Bei wem es alles piept

Wenn du Motorsport magst und auf schöne, schnelle, tolle, teure Autos stehst – Autos jenseits von des Dummdeutschen SUV (= »selten unnötiges Vehikel«) –, dann gibt es im deutschen Fernsehen einige Alternativen.

Du kannst SPORT1 anschauen, wenn sie ihre dämlichen Gewinnspiele und Dauerwerbesendungen durch haben. Da gibt es Motorsport live – aber nur am Wochenende, weil die Veranstaltungen halt nur am Wochenende stattfinden.
Gleiches gilt für EUROSPORT.
Bleibt noch DMAX, der Sender für Machos mit akut entzündeten Hirneiern, die einen 60-PS-Golf mit sechs Auspuffrohren und elektronischem Motorsound fahren.
Oder Formel 1 auf RTL (oder Sky, wo man sich in den gefühlt zweihundert Programmperspektiven totzappen kann).
Oder DTM auf ARD.
Oder so.

Ich schaue gerne MOTORVISION TV im Sky-Packerl. Da gibt es viel Unterschiedliches, viel aus der Konserve, viel NASCAR, aber es geht immer um Autos – und nicht um Vollpfosten, Ruhrpotthackfressen, die nach Rostflecken suchen, Vierradklugscheißern, die coole Gebrauchtwagenangebote heiß machen und so weiter.

Aber auch MOTORVISION TV hat seine Macken. Eine dieser Macken ist eine US-amerikanische Serie namens »Operation Repo«.
US-amerikanische Serien dieser Art sollte man eh genau so wenig anschauen, wie den deutsch kopierten Abschaum davon. Dass ich die Serie manchmal sehe, liegt daran, dass danach abends »Top Gear« (und zwar das UK-Original mit Clarkson, Hammond und May) kommt – und man will ja den Anfang nicht verpassen. (Schon der Trailer ist ein Vergnügen.)

»Operation Repo« ist TV, auf das man in Deutschland getrost verzichten kann – es sei denn, man ist RTL-Junkie. In der Serie geht es um einen Haufen hässlicher, fetter Amerikaner mit jeder Menge Schwabbel, Sonnenbrillen, die offensichtlich schon eingewachsen sind, Tattoos, die selbst nicht wissen, was sie darstellen sollen, und der typisch amerikanischen Attitüde von Goldkettenschleppern. Unterstützt werden sie von mindestens zwei hässlichen, fetten Amerikanertussis mit jeder Menge Schwabbel, Sonnenbrillen, die offensichtlich schon eingewachsen sind, Tattoos, die selbst nicht wissen, was sie darstellen sollen, kranken Piercings und der typisch amerikanischen Attitüde von Goldkettenschleppertussies. Die haben den Job, im Auftrag von irgendwelchen dahergelaufenen Bankern Autos einzukassieren, für die die Raten nicht mehr bezahlt wurden.
Toll. Dass die Repofuzzis uncool und doof sind, ist noch okay; welche »Helden« von Pseudorealdokus sind das nicht. Dass die Gegenspieler – die Ratenpreller – genau so uncool und doof sind, passt ja dann. Und dass die abgebildete Realität an mangelnder Coolness und Dummheit nicht zu überbieten ist, ergibt sich von selbst.

Aber was am meisten nervt, das ist das Rumgepiepse. Die US-amerikanischen Produkthaftpflichtneurotiker und Nipplegatepsychotiker müssen ja alles vermeiden, was irgendwie gegen sie zu verwenden ist – und die nationale Sicherheit gefährdet. Die Zeiten, in denen US-amerikanische Rapperfilme ohne Piepser im deutschen TV gezeigt werden konnten, in denen jedes zweite Wort »Fuck« und jedes vierte Wort »Jesusfuckhell« oder »Jesusdamnhell« ist, sind lange vorbei. Heute wird vorsichtshalber alles weggepiepst (und vorsichtshalber auch verpixelt), das auch nur annähernd anstößig und Neurose und/oder Psychose gefährden könnte. Das so bearbeitete Material landet dann auch in Deutschland.
Das Problem ist bei »Operation Repo« im Gegensatz zu »Top Gear« – wo auch gepiepst und gepixelt wird, wenn nötig –, dass die Briten in ihrem Umgangsort höflicher und sprachlich begabter sind, was dazu führt, dass man für die Zahl der Piepser in einer »Top Gear«-Folge höchstens eine Handvoll Finger braucht.
Bei »Operation Repo« werden gefühlt sechzig bis achtzig Prozent aller Lautäußerungen (die ansonsten untertitelt sind; ausgenommen sind die Studiointerviews in Schnipseln, bei denen deutsch drübergelabert wird) weggepiepst. Das ist nicht nur geräuschtechnisch nervtötend – es ist auch unnötig, weil die »OpR«-Crew irgendeinen mittelkalifornischen U-Bahn-Dialekt spricht, während sie jeweils anderthalb Kilo Kaugummi kauen und durch eventuelle Piercings eh sprachbehindert sind, weil jedenfalls kein vernünftiger Mensch jenseits der Stadtgrenzen von Los Angeles überhaupt in der Lage ist, das dämliche Genuschel, gebrüllte Gelalle oder kaum noch vom Gepiepse zu unterscheidende Gekreische der Goldkettenschleppertussis in irgendeiner Form zu verstehen.

Die Lösung ist einfach – und amüsant: Ton abdrehen, Untertitel lesen, selbst vertonen. Wenn man das noch aufnimmt, könnte ich mir vorstellen, dass ein entsprechend gut gemachter Youtube-Upload sogar erfolgreicher ist, als das US-amerikanische Versagerfüllprogramm.

Aber zum Glück kommt danach ja »Top Gear« …