Number Nine

Am 20. Januar des Jahres 2013 erblickte sie das Licht der Welt, irgendwo in Griechenland, unter Umständen, die wir nicht wissen und vielleicht auch nicht mehr herausfinden können. Früh landete sie bei Eleni Papatanassiou, die ihr ein Heim gab, in dem sie nicht nur Artgenossen kennenlernte, sondern auch mit Liebe und Zuwendung aufwuchs, jedenfalls wohl keine schlimmen Erlebnisse hatte, die sie geprägt hätten. Ende April 2014 holten wir sie in Frankfurt am Flughafen ab und gaben ihr in Murnau am Staffelsee ein neues Zuhause, als Gefährtin für unsere Kim, die so gar nichts mit anderen Hunden anzufangen wusste. Es wurde eine unproblematische Aufnahme im neuen Heim, die beiden Hundemädchen verstanden sich, gingen friedlich miteinander um und sind heute längst Freundinnen, die sehr aneinander hängen, auch wenn man es nicht immer gleich bemerken kann.

Naomi. Meine kleine Griechenmaus. Mein Hundemädchen. Meine kleine Naomi, mein Schatz, mein Engel – sie wird heute neun Jahre alt, und da ich weiß, in welcher Umgebung sie lebt, von welchen Menschen und Hundekumpels sie geliebt wird, wünsche ich ihr vor allem Gesundheit, viel Gesundheit und lange Zeit, die sie uns auf unserem Weg begleiten wird.

Sonnentag

Weihnachten in Winnert ist kalt. Es gibt Schnee. Nicht viel, das meiste ist inzwischen angeschmolzen und wieder gefroren. Der Asphalt auf Nebenstraßen ist stellenweise spiegelglatt.

Mittags waren draußen -6 Grad, laut wetteronline.de. Der Himmel war klar, strahlend blau. Strahlend war auch die Sonne, auch wenn sie winterlich tief stand. Aber unser Gassigang zum Moorsiekweg entpuppte sich als schön, als angenehm. Der kombinierte Fuß- und Radweg war nicht frei von angefrorenem Schnee und glatten Stellen, aber es ging. Kim lief wie immer stur vornweg; auch wenn sie inzwischen wohl sehr schlecht sieht, ist sie immer noch kein Nasenhund. Naomi und Susi indes schnüffelten reichlich.

In der strahlenden Sonne wurde es sogar richtig warm. So warm, das sich die Wollmütze abnehmen konnte. Und so warm, dass Kim mit ihrem schwarzen Fell ordentlich Wärme tankte und sogar ein wenig hechelte. Vielleicht lag es auch an der Anstrengung ihrer alten Knochen, aber ich glaube, es war die Sonne.

Unter Wolken wäre es nicht so kalt gewesen. Aber auch nicht so schön.

Alter Kumpel, neues Jahr

Gerd Frey kenne ich seit einer kleinen Ewigkeit. Ende der Achtziger schrieben wir uns Briefe, und 1989 begegneten wir uns erstmals persönlich, als er mich gemeinsam mit Ralf Lorenz in Bayern besuchte.
Legendär sein Ausspruch »Dafür müssen wir einen Monat arbeiten«, als ich am Münchner Stachus Geld aus einem Automaten zog. Und kritisch die versehentliche Idee, nach dem Besuch von Schloss Linderhof über Reutte in Tirol zurückzufahren – damals gab es die DDR noch, und DDR-Bürger, die Ralf und Gerd waren, hätten für Österreich ein Visum gebraucht. Zum Glück – oder auch nicht – war schon damals der Grenzübergang hinter Schloss Linderhof ein grüner Übergang ohne Kontrollen und Schranke.
Jahrelang arbeiteten wir bei den ANDROMEDA NACHRICHTEN des SFCD zusammen; er lieferte alle drei Monate eine reich bebilderte Sparte »eGames« zu thematisch einschlägigen Computer- und Konsolenspielen. Und dass ich seine Geschichtensammlungen und Romane veröffentlichen würde, darüber gab es eigentlich keine großen Diskussionen. Seine in meinem Verlag erschienenen Werke findet man hier.

