Überraschungen auf jeder Seite

Nun, nicht auf jeder Seite finden sich hier Überraschungen, aber die Verbindungen zwischen dem Begriff »Heimat« und der Heimatforschung einerseits, und der Zukunft und der Science-Fiction andererseits, die Michael Weisser herstellt und begründet, sind in der Tat bisweilen überraschend. Die Arbeit an dem Buch war anstrengend – und erkenntnisreich.
Und es würde mich immens freuen, wenn hierzu Diskussionsbeiträge und in der Tat auch Widerspruch zustande käme und auf meinem Schreibtisch landete – für ein weiteres Buch. Aber das wird man sehen. Bis dahin:

Kein Bezug zur Realität

Die Zeiten, in denen man der Science-Fiction unterstellte, ihr fehle der Bezug zur Realität, sind inzwischen wohl längst vorbei. Viel zu viele Near-Future-Szenarien wurden und werden beschrieben, in der Regel und gerne als Dystopien, denn unsere heutige Welt ist offensichtlich so toll, dass es nur noch schlimmer werden kann.
Natürlich fehlt auch diesem SF-Werk der Bezug zur Realität. Obwohl die Zeiten des sogenannten und angeblichen Klimawandels ein abgesoffenes Norddeutschland durchaus zu einem Near-Future-Szenario machen könnten, ist die Ursache für diesen Hintergrund der Geschichte ein ganz anderer – wenn auch wieder einer mit erkennbarem Realitätsbezug, denn wer erinnert sich nicht an Auswirkungen dubioser Geschäftspraktiken am Aktienmarkt, angefangen von der Dot-Com-Blase Anfang der Zweitausender, bis hin zu den Lehman Brothers 2008 und der Finanzkrise, die dem Bankhaus (angeblich) den Garaus machte.
Fakt ist jedenfalls, dass Dieter Rieken seine Geschichte über Menschen in einem Norddeutschland unter Wasser – nicht vollständig, aber größtenteils – spielen lässt, und das Ganze hat nicht nur grundsätzlich einen Reiz, sondern vor allem auch für mich als seit Ende 2018 in Nordfriesland lebendem Verleger, auch wenn ich mir hier wenig Sorgen machen muss: Winnert und Umgebung liegt so hoch über dem Normalnull genannten Meeresspiegel, dass auch ein weiterhin ansteigender Wasserstand wenig Probleme verursachen dürfte. Jedenfalls hier in Winnert.
Reizvoll war und ist das Buch jedoch so oder so. Es ist eine schöne Geschichte, die nicht nur gut lesbar ist, sondern einfach auch Charme hat. Norddeutschland ist hier nicht fit, aber die Menschen haben nicht aufgegeben, das Böse – hier in Gestalt von Aktienmarktmanipulatoren und Terroristen – hat ein Gesicht, dem man in die Fresse hauen kann, weil es nicht schnell genug auszuweichen in der Lage ist, und auch, wenn die Krimielemente unverkennbar sind, die SF dem einen oder anderen SF-Fan zu wenig sein wird, und auch das Gefühl eines Heimatromanes nicht wirklich zustande kommen kann – die Mischung macht’s, und die Mischung macht es richtig. Genau richtig.

Details zum Buch: hier.

Ernsting und die Zeit

Ich bin kein Rhodan-Fan. Auch kein Ernsting-Fan. Ich habe früher natürlich auch »Perry Rhodan« gelesen, aber das ist lange her. Heutzutage habe ich eine E-Book-Version der letzten zwei Zyklen, die ich nach und nach durcharbeite (das hat einen speziellen Grund, der hier keine Rolle spielt).

Aber ich weiß – nicht zuletzt aus diesem Buch, diesem »Unser Walter« –, dass die Zeit ein Thema war, mit dem Walter Ernsting, der am 13. Juni seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte, oft gespielt hat. Nicht zuletzt ist der Zeitreisende Ernst Ellert wohl seine Erfindung.
Zeit hat auch bei diesem Buch eine wesentliche Rolle gespielt, allerdings in einem ganz andern Sinne. Die enthaltenen Texte sind alt; meine Vorbemerkungen stammen von Anfang Juni 2020, das Vorwort von Ulrich Blode, dem Co-Herausgeber des 2014 verstorbenen Wolfgang Thadewald, aus dem Februar 2015, und eine Reihe Beiträge wurde geschrieben, als Walter Ernsting 2005 gerade gestorben war. Wolfgang Thadewalds Geschichte »Nichts ist vollkommen« gehört noch zu den jüngeren Beiträgen, wurde aber vermutlich auch schon vor 2011 geschrieben.
Wie das alles kommt, erkläre ich in meinen Vorbemerkungen, die ich auch auf der Verlagswebsite (hier) abgebildet habe. Es gibt, wie ich dort erwähnte, sicher noch Details, die man hätte einbauen können, es gibt immerhin Schriftverkehre, die Wolfgang seinerzeit mit übermittelte, aber einen wirklichen Sinn hat das nicht, gab es doch auch einige Verstimmungen, die sich in den nicht haken- und ösenfreien Abläufen entwickelten.

