Jenseits des Abbruchs

Daniel Krinke
JENSEITS DER GÖTTER
CreateSpace/Amazon Distribution, 2014, Softcover (150 x 230 mm), 349 Seiten, ISBN 978 1 5006 2154 4

VORBEMERKUNG
Daniel Krinke war bis vor Kurzem als einer meiner Redakteure in den ANDROMEDA NACHRICHTEN für den Bereich Satire zuständig, wobei er sich in den letzten Monaten allerdings sehr rar machte. Aber wie das so ist, wollte ich mir das Buch, das eigentlich einmal für meinen eigenen Verlag auf der Projektliste stand, genauer anschauen und letztlich auch dem DSFP-Komitee zur Begutachtung zur Verfügung stellen. Allerdings …

WORUM GEHT ES?
Ich habe die Lektüre nach rund 90 Seiten des eigentlichen Textes abgebrochen. Insofern kann ich eigentlich nur den Buchrückseitentext konsultieren, wobei ich allerdings den Eindruck hatte, er habe mit dem Buch nicht viel zu tun:

Auf den ersten 90 Seiten jedenfalls erkennt man nicht, inwiefern das Buch die Leserwünsche erfüllen könnte, die Daniel Krinke mit diesem Buchrückseitentext aufgebaut hat.

WAS GEFIEL?
Nichts. Oder … nun gut, das Titelbild ist ganz hübsch, wenn auch thematisch völlig neutral. So ein explodierendes Objekt würde sich auch gut für ein paläoastronomisches Werk aus dem Ancient Mail Verlag eignen …

WAS GEFIEL NICHT?
Die Handlung. Auf den ersten 90 Seiten geschieht im Grunde nichts, sieht man davon ab, dass David, der männliche Protagonist, ein altes Raumschiff findet und mit dem Begriff des »Aufbruchs« konfrontiert wird, und sieht man davon ab, dass eine eingeborene Freundin Evanas, der weiblichen Protagonistin (die »ganz besondere Frau« des Buchrückseitentextes, wie ich annehme), von einem ebenso eingeborenen Raubtier getötet wird. Ansonsten besteht die Handlung aus … hm, Gefasel. (Siehe auch die nachfolgenden Zitate.)

Die Figuren. Die beiden Protagonisten sind flach, 2-D, eigentlich – wenn man es genau nimmt – von Anfang an unsichtbar. Es sind zwei Namen, mehr nicht. Am ehesten kann man sich noch Evana vorstellen – und leider zeigt sich dabei, dass diese Figur von einem Mann entwickelt wurde, denn genau so verhält sie sich auch: nach außen hin cool und zielsicher, nach innen unsicher und emotional. Na, das könnte auch eine Frau sein? Möglich – Angelina Jolie vielleicht in einer Actionrolle, die man auf sie umgeschrieben hat. Aber hier wirkt Evana eben wie eine Frau, die von einem Mann erfunden wurde.

Der Schreibstil. Umständlich, aufgeblasen und praktisch rein auf Show bedacht; der Text ist langatmig, oft gestelzt salbadernd, es gibt viel zu viele Beschreibungen und viel zu wenig Handlung (und wenn es nur Dialoge gewesen wären). Die Bilder, sofern sie sich finden, funktionieren nicht, es sind Worthülsen, lockere Sprüche, Slogans, erkennbar auch an Worten, die verwendet wurden, die aber an den betreffenden Stellen einfach nichts zu suchen haben. Das Buch ist nicht annähernd spannend, nicht einmal interessant, es ist langweilig und ich stellte früh Überlegungen an, die Lektüre abzubrechen.
(Das Buch ist jedenfalls ein weiteres schönes Beispiel für die unbedingte Notwendigkeit eines vernünftigen Lektorats. Und dass es nicht reicht, ein zwei Freunde, Bekannte oder gar Familienmitglieder dafür einzuspannen; deren Freundschaftsdienste sind praktisch immer wertlos. Und ähnliche Zeitverschwendung wie das Produkt, das am Ende dabei herauskommt.)

