Meine erste Online-MV

Der WetzKon III war abgesagt, die Mitgliederversammlung (MV) des Science Fiction Club Deutschland e.V. (SFCD) konnte nicht stattfinden. Der ElsterCon wäre noch eine Möglichkeit gewesen; er wird, wie es aussieht, wohl stattfinden, wenn auch deutlich eingeschränkt. Aber das war nicht sicher. Und so entschied der Vorstand, eine MV im Netz abzuhalten. Blizz war die Software und Plattform der Wahl, und der erste Testtermin lief auch ganz gut; beim zweiten Testtermin versagte Vodafone mir den Internetzugang – gleich zweimal.

Der Anfang war ruckelig, zuckelig, alles andere als glatt und geschmeidig. Ein Neustart des Meetings war notwendig, dann ging es. Im Großen und Ganzen ganz gut. Und ungewohnt. Man hörte sich hauptsächlich, nur die wesentlichen Redner wurden mit der Kamera sichtbar. Die Abstimmungen gestalteten sich ein wenig anders als gewohnt; es wurden Nein-Stimmen und Enthaltungen abgefragt, die Ja-Stimmen ergaben sich zwangsläufig. Es gab eh nicht viel zu entscheiden. Entlastung des Vorstands, Beitragserhöhung. Das war alles. Und völlig unproblematisch.
Die Diskussionen waren nicht ganz so ausufernd wie auf normalen MVen, aber es gab sie. Insgesamt …

Am Ende kickte mich Vodafone wieder raus. Als ich dann – nach drei sinnlosen DSL-Neustarts – wieder ins Netz kam, war die MV schon vorbei. Ich kam jedenfalls nicht mehr ins Meeting rein.

Das war also meine erste Online-MV. Okay. Gewöhnungsbedürftig. Die Vorstandstreffen machen wir schon lange online, bisher über Skype, jetzt über Blizz, denn der geschlossene Vertrag läuft noch bis 2021. Die MV hinterließ einen eher zwiespältigen Eindruck, glaube ich. Ich bin nicht sicher, ob ich sie nicht doch lieber in der althergebrachten Weise goutieren würde.
Aber das zeigt sich nächstes Jahr. Für mich sieht es nicht danach aus, als ob wir den Virus und die aus ihm resultierenden Umstände nächstes Jahr schon los wären …

Zum achten Mal

Zum achten Mal habe ich 2020 die Ehre, den QUARBER MERKUR zu layouten – und ich habe die Arbeiten heute beendet. Die Nummer steht, der Buchblock ist Korrektur gelesen, der Umschlag generiert. Es fehlt der Druckauftrag von Gerhard Lindenstruth, Verleger des QUARBER MERKUR, und auch seine Preisangaben (die allerdings vermutlich nicht weit von denen des QUARBER MERKUR 120 entfernt sein dürften, hat die # 121 doch gerade mal 4 Seiten mehr). Bis die Ausgabe 121 also käuflich zu erwerben sein wird, dauert es noch ein Weilchen, aber die Information möchte ich dennoch nicht vorenthalten.

Franz Rottensteiner (Hrsg.)
QUARBER MERKUR 121
Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik
Verlag Lindenstruth, Giessen, September 2020, 304 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 934273 11 5

  • Franz Rottensteiner: Einleitung
  • Gundula Sell: Alle Inseln da, nur Soléa fehlt. Ursula K. Le Guins »Erdsee«-Gesamtausgabe – eine Welt im Wandel
  • Fritz Heidorn: Arthur C. Clarke – Schriftsteller des Anthropozäns
  • Michael Weisser: Die Zukunft der Science-Fiction in der digital vernetzten, intermedialen Gesellschaft
  • Maria Galina: Zurückkehren und ändern. Die Alternativgeschichte Russlands als Widerspiegelung der traumatischen Punkte im Kollektivbewusstsein des postsowjetischen Menschen
  • Franz York Haarmann: Eine »Mögliche Welt« am Anfang der Science Fiction: Kurd Laßwitz‘ Roman Auf zwei Planeten
  • Wolfgang Both: Science Fiction in der Popmusik
  • Marjan Asgari: Kafkas Erzählungen und der Hyperraum
  • Sophie Mantrant: Ein Essay oder Fiktion? Über Hieroglyphics, a Note upon Ecstasy in Literature (Arthur Machen, 1902)
  • Zarko Milenić: Warum der Film Stalker von Andrej Tarkowski nicht zum Genre Science-Fiction gehört
  • Hans Esselborn: Dietmar Dath: Neptunation oder Naturgesetze, Alter!
  • Marcel Schmutzler: Nur Realismus im Land der Trolle? Auf den Spuren einer aktuellen norwegischen Fantastik
  • Franz Rottensteiner: »Für eine Handvoll Dollar mehr« – der seltsame Fall des Prozesses Stanislaw Lem gegen Franz Rottensteiner vor dem Handelsgericht Wien
  • Christian Hoffmann, Hans Langsteiner, Franz Rottensteiner, Matthias Schmid, Ulrich Spiegel: Der Seziertisch

