Ich bin ein Schwein

Ja. Das bin ich. Und ein Arschloch. Ein fieser, hinterfotziger Mistkerl. Und im Gegensatz zu vielen Menschen habe ich kein Problem damit. Ich kann nicht nur über mich lachen; ich kann mich auch selbst verurteilen. Kein Problem. Das Problem haben viele andere Menschen, denen ich damit die Luft aus den Segeln nehme. Wenn mir jemand ernsthaft – weil wir Zoff miteinander haben – sagt: »Du bist ein Riesenarschloch!«, antworte ich: »Hm. Ja. Und?« Die Frage ist eben, wem diese ausgesprochene Erkenntnis etwas bringt. Mir bringt sie nicht mehr Erkenntnis als zuvor, denn natürlich weiß ich, was ich bin.

Andererseits bin ich in der Regel niemand, der solche Schwachpunkte anderer Menschen ausnutzt. Mit anderen Arschlöchern kommuniziere ich nicht, es sei denn, es lässt sich gar nicht vermeiden. Menschen, die irgendwelche Probleme mit mir haben, müssen selbst damit klar kommen – es sind deren Probleme, nicht meine. Und Leute, die meinen, sie müssten mich – ohne böse Absicht, freilich – auf den Arm nehmen, denen biete ich gerne Gelegenheit, ein Spielchen zu spielen, an dem wir beiderseits Vergnügen haben. Wie gesagt: Ich kann über mich lachen.

Aber es gibt Ausnahmen. Das sind freilich keine einzelnen Menschen, sondern eher Organisationen. Aktuell habe ich seit Monaten einen Fall vor Augen, in der Mailbox und auf der Festplatte, der mich immer wieder auf die Frage bringt, was mit Amerikanern eigentlich wirklich los ist. Wir müssen das nicht lange ausführen. Die Amerikaner spielen sich als Weltpolizei auf, meinen, die ganze Welt müsse tun, was sie für richtig halten, nur die Amis haben die echte, wirkliche und einzig wahre Demokratie gepachtet, und so weiter und so fort. Klischees, freilich – aber viele Amerikaner (in Organisationen, manchmal auch als Einzelwesen) nutzen scheinbar jede Gelegenheit, dieses Klischee zu bestätigen.

CreateSpace, der Print-on-Demand-Ableger von Amazon, ist so eine Organisation. Man lädt Bücher hoch, lässt sich von der Weltbuchpolizei erklären, was an dem Buch – vor allem bei Titelbildlayout – falsch ist, und wenn man Glück hat, landet das Buch dann bei Amazon im Shop – ohne Marketplace-Aufschlag von 3 Euro –, wird von Amazon-Partnerfirmen gedruckt und von Amazon verschickt und verkauft. Man muss nur noch die Tantiemen zählen.

Als Kleinverleger kommt man allerdings schnell in eine nicht ganz so einfach zu bewältigende Situation. Spätestens, nachdem CreateSpace erstmals aufgefallen ist, dass man in seinem Programm auch Neuausgaben von bereits erschienenen Büchern hat, kann man damit rechnen, zuverlässig eine Mail zu erhalten, in der unter anderem drin steht:

Copyright is important to us – we want to make sure that no author or other copyright holder has their books claimed or sold by anyone else. Your content appears to have been published before, therefore this material has been removed from all sales channels until we can confirm you hold the necessary rights to publish your book.

