Nicht das dickste Buch

Petra Jörns‘ »Fremde Heimat« ist nicht das dickste Buch, das ich bislang in meinem Verlag verlegt habe, aber die Zahl der Bücher, die mehr als 500 Seiten Umfang auf die Waage bringen, liegt im einstelligen Bereich. Das Maddrax-Buch von Robert Hector (AndroSF 2, längst nicht mehr lieferbar) fällt mir ein, die ersten beiden Story-Center-Bücher »Das Wort« und »Boa Esperança« (Andro SF 4 und 5, auch nicht mehr lieferbar), und letztlich noch Helmuth W. Mommers‘ »Anderzeiten« (AndroSF 77; das Buch ist allerdings noch aktuell!). Das war’s dann aber schon. Mein Ziel war und ist nicht, die dicksten Bücher zu verlegen, sondern gute Bücher. Und die müssen nicht dick sein. (Die dicken Dinger sollen die Fantasyfuzzis schreiben und veröffentlichen …)

Petras Buch hat eine lange, aber abwechslungsarme Geschichte hinter sich. 2012 bekam ich ihr Manuskript, das dann lange lag, einige Aktualisierungen ihrerseits erfuhr. Gemeinsam mit dem im Mai 2015 verstorbenen Crossvalley Smith arbeiteten wir am Titelbild – das nun auch zum Zuge kam, nachdem wir einen alternativen Versuch mit Andreas Schwietzke unternommen hatten, der Petra aber letztlich nicht so begeisterte, wie Smiths Werk.

Die Geschichte selbst will ich hier nicht großartig ausbreiten. Es handelt sich im weiteren Sinne um Space Opera, allerdings ohne beständige Raumschlachten und zahllose Fremdrassen. Es geht vielmehr um die von einer Feindrasse geschlagene Menschheit und die Fremdrasse der Krail-on, in deren Hoheitsgebiet die letzten überlebenden Menschen versuchen, Fuß zu fassen. Und das ist nicht ganz einfach.

Das Werk ist durchaus komplex, die Zahl der Figuren nicht gering, aber übersichtlich. Die verschiedenen Parteien – Freund und Feind – sind nicht immer eindeutig abgegrenzt – anderenfalls würden Intrigen nicht funktionieren –, im Endeffekt aber doch klar und eindeutig. Und so schwierig und schmerzhaft der Weg zum Ziel auch ausgefallen ist, am Ende steht eine klare Erkenntnis.

Bemerkenswert ist übrigens die vermeintliche Diskrepanz zwischen dem Jüngelchen auf dem Titelbild und der Schilderung der Hauptfigur Alan McBride. Denn die Diskrepanz ist falsch – Alan ist ein junger Bursche, der allerdings eine ganze Menge abbekommt, und letztlich ist bewundernswert, was er alles wegsteckt, ohne, dass die Geschichte in der Hinsicht irgendwie unglaubwürdig wirkt.

Während meiner Arbeit am Lektorat und Korrektorat des Buches ist mir auch öfter eingefallen, dass eine Verfilmung des Stoffes bemerkenswert wäre. Aber das ist eine Baustelle, für die ich keinen Zugang besitze; insofern wird das wohl eine Idee bleiben.

P.S.: »Fremde Heimat« war lustigerweise eine schöne Vorbereitung auf das Lektorat von Petras Roman »Auge – Erstes Licht« aus dem auf fünf Bände angelegten Zyklus »Im Licht der Horen«, das ich für den niegelnagelneuen Verlag Plan9 machen durfte. Ich kannte Petra schon, ich kannte ihren Stil – und die Zusammenarbeit war aus meiner Sicht fantastisch. Ich hege große Hoffnung, auch die Folgebände beizeiten lektorieren zu dürfen. Aber das ist dann Thema eines anderen Blogbeitrags.

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