[VDS] »Das Beste am Norden ist unser Dickkopf.«

NDR bleibt beim Gendern

Der NDR hat bekannt gegeben, trotz der Empfehlung des Rats für Deutsche Rechtschreibung, weiterhin an der Praxis des Sprachgenderns festzuhalten. Im Vorfeld hatte die FDP in Mecklenburg-Vorpommern den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dazu aufgefordert auf die Verwendung von Gendersternchen und Doppelpunkten zu verzichten. Die Sendersprecherin erklärt, dass es im NDR keine direkte Anweisung zum Gendern gebe, sondern die Beschäftigten lediglich dazu angeregt werden, sensibel mit dem Thema Gendersprache umzugehen. Auf eine bestimmte Form werde sich jedoch nicht festgelegt. Verständliche und geläufige Formen sollen verwendet werden, dazu zählen die Doppelnennungen („Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten“), neutrale Bezeichnungen („Team“, „Gäste“) oder Partizipien („Teilnehmende“). Reportern stehe es frei, im Hörfunk und Fernsehen den Glottisschlag, also die Sprechpause, zu verwenden. Im Hinblick auf verschiedene Formate sei der Gebrauch unterschiedlicher Genderformen eine „freie redaktionelle Entscheidung“. In der Schriftsprache des Norddeutschen Rundfunks werde neben den neutralen Formulierungen auch der Genderstern verwendet, wenn eine große Zahl von Menschen angesprochen werden soll. Trotz der weit überwiegenden Mehrheit, die das Gendern als störend oder unwichtig empfindet, hält der NRD also an dieser Praxis fest. (nordkurier.de)

[aus dem Infobrief vom 31.07.2023 des VDS e.V.]

[VDS] Was einem manchmal durch den Kopf geht

Bisweilen muss man sich wohl zwangsweise die Frage stellen, was in den Gehirnen mancher Menschen vor sich geht — und ob da überhaupt noch etwas vor sich geht, das sich mit den üblichen Gehirnfunktionen erklären lässt:

Nun auch klimagerechte Sprache

Klimaschutzaktivisten, wie der österreichische Klimaschutzbeauftragte und Lobbyist Ernst Walter Schrempf, fordern die Einführung einer „problemgerechten Klima-Sprache“ in den Medien und im politischen Diskurs. Schrempf hält zu dem Thema regelmäßig Vorträge. Wörter wie „Klimawandel“ oder „Erderwärmung“ sind für ihn eine Verharmlosung der Probleme. Er ist der Meinung, dass „über Generationen eingeprägte Denkmuster“ sprachwissenschaftlich aufgehoben werden müssen. Anstelle der „Klimaerwärmung“ müsse von der „Klimaerhitzung“ gesprochen werden, damit der Handlungsbedarf hervorgehoben werde. Auch verniedliche das Wort „Klima-Krise“, man solle von einer „Klima-Katastrophe“ sprechen. Eingeprägte Wahrnehmungen würden sich durch Anpassung der Sprache im öffentlichen Diskurs beeinflussen lassen, das könne die Menschen dazu veranlassen, die Klimafrage ernster zu nehmen. (presseportal.de)

[aus dem Infobrief vom 31.07.2023 des VDS e.V.]

[VDS] Infobrief vom 31.07.2023

Zu den Texten geht es hier. — Die nachfolgend rot markierten Texte sind besonders lesenswert.

Das Inhaltsverzeichnis:
1. Presseschau
• 16.000 gegen Gendersprache vom Amt
• Nun auch klimagerechte Sprache
• Weichgespülte Schlagertexte
2. Gendersprache
• Gendersprachliche Abstimmungsvorlage abgesetzt
• Korbach gendert seine Kommunikation nicht
• Keine Genderzeichen in Niederösterreich
• „Komplett out“
• Volksabstimmung 2023
• NDR bleibt beim Gendern
3. Kultur
• Martin Walser gestorben
• Kreativer Sprachunterricht
• Lutz Seiler erhält Georg-Büchner-Preis
• Schweizer Band nutzt Mundart
4. Berichte
• Neue Wettbewerbe
5. Kommentar
• Nochmal zum Rechtschreibrat
6. Termine

Immer weiter, immer weiter

Herbert W. Franke ist nicht mehr unter uns – am 17.07. gab es in Kiel eine Veranstaltung, einen Tag nach seinem ersten Todestag, und ich hatte das Vergnügen, Susanne Päch und Hans Esselborn zu treffen. Und auch wenn Herbert – den ich tatsächlich duzen durfte; vor zwanzig Jahren wäre ich vor Ehrfurcht im Boden versunken – nicht mehr auf dieser Welt ist, gibt es keinen Grunde, seine Werkausgabe nicht fortzuführen.

