Tierarzt is doof. Kragen auch.

Naomi hatte heute morgen einen kleinen OP-Termin bei unserer Tierärztin. Am rechten Ellbogen hatte sich ein etwa centgroßes Fleischläppchen ausgebildet, und sie neigte jedenfalls anfänglich dazu, daran herumzuknabbern. Nun ist es ab, die Wunde genäht, und sie muss einen Kragen tragen:

Ein glücklicher Hund sieht nicht nur anders aus, sondern:

Jetzt sitzt sie auch noch wie ein Häufchen Elend regungslos im Flur, den Blick auf die Haustür gerichtet.

Das ist nicht euer Ernst!

Es wird vorgegeben, dass sich das auf Nutztiere bezieht, für Nutztiere gelten soll – aber es ist leicht auszurechnen, dass am Ende alle Tiere, auch Haustiere und selbst die wertvollen Tiere in europäischen Zoos von dem geplanten Verbot betroffen sein werden. Und das geht nicht – schon unter Gesichtspunkten des Tierschutzes ist eine Umsetzung einer solchen EU-Verbotsrichtlinie in Deutschland verfassungswidrig. Und das Ganze führt endlich auch zu einer Kriminalisierung der Landwirtschaft, denn es wird für die industrielle Landwirtschaft ein mafiöser Grau- und Schwarzmarkt jenseits jeglicher Kontrollmöglichkeiten entstehen.

Tiere können krank werden. Es ist nicht die Lösung, kranke Tiere zu töten. Kranke Menschen werden auch nicht getötet, es wird versucht, ihnen mit allen Mitteln zu helfen. Tiere zu töten, weil man ihnen aufgrund der Entscheidungen von desinteressierten Schreibtischtätern nicht helfen darf, das grenzt an Mord.

  • Aktuelle Informationen zum Thema auf der Seite des Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt): hier.
  • Der Text zur Kampagne des bpt: hier.
  • Die Petition auf Change.org – bitte lesen und unterschreiben: hier.

Edit 10.10.2021: Der Link zur Kampagne ist abgelaufen. Die aktuellen Informationen sind aber immer noch vorhanden und – nicht nur wegen der bisherigen Erfolge der Kampagne – nach wie vor interessant.

Wer glaubt denn so was? Das Popotop!

Jedermann hat heutzutage den Begriff des Biotops im Ohr und im Kopf. Ständig wird er in den Mund genommen. Wenn eine Autobahn gebaut werden soll, ein Windrad zu errichten ist, irgendein Eingriff in die Natur erfolgen soll, entstehen auf einmal Biotope – wie aus dem Nichts. Die Nachbarin meiner Hundephysiotherapeutin wollte ein durchaus für Bebauung geeignetes Grundstück zum Biotop erklären lassen, um keinen direkten Nachbarn hinnehmen zu müssen. Das einzig Biotopische an dem Grundstück allerdings waren und sind bis heute plattgemachte Bäume, die offensichtlich auch gestört haben.

Was aber ist ein Popotop? Wenn man zwei Hunde hat, dann weiß man irgendwann, dass auch Hunde mit zunehmendem Alter ihre Zipperlein entwickeln. Meine beiden Mausemädchen leiden gleichermaßen unter Arthrose. Hüfte, Rückgrat, Pfoten – man könnte glatt von klassischen Problemstellen sprechen. Damit die Entwicklung nicht ganz so schnell und nicht ganz so umfangreich ausartet, gibt es heute Möglichkeiten. Zum Beispiel eine Hundephysiotherapeutin, die über einen Pool verfügt, in dem die Hunde schwimmen können (auch wenn meine beiden Mäuse das zugegebenermaßen lieber nicht tun würden).
Nach so einer Schwimmung, die in der Regel zwanzig bis dreißig Minuten pro Hund dauert, sind die Hunde nass. Ja, manch Leser mag überrascht sein, aber sie sind nicht nur einfach nass – sondern nass bis auf die Haut (und nicht nur oberflächlich wie nach einem Gassigang bei Regen). Und auch, wenn der Hund den größten Teil des Wassers im Fell los wird, indem er sich schüttelt, und auch, wenn man als Mensch selbst mit großen Badetüchern zulangt, Feuchtigkeit bleibt.
Interessanterweise ist der Körperteil des Hundes, der sich am längsten die Feuchtigkeit bewahrt, das Heck, das Hinterteil – vulgo: der Popo. Und es dauert Stunden, bis der getrocknet ist, und in dieser Zeit hat man das Vergnügen, ein vierbeiniges Feuchtbiotop im Hause zu haben, das beim Hinsetzen auf Laminat und Parkett gerne einen Sitzfleck hinterlässt.
Und das ist es – das hündische Feuchtbiotop, das sogenannte Popotop.