Das neue Jahr naht, unweigerlich. Und jedermann braucht einen Kalender. Gerd Frey präsentiert in seinem Kalender eine Auswahl der in den letzten zwanzig (!) Jahren entstandenen Illustrationen und Titelbildern verschiedener Publikationen, darunter EXODUS und NOVA. Der Kalender wird in DIN A3 (EUR 25,- incl. Versand) und DIN A4 (EUR 15,- incl. Versand) geliefert; die Preise sind Selbstkostenpreise. Bestellen kann man den Kalender bei G.R.I.M.M. ScanPLot & DigiDruck, am besten per E-Mail an gf@grimm-repro.de.

Drei Jahre

Beinahe hätte ich das Datum verpasst. Arbeit, Arbeit, Arbeit. Aber gut … noch haut es hin.

Heute vor drei Jahren war der erste Tag in Winnert, den man als regulären Tag nach  unserem Umzug bezeichnen kann. Natürlich standen noch massenhaft Kartons herum, wie das nach einem Umzug so ist, aber im Grunde waren wir am 09. Dezember 2018 angekommen.

Am 05. Dezember kam der Umzugswagen und postierte sich vor dem Firmengebäude meines damaligen Nocharbeitgebers, in dem sich unsere Wohnung befand. Die Jungs waren fleißig und so konnte ich nach der Wohnungsübergabe um 15 Uhr aufbrechen und Murnau für alle Zeiten den Rücken kehren. Meine Frau und die Hundemädchen Kim und Naomi waren schon am 02. Dezember aufgebrochen und bei meinem Bruder im Rheinland eingekehrt. Dort schlug ich am 05. Dezember auch auf – um 22.30 Uhr.

Am Nikolaustag 2018 trafen wir uns morgens mit meiner Mutter im Café Heinemann in Düsseldorf.
Um 12 Uhr brach ich dann alleine nach Winnert auf.
Nach rund 300 Kilometern meldete der VW Passat eine Motorstörung. Er zog nicht mehr, mehr als 2500 Umdrehungen brachte der Motor nicht. Da ich nicht wusste, woher der Fehler kam, wagte ich nicht anzuhalten und den Motor auszuschalten. Sogar während einer Pinkelpause ließ ich den Motor laufen. Zum Glück kam niemand auf die Idee, den Wagen zu klauen. (Und hätte ich gewusst, dass es auch im Norden der Republik Usus ist, einen Motor im Leerlauf stehen zu lassen, hätte ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht.)
Gegen 18 Uhr kam ich in Winnert an, machte den Motor aus – ich hätte halt im leeren Haus übernachtet, irgendwie –, startete ihn erneut … und er lief, einwandfrei, ohne den Motorfehler. »Arsch!«, dachte ich. (Später stellte sich heraus, dass das Problem mit dem Turbolader zu tun hatte; ein Ventil, das sich nicht mehr richtig öffnen wollte oder so.)
Nach der Schlüsselübergabe durch den Vorbesitzer übernachtete ich in einer Pension in Friedrichstadt, einem Nachbarort von Winnert. Der Ort war mausetot. Ich gönnte mir einen Döner auf die Hand, nahm noch zwei Flaschen Bier mit und zog mich dann zurück. Zu entdecken gab es ja nichts.

Am 07. Dezember kam der Umzugswagen morgens gegen acht Uhr. Wieder waren die Jungs fleißig und gut drauf.
Es ergab sich die Notwendigkeit einer spontanen Umplanung. Hatten wir unsere Arbeitszimmer im Obergeschoss vorgesehen, stellte sich heraus, dass die zwei Teile meines Riesenschreibtischs nicht durchs Treppenhaus nach oben zu bringen waren. Also plante ich spontan und kurzerhand um, informierte meine Gattin von der Änderung … und aus heutiger Sicht erweist sich das als Vorteil, denn zum einen müssen die Hunde nicht ständig Treppen steigen – Kim könnte das schon gar nicht mehr –, zum anderen hat meine Holde nun das Obergeschoss als Praxis für ihre Heilpraktikerinnenkarriere für sich.
Gegen 14 Uhr waren alle Sachen ausgeladen, der Umzugs-Lkw leer und die Jungs rauschten ab, nachdem ich ihnen ein ordentliches Trinkgeld gegönnt hatte. Den Rest des Tages verbrachte ich mit einer Tour nach Husum und ersten Aufräumarbeiten. Am Abend lief schon der Fernseher – ab diesem Zeitpunkt war ich offiziell in Winnert im Norderweg 31 angekommen.