Das Titelbild stammt von Thomas Franke.

STORY CENTER: Storys im Zentrum

Die »Reihe« STORY CENTER hat eine lange Tradition. Die erste Ausgaben, die mir vorliegt, ist ein STORY CENTER EXTRA aus dem August 1995, zusammengestellt und herausgegeben von Jürgen Thomann, und dem Vorwort ist zu entnehmen, dass diese Ausgabe eine Art »Reboot« des zuvor schon existierenden STORY-CENTER-Projektes darstellte.

2006 wurde STORY CENTER, zuletzt betreut von Arno Behrend, endgültig eingestellt – jedenfalls was die direkte Beschäftigung des SFCD mit dieser Reihe anging. Ich übernahm den Namen und die Idee für meinen Verlag p.machinery, und 2009 ging es mit »Das Wort« (AndroSF 4) und »Boa Esperança« (AndroSF 5) weiter – und gleich erfolgreich, denn Matthias Falke konnte mit der Titelstory »Boa Esperança« den Kurzgeschichten-DSFP 2010 gewinnen.

In den nachfolgenden Jahren erlahmte dann die Erscheinungsfrequenz – aus den unterschiedlichen Gründen. Die ursprünglichen Jahresausgaben ließen sich nicht durchhalten, sodass die Angabe einer Jahreszahl entfiel. Und zwischendurch gab es längere Pausen, bis 2020 gleich drei STORY CENTER erschienen: »NUMMERN« (AndroSF 110), »KALTES KLARES WASSER« (AndroSF 114) und nun »PYROMANIA. DAS WELTENBRENNEN« (AndroSF 112).

Und es ist noch nicht zu Ende, denn mit »Das Erz der Engel« liegt noch eine zur Veröffentlichung bereite Anthologie vor, an der sich Detlef Klewer mit bekannt geschickter Hand ausgetobt hat.

Aber im Augenblick ist erst einmal die »PYROMANIA« im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Klugscheißer & Naseweis

Ich benutze seit vielen Jahren KLCP, die K-Lite Codec Packs (siehe www.codecguide.com). Angefangen hat das in meinem letzten Job als ITler in einer Maschinenbaufirma, wo diverse Kollegen – vor allem im Vertrieb und im Service – häufig Videos mit mehr oder weniger dubiosen Codecs bekamen, die sie dann im »Windoof Media Bläher« nicht abspielen konnten. KLCP hat nicht nur und liefert immer noch die aktuellsten Codecs und zusätzliche Gimmicks: Sensationell gut ist auch der »Media Player Classic«, der zum Paket gehört (das es im Übrigen in verschiedenen Größen gibt; ich benutze die »Mega«-Version, »mit allem und scharf«), der einfach alles abspielt, was ein bewegtes Bild enthält, sogar Flash-Videos. Und natürlich Musik.

Heute Morgen wird mir ein Update gemeldet, dessen Installation sonst eine Sache von drei Klicks ist (herunterladen, starten, UAC abnicken). Heute Morgen käst mich jedoch der Chromescheißer an, das Update – eine *.exe, was als Downloadangebot zugegebenermaßen schon mal eine dämliche Idee ist – könne nicht heruntergeladen werden. Warum und wieso, das erklärt Google immerhin hier. Aber am Ende ändert das nichts – das ist Chromescheißerei.

Mit dem Button »Behalten« – von Holländern aus dem Japanischen ins Englische übersetzt – kann man die Datei immerhin trotzdem herunterladen. Dann aber schaltet sich Windowsweis ein und erzählt mir ebenfalls was vom Pferd. Aber auch hier lässt sich letztendlich das Update starten und installieren. (Und offensichtlich lernt Windoof, denn die Fehlermeldung zu der einmal freigegebenen und installierten Datei kommt nicht noch einmal.)

