QR 8: Knapp vorbei ist auch ein Fluch

Ich bin durchaus kein abergläubischer Mensch, aber es ist ja ein geflügeltes Wort, wenn man sagt, auf diesem oder jenem Objekt läge ein Fluch, wenn mit diesem oder jenem Objekt negative oder sogar seltsame Ereignisse in Verbindung stehen. Der achte Band des p.machinery-Imprints Die|QR|Edition, betitelt »all:about:neugier« (Details siehe hier), ist sicherlich kein Kristallisationspunkt mysteriöser Ereignisse – aber während seiner Entstehung hatte ich mehr als einmal den Eindruck, als läge ein Fluch auf dem Projekt.

  • Schon die Entstehung des Manuskripts war offensichtlich nicht einfach. Michael Weisser berichtete mindestens einmal, dass ihm ein erhebliches Stück längst erledigter Arbeit durch einen Absturz bzw. eine defekt gewordene Datei verloren ging. Wir diskutierten ein wenig das Thema »Back-ups«, aber wie es der Teufel will: Zwischen zwei Back-ups vergeht eben Zeit, in der produktive Ereignisse stattfinden, die am Ende auch bei der besten Back-up-Strategie – sieht man von ununterbrochenen 1:1-Spiegelungen ab (und wer kann sich die schon allein von den Kosten her leisten?) – einfach verloren sind und neu produziert werden müssen.
  • Michael Weisser hat ganz sicher alles unternommen, dass die von ihm anvisierten und avisierten Termine eingehalten werden können. Dass das nicht hingehauen hat, geht eindeutig auf meine Kappe. Und auf das erste Jahr in Winnert, das alles andere als einfach ist. Neben gesundheitlichen Gründen spielte auch die Notwendigkeit, auf eine ganz andere Art und Weise als früher den Lebensunterhalt zu verdienen, eine wesentliche Rolle. Als Angestellter bezieht man sein regelmäßiges Gehalt, auch wenn man seine hauptberuflichen Aufgaben auch mal ein wenig zurückstellt. Das bedeutet ja nicht gleich, dass man seine Aufgaben nicht erfüllt. Aber man ist eindeutig flexibler. Wenn man als Freiberufler einen Auftrag zu erledigen hat, tut man gut daran, das ohne Verzögerungen zu tun, will man für die aufgewandte Zeit auch bezahlt werden. – Am Ende war das Buch zu einer Veranstaltung in Worpswede im September (siehe hier, hier und hier) nicht fertig und verzögerte sich noch zusätzlich.
  • Irgendwie hatte ich beim achten Band der QR|Edition ein Problem, den richtigen Zugang zum Layout zu finden. Eigentlich ist das Layout der quadratischen Bücher mit seinen zwei Textspalten und der zusätzlichen Marginalienspalte in der Buchmitte gut eingefahren – sozusagen. Es sieht gut aus, es ist schlüssig, es bietet schöne Möglichkeiten, nicht nur mit Texten und Bildern, sondern auch mit Zubehör – gemeint sind hier Fußnoten u. ä. – zu arbeiten. Aber aus irgendeinem Grund haderte ich mit dem Layout. Michael Weisser hatte reichhaltiges Bildmaterial und die für die Buchreihe üblichen QR-Codes geliefert, es gab also Möglichkeiten, seine Layoutwünsche – die er immer hat – problemlos umzusetzen. Und dennoch …
    Am Ende stand das Layout dann doch, durchaus in der Tradition der vorhergehenden Bände, und mit den opulent präsentierten Fotos aus Mike Weissers »CompressedWorld«-Projekt ein wirklicher Hingucker. Trotzdem gelang es mir erst bei der Überprüfung des Andrucks, von dem Layout überzeugt zu sein.
  • Das Titelbild erwies sich als richtiggehende Zicke. Mike Weisser hatte sich diesmal nicht nur eine einfache schwarze Hintergrundfläche, sondern ein Muster ausgedacht. Er lieferte zunächst eine Grafik mit dem auf dem Hintergrund montierten Titel-QR-Code – in quadratischer Form. Dazu den Hintergrund als eigenständige Grafik. Damit konnte ich nicht arbeiten, weil Montage und Hintergrund farblich nicht übereinstimmten und auch vom Muster her nicht vernünftig in Einklang zu bringen waren. Auf meinen Wunsch hin sandte er mir den Titel-QR-Code (mit dem dazugehörigen »krisseligen« Muster [siehe Abbildung des Titelbildes oben) als eigenständige Datei, dazu den Hintergrund in doppelter Breite für das umlaufende Cover.
    So ausgerüstet kam ich zu Potte. Der Adobe Distiller aber offensichtlich nicht. Aus völlig unerfindlichen Gründen beschäftigte er sich achtzehn Minuten und zwölf Sekunden mit der Erzeugung des entsprechenden PDFs. In nicht einmal allzu verschwenderischen Einstellungen: Größe 1:1, 600 dpi; mit diesen Einstellungen entstehen alle Titelbilder der p.machinery-Bücher. Trotzdem dauerte es achtzehn Minuten und zwölf Sekunden. Jedes Mal. Reproduzierbar. Und nicht behebbar
  • Und ganz zum Schluss ergab sich noch ein letztes Problem, zu dessen Lösung mir schnell etwas einfiel, das Mike Weisser akzeptieren konnte.