Hat man diese Erkenntnis erst einmal verinnerlicht, ereilen einen Menschen mit verlegerischer Tätigkeit sogleich verlegerische Gedanken. Das Genre der Utopie ist uralt, Thomas Morus hat es begründet und viele Autoren haben sich mehr oder minder erfolgreich an Utopien versucht. Die ewigen Griesgräme unter den Schriftstellern kamen irgendwann auf die Idee, die Lesewesen dieser Welt mit dem Gegenteil der Utopie zu behelligen – der Dystopie. Sie ist heutzutage nicht nur modern, sondern omnipräsent. Wer etwas anderes zu schreiben und zu vermarkten versucht, als eine Dystopie, muss schon damit rechnen, schräg angeschaut zu werden.
Aber die Rettung ist in Sicht. Utopien sind durch, Dystopien nerven – morgen schreibt man Popotopien, und wer behauptet, das sei Literatur für den (Hunde-) Arsch, der ist ein böser Mensch. Popotopien zu schreiben ist einfach. Knuffig muss die Literatur sein, mit langem oder kurzem Fell gestaltet, eben feucht – mal mehr, mal weniger –, und vier Beine, zwei große, nicht kupierte Ohren und einen allerlieblichsten Blick muss das Werk haben, so sehr, dass der Leser bei der Lektüre vor Freude und Zuneigung zum Werk, zur Popotopie förmlich zerfließt.
Also auf! Autoren! Schreibt Popotopien! Mein Verlag, die p.machinery (vulgo: popoganda machinery, deutsch: Popogandamaschinerie), wartet auf eure Ergüsse.

Gassilust vs. Gassifrust

Die beiden haitelschen Hundemädels sind nicht mehr die Jüngsten. Kim (hinten) ist Jahrgang 2009; den genauen Geburtstag kennen wir nicht, wir haben ihn wohl einigermaßen passend auf den 11.11.2009 festgelegt. Bei Naomi (vorne) steht der 20. Januar 2013 in den Papieren – sie ist also auch schon gute acht Jahre alt. – Aber so ganz verliert ein Hund seine Agilität natürlich nicht. Das merkt man vor allem im Angesicht von Hasen und Rehen. Und nicht immer lassen sie sich gut abrufen. – Aber in den letzten Jahren sind die Gassigänge langsamer geworden, kürzer auch. Beide Mädels haben Knochengeschichten, vor allem Kim, und das zweimal wöchentlich stattfindende Hundeschwimmen bei einer Hundephysiotherapeutin im Nachbarort schafft Erleichterung, aber freilich keine Heilung.

Ich selbst bin Schreibtischtäter. Und Diabetiker. Ich arbeite praktisch den ganzen Tag am Computer, und das nicht erst seit dem Ende meiner Angestelltentätigkeit Ende 2018. Kim wurde 2011 zu uns geholt, damit es vor allem für mich einen guten Grund gibt, mich zu bewegen; Naomi kam dann, weil wir dachten, Kim könnte Gesellschaft brauchen. In der Anfangszeit mit Kim und später mit Naomi sollten die Gassigänge dreimal täglich je eine Stunde dauern, und nicht selten fielen sie auch mal länger aus. Inzwischen ist es nicht immer ganz einfach, wenigstens auf vierzig Minuten zu kommen. Denn da müssen auch die Hunde mitspielen.

Besonders im Freilauf zeigt sich, ob die Hunde Lust haben oder nicht. Heute gibt es immer wieder und immer öfter Tage, an denen mich der Gassigang eher frustriert denn erfreut. Vor allem auch unter dem Gesichtspunkt, dass ich mittels ordentlicher Gänge meinen Blutzuckerspiegel kontrollieren und vor allem senken kann. Aber dann laufen die Mädels nicht vornweg, wie sie – vor allem Kim – dies früher eher in der Regel getan haben, nein, sie schleichen dann hinter mir her. Irgendwann meint Kim, es sei wohl genug, dann bleibt sie einfach stehen und lässt mich davongehen. Und erst auf mehrfaches Zurufen und das – dann eher unfaire – Ausbreiten der Arme läuft sie wieder los. Langsam, gemächlich, nur keine Hektik. Und Naomi schnüffelt sich durch die Gegend, aber das macht sie schon immer.

Mit einem der Hunde allein zu gehen ist keine Alternative. Es funktioniert nicht. Die beiden Damen hängen sehr aneinander, und auch wenn man dies nicht an einem großen Hundekuscheln erkennen kann – wenn man sie trennt, merkt man es. Und nicht nur an der sich deutlich äußernden Naomi, auch die schweigsame Kim lässt da keinen Zweifel zu. Und ganz alleine zu laufen, dazu habe ich auch keine Lust.