Letztlich ist die eigentliche Frage, die ich beantworten können sollte, die, warum das Buch, das Ulrich Blode Anfang 2015 fertig ablieferte, dennoch noch mehr als fünf Jahre liegen geblieben ist, bis es nun – dank eines Hinweises von Kurt Kobler (TCE) auf den »runden« Geburtstag – veröffentlicht wird, wurde. Und genau diese Frage kann ich nicht beantworten.
Das Buch war eigentlich nicht »verschütt« gegangen, wie man so schön sagt. Ganz im Gegenteil. In meiner Liste derjenigen Bücher, die ich machen will und zu machen habe, auch in meiner Verzeichnisstruktur, da lagen die Materialien immer an einer prominenten Stelle. Immer wieder fiel ich förmlich über die Texte, die Materialien, und dennoch –
Es ist die Zeit. Ich spüre jeden Tag, dass sie mir an allen Ecken und Enden fehlt. Manch einer – allen voran meine Frau – schlägt vor, mir mal eine Auszeit zu nehmen, nicht ahnend, dass ich das nicht nur nicht kann, nicht nur nicht will, sondern dass es auch genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sich die Vorschlagenden vorstellen. Effektives Arbeiten, Erfolgserlebnisse, die durch Sorgfalt und – ja, auch durch – Pedanterie vermeidbaren und nicht auftretenden Fehler, das ist es unter anderem, was mir hilft, helfen würde. Und gerade effektives Arbeiten ist im Alltag nicht selten nicht realisierbar.
Und Erfolgserlebnisse … Dass es mir gelungen ist, das Buch innerhalb kürzester Zeit zum Druck zu bringen, fertigzustellen, das ist ein Erfolgserlebnis, das mich froh macht.

Ansonsten wird es die Zeit bleiben, die mein Problem ist. Nach diesem Buch wird es vielleicht öfter Gelegenheiten geben, deshalb an Walter Ernsting und seinen Ernst Ellert zu denken. Völlig zusammenhanglos, vielleicht. Aber das ist dann auch egal.

Mehr als ein Glas Wasser. Ein Lesepröbchen

Auch bei diesem Buch, dem zweiten Band aus dem »Jahr des STORY CENTER« – einer kommt noch –, habe ich auf meiner Verlagsseite eigentlich schon das Wesentliche formuliert: hier. Deshalb möchte ich hier ein weiteres Lesepröbchen präsentieren – aus der Geschichte »Schnäppchen« von Christian Baumelt.

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Mitten aus dem Buch. Ein Lesepröbchen

Statt hier immer die gleichen Storys zu erzählen, wie ein Buch zustande gekommen ist, möchte ich diesmal einfach ein Lesepröbchen aus »Unter den Sternen von Tha« präsentieren. Es stammt aus dem Kapitel »Der Baum, zweiter Teil«, das zum Teil »Sie« gehört, zwischen dem neunten und zehnten Teil des Werkes gelegen. Mehr will ich gar nicht schreiben. Lasst es auf euch wirken:

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Bücher für den Wahnsinn

Im Grunde lese ich jeden Tag. Den ganzen Tag. Von morgens 6.30, 7.00 Uhr, manchmal später, aber spätestens um 9.00 Uhr. Bis abends. 21.00, 22.00 Uhr. Das Los eines Verlegers, der auch Lektor und Korrektor ist.
Ich behaupte nicht, perfekt zu sein. Aber ich bin ein Pedant. Ein perfektionistischer Pedant. Und wenn ich weiß, dass in einem Text ein Fehler steckt, piekt er mich wie ein Stein im Schuh. Ich muss ihn finden, ihn ausmerzen.
Aus diesem Grund stecke ich in die Bücher, die ich verlege, einiges an Arbeit. Ich habe meine Prinzipien, die kommen zuerst. Neue deutsche Rechtschreibung, aktuellste Version, Dudenempfehlungen. Ich diskutiere oft mit Autoren, warum ich bestimmte Dinge so will, wie ich sie will. Pedantischer Kleinkram, aber Homogenität ist mein Ziel. Meine Bücher sollen erkennbar aus dem gleichen Stall kommen. Auch in Sachen Rechtschreibung.
Ein Text bekommt zuallererst ein Makro verpasst, dass die meisten Formatierungen des Autors platt macht. Und erste Voreinstellungen vornimmt. Anführungszeichen »« und ›‹, der Dreipunkt …, die richtigen Halbgevierte (und nicht etwa Bindestriche), die richtigen Apostrophe (und nicht etwa das französische Accent-Gedöns). Und so weiter.
Danach kommt der Duden, als Softwareversion 13.2 von EPC.
Danach der »alte« Duden, damals noch aus der Langenscheidt-Ecke, als im Hintergrund mitlaufende Software. Dafür wechsle ich auf einen Windows-7-Rechner mit Word 2010, denn unter Windows 10 läuft der nicht mehr.
Wenn das Layout erstellt ist, gibt es eine Fahnenkorrektur. Früher habe ich die auf Papier gemacht, heute nutze ich das PDF (in extremer Vergrößerung auf dem Bildschirm) oder gleich die Layoutdatei (wenn erkennbar ist, dass die Korrekturen immer noch zahlreich sein werden).