Solche Meldungen sind sicherlich sinnvoll. Aber nicht immer. Ich will mich nicht darauf herausreden, dass ich nach 18+ Jahren beruflicher IT-Tätigkeit und 30+ Jahren IT-Erfahrung insgesamt über genügend Erfahrungen verfüge, um Probleme zu vermeiden. Aber der ganze Vorgang ist gerade für unerfahrene Benutzer eher »gespenstisch« und auf vernünftigem Wege – inklusive einem Lernvorgang für zukünftige Fälle – nicht zu bewältigen. Das fängt an mit der dumm formulierten Chrome-Fehlermeldung und dem irreführenden »Behalten«-Button, es wird vor allem fortgesetzt durch die zu versteckten Lösungsmöglichkeiten. Und für mich als IT-Erfahrenen fehlt die Möglichkeit, den beiden Kameraden Chromescheißer & Windowsweis zu hinterlassen, dass KLCP eine ordentliche Software ist.

Neue Optik, naheliegend

Es war aus zwei Gründen naheliegend, die Optik dieses Blogs zu ändern.

»Dusk to dawn«, das bisherige »Theme«, war alt und nach Aktualisierungen immer ein wenig zickig. Danach war Handarbeit angesagt. Irgendwann ließ ich die Aktualisierungen dann bleiben – was nicht viel ausmachte, denn es gab dann nur noch ein Update, und dann wurde »Dusk to dawn« nicht mehr weiterentwickelt.
Das Problem dabei ist, dass die Themes irgendwann nicht mehr zu den php-Versionen passen, die auf dem Webserver installiert sind, und auch die Plug-Ins entwickeln sich weiter und laufen irgendwann nicht mehr richtig. Obwohl ich so viele Plug-Ins gar nicht verwende, gab es zuletzt Probleme mit einem automatisch einmal am Tag laufenden Back-up-Plug-In.

Der zweite Grund ist simpler. Als ich mit meinem Blog namens »beckinsale« anfing, lag der auf einem maltesischen Server. Der hatte so seine Macken, war nicht sonderlich schnell angebunden – trotzdem fand ich das cool – und der Betreiber gab das Blog-Hosting irgendwann auf. Die Daten vom maltesischen Server konnte ich nicht retten, wenn ich auch die Texte im Großen und Ganzen als solche noch irgendwo auf dem Server liegen habe. Egal.
Als ich dann zunächst bei 1+1 und später bei allinkl.com meinen Blog aufbaute, waren wesentliche Teile immer noch in Englisch, da ich das zu maltesischen Zeiten angemessener fand, auch wenn meine Textbeiträge auf Deutsch waren. Diese englischen Überbleibsel habe ich heute entsprechend umbenannt – und die Kategorien dabei gleich erweitert –, sodass mein privater Blog in deutscher Sprache nun auch auf Deutsch auftritt. (Ausgenommen sind hier nur wordpress-theme-typische Elemente, wie die Links »Leave a comment« und »Edit«; für deren Änderung müsste ich in die Theme-Programmierung eingreifen, und dazu habe ich schlicht keine Lust.)

Mitgliedschaften

Nachdem ich vor einigen Wochen schon in den VDS e.V., den Verein Deutsche Sprache, eingetreten bin und derzeit fleißig dabei bin, die aufgelaufenen vier Ausgaben der VDS-Sprachnachrichten zu lesen, habe ich soeben auch den Bescheid erhalten, dass mein Mitgliedsantrag für den VFLL e.V., den Verband der freien Lektorinnen und Lektoren angenommen wurde.

Fantastisch. Die Zukunft wird rosig.

Nicht das dickste Buch

Petra Jörns‘ »Fremde Heimat« ist nicht das dickste Buch, das ich bislang in meinem Verlag verlegt habe, aber die Zahl der Bücher, die mehr als 500 Seiten Umfang auf die Waage bringen, liegt im einstelligen Bereich. Das Maddrax-Buch von Robert Hector (AndroSF 2, längst nicht mehr lieferbar) fällt mir ein, die ersten beiden Story-Center-Bücher »Das Wort« und »Boa Esperança« (Andro SF 4 und 5, auch nicht mehr lieferbar), und letztlich noch Helmuth W. Mommers‘ »Anderzeiten« (AndroSF 77; das Buch ist allerdings noch aktuell!). Das war’s dann aber schon. Mein Ziel war und ist nicht, die dicksten Bücher zu verlegen, sondern gute Bücher. Und die müssen nicht dick sein. (Die dicken Dinger sollen die Fantasyfuzzis schreiben und veröffentlichen …)

Petras Buch hat eine lange, aber abwechslungsarme Geschichte hinter sich. 2012 bekam ich ihr Manuskript, das dann lange lag, einige Aktualisierungen ihrerseits erfuhr. Gemeinsam mit dem im Mai 2015 verstorbenen Crossvalley Smith arbeiteten wir am Titelbild – das nun auch zum Zuge kam, nachdem wir einen alternativen Versuch mit Andreas Schwietzke unternommen hatten, der Petra aber letztlich nicht so begeisterte, wie Smiths Werk.

