VDS-Infobrief vom 06.03.2022

Und wie jede Woche gibt es auch dieses Wochenende einen neuen Infobrief des VDS e.V., des Vereins Deutsche Sprache. Den gesamten Infobrief findet man wie immer auf der Website des Vereins: hier. Diesmal hat der Infobrief folgenden Inhalt:

1. Presseschau
• Europa und die Sprache der Macht
• NRW plant Unterricht in ukrainischer Sprache
• Füllwörter sind besser als ihr Ruf
2. Gendersprache
• Von Buhfrauen und Schürzenjägern
3. Sprachspiele
• Nicht zu verwechseln sind Wort und Begriff
4. Kultur
• Harald Weinrich ist tot
• Die deutsche Sprache als Stärke
Einer der auszog, dem Gendern zu entkommen
5. Berichte
• Sprach-Apps im Vergleich
6. Denglisch
• Jojo und die Anglizismen
7. Termine

Der rot markierte Artikel ist besonders erwähnenswert.

DPDS 22/03 – der Designpreis für Designscheiß

Im DPDS geht es nicht nur ausschließlich um Idiotien, die sich Designer teuer bezahlen lassen und die wir Kunden am Ende in jeder Beziehung zu verkraften haben. Es gibt auch andere Sünden, die letztlich als Designscheiß auf den Nutzen eines Produktes durchschlagen. Der

Designpreis für Designscheiß 22/03

geht diesmal an den Konzern Pedigree.

Den Preis erhält Pedigree nicht für sein Produkt »Dentastix« an sich – das ist ein Produkt, das allgemein positive Bewertungen erhalten hat und erhält und in dem einen oder anderen Test als Testsieger hervorgegangen ist. Meine Hündinnen vertragen es und nehmen es gerne an.

Zu kritisieren ist die Verpackung. In dem Vorratskarton sind 15 Verpackungen à 7 Dentastix enthalten. Jede dieser Verpackungen ist aus innen metallbedampftem Plastik. Nicht nur die Plastikmenge, sondern auch die Tatsache, dass man zum Öffnen der Verpackungen brachiale Gewalt braucht – sofern man keine Schere zur Hand hat – ist zu kritisieren. Insbesondere letztgenannter Punkt kann gerade für ältere Menschen schon mal ein Problem darstellen – und zeigt nur, dass die Verpackungsdesigner vollständig versagt haben. Gerade die Riffelung am oberen Rand sowie der Länge der Verpackung nach dient nicht etwa dazu, das Öffnen der Verpackung zu vereinfachen, sondern ganz im Gegenteil: Aus welchen Gründen und zur Vermeidung welcher Fehlbedienung auch immer dient die Riffelung der Stabilisierung der Verpackung.

Bemerkenswert sind noch weitere Dinge. Zum einen sind die Verpackungen auf der Rückseite in 11 Sprachen beschriftet, jedoch findet man keinerlei Information über die Inhaltsstoffe. Auf der Internetseite erfährt man nur: »Nothing Extra. No added sugars or fillers.«
Interessant ist auch, dass so ein »Multipack« zwar oben eine Öffnung besitzt, damit er in Verkaufsregalen aufgehängt werden kann, laut Beschriftung jedoch »nicht zum Wiederverkauf« gedacht ist. Was bedeutet: Hat man den Vorratskarton gekauft, dient der Inhalt rein zum privaten Gebrauch. Das ist verständlich – immerhin möchte Pedigree dem Handel nicht mehr Spanne einräumen, als er sowieso schon haben könnte. Andererseits stellt sich dann die Frage, warum man ein Produkt, das »nicht zum Wiederverkauf« gedacht ist, eine Verpackung gönnt, die genau dies zu widerlegen scheint.

Letztlich bekommt Pedigree den DPDS 22/03 vorrangig wegen seiner massiven Teilnahme an der weltweiten Plastikverseuchung – und dies ist insbesondere unter dem Gesichtspunkt angemessen, dass es – zwar wenige – Anbieter gibt – aber es gibt sie! –, die ihre gleichartigen Produkte in Papier verpacken. Ohne Plastikzusatz, ohne metallbedampfte Innenseite der Verpackung, einfach nur mit Papier.

