Als wir am Rand des Katinger Watts noch einen Spaziergang einlegten, kamen wir an einigen Häusern vorbei, darunter das Wirtshaus von Andresen, das sogar in einem Reiseführer erwähnt wird (und das laut diesem im Winter gemütlicher sein soll als im Sommer). An einem dieser Häuser fand sich in einem Kasten ein Flugblatt mit dem Titel »Was sie über Jagd und Jäger wissen sollten …«. Meine Gattin nahm es mit.
Ich las es erst später. Es ging um Hunde und Katzen, die von Jägern erschossen werden, darum, dass der Haustierabschuss in Deutschland legal ist, um die Jagd mit Totschlagfallen, um Drück- und Treibjagden und die daraus resultierenden Wildunfälle und das Leid der Tiere, um Jagdreisen allgemein – auch und gerade nach Afrika -, und um den Jagdtourismus nach Deutschland aus dem umliegenden Ausland, und auf der letzten Seite um noch einige Fakten mehr.
Archiv der Kategorie: Reisen & unterwegs sein
Autoresponder und Dummheit, Internet, 03.06.
Wo wir gerade bei Dummheit sind … Als guter Mitarbeiter meines Arbeitgebers habe ich meinem Firmen-E-Mail-Account eine automatische Antwort, einen sogenannten Autoresponder, verpasst, bevor ich ihn Urlaub gegangen bin. Wer mir jetzt eine E-Mail an die Firmen-E-Mail-Adresse schickt, erfährt, dass ich in Urlaub bin und wer meine Vertretung ist (mit Namen, E-Mail-Adresse, Telefonnummer; der Kollege hat übrigens auch Zugriff auf meine Mailbox). Dass es eine Reihe von Kollegen trotz dieses Autoresponders nicht schafft, sich an meinen Kollegen zu wenden, sondern immer noch einmal bei mir nachfragt, was denn in der und der Sache mit einer Antwort wäre, ist nicht zwingend dumm, aber doch wenigstens ungeschickt.
Wind und Weigerung. Über Windparks, nicht nur in Dithmarschen, ebda., 02./03.06.
Ich finde Windräder faszinierend. Sie fesseln den Blick, wie sie sich mehr oder minder schnell im Wind drehen – und oft frage ich mich, wie leicht die Naben der Rotoren laufen müssen, wenn ich als Mensch den Eindruck habe, dass es doch fast windstill ist. Sie sind lautlos, selbst wenn man darunter steht, hört man sie praktisch nicht. Nur ab und zu und nur bei einigen der Rotoren ist ab und zu ein Aggregat zu hören, von dem ich annehme, dass es die Nabe eine Idee weiter nach rechts oder links in den Wind dreht. Die Windräder haben etwas Psychedelisches an sich. Man kann sich hinstellen und sie endlos lange anschauen. Man könnte mit einem Kumpel oder zweien bei einem Kasten Bier Wetten abschließen: schnell hinschauen, welches Windrad ist schneller oder langsamer, das ist meines, das ist deines, ja, deines ist schneller, du hast gewonnen, Prost! Man kann Überlegungen anstellen, warum das eine Rad rotiert, während sein Nachbar stillsteht. Man kann theoretisieren, ob für den Start eines Windrades Energie aufgewendet werden muss oder ob ein Windstoß ausreicht, um sie anlaufen zu lassen.
Ich finde Windräder faszinierend.

Aufgeräumt. Von der Richtigkeit der Dinge, die man tut. Oder auch nicht tut, Schülp, 02.06.
Und am Ende des Tages war nichts von dem, was ich getan hatte, richtig gewesen. Keine Handlung, keine Entscheidung, kein Wort, nicht einmal gegenüber den Hunden. Und als dann ausgerechnet der winzige Platz, den ich mit meinen Sachen – Notebook, Kalender, Notizblock, Karten, Bücher – belegte, gebraucht wurde, räumte ich meine Sachen zusammen, um mir selbst das Gefühl zu gönnen, notfalls – und wirklich nur notfalls, aber man wusste ja nie – einfach und spurlos verschwinden zu können. Von diesem Ort, aus diesem Leben, aus dieser Welt und ihrem Universum.
Plop.
Aufgeblasen, Friedrichstadt, 02.06.
Friedrichstadt war enttäuschend. In den Reiseführern liest man, dass der Ort sich selbst gerne als Klein-Amsterdam oder Venedig des Nordens bezeichnet. Und das wegen einiger sogenannter Grachten. Kanäle halt. Vier oder fünf. Die Treene im Norden, die Eider im Süden, ein Verbindungskanal, zwei, drei Kanäle im Ort. Das Zentrum wird von einem großen Platz gebildet, der hauptsächlich als Parkplatz dient. Ein kleiner Brunnen, der nicht genügend gesichert ist, dass Kinder darauf herumklettern und ihre leergefressenen Eisbecher einfach liegen lassen. Dazu einige wenige Sehenswürdigkeiten, über deren Sehenswürde man sich auch streiten könnte.
