Routinierter Sexcontainer

Maren Frank
KRONOS-DIVISION: GELIEBTE VERDÄCHTIGE
dead soft verlag/Edition Banzini, Februar 2010, Edition-Banzini-Hefte 7, Heftroman/Romanheft, 72 Seiten, ISBN 978 3 934442 86 3

Die Erscheinungsform des Werkes ist ein wenig … naja, unerwartet. Das Stück hat eine reguläre ISBN, kommt jedoch beinahe wie ein Fanzine daher. Zwar ordentlich gemacht, im Großen und Ganzen, doch im Grunde ein Fanzine. Der Rückenstich sitzt nicht ganz korrekt, der Gesamtumfang ist an der für Rückenstichheftung geeigneten Grenze, der Coverdruck weist die typischen, nicht bedruckbaren Bereiche von Digitalkopierern auf, der Druck selbst ist satt und sauber, das Layout simpelste Strickweise, mit einer der Arial ähnlichen serifenlosen Schrift – oder ist es gar die Arial selbst? –, und der Fließtext ohne Absatzeinrückungen und ohne Silbentrennungen.

Ja, pillepalle, korrekt, was interessieren einen solche Formalien, solange der Inhalt stimmt. Nun ja, mich eben. Gegen die Produktionsweise ist ja nicht mal was einzuwenden, aber dann gönne ich es mir, auch auf die Kleinigkeiten zu achten. Und das fängt bei der Schrift einfach an –
Egal.

Die Geschichte ist recht simpel. Aska, die eine Hauptfigur, gehört zu einer »Kronos-Division« genannten Truppe – die Bedeutung des Namens wird nicht erläutert –, die über der normalen Polizei steht und sich um spezielle Verbrechensthemen kümmert. Hier haben sie einen Anwalt aufm Kieker, der in schmutzige Geschäfte verwickelt ist. Seine Anwaltsgehilfin – die Studentin Trisha mit Nebenjob – soll einen Auftrag ausführen, findet einen Toten, wird von Aska gerettet, versteckt, zickt herum, begibt sich in Gefahr und wird noch einmal von Aska – und von einem ihrer Partner – gerettet. Der Anwalt wird natürlich gefasst, und das war’s im Großen und Ganzen.
Diese in der Tat etwas luschige Story ist allerdings nur der Container für die eigentliche Hauptsache: Aska ist Gestaltwandlerin und völlig unerfahren in Liebesdingen. Trisha und sie kommen sich näher, geraten sprichwörtlich aneinander – und da haben wir auch die Hauptsache des kleinen Romanheftes: Sex.
Die Herren Leser, denen jetzt der Sabber links oder rechts runterläuft, können die Klappe wieder dichtmachen. Die Beschreibungen von Maren Frank sind eindeutig genug, um die Fantasie anzuregen, nicht jedoch die Bundesprüfstelle auf den Plan zu rufen. Die Wortwahl ist einwandfrei, der Schreibstil gleichermaßen – es gibt nichts auszusetzen. Selbst die Verwendung von einschlägigen Fachbegriffen – zum Beispiel den bösen F-Wörtern – hätte daran nicht nur nichts geändert, sondern es allenfalls noch beschädigt.
Schade ist eigentlich nur, dass der restliche Plot so durchhängt und allzu offensichtlich bloß der Container für das Treiben der beiden Frauen miteinander ist. Grundsätzlich sind die Ansätze nicht schlecht: eine Polizeitruppe mit lauter Mitgliedern, die alle besondere Fähigkeiten haben. (Nach diesem Roman wissen wir, dass Aska Gestalt- bzw. Formwandlerin ist, und auf dem Klappentext wird erwähnt, dass ihr Kollege Tyler ein »Vampir mit festen Grundsätzen« ist, der im nächsten Band – man darf also von einer Serie ausgehen – die Hauptrolle spielen wird.) Abgesehen von der Frage, warum die einzelnen Mitglieder offensichtlich von den Fähigkeiten der anderen nichts zu wissen scheinen, gäbe es hier viel Raum auch für spannende Geschichten, für intelligente Krimis – mit den sicherlich auch weiterhin geplanten »saftigen« Einlagen.

Abgesehen von den schon eingangs erwähnten Kritikpunkten an der Machart – die man leicht verbessern kann –, würde ich mir auch ein wenig mehr »Arbeit« am Titelbild wünschen. Das, was über die beiden Mädels Aska und Trisha im Heft geschrieben wird, finde ich auf dem Titelbild nicht wieder. Die Linke von den zweien hat einen Blick drauf, der besser zu einer Hau-drauf-Zombie-Story gepasst hätte, und auch insgesamt würde ich den beiden Damen nicht zutrauen, auch nur einen Spritzer Eros dabei zu haben, selbst, wenn man die Story verfilmen würde. Oder anders ausgedrückt: »Wah! Gruselitsch!«

Ansonsten waren das so zwei bis drei Stunden Leseentspannung, nichts Aufwendiges, nichts Preisverdächtiges. Maren Frank ist, was diese Art von Storys angeht, durchaus talentiert und nicht unerfahren. Aber … ganz ehrlich? Ihr »Bei dir fand ich das Paradies« hat mir arg deutlich besser gefallen.