Tiere aus dem Tierheim haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen

(c) Annelie Fornoff, von TASSOs Website ausgeliehen

Auf TASSOs Website liest man zum Thema:

In Tierheimen warten unzählige Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und andere Heimtiere auf ein artgerechtes und liebevolles Zuhause. Tiere aus dem Tierheim und ihre Vermittlung haben leider oft einen schlechten Ruf. Mit diesem Artikel wollen wir mit einigen hartnäckigen Vorurteilen aufräumen und zeigen, dass die Adoption eines Tieres aus dem Tierheim eine wunderbare Möglichkeit für ein glückliches Zusammenleben von Mensch und Tier sein kann.

Mehr und Ausführliches dazu: hier.

[Naomi + Susi] Strawanzen

Frauchen lässt Naomi und Susi gerne frei laufen. Recht so – die Hunde sollen auch nicht leben wie die Hunde. Ungeschickt allerdings, wenn die zwei dann strawanzen gehn, wenn Frauchen noch zur Arbeit muss …

Naomi 23.03.2023 unterwegs :)

Die rot unterlegte Linie bedeutet, dass der Tracker auf »Live« eingestellt war, sodass man den Weg der lieben Naomi wirklich live verfolgen konnte.

Susi, 23.03.2023, auch unterwegs :))

Bei Susi war der Akku des Trackers dann leer (siehe Ende der rot unterlegten Linie); aber den Heimweg machte sie dann gemeinsam mit Frauchen und Naomi. Und auch, wenn es nicht so aussieht – Susi war zuerst wieder zurück …

[Kim] DORNs »The Way Back Home«

Kim, Weihnachten 2012

Natürlich wird sie den Heimweg nicht mehr finden. Aber darum geht es auch nicht in dem Lied von DORN (siehe hier). Und dennoch …

It is hurting that you have to go (…)
I’m sorry that you couldn’t stay, (…)

Oh i miss you more than words can say (…)

DORN - The Way Back Home

Durchschlagend

Weil ich die Folgen »Criminal Intent« auf Vox schon kannte, habe ich auf RTL umgeschaltet. Dort gab es »Enzo und die wundersame Welt der Menschen« (The Art of Racing in the Rain, USA 2019, https://www.imdb.com/title/tt1478839), ein Film um einen Golden Retriever, der die Legende glaubt, er könne als Mensch wiedergeboren werden, wenn er bereit dazu sei. Ein Film mit einer wundervollen Amanda Seyfried und einem wunderschönen Golden Retriever. Ein Film, den ich mir nicht anschauen konnte …

The Art of Racing in the Rain | Official Trailer [HD] | 20th Century FOX

Herrchen ist unterwegs. Frauchen geht es schlecht. Sie nimmt ihre Tochter und geht zu den Großeltern. Enzo bleibt zurück. Tagelang. Er beginnt zu halluzinieren und zerlegt die Stofftiersammlung der Tochter. Als die Familie zurückkehrt, wird Enzo gemaßregelt. Er versteht die Welt nicht, denkt, eines der Stofftiere hätte die anderen getötet …

An der Stelle bin ich ausgestiegen. Ich stelle immer häufiger fest, dass ich Filme – nicht einmal TV-Dokumentationen wie die »Die Tierärzte – Retter mit Herz« (freitags auf NDR 3) – mit Hunden nicht mehr anschauen kann, ohne dass die Erinnerungen an Kim wüst und sehr heftig durchschlagen.

Und es sind vor allem auch die Erinnerungen daran, wie oft man selbst zu seinem eigenen, geliebten Tier ungerecht gewesen ist …

[Susi] Tag 1, Klarstellung

Hätte die Videodatei keine eindeutigen Daten, würde ich nicht glauben, dass diese Aufnahme vom ersten Tag stammt, den Susi bei uns war:

So schüchtern und schreckhaft sie ganz am Anfang noch war — schüchtern ist sie nicht mehr, schreckhaft manchmal immer noch –, so hat sie doch eines klargemacht: „Hier wird gewohnt, wie ich das will!“ :) [Wobei festzuhalten ist, dass Susi kein Hund ist, der die Wohnung umdekoriert.]

