Spielfinger

Kai Beisswenger ist ein Mensch, der mir sympathisch ist. Ich kenne ihn nicht persönlich. Noch nicht, vielleicht. Aber ich empfinde Sympathie, wenn ich mit ihm maile. Wenn ich seine Facebook-Beiträge – die immer irgendwie politisch sind – lese. Wenn ich mit ihm über Bücher diskutiere.
Seine Bücher, die ich bislang verlegt habe, sind keine Verkaufsraketen. Sowohl sein »verlorener Bruder« (siehe hier) als auch seine »schrägen Helden« (siehe hier) sind an der Wahrnehmung des lesenden Publikums bislang weitgehend vorbei gegangen. Unverdient, wie ich finde.
Kais Schreibstil ist eine Freude für jeden Lektor (und Korrektor auch). Er weiß, was er tut, er schreibt überlegt, ohne verkopfte Texte zu produzieren. Seine Geschichten haben sehr realistische Elemente, aber auch immer einen fantastischen Touch.

Und bei seinem aktuellen Buch »Finger im Spiel« ist das fantastische Element nicht gleich offensichtlich, aber letztlich nicht zu übersehen. Die Geschichte arbeitet mit den Variationsmöglichkeiten von Parallelwelten – oder besser parallelen Handlungssträngen, und dies in einer Weise, die dem Leser schon deshalb leicht nahegebracht wird, weil die eigentliche Handlung, um die es geht, sehr real erscheint.

Wie schon erwähnt: Ich habe als Verleger immer das Problem, meine eigenen Bücher nicht sinnvoll rezensieren zu können. Aber »Finger im Spiel« ist wahrlich geeignet, eine Ausnahme zu machen. Das Buch flutscht. Es liest sich gut, locker, entspannt – und interessant, spätestens dann, wenn man sich als Leser Gedanken darüber macht, was mit dem eigenen Leben geschähe, fänden solche Dinge statt, wie sie Kai Beisswenger in »Finger im Spiel« beschreibt.

Details zum Buch: hier.

Warum mir der HALLER Spaß macht

  • Weil Corinna Griesbach eine gute Herausgeberin mit guten Ideen und einer durchaus stringenten Arbeitsweise ist.
  • Weil die Themen des HALLER sehr abwechslungsreich sind.
  • Weil die Ausgaben des HALLER immer wieder neue Herausforderungen an das Layout stellen.
  • Weil das Layout des HALLER trotzdem nicht ständig neu erfunden werden muss.
  • Weil ich Autoren kennenlerne, denen ich bei p.machinery selbst nicht unbedingt über den Weg gelaufen wäre.
  • Weil das Gleiche für die Illustratoren gilt.
  • Weil ich inzwischen eine wiederkehrend schöne Idee für die Titelbilder gefunden habe.
  • Weil ich Corinna Griesbach zu dieser Machart der Titelbilder Exklusivität versprochen habe.
  • Weil ich mich auf die nächste Ausgabe schon freue, wenn die letzte gerade fertiggestellt wurde.
  • Weil es halt so ist.

Details zum aktuellen HALLER 15 – Alte Freunde: hier.

