Neue Fabulisten am Start

InterNOVA legt nach Vol. 2 gleich Vol. 3 nach. Ohne viele Worte:

Michael K. Iwoleit (Ed.)
NEW FABULISTS
InterNova Vol. 3 • 2023
p.machinery, Winnert, February 2023, 116 pages, PDF + eBooks
ISBN PDF: 978 3 95765 781 7
ISBN ePub 978 3 95765 782 4

Under the motto „New Fabulists“ it includes the following stories:

Guy Hasson (Israel) „Editorial. Behind the Curtains of World SF&F“
Robert Jeschonek (USA) „With Love in Their Hearts“
Dafydd McKimm (Great Britain) „A Lady of Ganymede, a Sparrow of Io“
Jetse de Vries (Netherlands) „Connoisseurs of the Eccentric“
Gustavo Bondoni (Argentina) „Blossoms“
Adriana Alarco de Zadra (Peru) „Neon and the Snake“
Frank W. Haubold (Germany) „He Who Picks the Bones“
Frank Roger (Belgium) „Variant Readings“
Sven Klöpping (Germany) „Our Daily Bread“

Also the already classic story „Our Daily Bread“ by Sven Kloepping (Germany) from one of the early issues of InterNova’s mother magazine Nova and an insightful guest editorial by one of my veteran collaborators who I hold in high esteem, Guy Hasson from Israel.

A special thanks to our proofreaders. Nicole Ashfield and Tasha Bajpal have joined in with this issue.

Available online at https://internova.worldculturehub.net/2023/01/19/january-2023 or for download (PDF, ePub, mobi, azw3) at https://www.pmachinery.de/internova/online/in03.zip.

[Kim] Das Ende ist da oder »She’s dead, Jim«

Andrea, unsere Hundephysiotherapeutin, bei der Kim so oft schwimmen war – zuletzt am Tag ihres Todes –, meinte, dass Kims Blick leer geworden sei. Die Tierärztin, die abends dann bei uns war, stellte fest, dass Kim überhaupt nicht mehr wirklich reagierte. Sie lag da, in unserer Diele – das war der Raum mit dem meisten Platz drumherum –, regungslos fast.
Sie bekam eine Spritze zur Beruhigung, zum Einschlafen. Sie wirkte schnell. Die eigentlich tödliche Spritze Pentobarbital war ein Riesenteil und die Tierärztin versicherte uns, dass die Dosis reichte, um auch größere Hunde in den Hundehimmel zu schicken. Kim würde nicht leiden – und tat es auch nicht, denn nach nicht einmal drei Minuten hörte ihr Herz zu schlagen auf.

Es war vorbei.

Durch geöffnete Fenster ließen wir ihre kleine Seele gehen; das ist so ein Brauch, die Fenster zu öffnen. Wir ließen ihren Körper in der Diele liegen, damit Naomi und Susi Abschied nehmen konnten, was sie nicht wirklich taten, nicht so, wie wir das vielleicht erwartet hätten. Hunde machen das vermutlich einfach anders.
Für die Nacht legten wir sie in den Hauswirtschaftsraum, weil es dort kühl war.

Kim war gegangen, obwohl ihr Körper noch da war.

[Kim] Das Ende des Wegs in Sicht

Sie schlief immer mehr, immer länger.
Ihre Gassigänge wurden immer kürzer, am Ende waren es vielleicht noch hundert Meter, vielleicht hundertfünfzig. Oft fand sie den Weg aufs Grundstück nur deshalb, weil wir sie führten; und manchmal schien es, als wolle sie gar nicht zurück nach Hause.
Irgendwann lehnte sie das Nassfutter ab, von einem Tag auf den anderen. Danach bekam sie Trockenfutter, ein spezielles, weil sie Probleme mit Struvitsteinen in der Blase hatte. Und auch von diesem aß sie immer weniger, und das meiste davon musste man ihr regelrecht füttern.
Sie bekam Probleme beim Aufstehen. Weil unsere Böden glatt waren, hatten wir jede Menge Teppichläufer verlegt, aber sie fand fast zielsicher immer die glatten Stellen dazwischen.
Sie schien dement zu werden, obwohl das nicht sicher ist, denn sie schien uns nach wie vor zu erkennen. Aber sie war – nicht nur, aber vor allem nach dem Aufwachen – oft desorientiert. Sie stand dann irgendwo vor einer Wand, vor einem Möbelstück, in der Ecke an einer Tür auf der Seite, wo die Tür angeschlagen war. Sie wirkte, als wäre sie irgendwohin aufgebrochen und hätte dann vergessen, was sie dort wollte, wo sie überhaupt hin wollte.
Sie taumelte immer häufiger und vor allem ihre Hinterbeine knickten oft ein.
Sie wurde nicht im eigentlichen Sinne inkontinent, aber sie schaffte es öfter nicht mehr nach draußen, obwohl wir sie führten, und nachts weckte sie uns nicht mehr, was sie anfangs des Weges noch getan hatte. Unsere Teppichläufer gehören vermutlich zu den meistgewaschenen Teppichläufern Nordfrieslands.
Und auch ihr Häufchen kam immer öfter im Haus zur Welt. Fast so, als schien es den Würstchen draußen zu kalt zu sein.
Immer wieder führten wir sie nach draußen, damit sie sich erleichtern konnte, und immer wieder kam sie zurück und erledigte ihr Geschäft dann drinnen.

