Lügner erkenne ich auch im Dunkeln

Gerd Maximovic
AUS DEN ERINNERUNGEN EINES LEHRERS
Sachbuch und Autobiografie
Pro Business, Berlin 2013, Hardcover, 296 Seiten, ISBN 978 3 86386 403 3

VORBEMERKUNG

Tja, Gerd, das war ja ein netter Versuch:
»Dies ist keine Autobiographie im eigentlichen Sinne. Sondern ein Sachbuch, zu welchem erhellend der persönliche Hintergrund hinzutreten soll, sofern nützlich. […]«
Das ist – schlicht und ergreifend – gelogen.

WORUM GEHT ES?

Wenn dieses Buch keine Autobiografie ist, dann hat noch niemand eine geschrieben. Wer glaubt, dass das keine Autobiografie ist, der muss wirklich blind und blöde sein, um das zu glauben.
Es geht um Gerd Maximovic. Es geht um sein Werden und seine Laufbahn als Lehrer, vornehmlich in Bremen. Es geht um sein Werden und seine Laufbahn als (vor allem SF-) Schriftsteller. Es geht um das deutsche SF-Fandom, es geht um Walter Ernsting, es geht um Dietrich Wachler. Und am Ende geht es auch noch um »philosophische Betrachtungen«, die ich zugegebenermaßen nicht mehr gelesen habe, weil sie mich nicht angesprochen, nicht interessiert haben.
Es geht vor allem um Gerd Maximovic.

WAS GEFIEL NICHT?

Das letzte Thema, die »philosophischen Betrachtungen«, haben mich nicht angesprochen, weshalb ich sie nicht gelesen habe. Das ist aber reine Geschmackssache und kein Qualitätskriterium. Selbstredend steht es einem Autor zu, über solche Dinge zu schreiben, die ihn bewegen, ohne, dass ich sie gut finden muss, ohne, dass sie mich interessieren müssen. Das heißt im ungünstigsten Fall allenfalls, dass ich, der Leser, desinteressiert bin. Punkt.
Ansonsten war ich mir nicht immer ganz einig, ob ich Gerds antiquiert wirkenden Schreibstil (siehe obiges Zitat, das reicht schon) gefällig finden sollte oder nicht. Ich war mir nicht immer im Klaren darüber. Im Grunde ist es schon eine Bemerkung wert, wenn heutzutage noch jemand nicht nur in alter Rechtschreibung, sondern auch in einem eben antiquiert wirkenden Formulierungsstil, einer althergebrachten Wortwahl, und eigentlich auch mit einer Ansammlung aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stammenden Fehlformulierungen schreibt. Aber auch das ist am Ende eigentlich die Wahl des Autors. Natürlich muss mir das nicht gefallen, wenn ich eine andere Schreibe bevorzuge. Andererseits … ich war und bin mir nicht sicher, ob es mir gefällt oder nicht.

WAS GEFIEL?

Gerd Maximovic kenne ich aus einigen wenigen Briefen, ganz seltenen Kontakten, ansonsten als Namen, als Autor von SF-Geschichten, die recht früh bei so renommierten Verlagen wie dem Suhrkamp veröffentlicht wurden, also kenne ich ihn eigentlich aus meiner Anfangszeit als SF-Fan als einen von den Leuten, zu denen ich hätte aufblicken sollen und es vielleicht auch getan hätte, hätten wir mehr Kontakt miteinander gehabt.
Gefallen hat mir an seinem Buch einfach, dass es ihm mit seinen autobiografischen (sic!) Schilderungen gelungen ist, nicht nur Erinnerungen an die 80er Jahre, den Beginn meiner SF-Fan-Existenz, hervorzurufen, sondern auch Erhellendes (sic!) zu den Jahren und Jahrzehnten zuvor beitragen konnte.
Das Buch war stilistisch nicht einfach zu lesen, aber das war in Ordnung. (Ich habe da noch die Helmut-Kohl-Biografie liegen, die ist viel brackiger, was den Schreibstil angeht.) Ich hatte am Ende, als ich entschied, die »philosophischen Betrachtungen« auszulassen, nicht den Eindruck, mit dem zuvor Gelesenen meine Zeit verschwendet zu haben.

ZU EMPFEHLEN?

Das ist schwer zu sagen. Wer Gerd kennt, gleich, wie gut, der ist hier sicher gut bedient. Wer auf seine »Lüge« hereinfällt und glaubt, hier ein Sachbuch zum Lehrerdasein zu finden, wird sicherlich enttäuscht sein. Und wer auf seinen antiquierten Schreibstil nicht abfährt, gleichermaßen. Eine Empfehlung ist also schwer auszusprechen. Ich bin da sicherlich trotz unserer geringen Kontakte über all die Jahre zu sehr mit dem Namen Gerd Maximovic verbunden, um hier wirklich objektiv zu sein.