Korrektur hören

Ich empfehle gerne, Texte aller Art Korrektur zu lesen, bevor man sie veröffentlicht, und schließe dabei vor allem auch textliche Werbeaussagen mit ein. Aber bisweilen sollte man auch das gesprochene Wort Korrektur lesen … nein, hören. Bei so einer Aktion wäre den Werbidioten der McMakler GmbH in Berlin vielleicht auch aufgefallen, dass die Antje Hamer die TV-Werbung mit der Frage beginnt, ob man seine Mobilie (!) verkaufen möchte.

McMakler TV-Spot "Immobilien verkauft man mit McMakler"

Und nein, ich mochte meine Im(!)mobilie schon zu den Zeiten des halsnasenohrenkranken Sprecher schon nicht verkaufen, und daran hat sich nichts geändert. Und meine Mobilie – derer ich zwei besitze – verkaufe ich auch nicht, auch nicht bei den Nervwerbern von ichversaufedasgeldfuerdeinauto.de.

Pussy Böhmermann

Heute Morgen bezeichnet Jan Fleischhauer, bekannter Kolumnist im FOCUS, Jan Böhmermann als »nervigen Sozialkundelehrer«. Ich finde das ganz arg ganz lieb ausgedrückt. Denn ich hätte da andere Prädikate für diesen medialen Platzverschwender, dessen unterirdischer Pseudohumor allenfalls für hochnotpeinliche Dreckschleuderei geeignet ist – und netterweise auch schon mal Konsequenzen hatte (und damit meine ich nicht nur die Causa Ziegenficker, die vor allem Auskunft über die schlicht zweifelhaften Fantasien des Täters gab), die allerdings leider nicht dazu führten, Böhmermann aus der Riege deutscher Kabarettisten dauerhaft zu entfernen (aber vielleicht schafft er das ja auch noch selbst …).

Aber ich steigere mich hinein. Sinnvoller – und deutlich amüsanter – ist es, die Kolumne von Jan Fleischhauer zu lesen: hier.

Der Impfwicht und das letzte Todesopfer der Coronaseuche

Der letzte Tote … nein, die letzte Tote der Coronaseuche wird unsere deutsche Sprache sein.

Da sitzt dieser Dr. Dirk Heinrich, Leiter des Impfzentrums Hamburg, vor laufender Kamera der NDR-Talkshow und reiht sich in die Schar derer ein, denen nichts unwichtiger ist, als die deutsche Sprache zu pflegen und hochzuhalten. Da ist von Menschen die Rede, die »gedurcht« sind. »Gedurcht« … »ge…« … heilige Scheiße!

Wer nicht in der Lage ist, sich die Zeit zu nehmen, vollständige und verständliche Sätze zu bilden, wenigstens zu erwähnen, dass es schon Menschen gibt, die »durchgeimpft« sind – als Verkürzung schlimm genug –, wer nicht die Zeit hat, zu erklären, dass es sich um Menschen dreht, die beide vorgesehenen Impfungen erhalten haben, wer dazu nicht in der Lage ist, der gehört nicht vor eine laufende Kamera, dem gehört mindestens seine Sprachuntat weggepiept und das Gesicht verpixelt, damit man nicht mal von seinen schändlichen Lippen ablesen kann.

Ich bin in einem nicht beschreibbaren Maße angewidert.


Edit 04.05.2022: Der ursprüngliche Link in die ARD-Mediathek ist nicht mehr gültig. Natürlich. Das Internet vergisst ja nichts. Nur die gebührenfinanzierten Dienstleister haben digitalen Alzheimer … Es zeigt sich einmal mehr, wie gut es ist, dass es Youtube gibt. Denn hier ist der Ausschnitt aus der NDR-Talkshow vom 02.05.2021 noch vorhanden:

Leiter des Impfzentrums Hamburg Dr. Dirk Heinrich | NDR Talk Show | NDR

So viele …

Und während es im deutschen Fernsehen immer noch gut gemachte Werbung zu entdecken gibt, werden auf Facebook, Twitter und in deutschen Foren immer noch Ameisen gefickt. Aber es gibt ja genug. Kein Grund, ein Ende zu finden. Und dabei dachte ich immer, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist. Wenn Ameisen zu ficken aber keinen Spaß macht, warum macht man es dann?

