört und geliebt habe, was ich selbst auf Vinyl besessen und heute als MP3 auf meinem Server abgelegt habe.

Das Buch handelt von Musik, von Lieblingsmusik, von Musik für menschliche Stimmungen. Heribert Kurth hat – gemeinsam mit Freunden und Bekannten (und darunter finden sich bekannte Namen, ich denke da nur an Helmut Wenske für den Anfang) – Playlisten zusammengestellt, die das Beste vom Besten klassischer und neuzeitlicher Musik präsentieren. Einen eigentlichen Schwerpunkt gibt es nicht, wenn auch eine gewisse Rocklastigkeit festzustellen ist … obwohl … eigentlich stimmt das nicht. Die Zusammenstellungen sind einfach, was Musik immer ist … Geschmackssache.

Heribert hat einen immensen Aufwand betrieben, das Buch zustande zu bringen. Ein sehr langes, sehr ausführliches Vorwort, das an Wünschen wenig offen lässt, führt zu den Abspiellisten und vor allem dem eigentlichen Höhepunkt des Buches: den Sammlungen von Abbildungen von Vinylschreiben und CDs.

Am Ende haben wir gemeinsam ein kleines Buchmonster geschaffen – kein böses, sondern eines vom Schlage des Schmunzelmonsters, ein Buch, das man lieben muss. Wir überlegten, ein Hardcover zu präsentieren, doch das erschien uns dann zu teuer. Und selbst der hoch erscheinende Preis von 59 Euro ist mit spitzester Feder kalkuliert, wohlwissend, ein finanzielles Risiko einzugehen. Aber Heribert ist nicht nur Schöpfer krasser Ausnahmebücher – wie es eigentlich schon sein Roman war –, sondern auch Marketinggenie, der dank bereits existierender zahlreicher Kontakte dem Buch wohl zu einem Erfolg verhelfen wird.

Wie auch immer … Das Buch ist nicht für jeden. Aber wie Heribert meint (und geschrieben hat):
Und allen »Musikverrückten« sei gesagt: »Dieses Buch ist für euch!«
Und das in zwei Sprachen.

Kurth, Heribwert & Friends, SOUNDCASE. The Playlist Book