Und dies geschieht in diesen Tagen mit dem 32. Band der Werkausgabe, betitelt »Jede Menge Leben«, was in Anlehnung an »Keine Spur von Leben …« bereits darauf hinweist, dass es in diesem neuen – und vermutlich immer noch nicht letzten – Band um Hörspiele geht, und zwar um Hörspieltexte, die im Gegensatz zu einer ganzen Reihe anderer (und nicht nur in »Keine Spur von Leben …«) bereits veröffentlichter Texte die Existenz zwischen zwei Buchdeckeln noch nicht genießen durften.

Für eine Werkausgabe ist dieser Band ein Muss. Er erweitert die Textveröffentlichungen Frankes um bislang ungelesenes Material – und nicht jeder kann oder mag die alten Hörspiele noch einmal anhören, wenn sie überhaupt irgendwo verfügbar sind. (Sind sie bestimmt, z. B. in der Phonothek des Science Fiction Club Deutschland e.V.; aber es sind halt zwei Seiten einer Medaille – hörbares Spiel und lesbarer Text, und manch einer mag vielleicht beides gemeinsam goutieren.)

Für Thomas Franke war dieser Band eine kleine Herausforderung. Umgeben von den Unbillen des Lebens – andere Story, hier ist nicht der Ort – tat er sich nicht nur schwer mit dem Motiv an sich, auch die Tatsache, dass wir – die Herren Esselborn, Blode und ich – ihm verheimlicht hatten, dass es am Ende der Werkausgabe noch deutlich über dreißig Bände hinausgehen würde, führte nicht zur großen Freude seinerseits. Denn die farbliche Gestaltung seiner Umschläge ging von einer dreißigbändigen Werkausgabe aus – nun sind wir bei Band 32, und es ist noch mit weiteren zwei Bänden zu rechnen. Aber gut – Herausforderungen sind dazu da, gewuppt zu werden, und Thomas Franke wäre nicht »Künschteler«, hätte er das Problem nicht elegant bewältigt.

Franke, Herbert W., JEDE MENGE LEBEN

Steampunk, nachgelegt

Es war einmal eine Anthologie namens »NECROSTEAM«, herausgegeben von Detlef Klewer. Sie erschien als AndroSF 132 im Januar 2021. Benannt war sie als »Cthulhupunk«-Anthologie, was als Spezialversion des Steampunk gemeint war. Und ist. Steampunk mit Cthulhu. Steampunk mit Lovecraft.

Einer der teilnehmenden Autoren war Ivan Ertlov. Der in Australien lebende Österreicher ist ein Fleißiger, und so hat er nach seiner Geschichte in der »NECROSTEAM«-Anthologie noch einen ganzen Roman im Setting der Anthologie: »Jenseits der Hoffnung« ist nicht nur ein Stück Steampunk mit lovecraftschen Einflüssen, sondern auch eine Art Sittengemälde einer Zeit, die so nie wirklich stattgefunden hat, die man sich nach der Lektüre allerdings so gut vorstellen kann, als hätte es sie genau so und nicht anders gegeben.

Ich habe eigentlich keinen sonderlich guten Draht zum Steampunk und Lovecraft gehört jetzt auch nicht zu meinen Lieblingsautoren, aber Ivans Werk hat mich sehr gefangen genommen. Seine cthulhuschen Elemente und Anspielungen sind erkennbar vorhanden, aber nicht so massiv, dass man vom eigentlichen, eben eine fiktive, aber vorstellbare Gesellschaft im neunzehnten Jahrhundert beschreibenden Gehalt der Geschichte abgelenkt würde. Insgesamt eine gelungene, sehr harmonische Konstruktion, die noch dazu mit fantastischen Ideen und Spannung brillieren kann.

Ertlov, Ivan, JENSEITS DER HOFFNUNG

 

 

Luftige Überraschung

Der Titel »AIR« ist keine Abkürzung, sondern weist darauf hin, dass es in Lukas Verings erstem Roman nicht nur, aber vor allem auch um Luft geht. Eigentlich war das Imprint »Zwischen den Stühlen« nicht vorrangig gedacht, sich auch mit Science-Fiction zu beschäftigen, aber man kann eben Genremixe auch mit SF bewerkstelligen, verboten ist das ja nicht. Und was »AIR« an SF-Elementen bietet, wie gut der Roman auch in dieses von vielen Verlagen gern gemiedene Genre passt, das hat mich sehr überrascht. Während meiner Arbeiten am Text und Buchlayout war für mich sehr schnell klar, dass »AIR« auch eine Chance im DSFP erhalten wird, erhalten muss. Denn diese Mischung aus Gesellschaftsutopie und Science-Fiction hat Potenzial auf einen Science-Fiction-Preis.

