Nicht mondän, Husum, 02.06.

In irgendeinem Reiseführer las ich, Husum gälte als nicht mondän. Das ist vermutlich richtig, und ich vermute ebenso, dass es auch gut so ist. Immerhin zeigte sich Husum uns an diesem Tag nicht als die »graue Stadt« des Theodor Storm, wenn sie auch einen irgendwie flachen Eindruck hinterließ. Möglicherweise lag dies an falschen Ansprüchen bei unserem Besuch, denn ich hatte einen Reiseführer zur Hand, dessen Stationen wir quasi abarbeiteten, was möglicherweise einfach keine gute Idee war.
Wir sahen die üblichen Sehenswürdigkeiten. Das »Schloss vor Husum«, von außen. Den Schlosspark von innen, nervig wegen zahlloser Krähen, die ich als Verantwortlicher jedenfalls lustvoll einzeln und auf grausamste Weise massakriert hätte. (Wer das einmal gehört hat, was da abgeht, könnte mich ohne ein weiteres Wort der Erklärung verstehen.) Nervig auch wegen Leuten, die ich, so wie sie aussahen, ohne Prozess eingesperrt hätte; jedenfalls vorsichtshalber.


Das Schloss vor Husum

Storms Geburtshaus, zwei seiner Wohnhäuser, immer nur von außen. In seinem Geburtshaus ist unten ein Laden gewesen, das erste Wohnhaus war nur durch eine Tafel (und Zufall) erkennbar (denn es war im Reiseführer gar nicht erwähnt), und das zweite Wohnhaus beherbergte das Storm-Museum. Und da wir beide keine Storm-Fans waren (und die Hunde auch nicht): Ei drüber.


Das Geburtshaus Theodor Storms


Das Theodor-Storm-Museum

Der alte Hafen, der bei Ebbe immer trocken fiel, schien uns interessanter. Und er war es wohl auch. Es gab was zu schauen, und auf dem Kai gab es viele Restaurants, wenn auch nicht alle nach unserem Geschmack.
Ich bildete mir auf einmal Fisch ein. Früher, als meine Gattin noch keine Vegetarierin war, war mein Gelüst nach Fisch eher von sparsamem Charakter. An diesem Tag jedoch lief mir das Wasser im Mund zusammen, vor allem vor einem Restaurant mit dem schönen bayerischen Namen Wiesendanger.
Meine Gattin indes wollte aber etwas sehen, ohne mir mitzuteilen, was sie wohl sehen wollte, und so flanierten wir weiter, auf der Suche nach einer Lokalität, die uns beiden mundete. Da meine Gattin aber weder offenbarte, was sie überhaupt sehen wollte, geschweige denn, wonach ihr der Sinn stand, waren wir am anderen Ende des Kais angekommen und nach wie vor hungrig. Am Ende setzte ich mich dann mit dem Wiesendanger durch und musste zwar den immer mitschwingenden Unwillen meiner Gattin hinnehmen, wurde aber durch einen durchaus genussreichen Fischteller entschädigt. Was man nicht alles für ein Stück totes Tier auf sich nimmt. Oder auch drei Stück.


Der Husumer Hafen, bei Ebbe

In Erinnerung geblieben ist mir die sehr helle und unauffällig elegant eingerichtete Marktkirche. Die hatte unter anderem eine Orgel, die sehr modern wirkte und deren Bauweise mich später bei anderen Kirchen einem gewissen Wiedererkennungseffekt unterwerfen sollte. Will meinen: das ist doch wohl nicht eine Serienproduktion? Massenware, verwerfliche?!


Die Husumer Marktkirche


Die Husumer Marktkirche von innen

P.S.: Nach Begutachtung meiner Fotos und Lektüre des Dumont Kunst-Reiseführers »Schleswig-Holstein«, der hier schon erwähnt wurde (oder noch erwähnt werden wird) stelle ich fest, dass in dem ersten Storm-Wohnhaus Storm vielleicht gewohnt hat, die Tafel am Gebäude jedoch behauptet, es handle sich um das Elternhaus Storms und Dumont sogar so weit geht, das Haus als das Großelternhaus Storms zu bezeichnen. Da kenne sich noch einer aus.