Die Qualität des Buches. Wobei ich zugebe, dass ich nichts anderes erwartet habe – als ein typisches Selfpublisher-Buch.
Das Cover ist noch, wie erwähnt, okay. Nichts Herausragendes, aber von der Optik her auch keine der Katastrophen, die man oft genug findet. (Wobei ich mich nicht nur immer, sondern bei Büchern, die zu 99,9 % im Internet gekauft werden dürften, frage, warum man das Titelbild zusätzlich mit einem Vermerk wie »Roman« verschandelt, wo doch durch das Internetangebot klar sein sollte, dass es sich um einen Roman handelt [Stichwort: Produktbeschreibung].)
Die Rechtschreibung ist inkonsistent; hier war ganz offensichtlich jemand nicht daran interessiert, den Duden zu konsultieren. Ebenso ist die Grammatik fehlerhaft.
Das Buchformat (150 x 230 mm) ist kein DIN-Format, sondern dank CreateSpace ein amerikanisches; aber es ist unserem DIN-A5-Format so ähnlich, dass ich mir den gerne benutzten Vorwurf des »Bausparerformats« gönnen darf. Die verwendete Schrift – Calibri – ist serifenlos, langweilig und bei längerer Lektüre (zwei bis drei Seiten) anstrengend; hinzu kommen zwischendurch völlig unmotivierte Fontwechsel, die einmal mehr auf schlampige Arbeit hinweisen (da wurde einfach ein Word-Dokument ins PDF-Format »gedruckt«). Der Zeilenabstand ist zu groß (ich schätze 130 bis 135 % statt der ordentlichen 120 % der Schriftgröße), die Zeilen sind durch das Buchformat in Verbindung mit der Schriftgröße zu lang, es gibt keinerlei (!) Silbentrennung (weder eine automatische noch eine manuelle), dafür nebst den daraus resultierenden »Aufrissen« reichlich Schusterjungen und Hurenkinder (und nein, für mich sind diese nicht deshalb in Ordnung, weil alle Welt – inkl. der Publikumsverlage – heutzutage billig gemachte, schlampige Arbeit abliefern; für mich sind Schusterjungen und Hurenkinder nach wie vor nichts als ein Zeichen von Faulheit, Schlampigkeit und letztlich Ahnungslosigkeit seitens des Druckvorlagenherstellers).
Insgesamt ist das Buch für EUR 10,69 (mein Kaufpreis) bzw. EUR 11,99 (der Preise zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Rezension) zu teuer, angesichts der Tatsache, dass man viel zu viel weißes Papier für sein Geld geliefert bekommt, sowieso. Die 350 Seiten des vorliegenden Buches hätten sich mit einem ordentlich gemachten Layout auf 200 Seiten bringen lassen – mit entsprechendem Preisvorteil.

ZITAT GEFÄLLIG?
Mehr Zeit brauchte sie nicht. Mit einem kurzen Schrei verwandelte Evana ihr eigenes Straucheln in einen Sprung und bohrte den Henorapflücker in eines der vier gelben Augen, wieder und wieder. Blut floss so reichlich wie verdient, vermischte sich mit der urinfarbenen, stinkenden Flüssigkeit des Augenkörpers und schoss über die Szenerie wie ein Urknall aus Vergeltung. Mit einem letzten Kraftakt rammte Evana das kurze Stück Metall in die Retokastirn, gerade tief genug, um bis zu dem wutumschäumten Gehirn des Wesens vorzudringen.
(Seite 28)
Zeitlupe. Denke ich an eine Verfilmung dieser Handlung, denke ich spontan an »Zeitlupe«.

Die Zurechtweisung JEVs hatte ich nicht vergessen, büßte an diesem Ort jedoch an Bedeutung ein.
(Seite 31)
Satzbau, Grammatik – oder wie immer man das nennen möchte, das hier völlig misslungen ist.

Die Nedeaner bewohnten schon seit undenklichen Zeiten die riesigen Korrlinstauden, die, wenn der Boden ihren Nährstoffansprüchen entsprach, ein gigantisches unterirdisches Wurzelgeflecht bilden konnten. Sie waren viel mehr als nur eine Art kleiner Baum: Die Korrlinstaude bildete einen kurzen, aber sehr harten Stamm, der bis zu zwei Meter breit werden konnte. Von dessen Spitze begannen sich dann unzählige Blätter in alle Richtungen ausbreiteten. Diese wuchsen zunächst ein paar Meter weit in horizontaler Richtung, bevor ihre eigene Schwerkraft dazu führte, dass sie einen Bogen zum Boden beschrieben. Später formten sie sich dann zu einer dichten Kuppel.
(Seite 42/43)
Und das hätte man in einen Satz fassen können – und damit möglicherweise die auch für einen SF-Roman völlig unsinnige Unterstellung vermieden, dass die Blätter der Staude über eine eigene Schwerkraft verfügen würden.