Warum man jemanden fragen soll, der sich mit so was auskennt

Es ist eine Neuausgabe, das Buch »Von Perlen und Hunden« der Autorin Cornelia Schneider. Der EDFC, der Erste Deutsche Fantasy Club, hat das Werk 2006 schon einmal herausgebracht. Aber die Geschichten haben mir gefallen – und gefallen mir immer noch –, und so fand ich die Gelegenheit günstig, eine opportunistische Entscheidung zu treffen.
Das Problem war ein anderes. Ich denke, ich bin ganz gut darin, aus einer vorhandenen Grafik mittels einer Titelei (Autorenname, Titel, Verlagslogo) ein Titelbild zu bauen. Manchmal habe ich sogar richtig geniale Ideen, wie es scheint: Die letzten HALLER-Titelbilder sind jedenfalls, wie ich hören durfte, sehr gut angekommen.
Das ursprüngliche Titelbild der EDFC-Ausgabe von Cornelias Buch wollte ich nicht verwenden (wie wir uns letztlich auch gegen die Verwendung aller seinerzeit erschienenen Bilder auch im Innenteil entschieden). Was also tun? Ein Bild mit Perlen und Hunden fand ich bei den bekannten Bilderdiensten nicht. Wohl aber ein Bild von einem Hund – einem Schäferhund – und eines von einem Spinnennetz mit Tautropfen – Perlen konnte man durchaus darin sehen.
Als Linkshänder im Umgang mit den typischen Bildbearbeitungsprogrammen bat ich Lothar Bauer, einen meiner wichtigsten Grafiker – wenn nicht gar der wichtigste (die anderen mögen mir verzeihen) –, mir eine Montage aus beiden Bildern zu bauen. Was er tat.
Indes: Der Autorin gefiel das Ergebnis nicht (was nicht an Lothars Fähigkeiten, sondern an meiner Idee lag). Sie mochte den Schäferhund nicht, und sie fand, das Bild hätte mit der Ausstrahlung der Geschichten nichts zu tun.
Also gut.
Ich fragte Lothar, ob er eine Idee hätte. Eine dämliche Frage, um genau zu sein, denn natürlich wusste ich: Er würde eine Idee haben. Es gab einige Entwürfe, Ideen von Lothar, ein wenig Mailwechsel mit Cornelia – et voilà: Am Ende hatten wir ein Titelbild von Lothar Bauer, das sich sehen lassen kann:

Aus dieser Titelabbildung Lothars baute ich dann den Umschlag:

Und das Cover, mit dem allenthalben Werbung gemacht werden wird, sieht dann so aus:

Die Geschichten zu beschreiben, erübrigt sich. Sie sind fantastisch, sie haben surrealistische Elemente und mysteriöse Anwandlungen. Sie passen zu Lothars Bild, könnte man sagen, wäre Lothars Bild zuerst da gewesen – so passt Lothars Bild (hervorragend übrigens!) zu Cornelias Geschichten. Und die Wiederveröffentlichung des 2006 im EDFC erschienenen Werkes hat sich für mich gelohnt. Ich leide immer ein wenig darunter, als Verleger sinnvollerweise die von mir verlegten Bücher nicht rezensieren zu können oder zu sollen. Könnte ich es tun, würde hier sicherlich kein Verriss herauskommen.

Weitere Details zum Buch: hier.

Alterserscheinung

Ich weiß nicht, ob es etwas mit dem zunehmenden Alter zu tun hat. Ich werde bald 59 Jahre alt. Und ich merke immer öfter, dass man auch als Mann nicht einfach nur ein cooler und nicht nahbarer Fleischbatzen ist. Bei Filmen geht mir das am ehesten so. Streifen wie »Unter der Sonne der Toscana« (mit Diane Lane), »Briefe an Julia« (mit Amanda Seyfried) und »Jet Lag« (mit Jean Reno und der Binoche) sind allerbestens dazu geeignet, mich darüber nachdenken zu lassen, wo meine holde Gattin doch gleich die Kleenextücher hingepackt hat.

Aber das geht auch mit Büchern. Und der Grund, warum ich die kleine Sammlung von Erzählungen und Gedichten Julia Beylounys unter dem Titel »Menschliche Augenblicke« verlegt habe, waren vor allem die enthaltenen Geschichten, die mir sehr zu Herzen gegangen sind. Ohne wirklich sagen zu können, was genau an den Storys der Auslöser war – wenn es Julias Absicht war, einem Mann die Tränen in die Augen zu treiben, dann ist ihr das gelungen. Wenn auch vielleicht nur bei mir.

Details zum Buch: hier.

