Musik für jedes Wetter

Eigentlich müsste ich zugeben, dass diese Anthologie irgendwie an mir vorbeigegangen ist. Aber das ist nicht richtig. Der Eindruck kann allerdings entstehen, wenn man weiß, dass ich die Musik von Per Fredrik Åsly, genannt PelleK, ebenso wenig kenne wie sein übriges künstlerisches Werk – auch jetzt noch, nachdem ich das Buch verlegt habe, es kürzlich erschienen ist. Auch mit der Auswahl der Autoren hatte ich nichts zu tun, die Auswahl der Storys war nicht meine Sache. Nur das Handwerk habe ich ausgeübt, das, was ich am liebsten mache: ein Buch bauen.

An der Idee, die Musik PelleKs als Inspirationsquelle zu verwenden, tragen Tedine Sanss und Marie Haberland die Hauptschuld. Die beiden kennen sich mit dem Norweger und seinem Schaffen aus. Unterstützt wurden sie von Marianne Labisch, der das Buch als Gesamtwerk sehr viel zu verdanken hat.
Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich. Es gibt kein klares Genre. Immer ist ein bisschen Fantasy dabei, immer ein bisschen Science-Fiction, etwas Mystery.

Vier Geschichten sind mir aufgefallen, die für mich allesamt das Potenzial für wenigstens eine Nominierung im DSFP 2017 haben (werden). Ganz oben ist es Achim Stößers »Hunderttausend Jahre Einsamkeit«, eine wundervolle Geschichte über eine Frau mit einer ganz außergewöhnlichen Geschichte (mehr will ich nicht verraten, denn ihr Geheimnis enthüllt sich nach und nach sehr schön und faszinierend im Verlaufe der Story), gefolgt von Heather Millicent Hauks’ »Tiger! Tiger!«, einer Geschichte, die eigentlich das erste, prologartige Kapitel eines noch nicht geschriebenen Romans mit dem Titel »Zum Ganymed« ist, ein Aspekt, der schon kritisiert wurde (wer es nachlesen möchte, kann sich hierher begeben). Und die Geschichten von Gabriele Behrend – »Das Kind des Steuermannes« – und Marie Haberland – »Die Automaten« – sind gleichermaßen tiefsinnig wie gefühlvoll geschrieben; vor allem die Storys von Gabriele Behrend machen der Seele eines alten Mannes zunehmend große Freude.

Es ist nicht auszuschließen, dass auch diese Anthologie das Schicksal vieler anderer Werke dieser Machart teilen wird: Das Volk wird sie ignorieren und sich stattdessen lieber mit den agitatorischen Machwerken von Armseligen beschäftigen, die Deutschland ficken. Und das sicherlich umso mehr, je unbekannter PelleK als Künstler ist und wohl auch bleiben wird. Obwohl er bekannter sein könnte, wenn man sich die Liste seiner Werke anschaut, die man unter perfredrikpellekaasly.com finden kann – oder eben in diesem Buch. Mehr zu diesem Buch findet man übrigens hier.

Nota bene: Das Buch besitzt zwei Widmungen. Sie stammen beide von mir. Bei einer der beiden Zueignungen wünschte ich mir, der Grund, warum ich sie getätigt habe, würde nicht existieren. Oder sich in bestem Sinne von selbst erledigen. Aber die Chancen stehen schlecht. Sehr schlecht.