Unser Land. Eine Hochburg der Idioten

Sie sind überall. In der 30er Zone zum Hörnle hinauf. Badstraße, Baumgartnerstraße. Sonnenstraße. Es geht ja bergauf, da muss man rasen. Sonst geht der SUV* ja aus, wenn er seine 25–30 L/100 nicht bekommt. – Im Nebel, der Vordermann. Bei Sichtweiten von 50–60 Metern ohne Licht. – Oder nur mit Angel Eyes, weil die sehen ja so kackecool aus, dass man die gerade mal 10, 20 Meter weit sieht. Und was interessieren die Leute hinter einem, die meine Rückleuchten nicht sehen können, weil sie mit den Angel Eyes nicht eingeschaltet werden. – Oder – als Steigerung? – ohne Licht, ohne Angel Eyes, bei solchen Sichtweiten mal eben überholen. – Und als Finish der Idiot, der beim Rechtsabbiegen fast hinten rein fährt, weil er wegen Gegenverkehr nicht auf die Gegenfahrbahn ausweichen kann. – Auch in den Fahrschulen unseres Landes sitzen nur noch Idioten. Da lernt man nicht mehr, wie man sich zu verhalten hat, wenn vor einem Bremslichter aufleuchten.

* Sonderfahrzeug unverantwortlicher Vollidioten

April, April

Mal eben ein bisschen Beton- oder Zementschlamm ins Grüne verklappt. Mal eben eine halbe Stunde sinnlos die Motoren laufen lassen. Mal eben einfach mal ein Arschloch sein. Und der Natur was Gutes tun. (Zugegeben, das war am 02. April 2014. Und ich glaube auch nicht, dass die beiden Umweltschänder das als Aprilscherz gemeint haben. Wer so dumm ist, hat meist auch keinen Humor.)

Ich war in der Sonne

Nach den letzten nebligen Tagen hier im Murnauer Moos, während denen der Wetterbericht immer nur schlaue, aber unwahre Sprüche darüber hören ließ, dass die Sonne irgendwann heraus käme, aber nie dazu sagte, wo das der Fall sein sollte – außer natürlich auf den Bergen –, entschied ich, heute mittag mit den beiden Mausekäfern irgendwo nach oben zu fahren, irgendwohin, wo es eine Chance auf einen Sonnenstrahl gab. Hier im Murnauer Moos ist das das Hörnle.

Ich fuhr nach Sonnen, einem Ortsteil von Bad Kohlgrub, erfreute mich an der dortigen Parksituation und ging dann mit den beiden Mausekäfern los – Richtung Berg, immer nach oben. Es war teilweise sehr steil, und nach einer guten halben Stunde teilte mir meine Kondition mit: »Ich bin dann mal weg, schau zu, wie du weiterkommst.«

Aber es hat sich dennoch gelohnt: Es gab Sonne. Es war über dem Nebel deutlich wärmer. Es war einfach schön:


Die Hubertuskapelle


Eine Insel im Nebelmeer …

Föhnstörungen

Seehausen am Staffelsee, 09.10.2014. Der bayerische Föhn hat eben auch Nachteile. Nicht nur Kopfschmerzen. In den Köpfen mancher Zeitgenossen richtet er noch Schlimmeres an.

Eigentlich wäre dies eine Geschichte für Herrn Hütter, aber der ist gerade in Kanada auf einem TOGA, einem »Training für optimierte Gewaltanwendung«. Auf unserem Mittagsspaziergang geschah in Seehausen auf der Dorfstraße Seltsames.
Dort befinden sich zwei Bauerhöfe, direkt an der Dorfstraße, die nicht sehr stark befahren ist. Eine Dorfstraße halt. Einer der Bauernhöfe hat einen Stall direkt an der Straße, und die Tür stand offen. Kim, neugierig wie immer, blieb stehen, schaute hinein. Naomi tat etwas anderes: Sie wich hinter mir zurück, was ich aber nicht gleich realisierte. Ich zog an der Leine, um sie von der Fahrstraße herunterzuholen, aber sie folgte nicht, zog weiter weg von der Tür – und irgendwann hatte sie sich aus dem Halsband herausgewunden.
Naomi neigt nicht dazu, wegzulaufen, selbst dann nicht, wenn ihr nicht wohl ist, sie Angst hat. Bisher jedenfalls. Und so auch während dieser Situation nicht.
Aber sie stand mitten auf der Dorfstraße. Und in so einer Situation lässt sie sich nicht mit Leckerlis locken. Und während ich versuchte, sie zu mir zu holen, während sie immer wieder ein paar zögerliche Schritte auswich, wenn ich mich ihr nähern wollte, kam vom See her ein Auto.
Ich gab ein Handzeichen, dass der Fahrer anhalten solle. Keine erkennbare Reaktion. Ich verschärfte das Handzeichen durch heftiges Wedeln mit der Hand. Der Wagen wurde langsamer, aber anzuhalten gelang dem Fahrer nicht. Stattdessen ließ er den Wagen langsam auf Naomi zurollen – bis er sie berührte.
Naomi sprang erschrocken zur Seite. Natürlich. Sie lief noch ein Stück die Dorfstraße entlang, dann auf den Fußweg.
Ich trat dem Autofahrer eine Beule in den Kotflügel, und als er erkennbar darauf reagieren wollte, lehnte ich mich mit geballter Faust und brüllend (den O-Ton habe ich vergessen) auf seine Motorhaube, was er offensichtlich korrekt als Hinweis darauf verstand, was passieren würde, würde er seinen Wagen verlassen …

Naomi saß auf dem Fußweg. Sie ließ sich immer noch nicht locken, aber ich bekam sie dann doch wieder ins Halsband. Sie sah mich an, als sei nichts gewesen. Ich dachte an Herrn Hütter. Und ich hätte für Naomi eine Körperverletzung begangen, wäre der Typ aus seinem Wagen gestiegen.

