Hübner 3

Einmal mehr – zum dritten Mal – präsentiere ich in meinem Verlag ein Buch mit den Besprechungen und Essays des Klaus Hübner. In diesem dritten Band geht es vor allem um Literatur aus Bayern und in Bayern. Für einen gebürtigen Landshuter mit dauerhaftem Domizil in München ist dies sicherlich naheliegend – und heißt andererseits aber auch nicht, dass es außerhalb Bayerns keine bemerkenswerte Literatur gibt, auf die man achten, die man beachten sollte. In seinen ersten beiden Bänden hat er das schon dargelegt und wird dies in dem noch folgenden vierten Band der Reihe »Kein Twitter, kein Facebook | Von Menschen, Büchern und Bildern« wiederholen.

Für mich hat der dritte Band wiederum viele neue Erkenntnisse gebracht – mit einem der dort erwähnten Autoren wird sich mein Verlag noch intensiver beschäftigen – und mit den »Sprachglossen« großen Spaß gemacht. Diese »Glossen« über Umgang, Missverständnisse und Missbrauch mit und in der deutschen Sprache erschienen in den Jahren 2002 bis 2011 in der Zeitschrift »DAAD-Letter«, und in dieser Versammlung im dritten Hübner-Buch wirken sie geballt noch wirkungsvoller als alleinstehend. Ich erlaube mir, als Lesepröbchen eine dieser »Sprachglossen« hier zu präsentieren:

Mehr Sprachpedanten, bitte!

Die Klage darüber, dass der korrekte Gebrauch des deutschen Konjunktivs immer seltener werde, ist nicht neu. Seltener werde? Seltener wird? Es gibt eine nette Karikatur von Bernd Zeller: Zwei Männer stehen vor einer Plakatwand, auf der man »Hier wäre Ihre Werbung stehen gekonnt!« lesen kann, und als der eine diesen Nicht-Satz mit »Der richtige Konjunktiv wird völlig verschwunden« kommentiert, entgegnet der zweite Mann »Aber alle wissen, was damit meint«. Das illustriert ganz treffend, was man auf deutschen Straßen, in U-Bahnen oder Geschäften, aber auch in Rundfunk und Fernsehen tagtäglich hören muss. Leider sind die falschen Konjunktive auch in den Zeitungen und Zeitschriften nicht selten, am häufigsten wohl bei der indirekten Rede. »Er sagt, er wäre optimistisch« stört nicht mehr viele Zeitgenossen, auch wenn natürlich »Er sagt, er sei optimistisch« richtig wäre. Ganz kompliziert scheint es zu werden, wenn zu der für viele offenbar schwierigen Konjunktivbildung ein Hilfsverb hinzutritt. »Sie sagt, sie habe nicht kommen können, weil sie habe arbeiten müssen« wird man noch hören, doch werden auch falsche Varianten wie »Sie sagt, sie ist nicht gekommen, weil sie hat arbeiten müssen« oder gar »Sie sagt, sie wäre nicht gekommen, weil sie hätte arbeiten gemusst« weithin akzeptiert. Wer kundtut, dass falsche Konjunktive sein auf Schönheit und Wohllaut ausgerichtetes Sprachempfinden verletzen, der muss sich immer öfter als »Pedant« oder »Ästhet« bezeichnen lassen, schlimmstenfalls sogar als »Germanist« – und bestimmt wird er auch gefragt, was denn eigentlich »Wohllaut« sei. Oder wäre? Ach egal, wir können eben nur einfach, und alle wissen, was meinen. Ist da noch jemand, den ein falscher Konjunktiv stört? Könnte durchaus sein! Mehr noch: Es wäre sogar möglich, dass es viele heimliche Sprachpedanten gibt, denen der korrekte Gebrauch der variantenreichen Möglichkeitsformen des Deutschen wichtig ist.

Hübner, Klaus, BIERKÄMPFE, BAROCKENGEL UND ANDERE BAVARESKEN

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