Kleiner Drache

Das ist der Titel seines neuesten, seines achten Romans. Norbert Stöbe ist kein Neuling in meinem Verlag – fast schon im Gegenteil. Seine erste Story »Zehn Punkte« erschien in der Sammlung »Die Stille nach dem Ton«, nachdem er mit ihr den Deutschen Science-Fiction-Preis gewinnen konnte. Und nicht nur folgten weitere Storys, so in NOVA, sondern im Imprint »sternwerk« ein weiterer Roman, »Der Durst der Stadt«.

Seine Geschichte um Wei Xialong, die aus China flieht, in Bangladesch versklavt wird und dort dann quasi Karriere macht, um später nach China zurückzukehren, ist nur vordergründig die Abenteuergeschichte einer Chinesin, denn der Hintergrund um das isolationistisch eingestellte China und eine Welt, die sich peu à peu im Fortgang der Geschichte deutlich von der unseren zu unterscheiden beginnt, ist nicht nur Science-Fiction, sondern auch eine gelungene Extrapolation von gesellschaftlichen und politischen Erscheinungen, die wir nicht nur schon kennen – Einreise- und Aufenthaltshindernisse in Australien, Neuseeland, den USA und anderen Staaten, dazu Ausreiseschwierigkeiten wie seinerzeit in der DDR –, sondern die wir aus unserer aktuellen Realität auch leicht extrapolieren können. Das mag vermeintlich wie ein Near-SF-Werk klingen – das ist der »kleine Drache« aber nicht. Und man mag den Roman für eine Dystopie halten – weil der Begriff der »Dystopie« wie Pestbeulen an allen Texten hängt, die nicht von vornherein auf ein Happy End ausgelegt sind –, aber auch das ist er nicht. Denn auch wenn er sich nicht so liest – unter einem gewissen Blickwinkel hat er sogar ein Happy End. Naja … vielleicht ohne »happy« …

Stöbe, Norbert, KLEINER DRACHE

Hübner 3

Einmal mehr – zum dritten Mal – präsentiere ich in meinem Verlag ein Buch mit den Besprechungen und Essays des Klaus Hübner. In diesem dritten Band geht es vor allem um Literatur aus Bayern und in Bayern. Für einen gebürtigen Landshuter mit dauerhaftem Domizil in München ist dies sicherlich naheliegend – und heißt andererseits aber auch nicht, dass es außerhalb Bayerns keine bemerkenswerte Literatur gibt, auf die man achten, die man beachten sollte. In seinen ersten beiden Bänden hat er das schon dargelegt und wird dies in dem noch folgenden vierten Band der Reihe »Kein Twitter, kein Facebook | Von Menschen, Büchern und Bildern« wiederholen.

Für mich hat der dritte Band wiederum viele neue Erkenntnisse gebracht – mit einem der dort erwähnten Autoren wird sich mein Verlag noch intensiver beschäftigen – und mit den »Sprachglossen« großen Spaß gemacht. Diese »Glossen« über Umgang, Missverständnisse und Missbrauch mit und in der deutschen Sprache erschienen in den Jahren 2002 bis 2011 in der Zeitschrift »DAAD-Letter«, und in dieser Versammlung im dritten Hübner-Buch wirken sie geballt noch wirkungsvoller als alleinstehend. Ich erlaube mir, als Lesepröbchen eine dieser »Sprachglossen« hier zu präsentieren:

Mehr Sprachpedanten, bitte!

Die Klage darüber, dass der korrekte Gebrauch des deutschen Konjunktivs immer seltener werde, ist nicht neu. Seltener werde? Seltener wird? Es gibt eine nette Karikatur von Bernd Zeller: Zwei Männer stehen vor einer Plakatwand, auf der man »Hier wäre Ihre Werbung stehen gekonnt!« lesen kann, und als der eine diesen Nicht-Satz mit »Der richtige Konjunktiv wird völlig verschwunden« kommentiert, entgegnet der zweite Mann »Aber alle wissen, was damit meint«. Das illustriert ganz treffend, was man auf deutschen Straßen, in U-Bahnen oder Geschäften, aber auch in Rundfunk und Fernsehen tagtäglich hören muss. Leider sind die falschen Konjunktive auch in den Zeitungen und Zeitschriften nicht selten, am häufigsten wohl bei der indirekten Rede. »Er sagt, er wäre optimistisch« stört nicht mehr viele Zeitgenossen, auch wenn natürlich »Er sagt, er sei optimistisch« richtig wäre. Ganz kompliziert scheint es zu werden, wenn zu der für viele offenbar schwierigen Konjunktivbildung ein Hilfsverb hinzutritt. »Sie sagt, sie habe nicht kommen können, weil sie habe arbeiten müssen« wird man noch hören, doch werden auch falsche Varianten wie »Sie sagt, sie ist nicht gekommen, weil sie hat arbeiten müssen« oder gar »Sie sagt, sie wäre nicht gekommen, weil sie hätte arbeiten gemusst« weithin akzeptiert. Wer kundtut, dass falsche Konjunktive sein auf Schönheit und Wohllaut ausgerichtetes Sprachempfinden verletzen, der muss sich immer öfter als »Pedant« oder »Ästhet« bezeichnen lassen, schlimmstenfalls sogar als »Germanist« – und bestimmt wird er auch gefragt, was denn eigentlich »Wohllaut« sei. Oder wäre? Ach egal, wir können eben nur einfach, und alle wissen, was meinen. Ist da noch jemand, den ein falscher Konjunktiv stört? Könnte durchaus sein! Mehr noch: Es wäre sogar möglich, dass es viele heimliche Sprachpedanten gibt, denen der korrekte Gebrauch der variantenreichen Möglichkeitsformen des Deutschen wichtig ist.

