Virtueller Papierkrieg

S. J. Kincaid
INSIGNIA – DIE WELTENSPIELER
(Insignia, 2012)
A. d. Amerikanischen: Peter Beyer, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2012, Taschenbuch, 509 Seiten, ISBN 978 3 442 47834 7

VORBEMERKUNG
Goldmann hatte das Buch als Reziexemplar angeboten, ich habe es bestellt – eigentlich unter der Prämisse, dass es etwas für MAGIRA 2013 sein könnte. Aber die Geschichte ist keine Fantasy.

WORUM GEHT ES?
Die Welt hat sich verändert. Es gibt politisch motivierte Machtblöcke, die aber eigentlich von Konzernen beherrscht, gelenkt, weil sicher auch finanziert werden. Krieg auf der Erde gibt es nicht mehr. Es gibt nach wie vor reichlich Gründe für die Nationen – und die Konzerne –, sich gegenseitig in den Haaren zu liegen, aber das macht man heutzutage im Weltraum. Und dort zwar mit physisch realer Hardware, jedoch ohne Einsatz von Menschenleben, denn gesteuert wird die ganze Hardware von den Weltenspielern.
Tom, Hauptfigur des vorliegenden Romans, zieht eigentlich mit seinem spielsüchtigen Vater durch die USA, bis er von einem Militärangehörigen »entdeckt« wird. Er zieht in den sogenannten »Tower« des Pentagon (gebaut auf dem Fleck, den wir noch als das innere Fünfeck kennen) und macht seinen Weg, der sehr kurvenreich ist, an Höhen und Tiefen nicht spart, und ein paar Mal auch deutlich lesbar an einem möglicherweise überraschenden Ende vorbei schrappt – das dann aber so doch nicht kommt.
Am Ende gibt es durchaus etwas, das man Happy End nennen könnte.

WIE IST DER STIL?
Gefällig, gut lesbar, handlungsbetont, dem Fortkommen als Leser über die Seiten hinweg sehr förderlich. Und, wenn man ehrlich sein soll, auf ein durchaus jugendliches Publikum zugeschnitten. Ich würde die Zielgruppe zwischen 13 und 17 Jahren ansiedeln, auf jeden Fall aber unter Jungen, weniger unter Mädchen – weil die wirklichen Identifikationsfiguren fehlen (auch Medusa, Toms russisch-chinesische »Gegenspielerin«, eignet sich nicht) – die große Affinitäten zu Computern, Computerspielen, Software, Internet, zu all diesen modernen Themen haben.

WAS GEFIEL NICHT?
Das ist schwierig. Ein wenig hat mich das Weltbild oder eher noch das von Kincaid beschriebene »Universum« gestört. Die grundsätzliche Richtung ist okay, aber sogar heutzutage, wo wir alle wissen, was Globalisierung ist – und wo es genug Menschen gibt, die sich darauf verlegen, sie zu bekämpfen zu suchen, statt sie zu nutzen –, da wirkt so ein weitergedachter Plot schon antiquiert. Konzerne werden keine Nationen nutzen, um ihre Konflikte untereinander auszutragen. Konzerne werden diese Konflikte untereinander austragen, und dies wird ganz sicher in nicht wenigen Fällen vor allem auf Kosten von Nationen gehen.
Es ist müßig, auf das Beispiel der sogenannten »Eurokrise« zu verweisen, die nichts anderes ist, als das Ergebnis von bankenkonzernischem Fehlverhalten, für das Nationen und deren Bürger letztlich ihren Hals und ihr Portemonnaie hinhalten müssen. Natürlich sehen die Griechen die deutsche Kanzlerin als Verursacherin ihrer Probleme, aber damit belügen sie sich nur selbst. Und das – die Selbstlüge – wird das Einzige sein, das Konzerne in unserer realen Zukunft in den Nationen pflegen werden. Denn ihnen kommt sie am ehesten zugute. Die Selbstlüge.

WAS GEFIEL?
Die Geschichte las sich gut, spannend, flüssig, vor allem, wenn man sich an die Idee gewöhnt hatte, dass dies wohl eher ein Roman für eine jugendliche Zielgruppe war. Ich hatte an keiner Stelle wirkliche Langeweile, aber eben auch nicht den »Erwachsenenthrill«.

ZU EMPFEHLEN?
Meines Erachtens ja, für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, wie oben beschrieben, auf jeden Fall.