Science-Fiction für die Fingerspitzen

Es sind Menschen, die unter uns leben und als voll integriert gelten, auch wenn ich das bezweifle. Es gibt immer einige Situationen, Gelegenheiten, Orte, auch Menschen, die bewirken, dass diese Integration nicht vollständig ist.
Eines der Themen, wo man an der Vollständigkeit zweifeln kann, ist die Literatur, das Lesen, das Buch. Natürlich gibt es heute Möglichkeiten, einem blinden Menschen Literatur zu vermitteln, die eines Buches nicht bedürfen. Hörbücher zum Beispiel. Aber ich selbst – als Verleger von gedruckten Büchern und absoluter Nichtnutzer von Hörbüchern (weil sie mich von anderen Dingen ablenken) – weiß, dass es einen Unterschied macht, einen Text stimmlich fremdinterpretiert vorgelesen zu bekommen, oder ihn selbst zu lesen. Und es macht einen Unterschied im haptischen Erlebnis, das beim Hörbuch vollständig fehlt.

Heribert Kurth, ein Autor, der 2020 sein erstes Buch überhaupt bei p.machinery veröffentlicht hat – gemeint ist »Unter den Sternen von Tha« – kam auf die Idee, einmal herauszufinden, wie und mit wem man ein SF-Buch in Brailleschrift, der Blindenschrift machen kann. Er ist mit Eifer und Konsequenz bei der Sache, und bei den zugehörigen Recherchen, fand er heraus, dass es zwei Titel gibt, die vom »dzb lesen« – das ist das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen – gemacht wurden. Nebst dem Titel »Maschinengötter – Die Krone der Sterne« von Kai Meyer ist dies auch Marc-Uwe Klings »Qualityland«, der Roman, der den DSFP 2018 als bester deutschsprachiger Roman des Erscheinungsjahrgangs 2017 gewonnen hat.

Ich will nicht zu viel verraten, das wäre auch verfrüht. Aber wenn Heriberts Engagement Ergebnisse bringt, die es erlauben, wird es ein SF-Buch von p.machinery in Brailleschrift geben. Mindestens eines.

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