Manche Bücher sind geeignet, mich in den Wahnsinn zu treiben. Oder mir wenigstens zu zeigen, in welcher Richtung ich ihn finden kann. »NUMMERN« ist so ein Buch, eine STORY-CENTER-Anthologie, für die Marianne Labisch und Galax Acheronian als Herausgeber fungieren durften. Die Geschichten sind eigentlich steinalt – 2012 wurde die Anthologie ausgeschrieben, Mitte 2013 war Einsendeschluss. Aber das hat den Geschichten nicht geschadet.
Genutzt hat ihnen zunächst die Korrekturorgie mit den beiden Duden-Programmen nicht. Auch nicht meine erste Lektüre, die gemeinsam mit dem »alten« Duden abgelaufen ist. In dem layouteten Buch, in diesem PDF fanden sich noch über 350 Fehler. Dreihundertfünfzig!
Natürlich könnte ich die Schuld auf den bösen, bösen Michael Alois Ortner schieben, der mit seiner Sonderzeichenballade »Für das Rïjch, allein für das Rïjch« eine wirkliche Herausforderung präsentierte. – Oder auf Galax Acheronian, der immerhin seine eigene Story noch einmal »fahnenkorrigierte« und trotzdem noch fast 30 Fehler übrig ließ. – Aber das wäre alles andere als fair. Und unnötig. (Wobei die Fehlermenge gerade bei den beiden Autoren kein Wunder ist: Sie haben die beiden längsten Geschichten – mit Novellenformat – beigetragen.)
Nein, eigentlich muss ich die Schuld bei mir suchen. Ich hatte wohl einfach einen schlechten Tag. Mehrere schlechte Tage. Anders ist das nicht zu erklären.

Aber immerhin dürfte das Buch jetzt fehlerfrei sein.

Und nicht nur Orwell träumte alb …

Nein, vermutlich auch die Autoren dieser Anthologie haben es getan. Mag man denken. Darf man denken. Die Sammlung, die eigentlich schon 2019 hätte erscheinen sollen und Opfer meines »schlechten Jahres« 2019 wurde, bietet Storys zahlreicher Autoren mit bestens bekannten Namen (siehe detailliert hier), und auch wenn einige von ihnen durchaus amüsant erscheinen können, sollte man sich in Acht nehmen, dass einem das Amüsement nicht im Halse stecken bleibt. Denn wirklich lustig ist es nicht, was da als Folge der Orwellschen Fantasie »1984« ausgedacht wurde. Noch ist es Zeit, zu verhindern, dass 2084 so wird. Aber in mancher Beziehung könnte es schon fünf vor zwölf sein …

Da waren es schon zwei

Klaus Hübner hat zum zweiten Mal zusammengestellt, und es war mir einmal mehr ein Genuss, dieses Buch zu machen. Auch wenn es diesmal ein klein wenig Diskussionsstoff gab.
Auf der Verlagsseite habe ich es erwähnt: Das Rösti machte Probleme. Klaus Hübner war von seiner Präsentation nicht wirklich überzeugt, aber ich konnte mich letztlich durchsetzen. Immerhin wird es im Titel genannt, und auch wenn der Fotomarkt keine sonderlich attraktiven Abbildungen der Schweizer Flachspeise hergab, so war doch zumindest die Oberflächenstruktur präsentabel. Und der Farbklecks schien mir wichtig. Von der Gesamtkomposition der Bilder ganz abgesehen, anderenfalls anstelle der röstigen Fläche eine Lücke geblieben wäre.

