Ein einfacher Tag  

Letztens monierte ich die Fragmentierung eines Tages. Heute war die Struktur simpel:

    • 1 Lektorat
    • 2 Gassigänge
    • 1 Layout

Das Lektorat betraf ein neues Manuskript, das mich auch noch zwei, drei Tage – oder länger, das weiß man ja nie – beschäftigen wird. Ich bin mir noch nicht schlüssig, wie ich vorgehe. Zunächst habe ich mich zu einem nicht zu brutalen Lektorat entschieden, aber im Hinterkopf habe ich den Gedanken, da noch ein zweites, härteres Lektorat anzusetzen, weil der Text immer wieder sehr aufgeblasen wirkt, sehr redundant, erfüllt von für die Handlung nicht wichtigen Phrasen. Nicht immer, aber doch immer wieder. Ich werde mich nach dem ersten Lektorat und einer Rücksprache mit dem Autor entscheiden.

Die Gassigänge waren feucht und kühl. Der erste Gang im Ruheforst bei Ostenfeld war anstrengend und dauerte länger als erwartet. Aber den Hunden tut das genauso gut wie meinem Blutzuckerspiegel. Letzterer war leider nicht ganz so gut wie erhofft. Der zweite Gang ging hier in Winnert durch die sogenannte Siedlung, ein recht junger Ortsteil. Schmerzen im rechten Knie führten zu langsamem Schlendern, was Naomi zu schamlosem Dauerschnüffeln an wirklich jedem Büschelchen ausnutzte. Aber gut. Das ist ihre Leidenschaft. Ich gönne mir ja auch die meine, selbst dann, wenn Naomi das nicht mag. (Wobei ihr meine Leidenschaften de facto wurscht sind, sieht man von Gassigängen mit Schnüffelchancen ab.)

Das Layout war die Fortsetzung der Arbeiten an »KINDERGEFÄNGNIS und andere verlassene Orte«. Es geht voran. Es fehlen noch circa 30 Seiten für die erste Runde. Danach gibt’s die Fahnenkorrektur inklusive Behebung von Layoutfehlerchen.

Heute ist Montag. Das Fernsehprogramm steht also fest: »Inspector Barnaby«. Wir haben wohl alle Folgen inzwischen drei, vier, sechs Mal oder häufiger gesehen. Wir haben irgendwann aufgehört zu zählen. Aber montags muss das sein.

Vielleicht doch besser Ingrid?

Indeed ist ein Jobportal. Man kann Jobs suchen, Jobs anbieten. Kennen wir. Monster ist auch so ein Ding. Und es gibt noch eine Menge solcher Portale mehr.

Indeed ist vor allem bekannt für seine nicht ganz unlustige Werbung. Aktuell müssen alle Ingrids darunter leiden, dass Kollegen Jobs von ihnen haben möchten. Nett.

Aber vielleicht wäre es wirklich sinnvoller, Ingrid zu fragen. Ich habe bei Indeed nach Jobs für Lektoren und Korrektoren gesucht. Letzteres war von vornherein ein Schuss in den Ofen; was da an Ergebnissen kam, ließ darauf schließen, dass eine solche Berufsbezeichnung unbekannt ist. Beim Lektor sind die Ergebnisse sehr inhomogen. Da sind auch schon mal Produktmanager gesucht, Redakteure aller Art, Projektleiter usw. usf. Der simple, klassische Lektor, der Manuskripte liest, beurteilt, auseinandernimmt und neu zusammenbaut – ob mit oder ohne Autor –, der scheint selten gesucht zu sein.

Aber wie auch immer … Es laufen ja heutzutage massenhaft Honks durch die Gegend, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit von »künstlichen Intelligenzen« faseln, wenn etwas Neumodisches etwas Neumodisches tut oder auch nicht tut. Im Falle von Indeed frage ich mich in der Tat angesichts dieses Angebots auf meine Suche, ob ich nicht besser Ingrid frage:

Sprache, Haus, Abgrund

Zitat. Aus »Sprachnachrichten« Nr. 86 (II/2020): »Ungeliebt und frisch gesprochen. Deutsch in der vielsprachigen Schweiz«. Von Charles Linsmayer.

»Die Sprache ist die Wohnung von allen, das Haus, hängend an der Flanke des Abgrunds«, hat Octavio Paz in einem Gedicht gesagt. Und hat damit auf berührende Weise zum Ausdruck gebracht, wie total, wie umfassend die Sprache unser Dasein, unser Tun, unsere Ängste und Hoffnungen spiegelt und wie gefährdet sie immer auch ist. Auch die deutsche Sprache hängt zurzeit »an der Flanke des Abgrunds«, und es kommt auf unsere Fantasie, auf unsere Kreativität, unser Durchhaltevermögen, auf unsere Zivilcourage und unseren Stolz, ja auf unseren Mut zu gemeinsamen Strategien mit anderen Sprachen an, ob es uns gelingen wird, sie längerfristig wieder auf ein sicheres Fundament zu stellen.

Linsmeyer sprach diese Worte anlässlich der Verleihung des Deutschen Sprachpreises Weimar 2007 und der vollständige Text steht im Jahrbuch der Henning-Kaufmann-Stiftung 2007 (S. 21–42).

Für mich selbst ist dieses Bild des Hauses Sprache an der Flanke eines Abgrunds erschreckend real, jeden Tag, wenn ich Texte lese, ob nun für meinen eigenen Verlag oder als Auftragsarbeiten für Kollegen, ob im Radio, im Fernsehen oder irgendwo draußen. Man könnte die Gefahr vermuten, dass jemand am Sockel des Abgrunds der deutschen Sprache den Boden abgräbt – aber in Wirklichkeit ist es wohl die Scheiße, die der deutschen Sprache von Anglizismenfreaks (sic!) und Genderspinnern von oben und außen auf den Kopf geworfen wird, sodass es zu befürchten steht, dass sie jämmerlich darin ersäuft.

Mitgliedschaften

Nachdem ich vor einigen Wochen schon in den VDS e.V., den Verein Deutsche Sprache, eingetreten bin und derzeit fleißig dabei bin, die aufgelaufenen vier Ausgaben der VDS-Sprachnachrichten zu lesen, habe ich soeben auch den Bescheid erhalten, dass mein Mitgliedsantrag für den VFLL e.V., den Verband der freien Lektorinnen und Lektoren angenommen wurde.

Fantastisch. Die Zukunft wird rosig.