Zum besseren Verständnis meines Vorwurfs der Langatmigkeit, der Umständlichkeit des Textes hier ein ganzes Kapitel voll für die Handlung (ähm … welche Handlung? …) völlig unwichtigem Technobabbel:

Kapitel 9
Denn ich suche nicht meinen Willen

Meinem Gespräch mit JEV folgten zwei Tage, in denen selbst die Zeit rastlos zu sein schien.
Wie ein brodelnder Strom, der plötzlich reich an Untiefen war. Egal, ob ich nun auf einem Baum der Biosphäre saß, in meinem Wohnbereich oder auf dem leeren Rund der Sphärenhülle lag.
Schon bald würde ich mit einem winzigen Raumschiff die Sphäre verlassen und dann – neuronal angepasst an meine neue Umgebung – ein neuer Mensch sein. So hatte es mir die KI erklärt. Ich würde dabei nicht mal durch ein Wurmloch in die neue Welt treten, was der ganzen Sache vielleicht einen Bruchteil ihrer Härte genommen hätte.
Wurmlöcher waren nur dazu da, um Licht, Strahlung, Schwerkraftfelder oder chaotische Molekülverbindungen zu transportieren, bei deren Ankunft es nicht darauf ankam, alle Moleküle wieder exakt in der richtigen Reihenfolge zusammenzusetzen.
So seltsam es klang: JEV könnte einen ganzen Planeten mit einem von ihm erschaffenen Meer fluten, doch bereits das exakte Hindurchsenden einer Tasse würde selbst für ihn und die Sphären-KI einen schier unfassbaren Berechnungsaufwand für jedes einzelne Atom bedeuten. Die Unschärfeeffekte der Quantenphysik galten auch für uns und waren nicht leicht zu umgehen.
Ich hätte schon früher damit beginnen können, mir mit Hilfe der KI einen  wohltemperierten Planeten zu suchen, doch ich tat es nicht sehr zielgerichtet. Viele Male stand ich in der Holokammer und rief gigantische Datenbanken auf, welche erst nach dem Einsatz von vielen Filtern zu gebrauchen waren.
Friedliebende Bewohner sollte es geben, annehmbare Temperaturen, die Welt nicht zu hoch technisiert (je komplexer, desto schwerer der Einstieg), aber auch nicht zu niedrig. Das natürliche Nahrungsmittelangebot sollte groß genug sein, nur für den Fall, dass ich trotz gründlicher Vorbereitung nicht genug Nähe zu den Menschen aufbauen konnte, um mir meinen Lebensunterhalt durch Handel und Arbeit zu verdienen. Ich wollte – trotz der Nanobots in meinem Blut und JEV als finalen Wächter – keine natürlichen Gefahren, keine Epidemien, keine bevorstehenden Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche in meiner Nähe. Ja, sogar die Wahrscheinlichkeit von Meteoriteneinschlägen nahm ich in mein Suchraster auf, jedoch war dies meist schon der Punkt, an dem ich die weitere Recherche auf den nächsten Tag verlegte. Wie jeden Tag.
Je nach Gewichtung und Definition der Einzelfaktoren (allein die Formulierung »nicht kriegerisches Volk« hatte mich Stunden gekostet) erhielt ich stets zwischen null und fünfzehn Suchtreffern mit ständig wechselnden Rangfolgen. Die Welten verschwammen in der 3D-Ansicht zu einem Stakkato aus Blau-Braun-Weiß, und sie flirrten noch Stunden später in Form ausgefranster Kontinente in jeder Menge Meer durch meinen Kopf.
Ich nahm an, dass ich wohl nicht dafür geschaffen war, die Welt mit den wachsamen Augen eines objektiven Weltenlenkers zu betrachten. Und das, obwohl ich ja für nichts anderes geschaffen worden war.
Ich gab mich der Illusion hin, mich bereits ausreichend zu bemühen, solange ich nur Holobilder von Planeten studierte und ab und an ein Beobachterwurmloch in eine Atmosphäre eintauchen ließ, um die Städte, Wälder und Flüsse eines zufällig ausgewählten Kontinents zu betrachten. Ich tauchte durch mit Gras bewachsene Ebenen, über denen sich Felsplateaus in den blauesten Himmel erhoben, den ich je gesehen hatte. Ich überflog Gebirgskämme, die sich wie die Knochen eines Riesen zwischen Tälern Kilometer weit hinzogen. Nicht selten wiesen erdbraune Furchen und grobschlächtige Aufbauten auf Ackerbau und menschliche Behausungen hin.
Doch bereit, ernsthaft eine Entscheidung zu treffen, war ich lange Zeit nicht gewesen.