HORNBACH – Überall kann Garten sein

Eingeknickt

Ich hatte Hoffnung. Ein wenig. Aber am Ende hat der BR doch seinen üblichen Weg gewählt und ist eingeknickt. Unter dem Titel »Über das Ende von Maxwell Strauß wurde nicht diskutiert« textet die FAZ zum Thema »Blackfacing im BR«: »Der Bayerische Rundfunk hat Helmut Schleich die Satirefigur des „Maxwell Strauß“ wegen vermeintlichen Rassismus’ gestrichen. Der Kabarettist will sich nicht verkämpfen. Aber das kritische Potential seines Auftritts sieht er verkannt.« Der ganze Beitrag hier: https://www.faz.net/-gqz-aatoc?GEPC=s5.

Helmut Schleich als Maxwell Strauss. Bild: Imago, Quelle: FAZ, siehe obigen Link

Schleich dürfte sich nicht gewundert haben, erlaube ich mir zu vermuten. Immerhin ist einem guten Kabarettisten inzwischen längstens bekannt, dass in Deutschland nicht mehr die Inhalte, sondern nur noch der Anschein zählt. Möglicherweise hätte er mehr Erfolg gehabt, hätte er sich im »Yellowchinesing« geübt … Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass dies seitens des BR und seiner Kritiker auch wieder nur ein Versuch ist, von der wirklich relevanten Sache abzulenken.

Beeindruckend

Nicht nur die Frau ist beeindruckend, sondern auch das, was sie über ihren Assistenzhund Tajo erzählt.

https://www.ardmediathek.de/video/ndr-talk-show/sitzvolleyballerin-und-amtsanwaeltin-inga-orlowski/ndr-fernsehen/Y3JpZDovL25kci5kZS9jNGJkNGY3NC1kMDJmLTQ1YWEtYWY0Yi1jODNlMTUyMGU5ZDA/


Edit 11.04.2022: Danke, ARD, danke für den neuerlichen Beweis, dass eure Mediathek vergesslicher ist als das Internet. Immerhin kann man die ganze betreffende NDR-Talkshow bei Youtube finden. Und die Inga Orlowski mit ihrem Assistenzhund ab Minute 29:07.

NDR Talk Show vom 09.04.2021 Ulrike Folkerts, Peter Schilling, Albrecht Mayer, Jan Gregor Kremp, Joh

Sturer Haufen und Hut

Der Bayerische Rundfunk ist aus vielen Jahren und Jahrzehnten bekannt für ein Verhalten, das man schon mal als zensorisch bezeichnen konnte. Ich erinnere mich daran, dass zwei, drei Titel von Frank Zappa gekürzt wurden, wenn sie über den Äther kamen. Oder TV-Sendungen, die im ARD-Sendegebiet des BR nicht übertragen wurden, weil sie den BR-Oberen nicht gefielen. Aber die Sturheit des BR kann auch positive Auswirkungen haben, so positiv, dass ich davor glatt meinen Hut ziehe. Was ich meine? Das steht hier.

Keine Solidarität mit meinen Worten

Deutschland erregt sich. Über alles Mögliche, das ein Kleingeist nicht verarbeiten kann. Auch über Satire. Und Blackfacing. Der Tagesspiegel jedenfalls füttert den deutschen Kleingeist mit seinen eigenen Befürchtungen: hier.
Es ist wohl typisch für linke Blätter, sich auf eine Thematik in dieser Form zu stürzen, und dabei so ganz nebenbei die Frage danach eben nicht zuzulassen, wie es denn mit dem „Whitefacing“ zum Beispiel im Voodookult aussieht. Ach ja, hier zieht ja die Religionsfreiheit, die freilich auch in Zeiten der Ausübung religiös argumentierter Gewalt ein höheres Gut ist als die Freiheit der Kunst.

