Meine Lichter im Leben

So sehen die beiden Mädchen aus, wenn sie an einem noch winterlich finsteren Morgen vom Gassigang heimgekehrt sind. Tracker, Leuchthalsband und in den Augen die Frage, wessen Pfoten an diesem Morgen wohl als erste abgetrocknet werden … links Kim, rechts Naomi – beide gemeinsam Lichter in meinem Leben.

Neue Nachbarn

Bisher waren es Schafe. Nicht nur direkt hinter unserem Haus, sondern auch auf dem Grundstück daneben. Seit einigen Tagen nun haben wir neue Nachbarn bekommen: Vier Pferde, darunter ein großes schwarzes Tier, bei dem es sich um einen Hengst handeln könnte. Er steht gerne getrennt von den anderen, alleine, schaut oft zur Biogasanlage hinüber.

Immerhin sind sie zu viert. Pferde sind Herdentiere, und ich finde es immer schade, so einen Gaul alleine auf seiner Koppel zu sehen, halte es sogar für tierschutzrechtlich bedenkliche, nicht artgerechte Haltung. Es gibt einige Beispiele in Winnert, Pferde, die ihre traurigen, einsamen Tage auf ihrer Wiese fristen.

Überleben in der Kälte der Welt

Mindestens einmal am Tag – meist morgens, jedenfalls, wenn es am meisten stört – ist Frauchen der Ansicht, dass die Feuchtigkeit im Hause zur Neige geht. Also wird gelüftet. Und Zimmer können keinesfalls einzeln und nacheinander gelüftet werden, nein: Durchzug ist vonnöten.

Aber zum Glück gibt es einen Raum, der auch in der Kälte noch einen Funken Wärme zu bieten hat: Herrchens Arbeitszimmer. Die Rettung.

Vorne Naomi, dahinter Kim.

Kahlschlag II

Und weiter geht es in der Moorchaussee in Winnert, ortsauswärts. Grund? Unbekannt. Frage an einen der Arbeiter: „Warum wird das gemacht?“ „Wir haben den Auftrag.“ „Von wem?“ Keine Antwort. — Die Bäume haben vor allem im Sommer schönen Schatten gespendet. Braucht man ja heutzutage nicht mehr.

Kahlschlag

Der alljährliche Baumfällwahnsinn grassiert wieder.

In Winnert steht an der Hauptstraße, Ecke Süderweg eine Gedächtnissäule. Irgendwas mit Kaiser Wilhelm, dem zweiten, glaube ich. Die war umgeben von Büschen und Bäumen, nicht besonders ansehnlich, aber eben grün. Gestern fielen die Pflanzen Wahnsinnigen zum Opfer, die offensichtlich das Ziel hatten, der kackbraunen Halle neben dem kleinen Grundstückchen mit der Säule zu größerer optischer Bedeutung zu verhelfen. Sehr gelungen (nicht zuletzt auch im Zusammenspiel mit den weiter den Süderweg hinunter durchgeführten Holzvernichtungsaktionen, durch die eine kotzgrüne Blechhalle nun jedem Gassigänger plakativ ins Auge fällt).

Und nicht nur das. Auf der Landstraße zwischen Winnert und Oldersbek, auf einer ziemlich genau drei Kilometer langen Strecke, wurden – mit ganz wenigen Ausnahmen – auf beiden Seiten der Landstraße alle Bäume und größeren Sträucher (und die kleinen natürlich auch) vernichtet. Für mich der Anlass, der bislang vom aktuellen Schneechaos vollständig verschont gebliebenen Gegend einen tagelangen heftigen Schneesturm mit so effizienten Schneeverwehungen zu wünschen, dass im Schneechaos die Winterdienstler in ihren Karren erfrieren.

Das Problem: Es ist nicht herauszufinden, welchem Zweck diese Vollidiotie dient. Niemand weiß das. Nur im letzten Winter meinte ein befragter Bauer auf Lütt Dörp: »Das macht man halt so.«

P.S.: Die nachfolgenden Fotos von Lütt Dörp stammen vom 02.02.2020, sind also rund ein Jahr alt. So sieht es nun zwischen Winnert und Oldersbek auch aus. Und ganz sicher an vielen anderen Orten in Baummordfriesland auch.