[Kim] Der Weg zur Regenbogenbrücke

Manche Hunde sterben schnell. Sie fallen einfach um oder schlafen ein und wachen nicht wieder auf. Aber das ist wohl nicht der Normalfall. Meist ist der Weg deutlich länger. Wobei man sich nicht täuschen lassen darf: Es gibt eine Rechenformel, nach der ein Lebensjahr eines Hundes sieben Menschenjahren entsprechen soll. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Aber die Lebenserwartung von Hunden ist deutlich niedriger als die eines Menschen, und so verläuft ihr Leben entsprechend schneller.

Wir hatten viel Zeit, um uns vorzubereiten, auf das, was uns erwartete. Kims Weg zur Regenbogenbrücke begann 2021, im Spätsommer, Anfang des Herbstes. Es lässt sich nicht an akuten Kennzeichen festmachen, es waren Kleinigkeiten anfangs. Irgendwann begann sie Probleme zu haben, die Rampen hochzugehen, die wir für sie haben bauen lassen, zum Sofa, ins Bett, auf ihren Lieblingssessel von Ikea. Ihre Leistungsfähigkeit ließ nach, ihre Gassigänge wurden kürzer. Sie waren immer noch lang, aber nicht mehr so wie zuvor.
Wir trafen die Entscheidung, die wir längst im Kopf hatten. Es war klar, dass Naomi unter ihrer Trauer leiden würde, wenn Kim gehen würde. Es war also klar, dass wir vorher für einen weiteren Hund sorgen mussten, der Naomi von ihrer Trauer ablenken konnte. Das Ergebnis war Susi, die Mitte Oktober 2021 zu uns kam.
Kim ging es noch gut. Obwohl ich an ihrem zwölften Geburtstag am 11.11.2021 nicht sicher war, ob sie ihren dreizehnten noch erleben würde …
Aber Kim war ein ehemaliger Straßenhund, und sie war ein bisschen – stur. Auch wenn die Geschwindigkeit, mit der sie abbaute, für uns Menschen eher erschreckend war, dauerte es noch viele Monate. Sie erlebte sogar noch ihren dreizehnten Geburtstag.
Danach aber ging es wirklich sehr schnell …

Lindwurm-Fiction

Aliens, die Bewohner fremder Welten, sie werden auf die verschiedensten Arten beschrieben, dargestellt. Möglicherweise war alles schon da – von der Amöbe bis zum weltumspannenden Gigantmonster, vom ätherischen Hauch bis zum intelligenten Schwarzen Loch. Lindwürmer sind eine Möglichkeit, und ich erinnere mich nicht, jemals eine SF-Geschichte mit Lindwürmern gelesen zu haben. Wobei ich zugeben muss, dass meine Perry-Rhodan-Zeit lange vorbei ist; den Autoren dieser Serie wäre zuzutrauen, dass sie schon Lindwürmer im Programm hatten …

Gernot Schatzdorfers »Der Lindwurmplanet« lag wie so oft eine ganze Weile auf meinem Server herum. Ich könnte die Schuld an der Verzögerung auch meinem Lektor Kai Beisswenger in die Schuhe schieben, aber das wäre nicht nur unfair, sondern schlicht falsch. Und die Arbeit, die er gemeinsam mit dem Autor geleistet hat, hat dem Werk sicher gutgetan.

Herausgekommen ist jedenfalls eine kleine, aber feine SF-Geschichte, die alles hat, was man für Amüsement und Kurzweil braucht, während man sich Science-Fiction gönnt. Nun gut, ja, sinnlose Gewalt fehlt. (Und gegendert wird auch nicht.)

Schatzdorfer, Gernot, DER LINDWURMPLANET

Tüpfel zum Jubeltage

Es ist kein Geheimnis, dass Monika Niehaus eine Tüpfelhyäne besitzt. Sie ist ausgestopft, leider. Oder Gott sei Dank. Ich kenne keine lebenden Tüpfelhyänen, ich kann es also nicht beurteilen. Beeindruckend ist sie allemal, auch wenn man sie nur auf einem Foto gesehen hat. Und sicher ist: So ein Tier hat nicht jeder im Hause stehen.