Die Geschichte selbst will ich hier nicht großartig ausbreiten. Es handelt sich im weiteren Sinne um Space Opera, allerdings ohne beständige Raumschlachten und zahllose Fremdrassen. Es geht vielmehr um die von einer Feindrasse geschlagene Menschheit und die Fremdrasse der Krail-on, in deren Hoheitsgebiet die letzten überlebenden Menschen versuchen, Fuß zu fassen. Und das ist nicht ganz einfach.

Das Werk ist durchaus komplex, die Zahl der Figuren nicht gering, aber übersichtlich. Die verschiedenen Parteien – Freund und Feind – sind nicht immer eindeutig abgegrenzt – anderenfalls würden Intrigen nicht funktionieren –, im Endeffekt aber doch klar und eindeutig. Und so schwierig und schmerzhaft der Weg zum Ziel auch ausgefallen ist, am Ende steht eine klare Erkenntnis.

Bemerkenswert ist übrigens die vermeintliche Diskrepanz zwischen dem Jüngelchen auf dem Titelbild und der Schilderung der Hauptfigur Alan McBride. Denn die Diskrepanz ist falsch – Alan ist ein junger Bursche, der allerdings eine ganze Menge abbekommt, und letztlich ist bewundernswert, was er alles wegsteckt, ohne, dass die Geschichte in der Hinsicht irgendwie unglaubwürdig wirkt.

Während meiner Arbeit am Lektorat und Korrektorat des Buches ist mir auch öfter eingefallen, dass eine Verfilmung des Stoffes bemerkenswert wäre. Aber das ist eine Baustelle, für die ich keinen Zugang besitze; insofern wird das wohl eine Idee bleiben.

P.S.: »Fremde Heimat« war lustigerweise eine schöne Vorbereitung auf das Lektorat von Petras Roman »Auge – Erstes Licht« aus dem auf fünf Bände angelegten Zyklus »Im Licht der Horen«, das ich für den niegelnagelneuen Verlag Plan9 machen durfte. Ich kannte Petra schon, ich kannte ihren Stil – und die Zusammenarbeit war aus meiner Sicht fantastisch. Ich hege große Hoffnung, auch die Folgebände beizeiten lektorieren zu dürfen. Aber das ist dann Thema eines anderen Blogbeitrags.

Über die Auswirkungen der Unfähigkeit, das Richtige zu tun

Im Grundgesetz gibt es ein Zitiergebot. Das ist hier kein Thema, das mit Urheberrecht und dem richtigen Zitieren in ansonsten abgekupferten Doktorarbeiten zu tun hat. Im § 19 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes geht es um das Zitiergebot in Gesetzen, wenn diese ein Grundrecht aus dem Grundgesetz einschränken. In dem einschränkenden Gesetz muss das eingeschränkte Grundrecht zitiert werden. Vollständig.

2020 gab es eine Reform der Straßenverkehrsordnung (StVO). Diverse Vorschriften und deren Auswirkungen wurden verschärft, und die Idee als solche war sicherlich sinnvoll. Schlampig jedoch war die Ausführung, denn Andreas B. Scheuer (das B. steht für Bundesminister) und seine Mannen hatten offensichtlich keine Ahnung, was im Grundgesetz steht. Jedenfalls fand sich in der 2020er StVO-Novelle an keiner Stelle ein vorgeschriebenes, vollständiges Zitat der Grundgesetzelemente, die die StVO-Novelle einschränkte.

Folge: Alles ungültig. Neben der Suche nach einem Schuldigen – sitzt der nicht mehr auf dem Chefsessel? – wird nun auch wegen der rechtswidrigen Bußgelder diskutiert und – wie in Deutschland üblich – gestritten.

Und nicht nur das. Leute, die genau hingeschaut haben – die hätte es vorher gebraucht – haben festgestellt, dass aus gleichem Grund auch die Reform von 2009 und damit alle nachfolgenden Neufassungen unwirksam sind.

