Wenn Software nur noch nervt

Manchmal frage ich mich ernsthaft, was in den Köpfen von Softwareprogrammierern vor sich geht. Ich lästere gern, dass die vor lauter Drogenkonsum und Masturbation nicht dazu kommen, anständige Produkte abzuliefern. (Das Gleiche gilt auch für Produktdesigner, aber das ist ein anderes Thema.)
Seit vielen Jahren nutze ich das Steuer-Sparbuch der WISO-Redaktion, richtiger: der Firma Buhl Data Service. Ich mache damit meine private Steuererklärung (incl. der meiner Gattin) und natürlich auch die Einnahme-Überschuss-Rechnungen (EÜR) meiner Gewerbe. Im Großen und Ganzen war ich immer zufrieden, aber inzwischen entwickelt sich die Software zu einem echten Ärgernis. Ende 2021 hatte ich das Problem mit einem Update, das standhaft behauptete, meine Software (WISO 2021, wohlgemerkt) sei älter als zwei Jahre, daher funktioniere das Update nicht. Des Rätsels Lösung war ein Überbleibsel eines Updates der Version 2019. Das Problem ließ sich mit einer Fernsteuerungssitzung beheben.

Bei der Version 2022 hat sich einiges geändert. Man bekommt keine CD oder DVD mehr automatisch geliefert, sondern muss sie anfordern. Anderenfalls arbeitet man mit einem Download. Das hätte mir auch gereicht, also verzichtete ich auf die Silberscheibe. Offensichtlich ein Fehler.
Denn der Download der Version des Steuer-Sparbuchs 2022 ließ sich nicht installieren. Gleichgültig, ob ich mit dem Buhl-Konto oder nur mit der Garantienummer (eine Art Seriennummer) arbeitete, immer wurde behauptet, ich solle meine Internetverbindung prüfen. Ich schaltete alles ab: Windows-Firewall, Malwarebytes, Avira, Programme, die evtl. eine Internetverbindung blockieren könnten. Aber selbst auf einem frisch gestarteten und entsprechend präparierten Rechner ging nichts. Internetverbindung prüfen.
Dergleichen Fehlermeldungen sind Arschlochfehlermeldungen. Da waren Programmierer am Werk, die nicht in der Lage waren und sind, eine Software unter realistischen Bedingungen zu prüfen.
Also löste ich ein Ticket aus. Die Antwort war ein Textbaustein mit dem Inhalt, dass man mehr Informationen brauche. Mit einer ausführbaren Datei sollte ich Systeminformationen sammeln und übermitteln. Das Bezeichnende an den Informationen, die da gesammelt wurden: Die Behauptung, der Benutzer hätte keine Adminrechte, war schon Bullshit.
Auf meine Mail mit den gewünschten Systeminformationen erfolgte keine Reaktion. Auch auf die drei Wiederholungen nicht. Und schon gar nicht auf das Fax, das ich schickte, nachdem sich wohl niemand für E-Mails interessierte.

Während der ganzen Tage versuchte ich immer wieder, das Setup zu starten. Immer mit dem gleichen Ergebnis. Bis auf heute Abend.
Heute Abend war ich besonders stur. Ich versuchte zuerst nur mit der Garantienummer das Setup auszuführen, und nach – Achtung! – achtzehn Versuchen, eine Verbindung herzustellen, kam sie auf einmal zustande. Ich brach ab, denn ich wollte die Software mit vollem Support und vollem Programm installieren.
Der neue Start, diesmal mit Buhl-Konto (Benutzername und Kennwort), brauche wiederum – Achtung! – sieben Anläufe, dann ging es auf einmal doch. Das Setup lief fehlerfrei durch, alles schien gut.
Der nachfolgende Versuch, das Programm zu starten, scheiterte. Das Logo erschien, sonst nichts. Ich probierte es einige Male, nichts geschah. Insgesamt startete ich in zugegebenermaßen brutal-sturer Manier das Programm – Achtung! – 41 (einundvierzig!) Mal, und dann erschien auf einmal ein Dialog, der trotz bereits erfolgter Buhl-Konto-Anmeldung bei der Installation die Garantienummer und dann nochmals die Buhl-Konto-Anmeldung verlangte.

Aber jetzt funktioniert es. Endlich. Endlich kann ich meine Gewerbebuchhaltungen 2022 in Angriff nehmen. Endlich ist klar, dass Softwareprogrammierer drogensüchtig sein müssen und sich gerne einen runterholen. Und die Supporter scheinen sich zu beteiligen. Anderenfalls hätte mir vielleicht wenigstens jemand gemailt, ich solle mir doch auch einen Dealer suchen und mal Hand anlegen.

Klar ist für mich, dass ich WISO 2023 wieder mit CD oder DVD nehmen werde. Denn vielleicht läuft die Installation da wieder so ab, wie es bis zur Version 2021 der Fall war. Schnell, einfach, reibungslos.

P.S.: Die FAQ, die ich konsultierte, um eine Problemlösung zu finden, hat sich übrigens als restlos falsch erwiesen. Die Informationen zu Windows-10-Installationen, was man unternehmen solle, den Rechner auf die Installation vorzubereiten, verwiesen auf Windows-Bestandteile, die so vielleicht noch bei Vista existierten, seitdem aber nicht mehr. Und selbst wenn: Es ist schlicht eine Frechheit, von einem Softwareanwender zur Installation einer Software zu verlangen, seinen Rechner unter Sicherheitsgesichtspunkten nackig zu machen, nur damit die Softwareprogrammierer ihren zweifelhaften Leidenschaften (siehe oben) weiter frönen können, statt  anständige Arbeit abzuliefern.

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