Das achte Buch der QR|Edition jedenfalls ist fertig und wünscht sich, gekauft, begutachtet, gelesen und gerne auch rezensiert zu werden. Und ich für meinen Teil hoffe noch zusätzlich, dass dieses erste Jahr in Winnert endlich zu Ende geht und wieder ein »normaler Betrieb« möglich ist. Wobei … was ist schon normal …

Fast schon unvorhergesehen

Ich weiß nicht mehr, wie es überhaupt dazu kam. Heike Henzmann aka Anna Veen, eine meiner Autorinnen bei p.machinery, fragte wegen eines kleinen Buches, das ihre just 18 Jahre alt gewordene Tochter Antonia Rinkel über ihre Erfahrungen auf der New York Film Academy geschrieben hatte. Diese hatte sie besucht, weil sie Musicaldarstellerin werden will.

Ich dachte zunächst eigentlich nur daran, das Layout zu machen, aber es wären auch Prints nötig gewesen, und am Ende war außer der ISBN (die ich von CreateSpace übernommen hätte) sowieso alles eine p.machinery-Produktion, sodass ich mich entschloss, dem Werk einfach eine p.machinery-ISBN zu verpassen und es in der Reihe »Außer der Reihe« aufzunehmen, die letztlich genau für solche Gelegenheiten geschaffen wurde.

Das Buch selbst hat richtig Spaß gemacht. Der Text war sehr gut, es gab wenig zu korrigieren, was Rechtschreibung und Tippfehler anging. Bei den Bildern habe ich ein wenig jonglieren müssen, Antonia hat einiges an Material nachgeliefert, war immer schnell und zuverlässig. Das Thema – der »Weg zur Musicaldarstellerin« – war mal etwas ganz anderes. Und überhaupt …

Wer übrigens quasi versehentlich das Buch schon bei Amazon bestellt hat, hat eine Rarität erworben. Seit einigen Tagen ist der Tippfehler auf dem Buchrücken korrigiert :) Wieder so ein Effekt eines typischen Schnellschusses. – Übrigens ist auch hier einmal mehr dem Schaltungsdienst Lange ein großer Dank auszusprechen: Bei der Einhaltung eines Liefertermins – Antonia wollte das Buch zum Termin ihrer ersten Vorstellung am 16.01.2015 haben – hat man sich auf vorbildliche und erfolgreiche Weise ordentlich ins Zeug gelegt.

Auch ein Stück eigener Geschichte

Heribert Schwan, Tilman Jens
VERMÄCHTNIS
Die Kohl-Protokolle
Wilhelm Heyne Verlag, München, 2014, Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, ISBN 978 3 453 20077 7

VORBEMERKUNG
Ich war, bin und werde nie ein Helmut-Kohl-Fan sein. Und dennoch fasziniert mich diese Person, diese Figur deutscher Politik. In meinem RUB (Regal ungelesener Bücher) steht noch die fette und alles andere als leichtgewichtige Kohl-Biografie von Hans-Peter Schwarz, deren Lektüre ich nach dem ersten großen Kapitel ausgesetzt habe.
Ich bin Jahrgang 1959, und Helmut Kohl ist im Grunde der große deutsche Politiker, der meine demokratische Bewusstwerdung vielleicht nicht nur begleitete, sondern auch bedingte. Ich weiß es nicht. Wie auch immer man es betrachten mag: Helmut Kohl hat viel für Deutschland getan. Nicht nur Positives. Er hat auch Fehler gemacht. Aber Helmut Kohl ist ohne Deutschland ebenso wenig zu verstehen, wie Deutschland heute ohne Helmut Kohl.
Dass ich dieses Buch gekauft und gelesen habe, hatte auch damit zu tun, dass Kohls Gattin mittels eines Gerichtsurteils erwirkte, dass das Buch nicht länger veröffentlicht werden dürfte. Die bereits auf dem Markt befindlichen Bestände freilich durften noch verkauft werden, ein Umstand, den ich für mich nutzte.
Und im Nachhinein kann ich schon vorab sagen: Es hat sich für mich gelohnt, diesem gerichtsverbotsbedingten Hype zu folgen.

Continue reading

Informativ und nostalgisch

Christian Zahn, Boris Kretzinger, Enno Coners
DIE COMMODORE-STORY
CSW-Verlag, Winnenden, 2., überarb. Neuauflage Dezember 2012, 206 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978 3 041287 35 8

VORBEMERKUNG
In einer der letzten c’t-Ausgaben wurde die zweite, überarbeitete Neuauflage dieses Titels aus dem Jahre 2006 erwähnt, und da ich seinerzeit selbst wusste, wie man mit einem C64 umgeht und selbst einen C128D besaß und natürlich auch von anderen Commodore-Modellen in einschlägigen Blättern gelesen hatte, dachte ich mir, dass ich mit dieser Lektüre doch mein lückenhaftes Wissen vervollständigen und vor allem auffrischen könnte.

Continue reading