Wenn CreateSpace über Monster stolpert

Ich glaube, Corinna Griesbach, die Herausgeberin des aktuellen Horror-Bandes 7 in meinem Verlag, hatte die Idee zu der Anthologie »Monster der Woche«. Eigentlich sollte die »Monster of the week« heißen, um die Reminiszenzen an die Pulps der 30er Jahre zu verdeutlichen. Ich war es, der einen deutschen Titel haben wollte – und diesen auch durchsetzte (was im Nachhinein vielleicht so schlecht nicht war).
Wie das mit solchen Projekten so ist – irgendwann sind sie fertig. Und dann geht alles seinen Gang. Die letzten Druckdaten werden erstellt, der Druckauftrag an den Schaltungsdienst Lange erteilt – und parallel dazu wird nicht nur das E-Book bei bookrix hochgeladen, sondern auch die Druckdaten für CreateSpace/Amazon bei CreateSpace.
Und siehe da – CreateSpace sperrt das Buch.

Die Argumentation unserer Literaturschnelldruckernazis – »Copyright is important to us«; CreateSpace ist eine Druckerei, wohlgemerkt – fiel diesmal besonders intelligent aus. Da hieß es also: »Your content appears to have been published before, therefore this material has been suppressed through your account until we can confirm you hold the necessary rights to publish your book.« Wie das bei manchen Anthologien so ist, ist das Material aufgrund einer Ausschreibung für diese Anthologie verfasst worden. Nur eine der enthaltenen Storys war schon einmal (in einem Corona Magazine) veröffentlicht worden.
Meine Erläuterungen als – aus amerikanischer Sicht nachgewiesener – Urheberrechtsverbrecher galten natürlich nichts. Auf Nachfrage bezüglich der Inhalte, die schon einmal veröffentlicht wurden, wurde mitgeteilt: »Our process has identified that this or some similar content might have been published before on our platform either by yourself or by another party.«
Oha. CreateSpace arbeitet nun schon mit Vermutungen. In der Tat fand und findet sich kein Werk unter dem Suchbegriff »Monster der Woche«, weder bei Amazon noch bei Google. Sieht man von diversen T-Shirt-Modellen, deren Beschriftungen mit »Monster der Woche« keinen Zusammenhang erkennen ließen, ab.
Auch auf weitere Nachfrage antwortet CreateSpace mit Textbausteinen und bleibt konkrete Informationen schuldig.

Bei Anthologien erstelle ich nicht für jeden Autor und seine Geschichte einen Autorenvertrag aus. Das geschieht auf Wunsch. Der Standardvertrag ist unter https://www.pmachinery.de/unsere-projekte/vertraege in der jeweils aktuellen Fassung einsehbar und gilt hinsichtlich der für die Autoren positiven Punkte (Honorar, Belegexemplare, Autorenexemplare und deren Konditionen etc.) auch dann, wenn die Autoren ihn nicht dediziert unterschrieben haben (wollten).
Ergo konnte ich CreateSpace in diesem Falle ohne großen Aufwand nichts bieten. Zumal ich sowieso der Ansicht bin, dass eine Druckerei die Vertragsangelegenheiten zwischen einem Verlag und seinen Autoren nichts angeht (aber das hat ja schon Books on Demand nicht geschnallt).
Aber es geht ja auch anders –

Ich habe also über meine Herausgeberin die Autoren informiert und sie gebeten, CreateSpace anzuschreiben und denen mitzuteilen, ob und dass sie meinem Verlag die Rechte an der Veröffentlichung ihrer Geschichte in der Anthologie »Monster der Woche« übergeben haben. Nicht alle haben reagiert, aber die meisten. Und sie haben teilweise entzückend ruppige und kritische Mails geschrieben, andere haben ein Englisch aufgelegt, bei dem ich wirklich blass geworden bin (meine Frau behauptet immer, ich könne gut Englisch, und ich neige dazu, ihr nicht zu widersprechen, weil es abends sonst wieder keinen Nachtisch gibt …).
Der Effekt war beeindruckend. Schon am nächsten Morgen hat CreateSpace klein beigegeben – und das noch vor einer ablehnenden Mail eines anderen Hotliners –, und das auch insgesamt drei Mal.

Bei all dem Ärgerlichen und all dem Aufwendigen hat mir dieser Fall eines gezeigt: Autoren haben Macht. Vor allem, wenn sie sich zusammentun. Das hat jetzt nicht wirklich etwas mit dieser Anthologie zu tun, aber es ist eine schöne Erkenntnis, die ich so schnell nicht vergessen werde.

P.S.: Worauf CreateSpace mit seinem Validation Request Team nun überhaupt angesprungen ist, ist nach wie vor nicht bekannt – und das wird wohl auch nicht herauskommen. Ich tippe auf eine schlecht programmierte indische Software, die herausgefunden hat, dass in den letzten zweihundert Jahren ein Autor schon einmal das Wort »Monster« in einem seiner Werke verwendet hat.