Sprachvergewaltiger machtlos?

Deutlich interessanter als die wie abgeschrieben wirkende Erklärung der Dame sind die Kommentare, die genau das darstellen, was die Frau negieren will: Niemand will gendern, niemand will Gendern. Jedenfalls nicht, wenn er noch alle Synapsen richtig miteinander verknüpft hat.

https://www.xing.com/news/articles/link/3798827
oder
https://www.welt.de/kultur/article225885603/Duden-Chefredakteurin-verteidigt-das-Gendern-in-der-Online-Ausgabe.html

P.S.: Wieso „wie abgeschrieben“, denkt der aufmerksame Leser? Nun — man nehme die Argumente der Gegner des Duden-Vorgehens und drehe die einfach um. Et voilà!

Kennt mich nicht

Mein Autofachbetrieb, bei dem ich mit meinem Passat und dem Skoda Kunde bin, schickt mir eine Mail. Er fragt mich, ob ich ein neues Auto brauche. Und bietet mir dann SUVs an.
Keine gute Verkaufsstrategie. Ich frage meine Kunden auch nicht, ob sie ein Buch möchten und biete ihnen dann einen gefüllten Schweinemagen (wrgstlbrmpft) an.

Astern im All

Ich bin mit den guten alten Meteoren und Meteoriten aufgewachsen. Heute habe ich gelernt, dass die nur noch in der Erdatmosphäre und auf dem Erdboden so heißen. Taumeln sie im All rum, nennt man sie jetzt – nahezu zungenbrecherisch – Meteoroide.

Die Logik dahinter hat allerdings einen Bruch:

  • Meteoroid –> Meteor
  • Planetoid –> Planet
  • Asteroid –> Aster?

Der heutzutage vorherrschende Zwang, in der deutschen Sprache alles zu regulieren und zu vereinheitlichen, ist schlicht idiotoid. Finde ich.

P.S.:  Astern sind hauptsächlich bekannt als Herbstblüher. Ihr wisst schon, die hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Astern.

Sprachlosigkeit, linguistisch

Im VDS-Infobrief vom 23.01.2021 ging es auch um Linguistik ohne Sprache; die Quelle in der FAZ liegt einmal mehr hinter einer Bezahlschranke (hier).

Nachgereicht wird hier noch eine Zusammenfassung eines ganzseitigen Artikels des Potsdamer Sprachwissenschaftlers Peter Eisenberg in der F.A.Z. vom 8. Januar. Darin liest er den Vertretern der »Genderlinguistik« und besonders der Duden-Redaktion die Leviten. »Der Duden bildet sich offenbar ein, er könne auf diese Weise den allgemeinen Sprachgebrauch manipulieren, um dann festzustellen, der Gebrauch habe sich verändert und er folge ihm.« Die gendernden Sprachwissenschaftler entzögen ihrer Disziplin den Forschungsgegenstand, die Sprache. »Denn wo bleibt eine Disziplin, die ihren Gegenstand erst einmal politisch zurichtet, statt ihn zu bearbeiten, wie er ist«, so Eisenberg.

Teilaspekte der Gendersprache nimmt sich Eisenberg aus sprachwissenschaftlicher Sicht einzeln vor: Das Gendersternchen habe keine sprachliche Funktion, es vermittle ausschließlich die Einstellung seiner Anhänger, »das Einfordern einer Unterwerfungsgeste«. Eisenberg unternimmt sogar den Versuch, das Gendersternchen sprachstrukturell einzuordnen, kommt aber zu dem Schluss: Grundlegende sprachliche Formmittel des Deutschen und universelle Silbenbaugesetze würden hier außer Kraft gesetzt. »Wer überhaupt sprachliche Fakten anerkennt, gelangt zu dem Schluss, dass die Verwendung von Stern und vergleichbaren Zeichen schon aus sprachinternen Gründen sowohl im Geschriebenen als auch im Gesprochenen zu unterbleiben hat.« Beim Einsatz des substantivierten Partizips (Mitarbeitende) solle ein grammatischer Wandel erzwungen werden, den es in der Sprache nicht gibt. Und das generische Maskulinum heißt deswegen generisch, weil es sich bei Personenbezeichnungen nicht auf das natürliche Geschlecht bezieht. Das beweise ein Satz wie »Die meisten Leser von Christa Wolf sind Frauen.«