Fantasy, passend

Die Fantasy-Reihe meines Verlages p.machinery trägt eigentlich eine leicht irreführende Bezeichnung: Fantasy. Die meisten Menschen denken dabei wohl an Buchserien mit drei, fünf und mehr Bänden, an Tolkien und seine Viechereien, an Werwölfe und Vampire vielleicht noch. Tatsächlich ist meine Fantasy-Reihe eigentlich eher eine Märchenreihe – aber wer kauft heute noch Bücher aus einer Märchenreihe? –, es geht jedenfalls um Bücher mit märchenhafter Fantasy – und vor allem ohne Tolkien-Zoo – für eine Zielgruppe aber 6 bis 8 Jahren bis in die Altersgruppen von Jugendlichen, die möglicherweise auch heute noch etwas anderes zu sich nehmen, als Fast Food, Smartphone und Playstation soundso.

Für eine solche Reihe passende Titel zu finden, ist nicht einfach. Und so sind einige Titel eher Bücher für auch ältere Mädchen zum Beispiel. Es ist an die Werke von Julia Beylouny zu denken, an den aktuellen Titel »Seelennebel« von T. L. Reiber. Aber das ist schon in Ordnung.

Zum Glück gibt es auch immer wieder passenden Stoff. So hat Anke Höhl-Kayser, die auch nicht zum ersten Mal bei mir erscheint, mit »Eine Fee namens Johnny« ein Buch vorgelegt, das für Kinder – ich denke, so ab acht, neun Jahren – bis zu frühen Jugendlichen – bis zwölf, vielleicht dreizehn? – bestens geeignet ist. Und nicht nur das: An der knuffigen Geschichte können auch Erwachsene ihre Freude finden. Ich habe jedenfalls beim Lesen, Layouten, Korrekturlesen usw. meinen Spaß gehabt.

Details zum Buch findet der geneigte Leser: hier.

Alle Jahre wieder

Simone Knels ist kein Newcomer in meinem Verlag. Abgesehen von ihrem Amerikabuch, das jüngst neu aufgelegt wurde, präsentiert sie zum dritten Mal Kurzgeschichten. Nach den Märchen »zum neuen Jahr« 2010 und den »Gespenstergeschichten« 2011 gab es eine Pause. Aber Ende 2017 sind sie nun da – die »Zwölf Märchen für Kinder«. Das kleine Hardcover ist mit Fotos gespickt, die Simone im Laufe der Zeit aufgenommen hat und die thematisch zu den Geschichten ausgewählt wurden.

Man kann sich ja immer streiten. Oder auch nicht. Oder manchmal doch. Marianne Labisch hat schon vernichtende Kritik über die Schreibe geäußert. Ich überlege, ob das einer Erhebung in den Adelsstand gleichkommen könnte. Zumal Marianne sich nicht hundertprozentig sicher ist, ob ihr erster Eindruck sich nicht noch ändert. Gleichzeitig aber meint, dass das vermutlich nicht geschehen wird. Was ich nachvollziehen kann – Marianne würde sich unglaubwürdig machen, würde sie nach dem ersten Eindruck in die andere Richtung umfallen.

Die Details zum Buch: hier.

Wenn Parasiten meckern

Dann könnte man meinen, Herausgeber und Autoren seien Parasiten. Was totaler, nein: vollendeter Blödsinn ist. Nicht nur, vor allem aber auch, wenn die Herausgeber eines Buches Marianne Labisch und Sven Klöpping heißen. Wenn Parasiten meckern, dann haben sie möglicherweise nicht unrecht …

Soll heißen: Das vierte Buch aus dem Imprint »sternwerk« meines Verlages p.machinery hat länger gebraucht, um das Licht der Welt zu erblicken, als es Autoren und Herausgebern genehm war. Von meinereinem gar nicht zu reden. Aber es gibt Notwendigkeiten, Zwänge, Dinge, die man als Alleinverlegerlein nicht wirklich dahin gehend beeinflussen kann, dass man seine Prioritäten ganz allein setzen kann.
Aber wie auch immer: Das Buch ist nun erschienen, und die Storys, die ausgewählt wurden, können sich sehen lassen. Und ich kann das beurteilen: Als Mitglied des Preiskomitees des Deutschen Science-Fiction-Preises (DSFP) habe ich 2017 viele Storys gelesen – und keine hat mich wirklich überzeugt, sodass ich mich in diesen Tagen entschlossen habe, beim DSFP 2018 wohl nicht mit abzustimmen. Aber vielleicht wird ja eine der Geschichten aus dieser Anthologie nominiert. Wir werden sehen.