Dies änderte sich, als ich mich drei Tage vor meinem Aufbruch nervös im Bett herumwälzte. Vielleicht hatte ich einen Traum, vielleicht war es aber auch nur einer dieser Einfälle, die mich gelegentlich im Niemandsland zwischen Schlafen und Wachsein überkamen.
Ich holte die drei Bruchstücke des Schiffswracks hervor, die noch immer unangetastet der richtigen Fragen harrten. Einem spontanen Impuls folgend, sprang ich auf, setzte mich an meine kleine Werkbank und entfernte mit meiner Nanofräse einige Moleküle des Metalls.
Ich aktivierte die Analyseplattform neben meiner Essnische und platzierte die Analysezylinder in der silbernen Aussparung. Es dauert nur einen Augenblick, bis winzige Wurmlöcher meine Proben bis hin in den mikroskopischen Bereich ausgekundschaftet hatten, in denen bereits die Unschärferegeln der Quantenmechanik galten.
Vor mir tauchten Hologramme der Molekülverbindungen auf, die wie üblich in der vereinfachten Form farbiger Kugeln dargestellt wurden. Das Ergebnis war interessant.
Im Prinzip handelte es sich um normale Eisenmoleküle, die mit anderen Metallen wie Ruthenium und Bismut zu einem effizienteren Gitternetzwerk zusammengebracht worden waren. Das Ganze hatte mehr die Merkmale einer natürlich gewachsenen Kristallstruktur, wobei die Moleküle in einer Art fraktalem Muster auseinander liefen. Ich fuhr mir mit dem Handrücken über das kurze Haar. Nun galt es, die spannendste Frage von allen zu beantworten.
»KI? Sage mir, wo diese Zusammensetzung üblicherweise vorkommt!«
»Diese Legierung ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9983% nicht natürlichen Ursprungs.«
»Ist dir bekannt, auf welchen Planeten diese Legierung künstlich hergestellt wird oder einst wurde?«
»Ja.«
»Und?«
»Diese Information ist aus nicht benennbaren Gründen nicht verfügbar.«
Normalerweise gab es über jeden Planeten, jeden Nebel, ja, sogar jeden scheinbar leeren Quadratkilometer im Universum Datensätze, die die Verteilung wichtiger Elemente, Strahlungswerte, Bewegungen größerer Objekte und sogar den Raumkrümmungsfaktor auflisteten. Automatisch ausgesandte Beobachterwurmlöcher strichen ständig durch den Weltraum und glichen die Hochrechnungen der KI mit der Wirklichkeit ab, woraufhin die Speichersätze normalerweise nur leicht angepasst werden mussten. Dies betraf natürlich auch bewohnte Planeten und deren technologischen Stand. Doch dies hier war anscheinend eine Ausnahme.
Ja, auch ich hatte die Möglichkeit, dieses Informationspotenzial fernab der Standardanwendungen zu nutzen, doch war ein kompletter Scan des Universums selbst für unsere Sphäre keine Kleinigkeit. Milliarden unserer Wurmlöcher würden überall im Universum für den winzigen Bruchteil einer Sekunde erscheinen müssen. Sogleich würden sie als verlängertes Auge unserer fortschrittlichen Scantechnologie fungieren und ihre unmittelbare Umgebung nach den vorgegebenen Parametern durchsuchen. Eine gnadenlose Enthüllungsmaschinerie bar des intuitiven Begreifens.
»KI, ich will, dass du einen kompletten Scan des Universums vorbereitest und mir jedes Vorkommen der eben analysierten atomaren Verbindung aufzeigst, das mehr als … eine Tonne dieser Moleküle am Stück aufweist. Vorher aber bitte ich um die Ausgabe einer Information: Wie lange dauert der Prozess bei üblicher Scangeschwindigkeit und wie viel Prozent der Berechnungsressourcen der Sphäre werden dabei in Beschlag genommen?«
»Der Vorgang dauert 56,2 Sekunden. 0,2% der Rechenkapazitäten der Sphäre würden für diesen Zeitraum in Beschlag genommen. Die angefragte Nutzung befindet sich noch in dem dir zugestandenen Bereich. Die Gesamtmenge an von dir nutzbaren Wurmlöchern beträgt derzeit 3% der technisch möglichen Höchstmenge. Ich starte jetzt.«
Das Universum lag zu meinen Füßen. Das Schwindelgefühl angewandter Macht ließ meine Schläfen prickeln. »Suche starten. Die Ergebnisse bitte über die nächstgelegene Holokammer ausgeben. Ich begebe mich dorthin.«