Am 08. Dezember nahm ich meinen PC-Arbeitsplatz in Betrieb – immerhin ein zentraler Punkt meines Arbeitslebens –, und gegen 14 Uhr kamen dann meine Weibsbilder an.

Und ab 09. Dezember begann dann das »normale« Leben in Winnert.

Drei Jahre ist das also nun her. Drei Jahre Winnert. Drei Jahre Nordfriesland. Mir taugt es immer noch, und meine Frau vermisst immer noch Berge, Nadelwälder (weil die im Winter nicht kahl werden) und Schnee. Und den Hundemädels ist es wurscht – solange es Leckerlis und genug zu futtern gibt …

Gelb

Das war im Frühling.

Löwenzahn noch und nöcher. Nicht nur auf den Wiesen, auf denen zuletzt Schafe weideten. Immer wieder mal. Eine gelbe Schwemme. Als würde der Löwenzahn dem Raps zeigen wollen, wie er nachher auszusehen hätte.

Und auch vor unserem Haus sah es ja so aus. Im Frühling 2021.
Vielleicht zum letzten Mal. Im Rahmen der Gründung und Eröffnung der Heilpraktikerpraxis von Frau Haitel werden wir Parkplätze benötigen, und wie es aussieht — die Frage nach einer Genehmigung ist noch ungeklärt — wird dafür der Grünstreifen vor unserem Haus verschwinden. Man wird sehen. Immerhin gibt es auch an anderen Stellen in Winnert Platz für Löwenzahn.

Soundcheck

Wenn man von Fontana nach Xlendi über die Triq tal-Ghajn wandert, dann liegt irgendwo in der Mitte »La Grotta«, eine Diskothek in einer Felsenhöhle. Ich war nie drin, auch damals nicht, aber ich machte 2007, als ich drei Wochen auf Gozo weilte, jede Menge Wanderungen. Und an dem Nachmittag, als ich über die Triq tal-Ghajn durch das Tal gen Xlendi wanderte, machten die im »La Grotta« einen Soundcheck – bei geöffneten Toren. Und der Sound donnerte durchs Tal bis hinunter nach Xlendi …

The Chemical Brothers - Galvanize (Official Music Video)

Abhängen in SPO

Donnerstag, 09.09. Frau hatte Sankt Peter-Ording (kurz SPO) verordnet. Ein paar Stunden. Strandkorb reserviert.
Natürlich ging es verspätet los. Halbe Stunde. Die Fahrt war nicht sehr schön. Obwohl es mitten in der Woche war, war uferlos viel Verkehr. Die B5 Richtung Hamburg ist sowieso eine Katastrophe. Die B202 gen SPO nicht minder. Irgendwann war vor mir so eine Minikarre mit einem zögerlichen Fahrer, der meinte, er müsste mir in den Weg fahren, als ich zum Überholen angesetzt hatte. Und natürlich – ganz Lehrer – wurde gemächlich beschleunigt, nur keine Hektik, nur nicht hudeln. Ein bisschen Telekinese wäre nicht schlecht gewesen, dann wären ihm ob meiner Flüche wenigstens die Eier abgefault. Braucht er sowieso nicht, solche Fahrer sollten sich nicht vermehren dürfen.
Die Zufahrt zum Strandparkplatz war belebt. Ich denke, wir haben eine halbe Stunde gebraucht, bis wir dann auf dem Strand waren. Rundherum gab es jede Menge hirnlose Radfahrer, die meinten, sie hätten irgendwelche Vorrechte. Eine Frau war sogar der Ansicht, dass es sinnvoller sei, sich umfahren zu lassen, statt einfach mal Blickkontakt aufzunehmen. Und dann wird natürlich gemosert, weil ja immer die Autofahrer schuld sind; dabei war die Radlerspur – extra ausgewiesen – auf der anderen Fahrbahnseite.
Ich musste für kleine Grafen. Und hatte natürlich die Maske im Auto liegen lassen. Wer kommt auch am helllichten Tag auf den Gedanken, auf dem WC eine Maske zu brauchen. Eine nette Dame schenkte mir eine. Noch dazu eine, die perfekter saß als jede andere, die ich zuvor aufsetzen durfte. Danke sehr, Gnädigste. Ich werde sie in Ehren halten.
Im Strandkorb, der mit dem Rücken zur Sonne gedreht stand, war es dank ablandigem Wind durchaus kühl. Angenehm kühl. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Frau nölte rum. Warum ich das Notebook nicht mitgenommen hätte. Ob ich was zu lesen dabei hätte (hatte ich). Ob ich mich nicht nackig machen wollte (wie immer war der Hundestrand auf dem FKK-Gelände – deutsche Verantwortliche für so einen Schwachsinn sind meines Erachtens so krank, dass sie eingewiesen gehören) – und nein, wollte ich nicht. Und lauter so Sachen. Irgendwann zog sie dann mit Naomi zu einem längeren Gassigang ab und ich hatte meine Ruhe, sofern man Kims ständige Versuche, an Leckerlis zu kommen, nicht als Störung betrachten wollte. Wollte ich nicht.
Zum Daddeln auf der Blödbeere war es zu hell. Ohne Brille und aus fünf Zentimeter Entfernung ging es. War aber langweilig. Lesen ging besser (es geht halt nichts über einen anständigen E-Book-Reader), ermüdete mich aber. Die meiste Zeit saß ich da und glotzte in die Landschaft, nahm unwichtige Details wahr, an die ich mich auch nicht mehr erinnere.

