Bald auch »Dummheit to go«?

Aschermittwoch ist nun schon ein paar Tage her, doch im aktuellen VDS-Infobrief vom 27.02.2021 wird auf eine besonders clevere Idee des Klerus Bezug genommen:

Da die Aschermittwochsgottesdienste zwar regional stattfinden konnten, die Besucherzahlen in diesen Seuchenzeiten jedoch limitiert waren, gab es einen Bedarf, den Gläubigen das Aschekreuz auf der Stirn auf anderem Wege zur Verfügung zu stellen. Und so erfand man die »Ash to go«, die man außerhalb von Kirchen an verschiedenen Orten »wortlos und ohne Berührung« empfangen konnte – »Asche zum Mitnehmen«.

Auch im VDS-Infobrief wird die Frage gestellt, warum die Idee den Namen »Ash to go« bekommen musste. Wäre »Asche zum Mitnehmen« so uneindeutig, so umständlich zu formulieren gewesen? Oder wollte man die bodenlose Blödheit der Idee an sich kaschieren, damit manch einer nicht gleich darauf kommt?

Vielleicht gibt es bald auch »Dummheit to go«. Schwierig wird es dann nur werden, einen Anglizismus dazu zu finden: »Stupidity to go« wird manchen Deutschen sicherlich überfordern. Oder wie wäre es mit »Stupi to go«? Wir haben ja immerhin auch das »Handy« zum internationalen Lacherfolg gebracht …

Quelle zur thematischen Vertiefung: hier.

So kann man sich täuschen

Bei manchen Filmen frage ich mich, wie sie auf meine Leihliste bei Videobuster geraten sind. So auch bei »The Pirates of Somalia«. Gut, Al Pacino und Melanie Griffith sind große Namen, aber beide gehören nicht auf meine Favoritenliste; und sie besetzen auch nur Nebenrollen. Ich vermute eher, dass »Somalia« das Stichwort war, auf das ich quasi hereingefallen bin. Denn die vermutliche Annahme einer irgendwie gearteten thematischen oder stilistischen Verbindung zu »Black Hawk Down«, einem meiner All-time-Favourites, ist wohl naheliegender. (Und könnte falscher nicht sein; auch wenn der Film in den »Pirates« sogar erwähnt wird.)

Jay Bahadur, Kanadier, möchte Journalist oder Schriftsteller oder beides werden, ist jedoch an seinem beruflichen Anfang nicht sehr erfolgreich. Schließlich geht er nach Somalia, um dort Kontakt zu den sogenannten Piraten aufzunehmen, herauszufinden, wer diese Menschen sind, wie sie leben, was sie tun – und warum sie es tun.

Somalia gilt auch heute noch – nicht zuletzt dank solcher Filme wie ausgerechnet »Black Hawk Down« (ich mag den Film trotzdem noch) – als Pfuhl des Bösen, die Piraten kapern wahllos Schiffe, töten Menschen, das ganze Programm. Dass es inzwischen längst eine demokratisch gewählte Regierung gibt, ist weitgehend unbekannt; dass die al-Shabaab-Miliz immer noch ein Machtfaktor ist, wird von den Medien höher und kritischer bewertet. Die Gründe für die sogenannten Piraten, Schiffe zu kapern und Lösegeld zu verlangen, sind durchaus naheliegend: Fremde Nationen – allen voran die Chinesen – haben die somalischen Fischgründe längst leergefischt und den Somaliern ist nichts geblieben, um zu überleben. Längst gibt es keinen Thunfisch mehr aus Somalia, einst der Hauptexportartikel des Landes. Und dass bei den Piratenüberfällen Menschen sterben, ist wohl letztlich dem – durchaus logischen – Wunsch der Überfallenen zuzuschreiben, sich zu wehren – und dabei durchaus nicht zimperlich zu sein.

Bahadurs Tage in Somalia sind abwechslungsreich, aber nicht wirklich gewalterfüllt. Der Kontakt zu den sogenannten Piraten gelingt, aber was er in die Heimat übermittelt, trifft auf taube Ohren – seine Kontaktperson dort macht ihm keine Hoffnungen. Und dennoch bleibt er bis zu dem Punkt, an dem es sinnvoll ist, Somalia zu verlassen.

Als er nach Hause kommt, erwartet ihn eine Überraschung. Und am Ende gilt er als Fachmann für die sogenannten Piraten in Somalia, und seine letzten Worte sind nichts anderes als eine Liebeserklärung an Somalia, wie es der ganze Film als solcher auch ist, wenn man es genau nimmt.

»Black Hawk Down« wird als das Paradebeispiel dafür erwähnt, was an falschen Informationen und Eindrücken über Somalia im Westen vermittelt wird. Eine der bemerkenswertesten Aussagen einer Somali ist, dass in dem ganzen Film nicht ein einziger Somali mitgespielt hat …

Wie auch immer: Der Film ist nicht nur wegen der Darstellung ganz anderer Somalier eine Bereicherung. Er ist angenehm ruhig gespielt, die Gewalt beschränkt sich auf comichaft dargestellte (Alb-) Traumszenen Bahadurs, und Evan Peters, der Darsteller Bahadurs, erinnert nicht nur optisch – im Laufe des Films wächst ihm ein wilder Vollbart –, sondern auch von seiner Spielweise her mehr als deutlich an Leonardo di Caprio.