[Kim] Der Anfang II

Kim soll ihre ersten anderthalb Jahre auf der Straße zugebracht haben. Sie muss mindestens einmal Junge bekommen haben, denn ihr Gesäuge war ausgeprägt (ausgeprägter zum Beispiel, als bei Naomi oder Susi). Der Tierarzt, der sie kastrierte, war vermutlich ein Metzger; kein vernünftiger Veterinär verpasst einer Hündin einen gut zwanzig Zentimeter langen Schnitt.

Und es war auf sie geschossen worden; in ihrem Körper steckten drei Diabolos (das ist Luftgewehrmunition), und einen davon hat sie mit in den Hundehimmel genommen, denn er saß zu nah an der Lunge, um herausoperiert zu werden; allerdings war die Kugel verkapselt, insofern ungefährlich.

Kim hatte ihre Baustellen. Sie mochte es nicht, am Hinterteil angefasst zu werden, jedenfalls anfangs. Von der Diabolo-Operation noch betäubt, nässte sie sich ein. Ich wollte ihr das Hinterteil mit einem Handtuch abtrocken, da schnappte sie im Halbdusel nach mir, erwischte den goldenen Ring meines Vaters und meinen Finger, der natürlich blutete. Ein wenig. Die Spur ihres Zahnes, der den Ring erwischte, ist noch da; ich werde sie auch nicht beseitigen lassen – das ist eine Erinnerung, nicht nur an Kim, sondern auch an meinen eigenen Fehler.

Es war nicht der einzige Fehler, den ich mit ihr machte. Wenn auch der blutigste. Als ich sie einmal auf dem Sofa sitzend in den Arm nehmen wollte, schnappte sie nach meinem Gesicht, erwischte mich aber nicht. Dass sie so reagiert, hätte ich mir denken können. Erst viele, viele Jahre später, 2022, um genau zu sein, ließ sie sich in den Arm nehmen, vor allem beim Tierarzt.

Der Fehler, der mir am intensivsten in Erinnerung bleiben wird, geschah beim Gassi gehen. Keine große Runde, in der Nachbarschaft, mehr nicht. Sie sollte nur noch einmal pieseln. Es regnete, ich hatte einen Schirm in der Hand (danach nie wieder beim Gassigang), in der anderen die Flexileine. Kim pieselte, die Flexileine – bzw. das schwere Gehäuse – rutschte mir aus der Hand, schoss auf den Hund zu, der panisch davon rannte, das verdammte Flexileinengehäuse immer hinter ihr her. Zum Glück blieb sie auf dem Gelände, auf dem wir wohnten, saß dann vor der Tür zum Haus, zitternd, ängstlich – und es gelang mir fast nicht, sie von der Tür wegzuziehen, um diese zu öffnen. Wie es danach weiterging, weiß ich nicht mehr – aber danach verschwand die Flexileine in der Versenkung und kam nie mehr zum Einsatz.

Kim im August 2012; da war sie freilich schon über ein Jahr bei uns.

[Kim] Der Anfang I

Die Erinnerungen verändern sich. Manche verblassen. Manche bleiben einem glasklar in Erinnerung. Und doch können sie täuschen. Ich vertraue ihnen nicht. Nicht immer. Aber die Details sind auch nicht wichtig. Nicht immer.

2011, im Frühjahr. Wir fuhren nach Odelzhausen, ein Ort westlich von München. Dort gab es einen Verein – irgendwas mit »vier Pfoten«; es gibt ihn nicht mehr, er wurde wegen illegalem Welpenhandel dichtgemacht, hieß es –, bei dem wir uns Hunde anschauen wollten. Beim ersten Besuch fanden wir nicht, was wir suchten. Nach den Erfahrungen mit meiner ersten Kim – einem Labrador-Airdale-Terrier-Mix – schwebte mir wieder so etwas vor. Ein Labbimix. Schwarz. Das war ein Muss. Die Hunde, die wir anschauen konnten, passten alle nicht.

Als wir wieder daheim waren, bekamen wir Fotos per E-Mail geschickt. Eine schwarze Hündin namens Gigi.

Kim, 2011. Damals hieß sie noch Gigi, und ihre später fast schwarzen Augen schimmerten braun.