Eisenberg erklärt auch noch einmal ausführlich den Begriff Markiertheit und warum die Versuche der Genderlinguistik, sich geschlechtsneutral auszudrücken, untauglich sind. Er schließt mit diesen Worten: »Richtig ist, dass die Etablierung eines generischen Maskulinums im Deutschen historisch mit der gesellschaftlich absolut dominanten Rolle des Mannes begründet ist. Die kann und sollte man ändern, aber nicht gegen die Sprache, sondern mit ihr. Allein sprachliche Aufmerksamkeit wäre die halbe Miete. Das generische Maskulinum wird uns noch eine Weile erhalten bleiben, gerade weil es und nur es sexusneutral ist.«

In einem Punkt stimme ich nicht zu: Denn der Mann erklärt nicht, auf welcher historischen Grundlage das generische Femininum zustande gekommen sein soll, wenn unser Deutsch ein männlich dominiertes Deutsch ist (was schon in jedem Plural nicht stimmt).

Misslungene Einmischung

Im Flensburger Tagblatt fand sich eine Meldung (leider hinter einer Bezahlschranke, siehe hier) über einen Berliner Anglistik-Professor auf Abwegen. Im VDS-Infobrief vom 23.01.2021 war dazu zu lesen:

Rassistischer Ortsname

Über die knapp 1.000 Einwohner zählende Gemeinde Mohrkirch im Landkreis Schleswig-Flensburg liest man selten in der überregionalen Presse. Nun dürfen sich die Dorfbewohner dem Vorwurf ausgesetzt sehen, der Name ihres Dorfes habe einen rassistischen Beiklang. Zu dieser Vermutung kommt der Berliner Anglistikprofessor Anatol Stefanowitsch, weil das Wort »Mohr« im Namen vorkommt, welches seiner Meinung nach rassistisch ist. »Der Mann hat wahrscheinlich gegoogelt und ist dann auf uns gestoßen«, mutmaßt Mohrkirchs Bürgermeister Michael Haushahn im Flensburger Tageblatt. Stefanowitsch liegt gleich doppelt falsch: Der Name des Dorfs geht zurück auf das dänische Wort mår (Marder).

Tja, vielleicht sollte der abwegige Anglizist nicht auf fremden Äckern marodieren, deren Kartoffeln er nicht versteht.

Worte finden

Heute ist der 27.01., der weltweite Holocaustgedenktag. Zeit, zu erinnern, auch Zeit, zu ermahnen (nicht zu vergessen), Zeit sowieso, zu warnen (vor den Aktivitäten rechten, antisemitischen Gesocks‘. Und Zeit, zu meckern. Da ist es ein falsches Zeichen, eine von den Nazis zerstörte Synagoge in Hamburg originalgetreu wiederaufzubauen, denn der Holocaust könnte damit nicht rückgängig gemacht werden.

Und es ist Zeit, Worte zu finden. Da wird schon den ganzen Morgen von Jüdinnen und Juden gesprochen, und irgendwann seufzte meine Frau und schlug vor: »Jüdische Menschen«. Was nicht besser ist. Und nicht konsequent, denn nach Studierenden, Mitarbeitenden, Patientenden sind die nicht enden wollenden (sic!) Sprachverunstaltungen mit einem eindeutigenden »Judende« sinnvoll fortgeführt. Und nicht nur das:

  • Katholende
  • Evangelende
  • Mormonende
  • Moslemende
  • Buddhistende (besser: Buddhende?)
  • Hinduistende (besser: Hindunde?)

Ich frage mich: Wenn sie alle enden, warum hört das dann nicht auf?