Immerhin. Das Buch ist fertig. Und worum es geht, das fasste Klaus Hübner für den Klappentext hinreichend informativ wie folgt zusammen: »Der zweite Band versammelt Arbeiten zur Gegenwartsliteratur aus Österreich und der Schweiz. Man lernt einen alttestamentarischen Aphoristiker kennen, einen ewigen Existentialisten, einen Lachsfischer aus Barbarswila, einen passionierten Helfer namens Viktor, einen albanischen Wiener und einen Berner aus Süditalien. Dazu siebenundsiebzig Geschwister, Pferdekutschen im Prater, erotische Malerei und einiges mehr. Sogar Habsburg steht in Flammen.«

(Und ich gebe zu: Wenn ich Barbarswila lese, muss ich immer an Barbapapa denken …)

Über den literarischen Tellerrand

Die meisten Namen in seinen Büchern sagen mir nichts. Ihre Bücher erst recht nicht. Und vielleicht ist die Auseinandersetzung mit den vier Büchern, die ich mit dem Werk Klaus Hübners veröffentlichen werde, gerade deshalb etwas Besonderes, etwas besonders Spannendes für mich.

Klaus Hübner ist Publizist und Literaturkritiker und hat über zahlreiche Autoren und deren Werke geschrieben. Schlaue Sachen, interessante Sachen, Sachen, die mich überrascht haben und überraschen, wo ich doch aus einer völlig anderen Ecke der Literatur komme. Hübners Essays, Kritiken und Rezensionen beschäftigen sich mit dem, was man in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland als Literaten bezeichnet. Das sind nicht einfach nur Autoren, nicht einfach nur Schreiberlinge – das sind Menschen, die in ihren Textwerken die Welt beschreiben und abbilden, die nicht die Menschheit, die Welt oder das Universum retten, sondern es erklären und detaillieren.

Meine privaten Lektüren sind bislang geprägt von meiner Zugehörigkeit zum Komitee des Deutschen Science-Fiction-Preises, und schon deshalb sind sie auch geprägt von einer gewissen Einseitigkeit, die sich oft mit Langeweile paart. Was mir Hübner mit seinen Texten andeutet, ist etwas ganz anderes.

Es werden vier Bände werden, die wir gemeinsam – Klaus Hübner und ich – zur Buchwelt bringen. Im ersten Band geht es bunt und munter zu, und es sind beileibe nicht nur Deutsche, über die da geschrieben wird, aber immer Schriftsteller, die ganz unabhängig von ihrer oft balkanischen, slawischen Herkunft auf Deutsch schreiben. (Der zweite Band wird sich auf Autoren aus Österreich einerseits und solche aus der Schweiz andererseits verlegen, so viel sei schon einmal verraten.)

Die Arbeit an dem unter dem Titel »Hippies, Prinzen und andere Künstler« erschienenen Band 1 der kleinen Reihe »Kein Twitter, kein Facebook« hat mir zwei Erkenntnisse gebracht:

Zum einen funktioniert die Vermarktung der oft auch nur in Kleinverlagen erscheinenden Werke ganz anders als auf dem SF-Sektor zu verlaufen. Man findet wenig zu den Büchern und vor allem die oft spartanischen und nahezu kunstbefreiten Umschläge sind nur selten in vernünftigen Auflösungen zu finden, was mir bei der Layoutproduktion so manches Kopfverbrechen bereitete.

Zum anderen bin ich auf eine Autorin gestoßen, von der es einen Roman gibt, der noch nie veröffentlicht wurde, und dessen Beschreibungen in Hübners Andeutungen mich neugierig gemacht haben. Leider kenne ich zwar den Eigner der Rechte an diesem Werk, weiß von diesem aber auch, dass mit keinerlei Unterstützung seinerseits bei der Beschaffung und der Arbeit an und um das Werk herum zu rechnen ist.

Die Arbeit an dem ersten Band – der zweite Band ist im Stadium der Fahnenkorrektur – hat großen Spaß gemacht. Nicht nur wegen des Layouts in einem meiner Lieblingsformate – dem quadratischen 210 x 210-mm-Format –, sondern auch wegen der spannenden Suche nach Buchcovern und Autorenfotos, die eben nicht immer ganz einfach war. Und natürlich wegen der Dinge, die ich lernen durfte – und noch lernen werde. Wie auch immer der Verkauf laufen wird – für mich hat das Buch bereits gelohnt.

Allergernste Bücher

Ich mache Bücher gern. Manche gerner. Und es gibt welche, die mache ich am allergernsten. »Vergangene Zukunft« gehört zur letzteren Kategorie. Die von Rainer Schorm und Jörg Weigand herausgegebene Sammlung von Essays und Storys sind Thomas R. P. Mielke gewidmet, der am 12.03.2020 achtzig Jahre alt geworden ist.

Details zum Buch findet man hier. In der Liste der Beiträger taucht mein Name nicht auf. Das ist durchaus Absicht. Immerhin bin ich der Verleger. Aber ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten fiel mir mein Beitrag sogar leicht:

Ich bin ein schlechter Archivar
oder
Zweieinhalb Erinnerungen aus einer Zukunft
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