Junge Götter machen

Murnau am Staffelsee, 09.10.2014. So ein Wetter nennt man Königswetter. Oder eines, um junge Götter zu machen. Oder irgend so etwas. Der bayerische Föhn hat nicht nur Vorteile. Kopfschmerzen. Viele Menschen leiden darunter. Oder glauben es. An diesem Tag für junge Götter hat es mich auch erwischt. Und kein Paracetamol hat geholfen.

Und dennoch. Der Mittagsgang mit den Hunden war eine Wucht. Größtenteils. (Später mehr.) Es war warm. Es ging ein Wind, den es so nur im Föhn gibt. An einem sonnigen Oktobertag ohne Föhn ist der Wind kühl, manchmal gar schon frostig. Die Sonne strahlt zwar noch, sie glüht, aber es ist nicht warm. An einem Föhntag ist jedes Luftmolekül aufgeheizt. 25, 26, 27 Grad im Schatten. Der Wind ist warm wie in den Tropfen, in einer Wüste, nein – wie in Oberbayern. Ein Föhnwind ist unvergleichlich.

Vor vielen Jahren hatte ich einmal Gelegenheit, einen Föhnsturm in einem bayerischen Alpental zu erleben. Es war auch Herbst, Ende September, Anfang Oktober. Der Wind war fast 30 Grad warm, und er hatte Sturmqualitäten, wahrlich.

Das Unvergessliche an einem Föhnsturm allerdings ist der Geruch. Die Luft riecht auf eine Weise, die man nicht beschreiben kann. Sie kommt aus Tirol, aus Italien vielleicht. Aber sie riecht nicht danach. Sie riecht – anders.
Föhnig.

Die Hunde und ich, wir spazierten in aller Seelenruhe durch Seehausen am Staffelsee, am See entlang. Ich ließ die beiden schnüffeln; vor allem Naomi ist ja groß darin. Ich hatte es nicht eilig – einen solchen Tag verschwendet man nicht mit schnellen Schritten.

Und am See saßen wir dann ein paar Minuten. Ich auf einer Bank. Die beiden Hunde vor mir. Natürlich ging es zuerst nur um Leckerlis. Leckerlis, Leckerlis.

Aber danach geschah es zum ersten Mal, seit Naomi Ende April zu uns gekommen war, dass sich beide Hunde völlig entspannten, sich vor meinen Füßen im leichten Schatten niederlegten, ruhig waren. Sogar Kim, die sonst immer nur saß – sie musste ja aufpassen, nicht nur, aber auch auf Naomi –, selbst Kim legte sich nieder, legte den Kopf ins Gras.

Und es war, als würden wir alle drei zur gleichen Zeit ausatmen.