Unerwartet perfekt

Angela Mackert
DIE LIEBE KAM UNERWARTET
Teezeitgeschichten 1 – Romance
TextLustVerlag, Ettlingen, 2012, Taschenbuch, 60 Seiten, ISBN 978 3 943295 38 2

VORBEMERKUNG
Angela Mackert ist eine Verlegerfreundin, kann man wohl sagen. Wir mailen viel, vor allem viel über unsere Verlegerthemen. Und ich mag ihre Bücher. Dass diese Rezension dennoch nicht völlig unparteiisch ausfallen wird, wird zu lesen sein, denn da gibt es diesen einen Punkt … ‹seufz› …

WORUM GEHT ES?
In der heutigen Zeit ist es ja gefährlich, ungefragt den Text von der Buchrückseite zu zitieren, aber da ich Angela Mackert kenne, werde ich dies dennoch einmal tun, denn er beschreibt die Geschichte – im Gegensatz zu anderen Buchrückseitentexten, denen man so begegnet – sehr treffend und gut:
»Die Kostümdesignerin Jennifer arbeitet in der Schneiderei eines Theaters. Weil das Ensemble dringend neue Kostüme braucht, will sie auf dem Opernball ein offenes Ohr für die Verwirklichung ihrer Entwürfe finden. Als sie Oliver kennenlernt, scheint sie ihrem Ziel näher zu kommen. Hals über Kopf verliebt sie sich in ihn.
Aber ist Oliver wirklich der, für den sie ihn hält? Jennifer gerät auf eine Achterbahn der Gefühle …«
Und nein, natürlich ist Oliver nicht der, für den sie ihn hält. Hähä …

WIE IST DER STIL?
Wow – sensationell. Ich bin ein Fan der leider viel zu früh verstorbenen Maren Frank, die für Cora einige Romane hingelegt hat, die ich lesen durfte und die mir gefallen haben. Angela Mackert wäre, wenn man das so sehen wollte, die mehr als legitime Nachfolgerin, denn ihr Stil ist nicht nur gut und routiniert, wie der der Maren Frank, sondern einfach packend. Das ja nur 60 Seiten starke Büchlein saugt einen förmlich ein, auf und durch.

WAS GEFIEL NICHT?
Außer dem Titelbildlayout der Reihe – siehe dazu weiter unten – nichts. … Ach, doch, noch eine Kleinigkeit: »Knapp eine viertel Stunde später bog der Wagen in ein nobles Villenviertel« (Seite 54) – es gibt eine ganze und eine halbe Stunde, aber nur eine Viertelstunde.

WAS GEFIEL?
Das ganze Stück. Ich bin ganz sicher kein Fan von Liebesschmökern, und es gibt ja auch große Unterschiede. Die erwähnten Werke Maren Franks bei Cora waren routinierte, gute, sehr lesbare, aber eben routinierte Kost. Da hatte die Charakteristik der Cora-Reihe(n) das Wort.
Angelas Werk ist ein wirkliches Juwel. Ich habe noch keine Story dieser Art gelesen, die so ohne Klischees auskommt, und doch den größten Teil der Bilder und des Leseerlebnisses dadurch erzeugt, an gesellschaftliche Traditionen und Konventionen zu knüpfen, zu appellieren. Der Roman funktioniert einfach deshalb, weil jeder Leser ganz genau nachvollziehen kann, was sich da abspielt, ohne, dass man es ihm mit dem Honiglöffel aufs Maul oder mit der Fliegenklatsche auf die Augen geben müsste.
Die Dramaturgie ist eine Wonne, unter zwei Gesichtspunkten: Sie ist einerseits so offensichtlich gestrickt, dass man immer meint, sich in jedem Satz ganz zu Hause fühlen zu können, und doch ist sie gespickt mit Überraschungen und Wendungen, die das Ganze zu einem kleinen Stück wohliger Spannung an einem Abend nach einem knackigen Arbeitstag machen.

ZU EMPFEHLEN?
Ja.

NOCH WAS?
Nach dem Rebirth der »Kaffeepausengeschichten« – die Bände 1 bis 7 habe ich kürzlich hier besprochen – mit einem Neid erregenden Layout aus der Ecke von Alisha Bionda und den tollen Bildern von Crossvalley Smith war das Titelbildlayout der »Teezeitgeschichten« – gleiche Idee, etwas anderes Konzept: es gibt nicht drei kurze Geschichten, sondern eine längere – eine Enttäuschung für mich. Von der Grundidee ist der Ursprung – Atelier Bonzai – erkennbar, aber es funktioniert nicht. Der Textbereich oben ist zu groß und zu leer, das Bild unten einerseits zu klein – im Vergleich zur Gesamtfläche – und gleichzeitig zu schwer, sodass es die Optik erbarmungslos nach unten zieht. Im Sinne von »never change a running system« hätte ich am Layout der »Kaffeepausengeschichten« für die »Teezeitgeschichten« nur die Farbgebung geändert, die Auf- und Verteilung auf der Titelseite allerdings belassen, wie sie bei den »Kaffeepausengeschichten« schon ist. (Wobei mir auch aufgefallen ist, dass das Braun der »Teezeitgeschichten« zu einer Kaffeepause viel besser passt, während das Violett der »Kaffeepausengeschichten« schon einen Anklang an Schokolade in edler Verpackung zum Tee anbietet …)