Abgesehen davon, dass es eine Druckerei – denn etwas anderes ist CreateSpace nicht – einen Scheißdreck angeht, welches vertragliche Verhältnis ich als Verleger mit einem Autor eingegangen bin, ist die Grundintention durchaus in Ordnung. Allein das Vorgehen, das Gehabe ist alles andere als in Ordnung.
Mein erster Fall dieser Art war Gerd Scherms »Die Irrfahrer« (nachdem das zuvor erschienene Buch »Der Nomadengott« niemals beanstandet wurde), das mir im Vorweihnachtsgeschäft 2015 fast vier Wochen (! – vier Wochen, das lasse man sich auf der Zunge zergehen) ohne jegliche Kommunikations seitens der Weltpolizeispack… äh, seitens CreateSpace gesperrt worden war. Am Ende gab es freilich keine Erklärung, keine Entschuldigung, keine Entschädigung.
Und mit Herbert W. Frankes Werken ging es in die nächste Runde, die sich diesmal vom ersten Fall dadurch unterschied, dass ich täglich (!) eine Erinnerung mit allen Unterlagen mailte, und die Bücher nur gut eine Woche gesperrt waren.

Aber wie gesagt, ich bin ein Schwein, ich bin ein Arschloch, aber ich bin nicht blöde.
Als dieser Tage »Die Weltenbaumler« von Gerd Scherm fertiggestellt war, lud ich das Buch bei CreateSpace hoch, stellte es ein, übergab es dem »File Review« und schicke parallel eine Mail an das »Content Validation Request Team« mit dem Hinweis auf das Buch »Die Weltenbaumler« inklusive den Unterlagen dazu: Rechterückgabe von Heyne, mein Vertrag mit Gerd Scherm:

Dear Sirs,
with regard to the last problems with the publication of a book by Gerd Scherm, I declare that the rights to the title »The Weltenbaumler« from the previous rights holder Random House / Heyne were returned on 21/10/2013 to the author.
The author has on 12.11.2013 concluded a contract for the new edition of the book (just uploaded as the title ID mentioned above) with me.
I would be pleased if the lock of the book, for once, could be avoided in this case.

Und siehe da – Frechheit siegt wirklich, wie es scheint. Am 07.05.2016 um 21.03 Uhr erhielt ich per Mail die Antwort:

Thank you for your response. Based on the information you provided, this content will remain live and available for sale. No further action is required on your part.
We appreciate your cooperation in this matter.
Regards,
Phil
Content Validation Request Team

Freude, Hüpfen, Sektkorkenknallen! Ich bin nicht nur ein Schwein – ich bin ein geiles Schwein!

Die Freude währte allerdings nur anderthalb Stunden. Da kam diese Mail:

Copyright is important to us – we want to make sure that no author or other copyright holder has their books claimed or sold by anyone else. Your content appears to have been published before, therefore this material has been removed from all sales channels until we can confirm you hold the necessary rights to publish your book.

Tja. Was soll man dazu noch sagen?

Der nächste Test wird sein, zu sehen, was geschieht, wenn ich die ungerechtfertigte Forderung nach Aufdeckung vertraulicher Unterlagen – die eigentlich nur für Autor und mich als Verleger bestimmt sein sollten – ignoriere, und das Buch stattdessen via Marketplace einstelle. Das Buch ist zwar gesperrt, aber im Amazon-Shop sichtbar, so dass Marketplace-Angebote des gleichen Buches eigentlich funktionieren sollten. Man wird sehen …

P.S.: Immerhin muss ich allerdings feststellen, dass diese Content Validation Request Team durchaus auch etwas Gutes an sich hat. Während des ersten Vorfalls bezüglich des Buches »Die Irrfahrer« wies ich das Team darauf hin, dass Gerd Scherms Roman »Schamanenkind« – an dem ich derzeit auch die Verwertungsrechte halte – über Amazon (und vermutlich CreateSpace, was eine Testbestellung zu belegen schien; das Buch kam aus Polen …) von einem Verlag angeboten und verkauft würde, der seit längerer Zeit keine Rechte mehr an dem Buch hatte; der Autor hatte den Vertrag gekündigt, jedoch nie eine Bestätigung dafür erhalten.
Heute ist das Buch nur noch über Drittanbieter bei Amazon gelistet, das CreateSpace-Angebot ist nicht mehr verfügbar (und auch im Shop des Verlags selbst ist das Buch nicht mehr zu finden).
(Nebenbei: »Schamanenkind« kommt auch in Kürze …)