Infos zum Buch: hier.

Ein kleiner Klassiker, neu geföhnt

Ich weiß ums Verrecken nicht mehr, wie der Kontakt zustande kam. Elke Becker und Alex Conrad hatten ihr Buch schon als E-Book laufen – und es läuft noch heute – und suchten nach einem Menschen, der ein Printbuch daraus machen wollte. Ich war dabei, aus mehreren Gründen. Ein Grund war, dass ich ein Inselfan bin, und die Geschichten, die allesamt auf Mallorca spielten, brachten bei mir etwas zum Klingen. Mallorca habe ich immer noch nicht gesehen und vielleicht schaffe ich es nie, so nahe das soundsovielte deutsche Bundesland auch liegen mag. Aber das Buch …
Und dann war da noch der Titelbildkünstler, ein Malteser … ein Malteser … konnte ich da Nein sagen? Keinesfalls!

Die »Mallorca-Schattengeschichten« erwiesen sich darüber hinaus als Verkaufsschlager. Die beiden Autorinnen – die ich liebend gerne in diesem Leben noch einmal persönlich kennenlernen möchte – waren anfangs auch finanziell unterstützend mit von der Partie, als es darum ging, einem mallorquinischen Anbieter Auflagen zu verkaufen, die in lokalen Kiosken und Souvenirläden landen sollten. Die ganze Konstruktion gab zu lustig komplizierten Mailwechseln Gelegenheit, weil die Abrechnungen zwischen den Damen und mir mitunter viel komplizierter erschienen, als sie es wirklich waren, ich als Abrechnender aber eher dem Schein traute, als dem, was wahr war. Hin und her, hin und her – Elke und Alex gehören unbestritten zu meinen liebsten Autorenkontakten. Nicht nur, aber auch, weil sie cool sind, geduldig, entspannt – was möglicherweise an Mallorca liegt – und nie mies drauf. Selbst wenn ich mal abrechnungstechnisch megamäßigen Bockmist produziert habe. Am Ende fanden wir immer die richtigen Euros auf den richtigen Konten.

Die Geschichte selbst haben mich angelegentlich der 2017er Ausgabe – das Buch, das zuvor bei Books on Demand produziert wurde, ist 2017 ausgelaufen – einmal mehr fasziniert. Es sind Geschichten, die es in sich haben. Krimigeschichten, denen immer ein wenig der Schalk im Nacken sitzt. Und das kleine böse Monsterchen hinter dem Herd – obwohl es natürlich solche Monsterchen in den echten Krimistorys nicht gibt. Und selbst wenn man wie ich keine Ahnung von Mallorca hat, spürt man etwas, das einen anrührt. Das Inselfeeling kommt rüber, und dann ist da immer etwas zwischen den Zeilen, das vielleicht nur zwei Deutsche beschreiben können, die schon lange auf der Insel leben und eben nicht nur Tourist sind.

An der Menge, die ich zu diesem Buch schreibe, kann man erkennen, dass es mir ein wichtiges Buch ist. Ich mag es – wie ich unbekannterweise auch die Autorinnen mag. Es ist mir wichtig, ja. Und es ist bemerkenswert, dass CreateSpace seine Hotlinerhorden hinter dem Zaun gehalten hat, obwohl ich damit rechnete, dass man beanstanden würde, das Buch wäre ja schon da gewesen … und ob ich das Recht … lala-lalaaaa …

Die Verlagsinfos zum Buch gibt es hier.

Und in der aktuellen Ausgabe gibt es auch eine Version im Druck des Schaltungsdienst Lange. Wer darauf abfährt, weiß ja, wo er ein Exemplar dieser Provenienz herbekommt. Hoffe ich.