Vering, Lukas, AIR

Tyson war schuld

Tyson ist ein Boxer. Aus der Nachbarschaft. Reinrassig. Er ist wohl noch nicht sehr alt, ich weiß es nicht. Aber er ist das, was man gerne als Rüpel bezeichnet. Er ist stürmisch, seine Bremsen sind auch im Umgang mit Artgenossen nicht immer sehr gut. Er ist nicht böse, ganz im Gegenteil. Aber er ist halt stürmisch. Naomi mag das nicht. Susi hat mit ihm wohl weniger Probleme. Und gerade Susi lässt sich ja ungern eine Gelegenheit entgehen. Zum Beispiel, wenn Frauchen sie — wegen Tyson — von der Leine lässt, damit sie mit ihm … ähm, damit sie abhaut …

Nächster Tag, gleiches Spiel. Susi wieder voraus …

… und Naomi hinterher. Eigentlich langweilig.

Und wie gehabt stammt die rote Spur vom Live-Tracker.

Rückkehr einer Schriftstellerin

Eine echte Rückkehr ist es vermutlich nicht. Aber Veronika Grager hat mir ganz am Anfang meiner Verlegerkarriere mit ihrem Roman »Nanobots. Gefährliche Teilchen« die Freude gemacht, den Band 2 meiner inzwischen längst eingestellten Reihe »Action, Thriller, Mystery« darzustellen. Das Buch ist in einer überarbeiteten Fassung längst in einem anderen Verlag neu aufgelegt worden, und all die Jahre haben wir wenig bis nichts voneinander gehört oder gelesen. Aber Veronika war fleißig – und schon letztes Jahr wollten wir die Storysammlung veröffentlichen, die nun 2023 erscheint. Dass es nicht zustande kam, hatte terminliche Gründe – aber 2023 war es dann nun doch gelungen.

Das Buch enthält einen vielfältigen Reigen von Geschichten unterschiedlicher Genres, darunter auch Science-Fiction (in gleich drei Storys), ein bisschen Fantasy und natürlich – das ist ihr Metier schlechthin – Krimis. Es gibt ja immer noch jede Menge kluge Menschen, die behaupten, Genremixe würden nicht funktionieren, vulgo: wären nicht erfolgreich. Aber wer sich von dieser Sammlung nicht einfangen lässt, dem ist auch mit monogenerischen Sammlungen nicht geholfen, der hat einfach ein ganz anderes Problem.

Wie auch immer: Es war mir eine große Freude, noch einmal einen »Grager« verlegen zu dürfen und hoffe doch, dass er »ankommen« wird.

Grager, Veronika A., DONAUWEIBCHEN KÜSSEN HÄRTER

Strawanzen

Nein, es ist kein Viech, keine Strawanze. Strawanzen ist ein süddeutscher Ausdruck für … hm … Rumtreiben, Stromern, Herumlaufen, Ausbüxen … Strawanzen halt. Und unsere beiden kleinen Weltmeisterinnen im Strawanzen waren wieder unterwegs. Mit Frauchen. Erst fast eingeschlafen, wie sie meinte, waren sie auf einmal unterwegs. (Die rot unterlegten Spuren zeigen an, welche Strecke sie mit „live“ geschaltetem Tracker zurückgelegt haben. Und am Beginn der geraden diagonalen Linie waren sie dann in meinem Wagen …)

Susi ist wie immer als Erste losgerannt …

… und Naomi hinterher!

Bemerkenswert ist immerhin, dass die beiden zusammen laufen — und das haben sie bislang immer gemacht. Susi vorneweg, Naomi hinterher. Klare Aufteilung der Zuständigkeiten :)

[VDS] Infobrief vom 23.07.2023

Der direkte Weg zum vollständigen Inhalt geht hier entlang.

1. Presseschau
• Ratlosigkeit
• Gesprächige Babys
• Irre Begründung
• Keine Synchronsprecher mehr?
• Teurer Fehltritt
• Sprache und Klimaschutz
2. Gendersprache
• Wendland beantragt Gender-Aus in Bochum
• Gendersprache weiterhin unbeliebt
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Brötchentaste
4. Kultur
• Mundartverein für Nordbaden
• Althochdeutsch von der Insel Reichenau
• Sommerfest der Mundart in Korschenbroich
5. Berichte
• Klage abgewiesen
6. Soziale Medien
• Sächsisch begeistert Instagram
7. Kommentar
• Wandern ist rassistisch
8. Termine