Somma Zeit umstelln?

Die Sommerzeit ist rum. Der Klassiker. Jetzt kommen wieder die Tage, wo alle rumnölen. Meckern, motzen, maulen. Alle Jahre wieder präsentieren die Menschen ihre Flexibilität, gegen die zwölf Quadratmeter Supermarktplatz weich wie Butter in der Sonne sind. Faseln von Biorhythmus. Und davon, dass das ja gar nichts mehr mit Energieeinsparung zu tun hat. Dummes Zeug.

Und noch ein Klassiker. Morgens um 6:02 Uhr klingelt der Wecker. Wie jeden Tag. Ja, auch sonntags. Ich bin Workaholic. Und Gewohnheitstier. Es gibt keinen Grund, nicht auch am Sonntag um 6:02 Uhr aufzustehen. Dumm nur, wenn der BlackBerry, dieser Klugscheißer, 5:02 Uhr anzeigt. Zunächst denke ich, der BlackBerry gehe falsch – in dem guten alten analogen Wecker steckt immerhin keine Software, da kann nichts falsch gehen. Aber dann … Öhm.

Ja, der Klassiker. Normalerweise stelle ich am Abend vorher, vorm Zubettgehen, die Uhren um. Das geht allerdings nur, wenn Frau Haitel nicht wieder mit irgendwas für Chaos oder sonstige Ablenkung gesorgt hat. Hat sie aber. Macht sie eigentlich immer. Mist.

Aber ich kann damit leben. Ich kann mit den beiden Zeitumstellungen grundsätzlich leben. Finde sie gut. Meine Oma (mütterlicherseits) hat das ihr Leben lang ignoriert. Auf die Frage, wie sie denn im Sommer ihre Termine »umrechne«, meinte sie sinngemäß, das halte sie geistig fit. Trimm doch – Sommerzeit mal wieder. Auch eine Variante. Aber kein Klassiker. Oder vielleicht doch. Ich kenne zu wenig alte Leute, denen es vielleicht ähnlich wie meiner Oma geht. Ich könnte meinen Nachbarn fragen. Der ist in dem Alter, in dem mein Vater jetzt wäre. Aber der hat einen anderen Weg gewählt, die Zeitumstellungen zu ignorieren. Den endgültigen.

Vor anderthalb Jahren oder so hat Europa in einer Onlineumfrage entschieden, aus den Zeitumstellungen auszusteigen. Die Argumente sind bekannt. Ich fand sie alle nicht sehr sinnvoll; wie gesagt, ich kann damit leben. Und nächstes Jahr im Oktober soll es so weit sein – die letzte Umstellung. Oder auch nicht. Denn zwar ist sich Europa einig, aussteigen zu wollen – aber nicht, in welche Zeit. Was bedeutet, dass einige Länder bei der Sommerzeit bleiben wollen, also letztmals im März umstellen; andere Länder wollen in die Winterzeit, stellen also letztmals im Oktober um.
Das Problem: Das geht nicht. Unsere Welt ist in Zeitzonen aufgeteilt, eine sowieso schon zwangsläufig ein wenig willkürliche Aufteilung. Aber man kann die Zeitzonen, in denen Europa liegt – WEZ (= GMT), MEZ, OEZ, MSK (Moskau) – nicht noch zersplittern, aus der MEZ eine MEWZ und eine MESZ machen. Fährst du von Kopenhagen nach Hamburg – eine Stunde zurück; von Hamburg nach Amsterdam – eine Stunde vor; von Amsterdam nach London – das weiß doch keine Sau mehr! Und nicht einmal da schaffen es die Menschen, sich einig zu sein.

Ich denke, ich werde es wie meine Oma halten. Ich ignoriere das einfach. Ich werde wie zuvor auch am letzten Märzwochenende die Uhren eine Stunde vorstellen – und mich nicht darüber ärgern, dass angeblich eine Stunde verloren geht, weil das gar nicht stimmt –, und am letzten Oktoberwochenende stelle ich die Uhren wieder eine Stunde zurück. Und nächstes Jahr werde ich mich nicht über die Differenz zwischen Wecker und BlackBerry wundern, sondern einfach um 5:02 Uhr aufstehen und mich über einen Tag freuen, der eine schöpferische Stunde länger scheint.

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