Die Erinnerungen verändern sich. Manche verblassen. Manche bleiben einem glasklar in Erinnerung. Und doch können sie täuschen. Ich vertraue ihnen nicht. Nicht immer. Aber die Details sind auch nicht wichtig. Nicht immer.
2011, im Frühjahr. Wir fuhren nach Odelzhausen, ein Ort westlich von München. Dort gab es einen Verein – irgendwas mit »vier Pfoten«; es gibt ihn nicht mehr, er wurde wegen illegalem Welpenhandel dichtgemacht, hieß es –, bei dem wir uns Hunde anschauen wollten. Beim ersten Besuch fanden wir nicht, was wir suchten. Nach den Erfahrungen mit meiner ersten Kim – einem Labrador-Airdale-Terrier-Mix – schwebte mir wieder so etwas vor. Ein Labbimix. Schwarz. Das war ein Muss. Die Hunde, die wir anschauen konnten, passten alle nicht.
Als wir wieder daheim waren, bekamen wir Fotos per E-Mail geschickt. Eine schwarze Hündin namens Gigi.
Es war im Grunde sofort klar, dass sie unser Hund werden würde. Und als ich sie zum ersten Mal bei ihrem Namen rief, war klar, dass wir sie nicht Gigi nennen würden. Sie hieß Kim – wie ihre Vorgängerin. Das war ihr Name.
Als wir sie in Odelzhausen abholten, kam sie mir klein, fast ein wenig unscheinbar vor. Sie wirkte schüchtern, nahm ein Leckerli, aber sie wirkte irgendwie … verloren. Im Auto dann lag sie im Fußraum vor Frauchens Füßen und sie rührte sich nicht. An die eigentliche Heimkehr erinnere ich mich nicht mehr.
Die ersten Tage waren der Eingewöhnung gewidmet. Ich erinnere mich nicht daran, dass sie nicht stubenrein gewesen wäre. Aber sie wollte nicht fressen. Ich kniete zehn Minuten lang mit einer gefüllten Schüssel vor ihr und wartete. Aber sie wollte nicht fressen. Erst nach einigen Tagen siegte der Hunger. Und danach kam es nie wieder vor, dass sie nicht fressen wollte. Bis sich das dem Ende zu wieder veränderte, aber da sind wir noch nicht.
An Details aus der Anfangszeit erinnere ich mich nicht. Wir hatten irgendwann einen Pflegehund, einen kleinen Brackenmix, den wir Paula nannten, weil ihr eigentlicher Name Kims Namen zu ähnlich war. Die beiden kamen gut miteinander klar, und nach zwei, drei Wochen verschwand Paula wieder, fand ein neues Zuhause irgendwo am Ammersee.