Was zur Folge hätte, dass wir uns heute im Straßenverkehr mit den Vorschriften der StVO von 1970 bewegen. Mit dem Handy zu telefonieren ist erlaubt, E-Scooter sind verboten (einer der wenigen positiven Punkte an diesem Problem). Kinder müssen nicht mehr angeschnallt werden – und selbst für Erwachsene gab es keine Anschnallpflicht (die kam erst 1976), nicht mal eine Ausrüstpflicht der Fahrzeuge (die kam für die Vordersitze erst für Erstzulassungen ab 01.01.1974; ab Erstzulassung 01.05.1979 waren dann alle Sitze auszurüsten). Und es gibt ganz sicher noch mehr. Ich denke da an Alkohol am Steuer. Drogenkonsum im Straßenverkehr. Und sicher noch sehr viel mehr.

1970 also. Fein. Und warum? Wenn ich feststelle, dass ich in einem Text einen Bock eingebaut habe, öffne ich das Dokument, korrigiere den Fehler, speichere neu ab und maile ihn neu, falls das so sein soll. Im Verkehrsministerium unserer Republik schafft man das offensichtlich nicht. In der Zeit, in der man über Schuld und Sühne diskutiert hat, hätte man das Gesetz längst korrigieren und neu zur Entscheidung vorlegen können, und diese hätte längst getroffen werden können.

Aber stattdessen dürfen wir unsere Schlaghosen vom Dachboden holen, die Haare und die Koteletten wachsen lassen und uns auf das nächste Album von Deep Purple freuen – 1972 kam das sensationelle »Made in Japan« heraus. Wenn ich damals glücklich gewesen wäre, 11 Jahre alt zu sein, wenn ich die Musik damals toll gefunden hätte (Deep Purple ausgenommen) und wenn ich schon mehr im Kopf gehabt hätte als Erdkunde und Legobausteine, dann würde ich die Idee vielleicht knuffig finden. So aber …

Das Ende der menschlichen Intelligenz

Ja, ich weiß, es fehlt noch meine Begründung, warum ich am 31.08. bei Facebook ausgestiegen bin. Das ist nicht vergessen. Aber vielleicht brauche ich auch nur abzuwarten, bis Dritte genügend Gründe liefern. Ob das nun meine sind – die Folgenden sind es nicht – oder nicht, spielt möglicherweise keine Rolle.

Es ist eine Art Binsenweisheit, dass jede Kultur irgendwann in Dekadenz versinkt. Ob es die Griechen waren, das Römische Reich, Frankreich, Britannien, gleichgültig. Auch die Menschheit wird irgendwann in Dekadenz und Verdummung versinken. Das kann noch dauern, aber es wird irgendwann so weit sein. Und irgendwann fängt es an. Einen Anfang hat das Internet gemacht, die Erfindung des WWW, die Schaffung sogenannter sozialer Medien (deren Betreiber schon nicht wissen, was hinter dem Begriff »sozial« steckt).

Der Internet ist dabei, dem Menschen die Fähigkeit zu rauben, sich körperlich zu bewegen. Die Idee, zu einem Buchhändler zu gehen, um ein Buch zu kaufen, wird nicht nur durch das Internet, sondern auch durch dumme Buchhändler mit eingeschränkten Recherchemöglichkeiten zerstört, bevor jemand auf die Idee gekommen ist, es auszuprobieren.

Aber nur, weil es das Internet gibt, heißt das noch nicht, dass jemand es schafft, sich beim inzwischen weltweit wohl größten Buchhändler, dem bösen, bösen A(mazon) kundig zu machen und zuzuschlagen. Und wenn schon zahlreiche Buchhändler nicht fähig sind, auf der Suche nach einem Buch den Verlag zu kontaktieren, dann muss ein Buchkäufer in spe das zweimal nicht können.

Es stellt sich die Frage, was zuerst kommt: Dummheit oder Dekadenz. Oder ist Dummheit ein Bestandteil der Dekadenz? Dieser Fall hier ist jedenfalls auch einer – wenn auch einer der nachrangigeren – Gründe, warum ich Facebook verlassen habe. Meine Bücher in einer Horde offensichtlich des Denkens nicht mehr Mächtiger anzubieten, das fühlt sich für mich idiotischer an, als Eulen nach Athen zu tragen. Die Eulen schaffen es immerhin auch in Athen, zu fliegen. Ganz ohne Facebook, ganz ohne dumme Bemerkungen.