Nicht nur Monika Niehaus steht auf ihre Tüpfelhyäne – ihrem Bekunden nach ist das auch bei ihrer Frau Mama der Fall. Und da nach den »Austern im Halbschlaf« (AndroSF 158) ganz sicher noch eine Sammlung der niehausschen Geschichten erscheinen sollte – betitelt »Hyänengelächter«, nach einer der enthaltenen Storys –, war die Gelegenheit günstig, das Buch der Frau Mama zum fünfundneunzigsten Geburtstag zu widmen und zu schenken. Was problemlos gelungen ist.

Ebenso, wie die Storys in diesem Buch gelungen sind. Aber das ist kein Wunder. Kein annähernd so großes wie das, durch das eine Autorin wie Monika Niehaus das Licht der Welt erblicken durfte … Herzlichen Dank, Charlotte Niehaus – und nachträglich meinen herzlichen Glückwunsch zum Fünfundneunzigsten.

Niehaus, Monika, HYÄNENGELÄCHTER

Danke erst mal

Danke an alle, die hier die beiden Beiträge zu unserem Abschied von Kim kommentiert haben, Dank aber auch an alle, die mir E-Mails geschickt haben.
Das tägliche Leben hat sich verändert. Vieles ist seltsam, weil Kim nicht mehr da ist. Und wir müssen uns an neue Abläufe gewöhnen.
Aber das wird schon. Versprochen.

Und die kleinen Kim-Geschichten folgen. Peu à peu.

Der VDS-Infobrief vom 23.01.2023

Ich bin spät dran, nicht der VDS. Sorry. Der Infobrief vom 23.01. ist hier nachzulesen und bietet folgenden Inhalt:

1. Presseschau
• Französisch wird unbeliebter
• Schöne Polizisten
• Ostfriesen lieben ihr Platt
• Silbereisen streicht I-Wort
2. Gendersprache
• Stolpern über Geschlechterfragen
• Züricher Bürger gendern ungern
• Keine Sonderzeichen im Reich der Spiele
• Özdemirs Gendereifer
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Unwort
4. Kultur
• „Lecker Mädche“
• Rheinland-Pfälzischer Literaturpreis vergeben
5. Berichte
• Der VDS in den Tagesthemen
6. Soziale Medien
• Identität*in gefährdet
7. Termine

Jetzt ist sie weg

Und eigentlich doch nicht …

Gestern Abend, gegen 19.40 Uhr, hörte Kims Herz auf zu schlagen. Nach einer Beruhigungsspritze gab es eine Überdosis Pentobarbital, und innerhalb von nicht einmal drei Minuten war es vorbei. Frauchen öffnete die Fenster in einigen Räumen, damit Kims Seele den Weg über die Regenbogenbrücke finden konnte …
Nachdem wir sie über Nacht in unserem kühlen Hauswirtschaftsraum betteten, fuhren wir dann heute morgen nach Hohenwestedt, wo es ein Tierkrematorium gibt. Wir hatten Glück — sofern man davon sprechen möchte — und bekamen einen Einäschungstermin noch am gleichen Vormittag.
Es verging Zeit. Die Anlage musste hochgefahren werden, das dauerte — wir waren die ersten Kunden an diesem Tag. Und die Einäscherung selbst war auch keine Sache von Minuten, sondern dauerte deutlich über eine Stunde, während der wir mit Naomi und Susi die Umgegend erkundeten.
Am Ende konnten wir Kim dann mit nach Hause nehmen — in ganz anderer Form. Und hier ist sie nun, steht an einem noch nicht endgültig eingerichteten Platz im Regal meines Arbeitszimmers:

Kim in ihrer Urne. Darüber eines ihrer Lieblingsapportel für Flachwasserspiele, eine Schildkröte.

P.S.: Es gab einen Moment, den ich mir vielleicht gerne erspart hätte. Meine Frau achtete auf Naomi und Susi, und ich übergab Kims Körper. Sie war in einen Teppichläufer eingewickelt, weil wir sie so einfacher tragen konnten — zweiundzwanzig leblose Kilo stemmt man nicht so leicht allein. Nachdem ich sie auf die mobile Waage gelegt hatte, wollte ich den Teppichläufer wegziehen lassen und fasste Kim dabei an, um sie anzuheben. In diesem Moment, den kühlen, leblosen Körper in den Armen, kamen mir die Tränen. Und bei der Erinnerung an diesen Moment kommen sie immer wieder. Es war der letzte Abschied, fast unerwartet, nachdem alles schon gefasst schien …

P.P.S.: Die Geschichte der Krombacher-Pils-Flasche mit Kims Bild erzähle ich später einmal. Ich werde sowieso noch die eine oder andere Geschichte von Kim und vom Leben mit ihr erzählen.