Kein Paradies

Murnau am Staffelsee, 09./10.10.2014. Es ist seltsam, an solchen Tagen ausgerechnet die »Jesse Stone«-Filme nach Robert Parkers Büchern anzuschauen. Draußen ist es warm, die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend und stahlblau. Es geht ein föhniger Wind.
Und ich arbeite vor meinen vier Monitoren. Das ist okay, das wäre richtig, würde nicht auf einem Monitor ein »Jesse Stone« nach dem anderen laufen. Ich bin Tom-Selleck-Fan, und ich liebe die Parkerschen »Stone«-Krimis und die Filme mit Tom Selleck, der in dieser Rolle die Rolle seines Lebens gefunden hat. Irgendwo schrieb ich, glaube ich, schon einmal über den Kontrast zwischen Magnum p.i. und Jesse Stone, der auch etwas über den Kontrast zwischen Tom Selleck Anfang der 80er und Tom Selleck in den 2010ern aussagt.
Und es bleibt seltsam, an solchen Göttertagen ausgerechnet diese Krimis zu schauen, die in einem düsteren Paradise, Massachusetts, spielen, mit einem Polizisten, der die Definition eines gebrochenen Charakters sein könnte, wäre er nicht auf bewundernswerte Weise einfach, direkt, ehrlich, sympathisch. Jesse Stone müsste ein schlechter Mensch sein, würde er in einem anderen Film dargestellt werden. Aber er ist es nicht. Er ist ein beinahe herzzerreißend guter Mensch.
Und die Filme … Es ist klar, dass die für mich erschütterndste Passage die aus »Night Passage« (deutsch: »Knallhart«) ist, als Jesse Stone seinen Boomer einschläfern lassen muss. Eine unprätentiöse, unaufgeregte Szenenfolge um das abgrundtief verstörende Ende einer Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Hund. Und die Erinnerung daran bleibt auch durch Reggie aufrechterhalten, der andere Hund, der nicht immer, aber oft so scheint wie sein Herrchen. Obwohl Jesse Stone aka Tom Selleck sein Herrchen gar nicht ist (Reggie, der Hund, stammt aus dem ersten Film, »Stone Cold« [deutsch: »Eiskalt«], und ist der Hund einer Figur, die gleich am Anfang des Films als Leiche aufgetaucht ist).

Es ist seltsam, an solchen Tagen solche Filme anzuschauen. Aber vielleicht ist es besser, als es an trüben, nebligen Novembertagen zu tun, wenn man sich gerade von jemandem getrennt hat.

Junge Götter machen

Murnau am Staffelsee, 09.10.2014. So ein Wetter nennt man Königswetter. Oder eines, um junge Götter zu machen. Oder irgend so etwas. Der bayerische Föhn hat nicht nur Vorteile. Kopfschmerzen. Viele Menschen leiden darunter. Oder glauben es. An diesem Tag für junge Götter hat es mich auch erwischt. Und kein Paracetamol hat geholfen.

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Warum man nicht immer auf seine Frau hören sollte

Unsere Hunde sind nicht ganz gesund. Kim hat eine offensichtlich chronische Entzündung der Vagina. Ist in Behandlung. Nach ein büschen Antibiotika nun homöopathisch. Sieht auch eigentlich ganz gut aus. Naomi hat Giardien. Und Kim vermutlich auch. Seit gestern gibt es dagegen Medizin. Laut Anweisung der holden Gattin:

Nach dem Essen zwei Tabletten (länglich; es ist schon nicht klar, was mit »zwei Tabletten« gemeint ist, weil eine Tablette keine Tablette ist, sondern ein zweigeteiltes Dragee), zerstoßen, dazu ein wenig Pulver von irgendwelchen Dummstippenmuscheln (oder Dünnlippenschnuffeln, ich habe keine Ahnung, steht nicht auf dem Gefäß; aber die Hunde rasten bei dem stinkenden Zeug völlig aus), und oben drauf Leinöl, das Ganze ein büschen mischen und dann aufschlabbern lassen.

Bei Naomi – null problemo. Kim sitzt daneben und sabbert sich einen (ihren Gesichtsausdruck kann man nicht beschreiben). Ich hab Kim dann einfach die beiden Tabletten gegeben, ohne Gedöns. Chrapp, chrapp, weg waren sie. (Sie hat Leinöl und Muschelmuschel separat hintendrauf bekommen.)

Wenn im menschlichen Leben nur alles so einfach wäre. Grins.