Daedalos, Rückkehr eines Phänomens

Ich erinnere mich nicht, aber ich denke, in den Achtzigern oder Neunzigern hatte ich Kontakt mit Hubert Katzmarz. Kurz nur, und ich erinnere mich nicht mehr, worum es ging. Vielleicht einfach nur so.
Anfang der Zwanzigzehner gab es dann einen indirekten Kontakt, der in den Sammlungen »Alptraumhaft« und »Schattenspiel« und später in der von Andreas Fieberg herausgegebenen Hommage »Abschied von Bleiwenheim« mündete.

Den ersten Kontakt mit »Daedalos«, dem Neunzigerjahre-Reader für Fantastik, hatte ich nach diesen Büchern, als Ellen Norten die Idee eines »Best of« der alten Daedalos-Ausgaben aufbrachte.

Norten, Ellen (Hrsg.), DAEDALOS 1994–2002

Das Buch, das es als Softcover noch gibt – das Hardcover mit limitierter Auflage ist förmlich verdampft –, zeigte, dass hier eine kleine Marktlücke darauf wartete, gefüllt zu werden. Eine erste Idee, die alten Ausgaben als Reprint in gehobener Ausstattung neu aufzulegen, wartet noch auf ihre Vollendung; die Originale liegen mir vor, es fehlt nur an Zeit und Gelegenheit.

Gleichzeitig entstand jedoch auch die Idee, Daedalos als Fantastik-Story-Reader wiederzubeleben. Soweit sinnvoll sollte der neue Daedalos Erinnerungen an die alten Hefte erlauben: Natürlich wird es kein Fanzine der alten Machart, handgeheftet, handgeschnitten, werden, sondern ein modernes Magazin im Buchformat, angelehnt an den zuvor erwähnten »Best of«-Band. Die Genres der Geschichten werden klassisch sein – keine Science-Fiction, keine Fantasy, nur Fantastik, Anklänge an Horror à la Lovecraft, Poe, ein Hauch Steampunk wird auch erlaubt sein, denke ich – aber wichtig ist: Die Storys sollen den Flair der Fantastik in modernem Gewand präsentieren.

Für den neuen Daedalos, der wiederum »Story-Reader für Phantastik« heißen wird, gibt es eine (Dauer-) Ausschreibung:

Daedalos: Wiederauferstehung eines Klassikers

Für den Herbst 2021 darf man den ersten Band erwarten.

Schafft sich der Duden selber ab?

Unter dem Titel »Und ewig gendern die Bewegten« war im letzten VDS-Infobrief vom 08.01.2021 zu lesen:


Für 12.000 Bezeichnungen von Berufen, Funktionen oder Personengruppen soll es nun im Duden Online immer zwei Wortartikel geben, so wie den Arzt (männlich) und die Ärztin (weiblich). Was auf den ersten Blick plausibel wirkt (warum eigentlich nicht?), klingt bei folgendem Beispiel wie falsch gesungen: Bisher war der Mieter „jemand, der etwas gemietet hat“, daraus wird nun „eine männliche Person, die etwas gemietet hat.“

Das stößt auf vehementen Widerspruch von Linguisten. Peter Eisenberg in Potsdam nennt das eine „Irreführung des Lesers“: Mieter, Arzt, Schüler „sind sowohl spezifisch männlich als auch generisch, also geschlechtsneutral verwendbar.“ Genau so gebrauche diese Wörter die Sprachgemeinschaft. Der Duden wisse sehr wohl, dass die neuen Definitionen falsch sind. Das sei „völlig unverantwortlich“, die Duden-Redaktion sei dem „aktuellen Gender-Unsinn“ offenbar vollends verfallen, sagt Elisabeth Leiss in München, und Ewa Trutkowski in Bozen hält der Duden-Redaktion entgegen: Mit den so geänderten Definitionen würde die sprachliche Realität eben nicht abgebildet. Damit missbrauche der Duden seinen Einfluss. Ein Wörterbuch sollte den Sprachgebrauch dokumentieren, aber nicht versuchen, ihn zu verändern. (rp-online.de, merkur.de, diepresse.com, welt.de)


Der Kommentar dazu:


Gegenderte Berufsbezeichnungen hört man zwar dauernd, aber stets aus denselben Quellen, den Medien. So wie es Kreise gibt, die einem bekannten Politiker zugestehen, dass er Frauen in den Schritt greifen dürfe, so gibt es Meinungsblasen, die ihre Auffassung in einer – kaum noch bestrittenen – soziologischen Frage mit dem mehrheitlichen, allgemeinen Sprachgebrauch vermengen. Das tun sie erklärtermaßen mit Absicht. Offenbar muss die dumme Mehrheit der Bürger so lange belehrt werden, bis auch sie redet, wie es sich gehört. Ob Umerziehung der Mehrheit Aufgabe der Medien ist, sei nur am Rande gefragt. Bei der Musikauswahl im Radio berufen sich die Medien auf die Wünsche der Mehrheit ihrer Hörer. Also was nun?

Die so vom Gendern Bewegten verwirbeln zwei Dinge, die wenig miteinander zu tun haben. Wer hat denn noch etwas dagegen, die Sache der Frauen zu stärken? Trotzdem lehnen die meisten das Gendern ab, auch die Frauen. Am Ende richtet sich der Zorn der Lernunwilligen gegen die Frauen, die zwar nichts dafür können, aber kaum zu Wort kommen. Einstweilen ernten die Frauen Lippenbekenntnisse, mehr nicht. (ob)


Ich benutze bei meiner Arbeit eine Duden-Software von einer Firma namens EPC, die von solchem Duden-Unsinnsverhalten bislang unbehelligt geblieben ist und hoffentlich auch bleiben wird. Die Software erleichtert mir die Arbeit sehr, während die Website duden.de beispielsweise längst zu einem Ärgernis geworden ist, weil es Autoren gibt, die mir mit Angaben und Aussagen (aus Telefonaten mit duden.de-Mitarbeitern) argumentieren, die völlig an der sprachlichen Wirklichkeit vorbeigehen.
Aber wie auch immer: Für mich bleibt die Genderei vor allem eines: geschlechterfeindlich – gegenüber Frauen und »Diversen«.

Noch eine vierte Lesung

Fast wäre mir das durch die Lappen gegangen: Im Februar 2020 erschien »Tales of Science«, die von Marianne Labisch und Christine Neuy herausgegebene Sammlung von »Zukunftsgeschichten aus der Mikrosystemtechnik«. In der vierten Lesung liest Herausgeberin Marianne Labisch die Story »Kleines Cleverle« von Moustafa Nawito.

Tales of Science – Prof. Moustafa Nawito: Kleines Cleverle