Mit der fünffachen Geschwindigkeit des Schalls legte ich die 190 Kilometer in weniger als zwei Minuten zurück. Die zielstrebig vorbeihuschenden Lichter des Transporttunnels zogen noch Nachbilder über meine Netzhaut, als ich die Finsternis der Holokammer betrat.
»KI, Ausgabe der Suchergebnisse gemäß dieser Vorgaben: Verkleinerte Standardansicht des Universums. Größe der Gesamtdarstellung mit dem Umfang der Holokammer synchronisieren. Betreffende Sternsysteme rot markieren. Ich möchte um die Darstellung herum gehen können, daher das Zentrum des Universums auf Kopfhöhe zentrieren.«
Es dauerte einen deutlich spürbaren Augenblick, bis alle relevanten Daten in die Speicherbänke der Holokammer geladen waren.
Zunächst erschien das tiefe, leicht unruhige Blau des ultimativen Ereignishorizonts, welches die Wände ersetzte. Als nächstes verblasste der Boden und ich schien in der Luft zu schweben. Um mich herum zündeten die Sterne nun wie leuchtendes Plankton. Ein paar Meter vor mir begann es mit fast unsichtbarem Staub, der jene Sonnen darstellte, die im Laufe der Zeit aus dem eigentlichen Kernbereich herausgerissen wurden. Entweder durch das Zutun von JEV oder aufgrund des Zusammenspiels natürlicher Gravitations- und Fliehkräfte, bei denen ein mäßigendes Eingreifen von unserer Seite nicht geboten gewesen war. Der Kern des Universums verschwamm zu einer überlagerten Darstellung der vier Spiralarme. Rote Treffermarkierungen gesellten sich hinzu, welche die Darstellung wie ein wuchernder Mikroorganismus befielen. Ich sah, dass es viele waren.
Die Verteilung schien keiner inneren Logik zu folgen, auch wenn ich durch meine Studien wusste, dass die Sphäre genug Rechenkraft aufbrachte, um Strukturen in augenscheinlich völliger Entropie aufzuspüren.
»KI, handelt es sich bei den ausgegebenen Suchtreffern um Funde auf Planeten der angezeigten Sonnensysteme?«
»86,5% aller Treffer befinden sich auf als Planeten einzustufenden Objekten. 8,2% befinden sich auf Monden, 3,9% auf größeren Asteroiden. 1,4% wurden als frei im Raum schwebend eingestuft.«
»Gesamtzahl der Suchtreffer?«
»Siebzehn Milliarden, fünfhundertdreiundneunzig … «
»Stopp! Das ist zu viel. Zeige nur die tausend größten Vorkommen an.«
Das blutrote Universum schwand, als die Markierungen erloschen. Nun waren nur noch ein paar Dutzend rote Punkte zu erkennen.
Ich trat vor. Holografische Sterne trafen als substanzlose Irrlichter auf meinen Körper und verließen mich unbeeindruckt. Auf dem halben Weg zum Zentrum zogen markierte Sonnen an mir vorbei. Eine von ihnen schien wirklich nur ein Roter Riese zu sein.
»Blöde Farbwahl«, rügte ich mich selbst. »KI, welche der aktuell markierten Planetensysteme entsprechen gleichzeitig meinen verwendeten Suchparametern für die Welt, welche als Ziel für meinen Aufbruch in die nähere Auswahl kam?«
Als die KI bejahte, ließ sie sofort das Holobild einer einzigen Welt vor mir schweben. Sie war grün und braun, mit 82% Gesamtmeeresfläche und großen Landmassen im Äquatorialbereich.
»Ist dieser Planet für mich per Wurmloch einsehbar?«
»Nein, diese Welt unterliegt in deinem derzeitigen Entwicklungsstadium noch größtenteils der Geheimhaltung.«
»Aber könnte ich zu ihm reisen? Im Rahmen meines Aufbruchs, meine ich?«
»Positiv.«
»Gibt es sonstige Besonderheiten, zu denen du mir Auskunft geben darfst?«
»Definiere die Besonderheiten.«
»Hmm … Technologische.«
»Ja. Ein Kurzstreckenraumkreuzer wird geortet. Er ist teilweise noch aktiv und im Boden vergraben worden. Eine größere Konzentration der zuvor gesuchten Verbindung befindet sich in seiner unmittelbaren Nähe.«
Ja, das klang durchaus nach einem interessanten Fleckchen.
(Seite 87 ff.)

(Anmerkung: Die Texte wurden aus dem E-Book, das es auch gibt, entnommen – mit allen Fehlern. Nur die Kursivformatierung stammt von mir.)

ZU EMPFEHLEN?
Nein.

NOCH WAS?
Letztlich bin ich nicht sicher, ob ich nicht froh sein sollte, den Roman nicht selbst verlegt zu haben. Daniel meinte, ich hätte eh zu wenig Zeit – und er selbst zu wenig Geduld gehabt. Wer weiß, wofür es gut war? Ich fürchte, für seinen Roman jedenfalls nicht …