Hübner, Klaus, BIERKÄMPFE, BAROCKENGEL UND ANDERE BAVARESKEN

Arbeitswut 17/11

  • Es sieht eigentlich nur aus wie Arbeitswut. An manchen Tagen habe ich einfach den Eindruck, viel geschafft zu haben. Das fühlt sich dann auch nach einem schönen Feierabend an.
  • Anke Jablinskis »MALTA-NUDEL« ist jedenfalls fertig, beim Schaltungsdienst Lange, bei Bookwire, die Nudel ist durch. Wenn das gute Stück wirklich so weit ist, wird es wieder Zeit für eine Zusammenstellung meiner Bücher, die sich bestens für Weihnachten als Geschenk eignen. Das sind inzwischen durchaus einige.
  • Den Abschluss machte dann »Die Welten des Jörg Weigand«, ein Buch, das insgesamt dann doch noch erhebliche Änderungen und vor allem Erweiterungen erfahren hat. Das schon fertige erste Layout habe ich zu den Akten gelegt. Es zeigt  meine Erfahrung, dass es einfach ist, bei einem solchen Änderungsvolumen einfach noch einmal von vorne zu beginnen. Und das passiert auch in den nächsten Tagen. Plane ich jedenfalls.

Der Tag 16/11

  • Ein fast sortenreiner Ikebana-Tag. Das neue Buch – »Ikebana – Blumenkunst für jeden Anlass | Arrangements zu verschiedenen Jahreszeiten, Festen und Lebensstilen« der leicht sperrige, für Eingeweihte aber aussagekräftige Titel – ist natürlich extrem bildlastig, denn was ist für den Betrachter das Wesentliche an der japanischen Blumenkunst? Richtig – das Ergebnis des Schöpfungsaktes, das Gesteck. Und so finden sich auf 236 Seiten 111 Seiten mit Farbabbildungen wunderschöner und beeindruckender, manchmal gar zum Nachdenken anregender Kunstwerke, die man einfach auch mal gesehen haben muss. (Und gemeinsam mit Ayako Graefes Klassiker »Das Ikebana-Buch« kann man den philosophischen Hintergrund und die Technik, Ikebanakunstwerke zu schaffen, erlernen – und später in einem oder mehreren Kursen vertiefen.
    Die Arbeit am Buch war heute viel Feinarbeit. Die Texte waren noch leicht zu überarbeiten (Wunsch der Autorin), vor allem aber waren die Fotos zu montieren.
  • Darüber hinaus beansprucht die Arbeit an »Die Welten des Jörg Weigand«, Band 2 der Reihe »Welten der SF«, meine Zeit. Gemeinsam mit Frank Gerigk, dem Herausgeber, und Jörg Weigand, dem Autor, wurde entschieden, das Buch noch zu erweitern, weitere Geschichten mit hinein zu nehmen. Und das alles noch vor und für Weihnachten …

Der Tag 15/11

  • Manch einem werden meine Tage langweilig erscheinen.
  • Nicht mein Problem. Sind sie nämlich auch nicht. Die ARD-Mediathek (NDR-Talkshow) hilft dabei, nicht immer. Manchmal muss es Youtube sein (weil aus unerfindlichen Gründen manche NDR-Talkshows in der ARD-Mediathek nur in Schnipseln, aber nicht als ganze Sendung vorliegen; die findet man dann bei Youtube). Und Filmkonserven aus meinem Videobuster-Abo. Heute »Die Agentin« und »Mein Ende, dein Anfang«.
  • Morgens dann die Fertigstellung des Buchblocks zur »Malta-Nudel« von Anke Jablinski, Band 2 der Reihe »ErlebnisMalta«. Wen’s interessiert: ein Nudelkochbuch mit maltesischen Gerichten.
  • Nachmittags und abends dann der erste Buchblock zum schon erwähnten, dritten Ikebana-Buch. Nur die Texte, noch keine Fotos. Imemr schön der Reihe nach.