Wider die Rückkehr in die Unterdrückung

Die Unterdrückung unter umgekehrten Vorzeichen: Der Mann soll aus dem deutschen Sprachbild verschwinden … was per se schon völliger Blödsinn ist, denn das generische Maskulinum hat mit dem Mann als Lebewesen und als Teil des menschlichen Genoms überhaupt nichts zu tun. Das generische Maskulinum ist wie das generische Femininum eine sprachliche Konstruktion – nicht mehr, nicht weniger. Sie dient der Verständlichkeit des Deutschen und hilft insbesondere auch Nichtmuttersprachlern, unsere Sprache zu erlernen.
Schon des Öfteren überlegte ich, wie es wäre, das generische Femininum vollständig abzuschaffen – und bei der Gelegenheit auch gleich das lästige generische Neutrum –, um dem Manne – der nichts damit zu tun hat – wieder die Rolle zu ermöglichen, die ihm sowieso ständig unterstellt wird: die des nicht nur sprachlichen, sondern auch grundsätzlichen Unterdrückers. Dann läse sich der erste Absatz dieses Beitrags so:

Der Unterdrückung unter umgekehrtem Vorzeichen: Der Mann soll aus der deutschen Sprachbild verschwinden … was per se schon völliger Blödsinn ist, denn der generische Maskulinum hat mit dem Mann als Lebewesen und als Teil des menschlichen Genoms überhaupt nichts zu tun. Der generische Maskulinum ist wie der generische Femininum ein sprachlicher Konstruktion – nicht mehr, nicht weniger. Er dient der Verständlichkeit des Deutschen und hilft insbesondere auch Nichtmuttersprachlern, unserer Sprache zu erlernen.

Unauffällig, nicht wahr? Aber letztlich blödsinnig. Und dennoch:

Die Dominanz des weiblichen Artikels

Meinhard Creydt schlägt in seinem Artikel auf dem Portal heise.de/telepolis einen Paradigmenwechsel in der Debatte um gendergerechte Sprache vor. Er erklärt, dass in der deutschen Sprache der weibliche Artikel in den zentralen Bereichen des menschlichen Lebens dominiert und enorm ausgebreitet sei. Wo es um Arbeit geht (die Wirtschaft, die Arbeit) oder um Sozialisation und Bildung (die Schule, die Universität, die Kultur) und in vielen weiteren Bereichen würden männliche Artikel ausgegrenzt. Sprachliche Gleichberechtigung und Sichtbarmachung aller Geschlechter sind Argumente der Genderbefürworter. Creydt führt jedoch aus, dass die Diskriminierung des Männlichen in der Bezeichnung der Zentralobjekte unseres Seins omnipotent ist. Die Genderdebatte reduziert die Welt auf Personen. Creydts Beispiele beweisen, dass Deutsch eben keine „reine Männersprache“ ist und die Debatte um das Gendern grundsätzlich verengt und fehlgeleitet ist. (heise.de/tp, aus dem VDS-Infobrief vom 26.02.2022)

Letztlich fragt man sich, was die Genderverfechter eigentlich für ein Problem haben. Zu viel Zeit? Zu wenig Grips? Keinen Duden zum Nachzählen?

Das Kalenderblatt für März

Gerd Frey hat für 2022 einen Kalender geschaffen, mit einer Auswahl der in den letzten zwanzig (!) Jahren entstandenen Illustrationen und Titelbildern verschiedener Publikationen, darunter EXODUS und NOVA. Der Kalender für 2022 wird in DIN A3 (EUR 25,- incl. Versand) und DIN A4 (EUR 15,- incl. Versand) geliefert – solange der Vorrat reicht; die Preise sind Selbstkostenpreise. Bestellen kann man den Kalender bei G.R.I.M.M. ScanPlot & DigiDruck, am besten per E-Mail an gf@grimm-repro.de.

Ich habe vom Künstler die Erlaubnis, das Kalenderblatt für den nächsten Monat zum Download anzubieten. Einfach auf das Kalenderblatt klicken und die angezeigte Grafik im A3-Format abspeichern.

https://www.pmachinery.de/?s=Frey%2C+Gerd