Sehr geehrter Herr Dr. Rapp,
wann unternehmen Sie eigentlich etwas gegen die Raserei in der 60er Zone in Murnau-Westried?
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Sehr geehrter Herr Dr. Rapp,
wann unternehmen Sie eigentlich etwas gegen die Raserei in der 60er Zone in Murnau-Westried?
Der Ort, in dem ich lebe und arbeite, heißt Westried. Murnau-Westried. Und wie in vielen Gegenden unseres mehr oder minder schönen Landes ist auch Murnau-Westried, in dem ansonsten nichts los ist, schön gleichmäßig von Vollpfosten durchseucht, die eigentlich jeder Beschreibung spotten. Was mich nicht hindert, es dennoch einmal zu versuchen …
Dieses Jahr wurde mir ein Wunsch erfüllt: Ich durfte mit auf das »Galaktische Forum« des Pabel-Moewig Verlags in Frankfurt, traditionall am Freitagabend der Buchmesse veranstaltet. Der Auslöser war nicht so erfreulich: jemand war krank geworden (und die ganze Geschichte dazu behalte ich für mich). Gefreut habe ich mich trotzdem. Es gab eine bestens aufgelegte … oder besser aufgedrehte Uschi Z., einen lange nicht gesehenen Udo K., einen erstmals kennengelernten Stefan P., und Autoren wie Thomas F., Marc A. H. u.v.a.m. Und für mich das Gefühl, zwar ein Verleger zu sein, aber halt doch nur eine kleine Nummer.
Die Handschrift auf dem Namensschild stammt von Klaus Bollhöfener.
Telefonate, die man vermutlich nicht braucht. Kurz vor Feierabend kommt ein Kollege über die Muschel. »Können Sie mal eine Rundmail machen. Am Abzweig Grafenaschau stehen sie mit der Laserpistole …«
Erst wollte ich vorschlagen, dass er selbst eine Rundmail macht. Aber dann …
»Nö. Ich find es okay, wenn in unserer 60er Zone gelasert wird.«
»Ja, aber«, meint der Kollege, »der Kollege XY ist da schon reingerauscht.«
»Naja, er weiß ja …«
»Ja«, meint der Kollege, »aber die stehn da mit der Laserpistole …«
»Ja«, sage ich, »da stehen auch Schilder mit 60 drauf.«
2012 ist mein Esszimmer eine einzige Baustelle. Fiasko. Die Zahnarzttermine zähle ich schon nicht mehr. Die Rechnungsbeträge auch nicht.
Meine Kleinfamilie besteht aus Blackberry-Nutzern. Torch. BB abgekürzt, Blödbeere bekosenannt. Das Nutzerverhalten ist unterschiedlich. Frau arbeitet sehr viel intensiver damit. Mails, SMS, Termine. Ich lese meist nur Emails. Und hasse es, wenn man mich auf dem Ding anruft.
Es ist der vielleicht letzte sonnige Tag für die nächste Zeit. Kühl ist es schon. Auf dem Seeweg am Südufer des Staffelsees hat man sich noch vor einer Woche nach den Schattenzonen gesehnt. Sie sind immer noch angenehm, aber die Sonnenflecken quälen nicht mehr. Sie wärmen angenehm zwischendurch, bevor man wieder in den kühlen Schatten unter den Bäumen eintaucht. Die Tret- und Ruderboote sind fast alle für den Winter eingemottet. Von einem Tag auf den anderen. Der See ist leer. Vielleicht ein einsamer Ruderer mit vermutlich eigenem Boot ist noch unterwegs. Die »Seehausen« fährt leer. Und nur noch die Kurzstrecke. »S‘ Platzerl« – mit dem Apostroph am falschen Fleck – ist geschlossen. Diesmal findet sich kein Schild mit dem Hinweis auf den »Lido«. Dort gibt es noch Gäste, die vermummt im kühlen Licht der untergehenden Sonne sitzen. Essen, trinken. Die Kellnerin verteilt gelbe Wolldecken. Vielleicht macht das kleine Restaurant irgendwann auch zu. Über den Winter. Ein letztes Weißbier also. Vielleicht.
Es ist Herbst.
26. Mai, in den Morgenstunden. Der Schatten rechts stammt von einem meiner Lieblingsplätze auf der Strecke zwischen Westried und Berggeist, der sogenannten Panoramahütte. Sie heißt für mich nicht nur wegen des grandiosen Ausblicks so, sondern weil man vor ihr eine Panoramatafel aufgestellt hat, mich Erläuterungen zum Murnauer Moos und einem Panoramafoto mit den Namen der Berge und besonders herausragender landschaftlicher Merkmale. In den Morgenstunden bei einem solchen Wetter ist dies möglicherweise einer der schönsten Orte der Welt.