Dass die Lage in Deutschland auch ganz andere Aspekte hat und konkrete Befürchtungen zulässt, weiß das Redaktionsnetzwerk Deutschland: hier.
Am Ende der Entwicklung wird ein verbaler und argumentativer Kampf »Jeder gegen jeden« stehen, der gar nicht ausgetragen werden kann, weil niemand mehr sagen darf, was er zu sagen hat, denn er ist für das Thema nie die richtige Person. Es sind ständige Schläge gegen die Solidarität in der Gesellschaft, und am Ende gibt es Solidarität nicht mehr — ist vielleicht selbst Opfer der »Streichidioten« (mein Deutsch für fanatische und gedankenlose Anhänger der undeutsch benannten »Cancel Culture«) geworden –, weil ich mich mit niemandem mehr solidarisieren kann, ohne die falsche Person für welches Thema auch immer zu sein.

Malta: Kleiner Film, eher enttäuschend

Auf ARTE läuft heute nachmittag um 17.50 der Film »Malta – Kleines Land ganz groß«. Es handelt sich um einen Teil einer fünfteiligen Dokumentationsreihe – und ich habe mir den knapp dreiviertelstündigen Film schon in der ARTE-Mediathek angeschaut.

Und bin enttäuscht.

https://www.arte.tv/de/videos/092103-003-A/malta-kleines-land-ganz-gross/

Als Malta-Fan mit (nur!) fünf Aufenthalten dort (ich kenne jemanden, der deutlich öfter dort war … Neid! Nicht wahr, Anke? :) habe ich natürlich bei solchen Filmbeiträgen meine Erwartungen. Aber ich erwarte Besonderes, Dinge, die ich noch nicht kenne, die besonderen Kleinigkeiten, die dem Malta-Fan jenseits des Pauschaltourismus das Bild des geliebten Inselarchipels abrunden und zum Leuchten bringen.

Indes ist der Grundtenor dieses Beitrages eher negativ. Es geht vor allem um Tierarten, die auf Malta – und möglicherweise nur dort – leben. Gut, die im Volksmund Lampuki genannte Goldmakrele ist natürlich keine rein maltesische Fischart, wenn sie auf Malta auch als Nationalgericht geführt wird. Problematisch fand ich den Herrn, der mehrfach nach kleinen Tieren grapschte und sie in seinen Fingern zappeln ließ; vor allem die winzigkleine Maus, die keine Maus, sondern eigentlich ein (Verwandter des) Igel(s) ist. Vernünftige Filmaufnahmen hätten hier sicherlich auch ihren Zweck erreicht.

Aber der Grundtenor waren Aussagen über all das, was verloren gegangen ist: die Landbrücke zwischen Italien und Afrika (nach deren Untergang Malta übrig geblieben ist), viele Tierarten (und das Chamäleon wird dann als Einwanderer von Afrika geoutet), die Natur (dank Städtebau, Straßenbau, vierhundertzwanzigtausend Autos und einer halben Million Einwohner) … Ich habe dann irgendwann nicht mehr zugehört, denn Natur- und Tierschutz in allen Ehren: Malta ist von Haus aus eine ziemlich dämliche Wahl, hier Notwendigkeiten zu propagieren. Denn was, bitte, sollen die Malteser denn machen – ins Wasser gehen?

Ärgerlich auch die schlampige Recherche. Mdina, die alte Hauptstadt des Johanniter Ritterordens, ist natürlich nicht die »Citta nobiltà« (gesprochen »nobilita«), sondern die »Citta notabile«, also nicht die »edle«, sondern die »bemerkenswerte Stadt«, ein Ehrentitel, den Mdina nach einem erfolgreich abgewehrten Hafsiden-Angriff 1422 erhielt. Was ohne weitere Recherche zu bezweifeln ist, denn die italienische Sprache kam erst durch die Johanniter auf die Inseln, und die ließen sich erst 1530 dort nieder.

Und auch der vielfältig kolportierte Blödsinn, Malta sei laut UN das wasserärmste Land der Welt, wird einmal mehr wiederholt. Aber es gibt Storys, die sind nicht auszurotten: Noch heute gibt es Menschen, die glauben allen Ernstes, es wäre auf ganz Malta nur eine Ampelanlage …

Edit 02.08.2021: Die arte-Mediathek führt den Film nicht mehr; der neue Link bei dailymotion.com wird mit Werbung gestartet. Aber immerhin …