Es war im Grunde sofort klar, dass sie unser Hund werden würde. Und als ich sie zum ersten Mal bei ihrem Namen rief, war klar, dass wir sie nicht Gigi nennen würden. Sie hieß Kim – wie ihre Vorgängerin. Das war ihr Name.

Als wir sie in Odelzhausen abholten, kam sie mir klein, fast ein wenig unscheinbar vor. Sie wirkte schüchtern, nahm ein Leckerli, aber sie wirkte irgendwie … verloren. Im Auto dann lag sie im Fußraum vor Frauchens Füßen und sie rührte sich nicht. An die eigentliche Heimkehr erinnere ich mich nicht mehr.

Die ersten Tage waren der Eingewöhnung gewidmet. Ich erinnere mich nicht daran, dass sie nicht stubenrein gewesen wäre. Aber sie wollte nicht fressen. Ich kniete zehn Minuten lang mit einer gefüllten Schüssel vor ihr und wartete. Aber sie wollte nicht fressen. Erst nach einigen Tagen siegte der Hunger. Und danach kam es nie wieder vor, dass sie nicht fressen wollte. Bis sich das dem Ende zu wieder veränderte, aber da sind wir noch nicht.

An Details aus der Anfangszeit erinnere ich mich nicht. Wir hatten irgendwann einen Pflegehund, einen kleinen Brackenmix, den wir Paula nannten, weil ihr eigentlicher Name Kims Namen zu ähnlich war. Die beiden kamen gut miteinander klar, und nach zwei, drei Wochen verschwand Paula wieder, fand ein neues Zuhause irgendwo am Ammersee.

[Susi] Wenn zweie einen Gassi tun

Es ist wieder Zeit für lange Gassigänge. Vor allem, wenn Naomi beim Schwimmen ist. Dann kommt Susi ins Geschirr, an die Leine – und ab auf die Strecke. Heute waren es gleich mal anderthalb Stunden durchs Wilde Moor:

Gestartet wurde natürlich daheim, aber den Tracker habe ich erst hinter der Zimmerei Opitz eingeschaltet.

Die Kimera

Auf Basis existierender Technik hatte ich einige Wochen vor Kims Abschied noch eine Erfindung zu vermelden: die Kimera.

Kim schlief zuletzt immer mehr. Und ihr Lieblingsplatz war die alte Hundebox, die wir angeschafft hatten, als Kim damals 2011 zu uns gekommen war. Sie stand auch in Murnau immer strategisch so gut, dass sie von dort aus einen guten Überblick hatte. Hier in Winnert stand die Box in der Diele; links geht es in die Küche, rechts zum WC und in Frauchens Arbeitszimmer, das wir auch als Wohnzimmer nutzen.

Solange sie schlief, war alles gut. Wenn sie wach wurde, war eine Reaktion gefordert: Sie musste durch die Küche und den Hauswirtschaftsraum nach draußen geführt werden, damit sie sich erleichtern konnte. Ich saß allerdings einige Meter entfernt in meinem Arbeitszimmer, mit dem Rücken zu ihrem Aufenthaltsort, sodass ich manchmal nicht mitbekam, dass sie wach wurde, denn nicht immer machte sie entsprechende Geräusche.
Also schaffte ich die Kimera an.

Die Kimera stand auf einem Hocker in der Tür zu meinem Arbeitszimmer. Dank der Technik – es handelt sich um ein Modell von Logitech – konnte ich Kim auch verfolgen, wenn sie später nicht gleich wieder in ihre Box zurückkehrte.

Die drei Fotos sind Schnappschüsse. Es gab natürlich noch mehr zu sehen. Lustig war es, wenn Kim direkt vor der Kimera stand, als würde sie wissen, was das darstellte. Oder Susi, die das ganz sicher haargenau wusste; einmal schlabberte sie mit ihrer Zunge über das Objektiv.
Inzwischen hat die Kimera keine Aufgabe mehr und sie wird auch diesen Namen verlieren, denn Kim ist ja nicht mehr da. Möglicherweise wird sie beizeiten eine Karriere als Naomera beginnen, aber das wird sich zeigen.