Am Ende ist der Frust dann doch nicht so schlimm. Es ändert ja auch nichts. Ich werde älter, die Hunde auch – nur sind sie halt schneller –, und ich tue ihnen und mir keinen Gefallen, wenn ich versuche, meinen Willen durchzusetzen. So drehen wir dann eher um als früher, und Kim läuft dann doch wieder vornweg, als wollte sie sagen, dass es daheim am schönsten ist. Nur Naomi läuft auch auf dem Rückweg hinter mir – oder schleicht, wenn man es genau nimmt –, denn ihr ist das Schnüffeln am wichtigsten. Wenn sie das ausgiebig tun kann, dann ist der Gassigang für sie in Ordnung. Und beide freuen sich aufs Leckerli, dass es daheim wieder gibt …

Sonnenschein, schon reserviert

Es hätte mich gewundert, wenn die kleine Tilda – immerhin erst acht Monate alt – lange auf Interessenten hätte warten müssen. Die süße Maus mit den lustigen Marienkäferohren – die Punkte, die Punkte (für all diejenigen, die Marienkäfer noch nie gesehen haben) – könnte in der richtigen Familie und mit der richtigen Erziehung ein wundervolles Beispiel für die grenzenlose Idiotie der Schreibtischhonks mit ihren Rasselisten werden. Ich drücke die Daumen, dass das alles so hinhaut. Genau so. Und nicht anders.

Zu Tildas Seite: hier.

Tilda *** R E S E R V I E R T ***

Zehn Jahre wie nichts

Wie schnell zehn Jahre vergehen, sieht man an dir, meine Maus …

Heute vor zehn Jahren haben wir dich zu uns geholt. Nach einer langen Tour in einem Transporter aus Ungarn haben wir dich in Odelzhausen bei einem Tierschutzverein abgeholt, da warst du gerade ein paar Stunden in Deutschland. Du warst klein, unscheinbar, du warst müde und hast gar nicht richtig auf uns reagiert. Und als wir dann zu Hause waren, begann das Abenteuer.

Am Anfang hast du mich an meine Grenzen geführt, mich fast verzweifeln lassen, fast hätte ich aufgegeben. Ich hatte gedacht, ich wüsste nach meiner ersten Kim, wie ein Hund ist, wie man mit ihm umgeht, dass das alles so einfach ist. Aber das war es nicht. Doch dank professioneller Hilfe haben wir den richtigen Weg gefunden. Zueinander.

Eigentlich heißt du Gigi, so steht es in deinem Pass. Aber niemand nannte dich jemals so. Du sahst meiner ersten Kim ähnlich, und keinen anderen Namen brachte ich über die Lippen. Bis heute hast du eine Million Kosenamen gehabt, und immer wieder Kim, Kimmi, Kimmimaus … eine Million verschiedene Namen für einen einzigartigen Hund.

Es gäbe viele Geschichten zu erzählen, zu viele, um sie jetzt hier aufzuschreiben. Vielleicht schreibe ich einmal ein Buch. Wer weiß?

Eines jedoch ist klar:
Es ist schön, dass du bei uns bist, Kimmi.
Und es ist schön, dass ich dich liebhaben darf, Kimmi.

Verkehr erziehen

Verkehrserziehung kann nicht früh genug beginnen. In vielen Fällen kennt sich ja die Natur aus. Bei der Geburt versucht sie darauf zu achten, dass der Kopf zuerst erscheint – immer hübsch voraus. Und später – quasi ein Leben lang, sofern nichts Unerwartetes geschieht – wird immer an den richtigen Stellen gepinkelt und gekackt (unten) sowie gekotzt (oben). Aber sind nicht alle Verkehrsregeln, die es im Leben zu beachten gilt.

Verkehrserziehung in den frühestens Jahren eines Kindes ist von allergrößter Wichtigkeit. So kann rechtzeitig eine gewisse Sensibilität gegenüber härteren, stabileren, größeren und rücksichtsloseren Verkehrsteilnehmern (ScheißUV-Fahrern, A6- und A8-Zuhältern usw. usf.) hilfreich sein, kleine und möglicherweise aussichtsreiche Leben zu retten. Aber auch andere Verhaltensregeln sind sinnvoll, frühzeitig erlernt zu werden:

  • Neben einem vorbeigehenden Hund beginnt man nicht wie bescheuert zu brüllen, zu kreischen oder irgendwie laut zu sein.
  • Vor einem sich nähernden Hund läuft man tunlichst nicht weg.
  • Auf einen sich nähernden Hund rennt man auch nicht zu. Vor allem nicht bescheuert brüllend und auch nicht mit einem langen und hart aussehenden Gegenstand (Stock, Holzschwert) fuchtelnd.
  • Und – ganz wichtig – man rast nicht auf einen Hund mit einem Bobbycar, einem Laufrad, einem Fahrrad oder irgendeinem anderen beschissenen Vehikel zu, ohne Andeutungen zu machen, ausweichen zu wollen.

All diese fehlerhaften Verhaltensweisen führen nicht zwingend dazu, dass der Hund zubeißt, obwohl das manche Hubschrauber fliegende Nachwuchserzeuger gerne so hätten, damit nicht ihr Balg, sondern ein unschuldiges Tier eingeschläfert werden kann. Was aber definitiv die Folge sein wird, ist, dass der Hundebesitzer mit der Faust seiner Wahl zulangen wird. Und zwar nicht zu knapp.