Heiliger Peter!, Sankt Peter-Ording, 01.06.

Erster Tag, erster Ort: Sankt Peter-Ording. Der Roman einer meiner Autorinnen spielt in Sankt Peter-Ording, leider, was die Ortsbeschreibungen angeht, so unspezifisch, dass ich so oder so nichts hätte wiedererkennen können. Aber gut.
Wir suchten uns einen Parkplatz im Ortsteil Dorf, was irgendwie nicht so ganz einfach schien, dann aber doch ging. Auf unserem Weg durch eine kleine, mit Touristeninteressen gewidmeten Läden lag zunächst ein Markt, den ich zunächst für einen dieser Grattlermärkte hielt, auf dem einem überteuertes Zeug, Messer, Billigschmuck, Gedöns, Touristenkram angeboten wird. Tatsächlich handelte es sich um einen kleinen Kunstmarkt. Nicht, dass mich irgendetwas wirklich glücklich gemacht hätte – außer vielleicht einer Currywurst -, aber immerhin gab es mal etwas anderes zu sehen als eben auf diesen Grattlermärkten.

Wir orientierten uns dann Richtung Strand. Glaubten wir. Wir kamen an einen Deich und hofften auf Meerblick. Hofften wir. Was wir bekamen, was unbestritten eines: Aussicht. Aussicht auf ein flaches Vorland, auf eine in der Entfernung liegende Lagune, davor eine Nehrung und ganz weit in der Ferne: Ebbe. Es war Ebbe. (Später sahen wir dasselbe noch bei Flut, aber nähergekommen war das Meer damit auch nicht.)
Wir gingen auf dem Deich Richtung Sankt Peter-Ording. Ja, genau. Der Ort ist länglich und der Deich führt im Grunde an seiner Meerseite den Ort entlang. Meine Gattin vermutete irgendwann, da sei längst kein Ort mehr, aber mein kundiges Auge konnte in der Bewaldung und dahinter Gebäude erkennen.
An einer Stelle überlegten wir, uns dem Meer zu nähern, doch die Uferbereiche sind abgabenpflichtig. Nicht viel, 3 Euro für einen Tag, aber angesichts des noch nicht warmen, nicht sonnigen und sehr windigen Wetters entschieden wir uns, das eventuell später nachzuholen. Draußen am Meer gab es eh vor allem einige Gebäudeinstallationen, und ansonsten viel Sand, viele Surfer, viel Sportkram. (Weiter nach Norden gab es solche Pfahlbauten ebenfalls, auch dort in einem abgabenpflichtigen Bereich, und auch hier trafen wir die gleiche Entscheidung, aber ich hinterließ in meinem Gedächtnis ein Eselsohr, dass wir diesen Bereich aufsuchen würden, weil dort das Meer definitiv näherlag, als an dem zuerst passierten Gebiet.)

Auf unserem Weg in den Ort selbst landeten wir wiederum in einer Straße mit Läden für Touristenbedürfnisse, dazu gehörten diesmal jedoch auch jede Menge kleine Restaurants und Imbisslokalitäten. Während wir einen Hundeladen suchten – »Hund von Eden«, er gehörte zu einer Hundeschule, wenn ich mich recht entsinne -, ihn aber nicht fanden, weil die Menschen in Sankt Peter-Ording mit ihren Hausnummern sparsam umzugehen schienen, entwickelten wir Hungergefühle und kehrten in einem recht unfrequentierten Lokal ein, das irgendwie »Meat & Steak« oder »Steak & Meat« (oder vielleicht auch »Meet & Great … the Beef«?) hieß. Egal. Ich bekam einen »Countryburger single« mit hundertachtzig Gramm Rindfleisch, der bezüglich seiner Soßen nicht ganz meinen Geschmack traf, dessen Fleischmenge meine Stimmung aber dennoch deutlich anhob.

Den Rückweg bestritten wir über die kleine Einkaufsstraße, immer in der Gefahr, von lauffaulen Radlern auf dem schmalen Gehweg überfahren zu werden, und später dann noch einmal über den Deich. Mit Navihilfe versuchten wir dann doch noch, den Hundeladen zu finden, was auch gelang. Wir waren beim ersten Versuch zu Fuß fast dort gewesen, hatten einfach nur zu früh aufgegeben. Und geschadet hätte es nicht, ihn gesehen zu haben, denn laut fachfrauischem Urteil meiner einschlägig bewanderten Gattin taugte das Zeug, das dort angeboten wurde – Hundezubehör aller Art eben – wenig bis nichts.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kurzen Stopp am Katinger Watt. Beziehungsweise in der Nähe. Denn einmal mehr zeigten sich Schwächen in den Fähigkeiten deutscher Verantwortlicher, für eine ordentliche Beschilderung zu sorgen. Aber das machte nichts. Wir sollten eh nur ein Stückchen laufen, mit den Hunden, und das gelang trotz der auf dem schmalen Weg herumfahrenden Geistesgestör… ähm, Autofahrer einigermaßen gut.