NOVA 29 – Im Fokus der Gestrengen

NOVA 29 ist eine ganz normale Ausgabe geworden. Erstklassige Geschichten – ich habe sie selbst mehrmals während der Produktion lesen dürfen und finde sie durchgehend stark. Auch der Sekundärteil zum Thema der Simulationshypothese ist ausgesprochen gelungen und zeigt, dass es neben literarischen auch sekundärliterarische Beiträge gibt, die es zu veröffentlichen lohnt. Abgerundet wird die Ausgabe einmal mehr – leider – von zwei Nachrufen (auf Syd Mead und Mike Resnick, letzterer geschrieben von keinem Geringeren als Cory Doctorow) und einer Reihe von hübschen und großteils farbigen Illustrationen. Eine schöne Ausgabe …

Einer, der meckert, findet sich ja immer. Und gerade NOVA wird da gerne als Ziel niederträchtiger Gelüste gewählt. Obwohl …

Es begann mit der in diesen Zeiten schon manischen Kritik an der beinahe schon unübersichtlichen Zahl von weiblichen Schriftstellern, die in NOVA 29 vertreten sind: Null. Die Zahl ist die Null. Selbstredend findet sich die Ursache schnell im Redaktionsteam, bei den Herausgebern, dem Verlag – und die Bundeskanzlerin hat sich zur Kritik nur noch nicht geäußert.

Die Kritiker an diesem Umstand gehören genau dem Geschlecht an, das sich in dieser Hinsicht auskennen muss. Männer. Schwanzträger. Den Schwanz haben einige auch gleich eingekniffen, als ich festgestellt habe, dass diese immer wiederkehrende Kritik angesichts der immer gleichen Begründung – einmal mehr vorgetragen von meinem Mitherausgeber Michael K. Iwoleit – und der immer gleichen zugrundeliegenden Umstände – weibliche Schriftsteller, die nichts einreichen, werden in NOVA einfach nicht veröffentlicht – langweilig und wenig konstruktiv ist. Eine der immer zu findenden Fachleute diesbezüglich fand das »pauschal pampig« …

… und damit wechselte der Fokus auch gleich auf das Titelbild, das – um es kurz zu machen – als sexistisch eingestuft wurde, wobei man insbesondere kritisierte, dass der Po einer – freilich beleglos – eindeutig als weibliches Wesen ausgemachten Zeichenfigur nicht nur von unten rot beleuchtet wird, sondern auch noch auf dem Buchrücken zu finden ist. Es wurde nicht gefordert, darf aber unterstellt werden, dass hier der Wunsch bestand – und möglicherweise besteht –, das Bild in diesem Bereich so zu beschneiden, dass der Po verschwunden wäre, wie diejenigen, die dies fordern könnten, möglicherweise auch sonst gerne in erogenen Zonen – zu denen ein Po zu zählen ist – herumschnippeln.

Freilich waren nicht alle Kritiker dieser Meinung. Speziell im Hinblick auf das Titelbild gab es auch Gegenstimmen, und mindestens eine war so eindeutig, dass sich Lothar Bauer, der Künstler des Titelbildes, trotz allem freuen darf, der 29. Ausgabe des NOVA Science-Fiction-Magazins ein solches Bild vermacht zu haben.

Ich für meinen Teil bin »nur« Herausgeber und »nur« Verleger von NOVA, auch der 29. Ausgabe. Ich muss meine NOVA-Kollegen gar nicht erst fragen, was sie von der Sache halten. Alle sind der gleichen Meinung, die fehlenden weiblichen Schriftsteller sind ein Skandal, und ein Titelbild ohne männliche Geschlechtsteile ist ein Unding. Ich selbst finde NOVA 29 inhaltlich wie auch optisch gelungen, das Titelbild gefällt mir und den – tatsächlich unabsichtlich dort positionierten – Po auf dem Buchrücken finde ich niedlich. Für NOVA 30 haben wir schon die Konsequenzen gezogen und werden dort einen nackten Männerhintern präsentieren – freilich nicht auf dem Buchrücken, obwohl … –, und auch für NOVA 31 kann ich schon etwas speziell für die Freunde des Antisexismus versprechen. Bis dahin darf auf keinen Fall vergessen werden, dass sich Sexismus freilich ausschließlich auf die Darstellung des spärlich bis unbekleideten Körpers des Weibes bezieht, während die Darstellung seines nackten Körpers dem Manne recht geschieht.