Berichtspunk, Punkberichte

Klaus N. Frick
FÜR IMMER PUNK?
Eine Kurzgeschichten-Sammlung
Hirnkost, Berlin, 2016, Hardcover, 318 Seiten, ISBN 978 3 945398 44 9

VORBEMERKUNG
Klaus Frick kenne ich lange. Ich denke, wir kommen locker auf dreißig Jahre. Andererseits: Kennt man jemanden wirklich, nur weil man ihn vor dreißig Jahren kennengelernt hat? Ich glaube nicht, und bei der Lektüre dieser Kurzgeschichtensammlung (ich schreibe sie in einem Wort) habe ich mich mehr als einmal gefragt, ob Klaus und ich, ob wir uns wirklich kennen.

WORUM GEHT ES?
Es geht um Punk in den Achtzigern, den Neunzigern, bis Anfang des 21. Jahrhunderts. Klaus’ Sammlung ist, wie er schreibt, kein Roman über eine fiktive Figur, auch kein Sachbuch über die Punkszene in dem genannten Zeitraum von etwa dreißig Jahren (wieder dreißig Jahre …). Man kann den Kurzgeschichten autobiografischen Charakter unterstellen, auch wenn Klaus klar macht, dass die Geschichten bisweilen auf wahren Begebenheiten beruhen, die Schilderungen aber nicht der Realität entsprechen, verändert sind, überhöht wurden.
Ansonsten schildern die Storys typische Szenen aus dem Leben eines Punks in den damaligen Jahrzehnten: Rumhängen, Saufen, Konzertbesuche, Punks gegen andere Punks, Punks gegen Nazis, Punks gegen Bullen, lauter solche Sachen. Es geht um Freundschaften, Kameradschaften – und natürlich Gegnerschaften, ohne Zweifel.
Klaus schreibt im Vorwort von sich selbst, dass er in der Punkszene nie große Bedeutung gehabt hat, und dennoch lesen sich seine Geschichten interessant, erhellend. Auch die kleinen Hausnummern in einer Szene wissen Geschichten zu erzählen, die ein Bild abgeben, das nicht nur aus einem Schnipsel besteht.

WAS GEFIEL?
Ich habe aus diesem Buch durchaus eine Menge über Klaus Frick gelernt, eine Menge vor allem von Dingen, die ich nicht wusste. Klaus Frick wäre mir damals, vor allem in den 80ern, wohl fremd geblieben, wenn ich ihn nur so als Punk erlebt hätte. Aber er war eben nicht nur Punk, er war auch noch Mensch, er war auch noch Klaus Frick. Und ist es immer noch.
Dass nebenher etwas über die Punkszene an sich hängen geblieben ist, die für mich in den 80ern vor allem aus den BFBS-Sendungen von John Peel und Alan Bangs bestand, nie jedoch aus eigenen Erfahrungen (sieht man von fast schon todesmutigen Besuchen im »Ratinger Hof« zu Düsseldorf ab, die ich mir einige Male gönnte – freilich nur in Begleitung anderer Todesmutiger), das war ein angenehmer Nebeneffekt.

WAS GEFIEL NICHT?
Eigentlich gefiel mir das Buch. Unter diesem Punkt sollte ich nur erwähnen, dass mir bei den meisten Geschichten aufgefallen ist, dass Klaus recht distanziert schreibt, fast schon berichtend, nüchtern berichtend. Objektiv beurteilen kann ich das nicht, denn dazu kenne ich ihn doch wieder zu gut. Ich kann auch nicht abschätzen, ob dies einen besonderen Grund hat, dass er so schrieb, oder ob er schon damals nicht einfach ein durchgeknallter Punk war, sondern ein eher vernünftiger Mensch mit einer gewissen Einstellung zur Welt und doch gleichzeitig auch der Fähigkeit, zu differenzieren. Der Klaus, den ich vor der Lektüre zu kennen glaubte, passt zu dieser Art zu schreiben; nüchtern, berichtend, ein wenig distanziert. Die Schreibe passt auch heute noch, nach der Lektüre zu dem Klaus, den ich zu kennen glaube. Vielleicht hat mich einfach nur überrascht, dass dem so ist; vielleicht habe ich irrigerweise angenommen, aus dieser Kurzgeschichtensammlung würde die »Sau Klaus Frick« herausschauen, die jemand rausgelassen hat. Dass Letzteres nicht so ist, stört mich nicht. Ich bin unsicher, ob es mich nicht sogar zufrieden macht. Und vielleicht ist das der einzige Punkt, der mich an dem Buch stört. Oder eigentlich ja an mir, nicht an dem Buch.

ZU EMPFEHLEN?
Ja.

NOCH WAS?
Hirnkost ist der neue Name für den Verlag des Archivs der Jugendkulturen in Berlin. Das Archiv war schon immer und ist immer noch eine ausgezeichnete Anlaufstelle für Literatur zu solchen Themen. Und man findet dort nicht nur Material zur Punkszene.