Der Tag 14/11

  • E-Mails.
  • Mehr E-Mails.
  • Noch mehr E-Mails.
  • Fast alle.
  • Nicht alle.
  • Ein Bodensatz bleibt immer.

Und am Ende habe ich das Buchblocklayout für das dritte Ikebana-Buch gebaut, das im Format 210 x 242 mm erscheinen wird, den zahlreichen Fotos geschuldet, die in den allermeisten Fällen dieses Seitenformat aufweisen. Dazu die Checkliste erledigt und über hundert Einzeltexte in einer Datei zusammengefasst und mit den Layoutvorbereitungsarbeiten begonnen. Das Buch eilt inzwischen, nachdem ich einen immensen Haufen Zeit für die Aufbereitung der Fotos investiert habe und inständig hoffe, dass sie im Druck einigermaßen gescheit rüberkommen. Man wird sehen.

Das war’s für heute

  • Korrektorat des historischen Romans fertiggestellt. Rechnung geschrieben. Alles gemailt.
  • Belege für den Verlag abgearbeitet. (Für morgen liegen schon wieder Bestellungen vor. Manchmal geht es einfach ab. Oft genug ohne erkennbaren Grund.)
  • Eine Auftragsarbeit — ein E-Book — vorbereitet. Und die Auftraggeberin ist krank. Muff.
  • Den zweiten Band der Reihe »ErlebnisMalta« begonnen. Neues Korrektorat (nach massiven Änderungen der Autorin), Checkliste abgearbeitet, Layout begonnen. Das Buch — »Die Malta-Nudel« — wird »nur« 44 Seiten haben, aber als Hardcover präsentiert.
  • Und nun: Feierabend (19.45 Uhr).

Hochzeitstagsnachlese

Die lieben Nachbarn … In Winnert kann man nichts geheim halten. Vor allem, wenn Frau Haitel quatscht. Das linke Konstrukt stammt von den Nachbarn links und rechts unseres Hauses und wirkt so richtig im Dunkeln, denn das Herz ist mit kleinen LEDs illuminiert. Und das hölzerne Herz stammt von unseren Nachbarn gegenüber. Beide Aufsteller repräsentieren das Holz des zehnjährigen Hochzeitstags im Norden, der Holzhochzeit. Und es ist üblich, dass dergleichen Objekte eine ganze Weile über den eigentlichen Feiertag hinaus stehen bleiben – durchaus mehrere Wochen. Denn immerhin kann der zehnte Hochzeitstag ja bis zum elften gefeiert werden …

Bemerkenswert?

Nein, in Winnert (und wohl auch der Umgebung) ist das normal: Der Mensch bläst mit einem Laubbläser (natürlich; Besen sind offensichtlich aus der Mode gekommen) Laub vom Gehweg, auf dem er seinen Lieferwagen geparkt hat – Parken auf der Straße ist auch nicht mehr modern –, dessen Motor die ganze Zeit läuft, damit die (eher sinnlose) Beleuchtung nicht auf die Batterie geht …

Der Tag danach

  • Die Arbeit hat mich wieder.
  • Belege für den Verlag geschrieben. Zwei neue Titel sind auf Lager. Der dritte Hübner-Band, dazu Norbert Stöbes »Kleiner Drache«. Und raus damit.
  • Den Skoda Roomster in die Werkstatt gefahren. Inspektion, Winterreifen. Der Leihwagen ist ein kleiner VW up! Nette Kiste, aber nichts für Großeinkäufe.
  • Mittagsgassi mit Naomi allein, weil Kim beim Schwimmen war und noch feucht ist. Ich bin davon überzeugt, Naomi keine Freude zu bereiten, alleine mit ihr Gassi zu gehen. Ihr ganzes Verhalten zeugt von großem Elend. Trauer. Einsamkeit. Aus lauter Verzweiflung will sie alle drei Meter ein Leckerli. Das macht sie nie, wenn Kim dabei ist.
  • Abends den Roomster zurückgeholt. 1167 Euro. Wow. Inspektion erledigt, Bremsen hinten getauscht, Winterreifen neu (die Ganzjahresreifen, die drauf waren, waren fünf Jahre alt und erledigt), Klimaanlage aufgefrischt. 1167 Euro. Und ein paar Kleinigkeiten sind noch »offen«. Damit kann ich die beiden neuen Winterreifen für die Hinterachse meines Passats erst mal abschreiben. Muss ich halt alle zwei Wochen aufpumpen. Kein Problem. Eigentlich.
  • Zwischendurch und am Abend mit dem Korrektorat des historischen Romans fortgefahren. Die Zeit der Inquisition war wahrlich keine schöne Zeit.
  • Ansonsten gilt für Kim und meine Ehe: 10+1.