So vergingen die Stunden. Am Ende wollten wir noch was essen gehen. Eigentlich hatte ich keinen Hunger. Andererseits wäre es schon mal wieder ganz nett, was anderes als Lachs und Sommergemüse zu sich zu nehmen. Aber die »Silbermöwe« war zwar offen, aber dicht – alle Plätze besetzt, Zugang abgesperrt, Warteschlange davor. Also Heimfahrt.
Irgendwo zwischen der B5, Südermarsch und Rantrum gab es eine Ampel. Angesagte zehn Minuten Rotphase. Die Straße war von Blechplatten bedeckt. Offensichtlich war da jemandem der Asphalt ausgegangen. Oder eine blöde Idee gekommen. Frau meinte, man bräuchte durchaus zehn Minuten für die Strecke. 5 km/h waren erlaubt.
Nachdem meine Ampel auf Grün wechselte und ich losfahren konnte, kam mir noch ein Lahmarsch in einem Mercedes entgegen. Nun gut. Schlimmer und unverschämter war der Arsch von Busfahrer – mit einem riesigen Reisebus – und der nachfolgende Wichser in einem Mercedes Viano, die offensichtlich in der Fahrschule gepennt hatten, als die rote Ampel dran war.
Daheim gab es dann einen Haufen Arbeit. Buchbestellungen. Nachdruckaufträge. Und zum Abendessen gab es Lachs mit Sommergemüse.

Grille bei 70

Vielleicht war es auch nur ein Grashüpfer. Ich bin kein Biologe. Jedenfalls saß das Tierchen auf der Windschutzscheibe. Den Schädel tapfer in Fahrtrichtung gedreht. Die langen Fühler bogen sich weit nach hinten. Ich entdeckte das kleine Tier erst, als ich schon mit den auf der Strecke vorgeschriebenen 70 km/h unterwegs war. Nun ja, dachte ich mir. Wenn’s ihm nicht gefällt, wird es loslassen und abfliegen. Tat es aber nicht. Tapfer blieb es haften, und es ist schon beeindruckend, was so winzige Insektenfüßchen können.
Daheim im Carport ließ ich die Hundemädchen raus, und bevor ich mein Zeug zusammenpackte, schaute ich nach dem Tierchen. Es saß nach wie vor an der gleichen Stelle auf der Windschutzscheibe und rührte sich nicht. Die Fühler wiesen nun nach vorne, sie waren so lang wie das Insekt selbst. Und nichts rührte sich. Ich stupste es an. Nichts.

Tage später saß es immer noch dort. Ich nahm es in die Hand und schaute es an. Schließlich musste ich den Exitus konstatieren. Wann der eingetreten war, konnte ich nicht feststellen. Ich bin kein Pathologe.

