Testgeschwellte Stolzbrust

Mein kleiner Verlag ist ja nun noch nicht so berühmt und auch noch längst nicht in den schwarzen Zahlen – wenn er überhaupt jemals dort hinkommt –, aber er macht mich manchmal schon richtig stolz. Und nicht nur der Verlag, eigentlich eher noch meine Autoren und deren Leistungen. 2013 war, wie es aussieht, auf dem Sektor der SF-Kurzgeschichten – und ich habe mich ja im Bereich SF ein wenig auf Kurzgeschichten spezialisiert – nicht ohne Eindruck auf die Szene. Oder doch wenigstens auf die Juroren des Deutschen Science-Fiction-Preises (DSFP). Denn im Bereich der »besten deutschsprachigen Kurzgeschichten« im DSFP 2014 stammen vier der fünf nominierten Geschichten aus Werken meines Verlages. Details hier. Und hier.

Das muss man sich im Mund zergehen lassen: Es sind fünf Kurzgeschichten nominiert, die den DSFP 2014 gewinnen können – ein Preis, der in dieser Kategorie immerhin mit 1000 Euro (!) dotiert ist –, und vier von diesen Kurzgeschichten sind in meinem Verlag erschienen.
Und auch wenn mir klar ist, dass Michael Marrak, der Autor der fünften Geschichte, durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz darstellt – immerhin hat er den DSFP schon zwei Mal gewonnen (1999, 2000) –, freue ich mich nicht nur für meine Autoren Bettina Ferbus, Axel Kruse, Tedine Sanss und Merlin Thomas, sondern auch für meinen Verlag und mich selbst. Denn immerhin sieht es so aus, als hätte ich bei der Auswahl der Kurzgeschichten doch nicht ein ganz so schlechtes Händchen, wie ich bisher schon manchmal dachte, wenn ich mir die Reaktionen und vor allem die Verkaufserfolge mancher Bücher anschaute.

Es ist immer ein wenig schwierig für einen Verleger, etwas Positives über die eigene Arbeit zu schreiben. In Deutschland ist Eigenlob etwas Suspektes. Aber wie auch immer: Natürlich habe ich einen persönlichen Favoriten, und das ist die Geschichte »Agnes« von Tedine Sanss, die in »Die Große Streifenlüge« (AndroSF 32) erschienen ist. An mindestens einer Stelle im Netz wurde diese Geschichte als Steampunk eingestuft, aber das ist sie nicht. Ich halte diese Geschichte für eine reinrassige SF-Geschichte in der Tradition eines Jules Verne, was Setting und Atmosphäre angeht. Sie war und ist für mich einfach faszinierend, fesselnd, spannend. Ein schönes, höchst gelungenes Stück deutscher SF – und ich würde mich für Tedine wahnsinnig freuen, wenn sie den DSFP-2014-Kurzgeschichtenpreis gewinnen würde.

Bleiben wir gespannt!