Wenn ich für diesen Film fünf Sterne vergeben müsste, würde ich das tun.

Heute ist Internationaler Tag der Muttersprache

Im aktuellen VDS-Infobrief steht dazu zu lesen:

Sprache schafft Gemeinschaft. So sorgt die Muttersprache einer Gesellschaft für deren Zusammenhalt. Sie ermöglicht Kommunikation und inkludiert Menschen, die neu in ein Land kommen und sich der Gemeinschaft anschließen. Anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am 21. Februar macht der Verein Deutsche Sprache darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, sich in seiner Muttersprache artikulieren zu können. „Gefühle, Ideen, Sorgen – all das können wir in unserer Muttersprache am besten ausdrücken“, so Prof. Walter Krämer, Vorsitzender des VDS. Die Muttersprache sorge dafür, dass wir miteinander in Kommunikation treten – und das mit dem geringstmöglichen Reibungsverlust.
Jedoch sollten auch Möglichkeiten zur Mehrsprachigkeit genutzt werden, denn Muttersprache und Mehrsprachigkeit ergänzen sich sehr gut. Jedes fünfte Kita-Kind spricht zu Hause eine andere Sprache als Deutsch, dennoch stellt die Kommunikation auf Deutsch außerhalb der eigenen vier Wände für diese Kinder kein Problem dar. Diese „Chance auf Weltoffenheit und Lernen“ müsse genutzt und stetig ausgebaut werden, sagt Krämer. „Mehrsprachigkeit ist ein Geschenk, sie öffnet Türen, die uns sonst verschlossen blieben.“

vds-ev.de/mitteilungen/muttersprache-bringt-menschen-zusammen

Polizei! Polizei!

Und das ist mein »Freund und Helfer«? Na, danke sehr, da verzichte ich doch gerne!

(Und leider ist es wahr. Der Spiegel berichtete vorgestern über die »abenteuerlichen Duden-Kreationen« »Gästin« und »Bösewichtin«. Bösewichtend, wer nun denkt, die Polizeienden hätte da Druckin auf die Dudenden ausgeübt.)

[Ich bin dann mal für ein paar Stunden im Keller. Schreien.]

Rassistische Pantomimen

Dieser Tage könnte man meinen, der WDR hätte es sich zur Leidenschaft gemacht, nach der Arschkarte zu greifen. Aber nicht immer ist er auch schuld daran. Diese Geschichte hier

wäre unnötig gewesen, wenn man die Angehörigen der sogenannten »Streichkultur« (nein, den Anglizismus bekommt ihr hier nicht zu lesen) häufiger körperlich züchtigen würde. Dann wären sie mit anderen Dingen beschäftigt, zum Beispiel Krankenhausaufenthalten, Rekonvaleszenzphasen und so weiter.

Das »Schwarzgesichten« hat eine ewig lange Tradition und durchaus gute Gründe. Und kein Schwarzer wird ernsthaft Argumente für Diskriminierungsgefühle finden, wenn Weiße sich nicht entblöden, sich das Gesicht im Karneval anzumalen. Und wenn doch … Ich bin sicher, dass so jemand andere Probleme hat, zum Beispiel zu glauben, dass die Absicht solchen Tuns ist, Schwarze zu diskriminieren.

Es wird nun wohl Zeit für die Erwartung, wann Frauen das Schminken verboten wird. Zombies könnten sich über schlechte Make-ups echauffieren, Leichen würden sich Gothics entgegenstellen und deren Aussehen verurteilen. Ich derweil fordere, dass Pantomimen auf den Straßen fürderhin die Anmalerei ihres Gesichtes mit weißer Farbe unterlassen, denn als Angehöriger einer Sippe alter weißer Männer fühle ich mich von diesem Tun nicht nur diskriminiert, sondern auch veralbert. (Und dann sind da noch die grünen Männchen vom Mars …)

Bemerkenszwerg

Diesen Brief kennen inzwischen einige Menschen in Deutschland. (Wer ihn noch nicht kennt, ist entweder zu jung oder hat eine lahmarschige Krankenkasse.) Die Bundesregierung schreibt uns, ist aber zu faul, unsere Adressen rauszusuchen, also muss unsere Krankenkasse ran. Fein.

Bemerkenszwerg daran:

  • Anfang Februar, als ich diesen Schrieb erhalte, werde ich darüber informiert, dass ich mir bis zum 06. Januar drei Masken hätte holen können. Nein, ich lasse mich nicht allabendlich von ARD-Extranervtöt belästigen. Und ich mache auch sonst gerne einen Bogen um ständig wiederkehrend widersprüchliche Informationen in Radio, TV, Internet, Zeitung und WC-Papier.
  • Und laut Bundesregierung »bleiben die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) weiterhin besonders wichtig«. Aha. Alltagsmaske. Nach meinen marginalen Informationen sind inzwischen flächendeckend und gesichtsbedeckend mindestens FFP2-Masken vorgeschrieben. Und die gelten nicht als die sogenannten Alltagsmasken, die man auch in Form von Schal, Motorradhelm, Socken oder doppelseitigem Klebeband hätte applizieren können.

Nunja. Es ist unsere Regierung. Dann ist das wohl alles richtig so. Ich bin ja auch kein Querstänker.