Eine Form von Gedankenlosigkeit

Aus unerfindlichen Gründen werden die Randstreifen auch von Feldwegen und Schotterstraßen mehrmals im Jahr gemäht. Da wächst Gras, da wachsen Brennnesseln, Farne, blühende Pflanzen, da spielt sich ein reichhaltiges florales Programm ab. Und irgendwann kommt irgendjemand mit irgendeinem Gerät und mäht das alles weg. Obwohl eigentlich keine Not besteht, denn die fraglichen Wegstrecken wachsen deshalb nicht gleich zu.
In der Regel wird das ordentlich gemacht. Oftmals von Auftragnehmern einer Gemeinde, sicher nicht selten auch von einem Landwirt. Das hier allerdings war ein Idiot:

Das war kein Landwirt. Das war jemand, der nicht nur kein Interesse an der Natur um sich herum hat, nein, das war jemand, der noch dazu mit einem untauglichen Gerät, von dem er keine Ahnung hatte, echtes Unheil angerichtet hat.
Die Vermutung liegt eindeutig nahe, dass hier ein Schaufelradbagger hergenommen wurde, um die komplette Grasnarbe am Randstreifen wegzufräsen. Da wurde keinerlei Rücksicht darauf genommen, dass da vielleicht noch mal Pflanzen nachwachsen sollten. Oder auch nur könnten. Nein, da wütete idiotische Zerstörungswut. Und wenn dann genügend Unheil auf der Schaufel versammelt war, wurde das Ergebnis einfach hingekippt:

In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen.
Eigentlich kann einem das egal sein. Oder auch nicht. Nicht nur, dass es scheiße aussieht, nicht nur, dass dieser plattgemachte Randstreifen nach einem Regenguss pure Matsche ist, nein …
Der Weg, auf dem der Idiot da unterwegs war, ist ein Weg mit einer Oberfläche aus Sand und Steinen bis zur Größe einer Männerfaust. Die großen Steine sind selten, aber sie sind vorhanden, und der Idiot hat sie mit seiner über den Boden schleifenden Schaufel aus der sonst ziemlich gut festgefahrenen Oberfläche gerissen und sie in der Gegend rumgeschleudert. Nun liegen sie nicht mehr im Wegboden, sondern darauf – und wenn man berücksichtigt, dass auf dieser Strecke zwischen den sogenannten »Waldzwergen« – eine Art Waldkindergarten – und der Abzweigung nach Hude auf dem Weg zum Lehmsiek durchaus Autoverkehr stattfindet, dann wird das zur besonderen Freude der Autofahrer sein, denen so ein männerfaustgroßer Stein vielleicht in den Radkasten oder gegen den Unterboden knallt.

Das, was da zerstört wurde, war ein circa einen Kilometer langer Randstreifen zu beiden Seiten des aus Sand und Kieseln bestehenden Weges, den ich besonders bei hohen Temperaturen am Nachmittag gerne zu einem Gassigang nutze, weil er dann größtenteils im Schatten liegt. Ich schaue mir an, wo ich da entlang gehe, ich beobachte, was sich da abspielt, und dergleichen Dummheit, nachgerade Idiotie, jedenfalls aber Gedankenlosigkeit ist ein Zeichen für mich, dass es mit dem Umweltschutzgedanken in diesem Lande und vermutlich in unserer ganzen Welt nicht nur nicht weit her ist – er wird ständig ad absurdum geführt. Denn wenn schon in so einer Sache keine Rücksicht auf die Welt genommen wird, dann ist für mich nicht vorstellbar, wie das im Großen funktionieren soll. Da bleibt letztlich nur die Erkenntnis, dass viel geredet, viel gejammert, protestiert, demonstriert wird – aber der Einzelne, der ja angeblich schon als gutes Beispiel vorangehen kann, der Einzelne tut einfach nichts.

Löwe 60

Seltsam, welche Informationen man in Erinnerung behält. Telefonnummern zum Beispiel, ich wähle eine Nummer zweimal und vergesse sie nicht mehr. Jedenfalls nicht gleich.
Heute Morgen fällt mir ein, dass meine erste Gattin heute ihren 60. Geburtstag feiert. Einfach so. Der Einfall; der Geburtstag ist ja von langer Hand geplant. Warum mir das eingefallen ist, weiß ich nicht. Seit ich auch für meinen Sohn keinen Unterhalt mehr zahlen muss, gibt es keinen Kontakt mehr. Zu ihr nicht, zu meinem Sohn – der dieses Jahr 34 Jahre alt wird – auch nicht. Und trotzdem.

Erinnerungen sind merkwürdig. In der Regel macht man sich keine Gedanken, wofür sie gut sind. Den 60. Geburtstag meiner ersten Ehegattin würde ich eher als unnützes Wissen klassifizieren. Aber es ist halt da.