Besser wird’s nicht

Professionelles Nachtarocken zu »Pater Castell« und seiner »Jesustafel«

Nachdem ich festgestellt habe, daß der Videolink beim ZDF tatsächlich den ganzen Film abspielt – sogar mit vollständigem Abspann, den man bei der Sendung im ZDF nicht gesehen hat -, und nachdem auf malta-online.de schon Anmerkungen dazu gemailt wurden, die ich gleich in einen eigenen Thread umgewandelt habe, habe ich mir den Film heute nochmal via zdf.de angeschaut.

Besser geworden ist der Film dabei nicht. Einiges ist ein wenig klarer gewesen als beim Erstgenuß, aber das ist wohl immer so. Dankenswert finde ich, daß das ZDF solche Sendungen komplett ins Netz stellt – das läßt die Rundfunkgebührenzahlung doch gleich in einem ganz anderen Licht erscheinen. Und beim zweiten Sehen am PC hatte ich den Vorteil, Screenshots von wichtigen Bildern machen zu können, um sie dann in Ruhe einer Prüfung zu unterziehen. Was ich vermutlich nicht allein tun werde, sondern gemeinsam mit Mitbetrachtern von malta-online.de. (Wer’s lesen will: Kommentierungen finden sich entweder hier im Blog oder eben im Thread auf malta-online.de.)

Nun aber back to the movie. – Einer der ersten kritischen Punkte, die mich beschäftigten, war die gleich anfangs des Filmes erwähnte Kirche St. Helena in der Kalkara Bucht – gemeint war natürlich Kalkara selbst -, denn das irritierte mich. Tatsächlich dürfte die abgebildete Kirche zwar in Kalkara sein, aber die St. Joseph gewidmete Pfarrkirche darstellen.
Die beiden folgenden Bilder jedenfalls zeigen die angebliche St. Helena einmal von außen, einmal von innen. (Ich kenne die St. Joseph, Kalkara, noch gar nicht, insofern … von außen konnte ich sie dank maltachurches.net identifizieren.)

Diese folgende Szene spielt laut Handlung im Vatikan, aber ich denke, daß es sich hier wohl um den Grandmaster’s Palace handeln dürfte.

Ein maltesischer Polizist, Bonelli oder Bonello heißt er, der Schauspieler – ganz offensichtlich Deutscher – war optisch einem Malteser durchaus angemessen, aber gegenüber den Maltesern der Wirklichkeit ein richtiger Riese. Der meinte bei diesem Bild:

»Sieht aus wie der Fischerhafen von Kalkara«, und das sagte er im »städtischen Krankenhaus hier auf Malta«. Tatsächlich würde ich das Bild sogar eher noch für eine leicht hingeworfene Skizze des Hafens von Marsaxlokk halten.

Diese Szene:

spielt im Vatikan, in den Räumlichkeiten des »Kardinals Staatssekretär«. Tatsächlich dürfte der Raum aber zum Grandmaster’s Palace gehören.

Mittendrin einfach so mal ein Bild von Mdina :) Gleich drauf kommt ein Bild von Vittoriosa.

Laut Handlung ist das wieder St. Helena in Kalkara; siehe also wieder oben.

Alles im Inneren der angeblichen St. Helena.

Diese beiden Bilder zeigen Räume unterhalb der St. Helena – laut der Handlung.

Und hier noch einmal die St. Helena von außen. In dieser Szene sieht man auch die Kuppel, die sonst immer ein wenig verborgen war. – Ich vermute mal im Nachhinein, daß man die Kirche St. Helena nennen mußte, damit der Plot funktionierte, denn man brauchte die Figur der heiligen Helena, die 326 in Golgatha die drei Kreuze der Kreuzigung Christi fand, damit das rund lief.

Nun wechselt die Handlung zwar nach Rom zurück, nicht jedoch der Drehort, wie ganz offensichtlich wird, wenn man sich die folgenden Bilder anschaut.

Laut der Handlung ist diese Kirche in Rom. Ist sie aber nicht wirklich.

Ich war zwar bisher nur einmal dort, aber das ist definitiv St. Publius – und meine eigene Fotosammlung aus dem letzten Maltaurlaub 2009 hat das inzwischen auch bestätigt.