A—b-s––t-a——n–d … h—a——l-t—–e-n

Heute bei Edeka. Eine neue Variante des Abstandhaltens. Vor der Kühltheke mit der abgepackten Wurst zwei Menschen. Mit Einkaufswagen. Ein Mann vorne, eine Frau hinter ihm. An der darauffolgenden Wursttheke – niemand. Mann und Frau halten nicht nur den vorschriftmäßigen Abstand voneinander, sondern mit ausgestreckten Armen auch von ihrem Einkaufswagen. Des Weiteren stehen sie nicht hinter, sondern schräg neben ihrem Wagen.

Ich gehe also durch den Nebengang, um mich von vorne zu nähern, und frage, ob ich mal an die Ware könnte. Die beiden Abstandhalter reagieren mit nackter Panik, weil ganz offensichtlich völlig unklar ist, wer sich jetzt wann wie wohin bewegen muss, damit es nicht zu einem Abstandsverbrechen kommt.

Wenn nicht so viele Menschen sterben würden, könnte man COVID-19 für einen Intelligenztest halten. Obwohl –

Heute vor zwei Jahren 08/12

Internet gab es schon seit gestern, einem LTE-Router sei Dank. Die Aufräumarbeiten, die natürlich noch länger dauern sollten, beschäftigten mich, bis um 14 Uhr meine Frau mit den Hundemädels ankam.

Und nun waren wir körperlich offiziell umgezogen, und am Dienstag, den 11.12., würden wir unsere Ummeldung durchgeführt haben. Ausweise, meine beiden Gewerbe, die Hunde – deren Anmeldung ging erst mal komplett unter – und auch meine Wahlunterstützung für die Piraten Schleswig-Holstein konnte ich erledigen.

Nun waren wir Nordfriesen.

Und das ist schon wieder zwei Jahre her. Die Zeit rennt. Wie bekloppt.

Heute vor zwei Jahren 07/12

Einzug in Winnert. Zwischen 8 und etwa 14 Uhr entluden die tollen Jungs der Umzugsfirma den Wagen. Das Doppelbett im Schlafzimmer wurde ebenso aufgebaut wie der gigantische Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer. Mit dem hatte es noch eine spezielle Bewandtnis, denn eigentlich sollte mein Schreibtisch ins Obergeschoss. Der Riese besteht – nebst Beinen – aus zwei Teilen, und schon das kleinere Teil passte nicht durch das Treppenhaus nach oben. Also: Umdisposition, Telefonat mit Frau zwecks Beratung, dann eine schnelle Entscheidung. Heute steht der Schreibtisch im größten und schönsten Zimmer des Hauses, das wir eigentlich als Wohnzimmer vorgesehen hatten. Und doch ärgere ich mich immer wieder – als Dachwohnungsfan wäre ich so gerne mit meinem Arbeitszimmer ins Obergeschoss unter die Schrägen gegangen. Seufz.

Heute vor zwei Jahren 06/12

Morgens gab es ein Treffen mit meiner Mutter im Café Heinemann zu Düsseldorf. Um 12 Uhr brach ich gen Winnert auf.

Nach rund dreihundert Kilometern meldete die Elektronik eine Motorstörung. Der Passat zog nicht mehr, mehr als 2500 Umdrehungen brachte der Motor nicht. Ich traute mich nicht, den Motor auszuschalten, ließ ihn sogar bei einem Pinkelstopp laufen.

Erst als ich um 18 Uhr in Winnert eintraf, schaltete ich den Motor aus. Und der sogleich erfolgende Test zeigte: Alles gut. (Viel später würde ich herausfinden, dass es ein Ausfall des Turboladers war – durch irgendeine Klappe, die aus unerfindlichen Gründen – und später nie wieder – nicht wieder schloss.)

Vom Vorbesitzer des Hauses bekam ich die Schlüssel und fuhr nach Friedrichstadt, wo ich übernachten wollte.