Friedrichstadt, Am Markt
Beweisbarkeit und Glaube, zwischen Heide und Husum, 02.06.
Zwischen Wesselburen und der Halbinsel Eiderstedt liegt das Eidersperrwerk. Die Straße dorthin trägt den lyrisch anspruchsvollen Namen L305. Die sollte ab dem 02.06. renoviert werden und war deshalb zur Sperrung vorgesehen. Damit die ansässige und anwesende Bevölkerung nicht völlig dumm starb, gab es entsprechende Hinweisschilder. Auch für eine entsprechende Umleitung über die B5 Richtung Tönning.
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Nicht mondän, Husum, 02.06.
In irgendeinem Reiseführer las ich, Husum gälte als nicht mondän. Das ist vermutlich richtig, und ich vermute ebenso, dass es auch gut so ist. Immerhin zeigte sich Husum uns an diesem Tag nicht als die »graue Stadt« des Theodor Storm, wenn sie auch einen irgendwie flachen Eindruck hinterließ. Möglicherweise lag dies an falschen Ansprüchen bei unserem Besuch, denn ich hatte einen Reiseführer zur Hand, dessen Stationen wir quasi abarbeiteten, was möglicherweise einfach keine gute Idee war.
Wir sahen die üblichen Sehenswürdigkeiten. Das »Schloss vor Husum«, von außen. Den Schlosspark von innen, nervig wegen zahlloser Krähen, die ich als Verantwortlicher jedenfalls lustvoll einzeln und auf grausamste Weise massakriert hätte. (Wer das einmal gehört hat, was da abgeht, könnte mich ohne ein weiteres Wort der Erklärung verstehen.) Nervig auch wegen Leuten, die ich, so wie sie aussahen, ohne Prozess eingesperrt hätte; jedenfalls vorsichtshalber.
Das Schloss vor Husum
Gespenster, bei Schülp, 02.06.
Der erste Morgen, an dem ich mit den Hunden hinaus ging, war neblig – aber im Hintergrund war die strahlende Sonne schon erkennbar. Wir gingen ein Stück durch Schülp, dann einen asphaltierten Weg entlang, der hinter einem Schild lag, das die Zufahrt nur für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr zuließ. (Die zahlreichen PKW, die ihn benutzten, waren ganz sicher keine land- oder forstwirtschaftlichen Verkehrsteilnehmer; auch das Moped nicht.)
Es war kühl, die Hunde asynchron wie immer. Und aus dem Nebel tauchten langsam die Rotoren der Windkraftanlagen auf. Wie die Arme von Riesen.
P.S.: Die Bilder wurden mit einem BlackBerry Z10 gemacht. Sie wirken unscharf, zugegeben. Ich glaube, sie sind es aber nicht. Es war neblig, wohlgemerkt.
Zwischen Genua und Korsika, Mittelmeer, 01.06.
Irgendwann vor Wochen war ein Teil meines Navigationsequipments im Passat ausgefallen. Nicht komplett. Eigentlich funktionierte alles. Radio, Telefon, DVDplayer, alles. Außer, dass der Navi keine Satelliten mehr zu erkennen schien (GPSviewer: 0/0) und ständig neben der Spur lief. Der Kompass zeigte Richtung Nordost, wenn ich Richtung Süden fuhr. Und der Navi führte mich nirgendwo mehr hin. Routen einzugeben, ergab keinen Sinn mehr, weil ich zu den unsinnigsten Zeitpunkten zu Wendemanövern aufgefordert wurde, die nicht nur in der Realität nicht machbar gewesen wären, sondern auch nicht zum Bild auf der Navikarte passten. Eigentlich könnte das amüsant sein, wenn es nicht lästig wäre (denn eigentlich ist der Navi im VW-RNS 510 sehr gut).
Bemerkenswert immerhin ist, dass wir am 01.06., während das Auto körperlich in Schülp im Landkreis Dithmarschen stand, laut Navi im Mittelmeer ziemlich genau in der Mitte zwischen Genua und Korsika schwammen.
Heiliger Peter!, Sankt Peter-Ording, 01.06.
Erster Tag, erster Ort: Sankt Peter-Ording. Der Roman einer meiner Autorinnen spielt in Sankt Peter-Ording, leider, was die Ortsbeschreibungen angeht, so unspezifisch, dass ich so oder so nichts hätte wiedererkennen können. Aber gut.
Wir suchten uns einen Parkplatz im Ortsteil Dorf, was irgendwie nicht so ganz einfach schien, dann aber doch ging. Auf unserem Weg durch eine kleine, mit Touristeninteressen gewidmeten Läden lag zunächst ein Markt, den ich zunächst für einen dieser Grattlermärkte hielt, auf dem einem überteuertes Zeug, Messer, Billigschmuck, Gedöns, Touristenkram angeboten wird. Tatsächlich handelte es sich um einen kleinen Kunstmarkt. Nicht, dass mich irgendetwas wirklich glücklich gemacht hätte – außer vielleicht einer Currywurst -, aber immerhin gab es mal etwas anderes zu sehen als eben auf diesen Grattlermärkten.