All diese Bilder beweisen es: Diese Kirche, die laut Handlung in Rom liegen sollte, ist in Wirklichkeit St. Publius, Floriana, Malta.

Die Handlung spielt immer noch in Rom. Bei dem Gelände, auf das hier die Mercedes’ fahren, bin ich mir nicht sicher, wo es ist. Es kann sich natürlich um Privatgelände handeln, wenn ich auch der Meinung war und bin, das schon mal gesehen zu haben.

Wieder die Büros von Kardinal Scarpia im Vatikan, wieder der Grandmaster’s Palace in Wirklichkeit, wie ich meine.

Wie vorher. Man beachte den Johanniter auf dem Bild rechts im Hintergrund. (Sowas hängt nicht im Vatikan!)

Laut Handlung spielt auch das im Vatikan; hier wird der Sarg mit einem Schweizergardisten aus der Kirche in Rom herausgetragen, die in Wirklichkeit die St. Publius in Floriana ist. Tatsächlich dürfte hier aber wohl der Grandmaster’s Palace gefilmt worden sein; ich habe diesen auch noch nicht direkt gesehen, aber ist das geradeaus im Hintergrund nicht der Neptun?

Wenn das nicht der Grandmaster’s Palace ist, war ich nie auf Malta :)

Das ist die Einfahrt zu dem Gebäude, das in der Handlung als „Nunziatur des Vatikans“ beschrieben wird. Leider ist das Wappen rechts am Tor nicht schärfer zu bekommen, das Messingschild schon gar nicht. Ich habe dieses Tor noch nicht bewußt gesehen, und …

… auch das Gebäude nicht, das laut Bildschirmschrift in Rabat auf Malta liegen soll, was ich einfach bestreite, weil das Ganze insgesamt viel zu weitläufig aussieht, um nach Rabat zu passen. Der Vorplatz zum Gebäude wie auch die Zufahrt, die man im vorletzten Bild gesehen hat, tauchen noch einige Male im Film auf. Nichts läßt darauf schließen, daß das wirklich in Rabat sein könnte.

Die Handlung spitzt sich nun zu einigen Besonderheiten zu, in denen es um höchst elegante, den Fachmann aber nicht verwirrende Verstümmelungen der maltesischen Geschichte geht.

Der Adolorata Cemetry – ja, es gibt auch die Schreibweise Addolorata, ich weiß, aber in meinen Unterlagen heißt es häufiger Adolorata mit nur einem »d« – aus der Luft. Zu beachten ist v. a. die Kirche, die nachher noch eine Rolle spielt.

Ich kenne diesen Friedhof noch nicht aus eigener Betrachtung, insofern muß die Frage erlaubt sein, ob er das wirklich ist.

Das wäre laut Handlung wieder das Gelände der „Nunziatur“. Der Anblick kommt mir vage bekannt vor, aber »festmachen« kann ich ihn nicht.

Diese Kirche ist laut Handlung auf dem Friedhof, auf dem Adolorata Cemetry. »Diese Kirche hat nur eine Uhr«, stellt die Blank fest, und daraus schließt der Pater Castell, daß es sich um eine anglikanische Kirche handelt. Diese Erkenntnis bringt die beiden auf ihrer Spur weiter.

Und das wäre sie, die anglikanische Kirche. Aber auf dem Adolorata Cemetry, auf einem katholischen Friedhof – eine anglikanische Kirche? Wow!

Das ist laut Handlung die »Church of the Holy Cross«, eine Kirche, die es, glaube ich, unter diesem Namen auf Malta gar nicht gibt. Auf jeden Fall ist aber diese Kirche keine Heiligkreuzkirche. Immerhin ist sie auch im Forum von malta-online.de derzeit noch das größte Geheimnis.
Die Kirche kommt mir sehr bekannt vor, und die Blickrichtung im Film muß wegen des Lichtes Südwest oder West sein, daran kann kein Zweifel bestehen; denn Richtung Osten gibt es solche Klippen nicht. Man wird sehen; dies wird eines der Rätsel sein, die wir bei malta-online.de im oben verlinkten Thread klären werden.

