Gegenseitigkeit

Warum genau Gabriele Behrend Veröffentlichungen in meinem Verlag mag, weiß ich nicht (aber ich bin sicher, dass sie es mir hierauf verraten wird :). Aber es beruht auf Gegenseitigkeit, denn ich mag ihre Geschichten und ihre Romane. Das aktuelle Buch über »Die vom Glück Verdorbenen«, das in Kai Beisswengers und meinem Imprint »Zwischen den Stühlen« erscheint, hat sie in beinahe atemberaubender Geschwindigkeit in einer besonderen Lebenssituation geschrieben, und auch wenn die Handlung mit dieser Lebenssituation wohl eher weniger zu tun hat, ist sie bemerkenswert – ein gelungener Blick in eine nicht unwahrscheinliche Zukunft, versehen mit unterschwelliger, aber lesbarer Kritik an unserer Zeit. »Die vom Glück Verdorbenen« ist nicht das erste Buch von Gabriele Behrend, das ich veröffentliche, und es wird nicht das letzte Buch sein. Versprochen. Gegenseitigkeit verpflichtet. Und macht ein bisschen süchtig.

Behrend, Gabriele, DIE VOM GLÜCK VERDORBENEN

Megaminiaturen

Nein, sie sind nicht riesig, die Miniaturen, die Kürzestgeschichten des Friedhelm Schneidewind. Aber »mega« ist ihre Zahl — in Friedhelms aktueller Sammlung sind gleich 100 (in Worten: hundert!) kurze und kürzeste Geschichten aus der Miniaturenreihe der Phantastischen Bibliothek Wetzlar enthalten. Da darf man gerne auch mal ein Schlagwort von Dieter B. verwenden, mit dem der in der Regel alberne Werbung macht.
Als Verleger gehöre ich auch zu einer Sorte Mensch, die nicht alles veröffentlichen, was ihnen angeboten wird. Aber es gibt durchaus Ausnahmen. So kann man bei den Miniaturen der PhB davon ausgehen, dass sie quasi vorgefiltert wurden. Man darf wohl davon ausgehen, dass Thomas Le Blanc & Co. auch nicht einfach jeden Mist veröffentlichen, der auf die Schreibtische gespült wird — im Gegenteil. Und so kann ich davon ausgehen, dass die Geschichten, die mir die Autoren, deren Miniaturen ich bislang veröffentlichte, etwas taugen — auch, wenn sie schon veröffentlicht wurden (was andererseits auch bestritten werden könnte, denn wenn man es genau nimmt, sind die Miniaturenbände der PhB gar nicht auf dem Markt).
Jedenfalls hat der Schneidewind, der Friedhelm, einen bunten Reigen Storys vorgelegt, der mehr als nur eine Vorliebe — die für SF — bedient. Dieses Buch verdient das Prädikat: »Für jeden was dabei.«

Schneidewind, Friedhelm, BRENNENDE LABYRINTHE

Deckmäntelchen

»Magische Science-Fiction« ist kein Begriff, kein literarisches Genre, das ich erfunden habe. Nicht mal die Bezeichnung, obwohl sie mir so bislang nicht unter die Augen gekommen ist (was nicht viel heißt, lese ich heutzutage doch außerhalb meiner Verlagsarbeit vorrangig Krimis). Aber nachdem mir innerhalb kurzer Zeit gleich zwei Romanmanuskripte unterkamen, bei denen der Begriff wie die Faust aufs Auge passt, konnte ich mir nicht verkneifen, beiden Romanen diese Genrebezeichnung als Untertitel zu verpassen.

Das erste Werk, das ich als »magische SF« bezeichne, ist der Roman »Irodis’ Stern« von Gerd Frey, den ich schon ewig lange kenne — wir schrieben uns schon vor der sogenannten Wende Briefe — und den ich nicht zum ersten Mal verlege. Das Buch präsentiert eine Geschichte mit einem Magier in der Hauptrolle, und die magischen Elemente sind zahlreich und können dazu verleiten, das Buch als Fantasy einzustufen. Was ich für einen Fehler hielt und halte — daher meine Einstufung als »magische SF« –, denn die Elemente, die der Science-Fiction zuzuschreiben sind, sind allgegenwärtig und im Grunde auch der Aufhänger des ganzen Werkes. Denn dieser Stern … Irodis’ Stern … der ist nicht magisch, sondern ausgesprochen real.

Frey, Gerd, IRODIS’ STERN

Musiweigandentum

Natürlich beziehen sich meine Berührungspunkte mit Jörg Weigand und seinem Schaffen vorrangig auf fantastische Literatur, Science-Fiction ganz vorneweg. Ich kenne ihn als Autor, ich arbeite mit ihm als Herausgeber an nicht wenigen Projekten, wir telefonieren häufig, bisweilen täglich. Es gibt viele Berührungspunkte, und so war irgendwie auch klar und völlig außer Frage stehend, dass ich seine Sammlung mit Liedern, die er nach Gedichten von Rainer Maria Rilke schrieb, veröffentlichen würde. Sein bisheriger Musikalienverleger Schillinger hat sich zur Ruhe gesetzt, und so ergab sich für mich die Gelegenheit, einmal mehr eine Nachfolge anzutreten. Et voilà:

Weigand, Jörg, TRAUMTAGE