Vier Filme

An manchen Tagen geht mir das normale TV-Programm auf den Keks. Meine bevorzugten Sender – NITRO, ZDFneo, ONE, eventuell noch SIXX, auch der NDR – liefern manchmal ein Programm, das ich nicht mag. Das passiert nicht nur, aber vor allem am Wochenende. Ich schrieb hier schon davon. Dann gönne ich mir einfach Filme aus meiner Sammlung. Zum Beispiel:

30 Grad unter Null
(Centigrade, https://www.imdb.com/title/tt8945942)
Ein Kammerspiel, wenn man es genau nimmt. Ein Pärchen ist in einem Auto irgendwo in Norwegen eingeschneit. Sie ist schwanger. Er ist der Depp, der nicht weiterfahren wollte. Nun sitzen sie da, eingeschneit, das Auto lässt sich nicht öffnen. Tagelang sitzen sie dort. Es gibt Notwendigkeiten und Nöte, es gibt die typischen Konflikte eines Paares in einer solchen Extremsituation. Das Baby wird geboren, der Mann stirbt. Und zum Schluss kann die Frau sich und ihr Neugeborenes befreien und findet Hilfe.
Die Atmosphäre kann die Situation, in der sich die beiden befinden, nicht adäquat wiedergeben, der Film bleibt flach und anspruchslos. Und dazu kommt noch, dass er über lange Strecken so kontrastarm ist, dass man ihn besser im Dunkeln anschauen sollte. Wenn überhaupt.

A Quiet Place
(https://www.imdb.com/title/tt6644200)
Eine postapokalyptische Welt, in der die Menschen mit Monstern konfrontiert sind, die extrem gut hören und auf Geräusche reagieren, um zu töten, was sie hören. Eine Familie … Ein Junge geht verloren, weil er nicht auf seinen Vater hört und sein Spielzeug Geräusche macht, die die Monster anlocken – und die sind schnell. Es gibt die typischen Probleme einer Familie mit einer pubertierenden Tochter – die noch dazu taubstumm ist – und einem ängstlichen Jungen, und natürlich spielen die Monster mehr und mehr eine nicht ganz unblutige Rolle.
Abgesehen vom SF-Hintergrund und den Horrorelementen der Monster handelt es sich um einen durchaus solide gemachten Actionthriller, der manchmal das eine oder andere Klischee drückt, andererseits aber durchgehend spannend bleibt. Und die Auflösung der Frage, welche Schwachstelle die Monster haben, ist absolut gelungen. Kann man sich anschauen, ist jedenfalls keine Zeitverschwendung.

Code 8
(https://www.imdb.com/title/tt6259380)
Auch dieser Film ist ein Actionthriller mit SF-Hintergrund, gewürzt mit einer Prise Drama: Die Menschheit besteht nicht nur aus normalen Menschen, sondern auch aus solchen mit besonderen Kräften. Bei den X-Men würde man sie Mutanten nennen. Früher wurden sie gebraucht, dann von den Maschinen verdrängt und zur Handlungszeit des Films sind sie nicht nur überflüssig, sondern im Grunde als Kriminelle eingestuft und verfolgt.
Die Mutter des Protagonisten gehört zu den Menschen mit besonderen Kräften, ihr Sohn auch. Sie ist krank, wird sterben, und ihr Sohn möchte ihr helfen, möchte ihre Heilung bewirken. Dazu begibt er sich auf die schiefe Bahn, aber all seine Bemühungen gehen letztendlich schief. Und die Heilerin, die er aus den Fängen eines Verbrechers befreit hat, kann seiner Mutter nicht helfen, denn die Verletzungen und Krankheiten, die sie heilt, überträgt sie auf sich selbst.

Coma
(Koma, https://www.imdb.com/title/tt6087226)
Ein Architekt, von der Welt missverstanden, erleidet einen Unfall und findet sich in einer Welt wieder, die durch die Erinnerungen von Komapatienten entsteht und existiert. Die Welt, die streckenweise stark an »Inception« erinnert, hat ihre eigenen Gesetze und ihre eigenen Probleme. Erst in dieser Welt kann der Architekt sein Traumprojekt einer futuristischen Stadt realisieren. Aber an der Komawelt ist etwas falsch …
Es ist längst üblich, dass sich russische Filme fantastischen Einschlags nicht mehr hinter amerikanischen oder britischen Produktionen verstecken müssen. Was geblieben ist, ist immer noch ein deutlich erkennbarer philosophischer Hauch von Nachdenklichkeit, den schon die Filme Andrej Tarkovskys auszeichneten. Von den vier Filmen des Tages war dieser zwar nicht der beste, aber der von der Optik her schönste.