Ein kleiner Gag zwischendurch, mit Bezug auf die Qualität des Filmes. Pater Castell und Frau Blank finden ein halb verbranntes Stück Papier und fackeln den Rest ab, machen damit das Malteserkreuz sichtbar (das im übrigen in dieser Form das Malteser-Hilfsorden-Kreuz, aber nicht das des Ritterordens ist) – und der Pater weiß sofort, wo sie weitersuchen müssen, nämlich in St. Michael. (Gleich nach dieser Szene wird dann ein Luftbild von Fort St. Elmo gezeigt.)

Ich war noch nicht innerhalb von Fort St. Elmo, das soll ja auch nicht so ganz einfach sein, aber ich denke, daß das jedenfalls nicht St. Michael ist.

Dieser Ausblick ließ mich einen Augenblick an Fort Chambray auf Gozo denken, aber das ist es natürlich nicht.

Immer noch St. Elmo.

Von St. Michael aus hätte man nirgendwo diesen Ausblick.

Laut Handlung ist das immer noch St. Michael – aber das rechts im Hintergrund ist, glaube ich, der Turm der Anglican Church in Valletta.

Dedicated to Sigrid: Kurz, bevor er fällt :) (Und ich hoffe, das war das Bild, das du meintest.)

Es ist fraglich, ob das noch St. Elmo war oder ist. Es kann natürlich sein, daß eine ganze Reihe der Aufnahmen, die durch die filmische Abfolge aussehen, als wären sie an einem Standort aufgenommen, auch an verschiedenen Orten aufgenommen wurden. Ein Teil jedenfalls in St. Elmo, das ist sicher; ein anderer Teil – wie Sigrid bei malta-online.de meinte – vielleicht auch in Fort Rinella (das ich auch noch nicht gesehen habe, es insofern also nicht endgültig beurteilen kann).

Im Nachhinein, wie gesagt, ist der Film nicht besser geworden. Aber das Ganze am PC anzuschauen, via Videostream, und mit der Stop-Taste arbeiten zu können, ja, das hatte schon was. Da hat man dann doch Möglichkeiten, auf viel mehr Details zu achten :)

[Nachbemerkung: Dieser Beitrag wird in alter deutscher Rechtschreibung veröffentlicht. Ich bin zu faul, die Korrektur zu machen und dann die ganzen Bilder nochmal einzubinden. Ihr versteht das Deutsch schon noch, denke ich …]

[Edit 15.08.2015: Arndt Beitat hat das Forum auf malta-blogger.com eingestampft, die entsprechenden Links waren nicht mehr gültig und wurden entfernt.]

4 thoughts on “Besser wird’s nicht

  1. beckinsale sagt:

    Mit diesem Beitrag habe ich es dann sogar in den Facebook-Auftritt von malta-online.de geschafft: »Malta-Freaks unter sich: …«.

  2. beckinsale sagt:

    Ja, Tina, danke für den Tip – und du hast völlig recht, es ist die Mtahleb Chapel. Noch besser sieht man es auf https://www.mtahlebchurch.com/, da sind auch 2-3 Fotos dabei, die aus der gleichen Richtung aufgenommen wurden, wie man die Kapelle im Film sieht. – Fein, fein, fein. Meine Vermutung, daß sich die Kirche irgendwo in der Dingli-Gegend befindet (siehe Malta-Online-Forum), hat sich damit bestätigt.

  3. Tina sagt:

    Holy Cross = Mtahleb Chapel?
    Schaut mal hier: https://www.everythingiselectric.com/Dingli_cliffs_Malta_Temples_Builders_solar_observatories_Mtahleb.html

    Hoffe ihr könnte jetzt ruhig schlafen. :-)

  4. Sigrid sagt:

    Danke für Florian Martens (dass der da überhaupt mitgespielt hat) kurz vor dem Fall.
    Deine Eräuterungen und Gedanken sind wesentlich amüsanter und unterhaltender als der Film. Toll gemacht!
    Dass Orte und Gebäude ausgetauscht werden, weil sie zum Inhalt passen müssen, finde ich gar nicht so schlimm. Wer bemerkt das schon (außer uns)? Die Balko-Serie, die in Dortmund spielte, wurde auch fast nur in Bochum gedreht, und nur wir Dortmunder wunderten uns, dass wir nie etwas Heimisches sahen.

    Bleibt die Holy Cross. Aber das bekommen wir noch heraus.

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