Technischer Fehlschlag

Michael Mittelbach & Matthias Falke
GAMENON
Books on Demand, Norderstedt, 2011, Paperback, 52 Seiten, ISBN 978 3 8423 4308 5

VORBEMERKUNG
»Gamenon« ist ein »Comicbook«; die Zeichnungen stammen von Michael Mittelbach, die Geschichte von Matthias Falke. Das Werk liegt mir in zwei Versionen vor, wobei die erste (links Cover) nicht mehr zu bekommen ist; es handelte sich möglicherweise um einen voreiligen Schnellschuss, den ich von Michael erhielt, zu dem Matthias jedoch meinte, das sei noch nicht die endgültige Version. Wie auch immer – eine der beiden Versionen wird vielleicht mal ein Sammlerstück :)

WORUM GEHT ES?
Laut Rückseite: »Lord Gamenon – Oberbefehlshaber der grossen Flotte – in den Wirren des interstellaren Krieges, aus den ihn nur die Liebe seiner Gefährtin Ssandara retten kann.« Kein Kommentar. Ich weiß, dass in diesem Satz zwei Fehler stecken, einer davon essenziell.
Mehr kann ich dazu nicht sagen, denn ich habe die Story nicht gelesen. Jedenfalls nicht vollständig.

WIE IST DER STIL?
Die Geschichte dürfte sich um einen typischen Falke handeln. Die wenigen Absätze, die ich las, lassen dringend darauf schließen.
Die Zeichnungen von Michael Mittelbach sind – gewöhnungsbedürftig. Ich bin kein Comicfreund, habe eigentlich überhaupt keinen Bezug zu Comics (meine Zeiten von »Zack« und Moebius sind lange vorbei). Michaels Stil ist seltsam heterogen. Auf der einen Seite wirken die Zeichnungen manchmal ungekonnt, manchmal geradezu genial. Ich kenne Bilder von ihm, die sich jeglicher Kritik entziehen, und andere sind so schlecht, dass sie nicht mal brennen würden.

WAS GEFIEL NICHT?
Eigentlich alles.
Das Problem ist, dass es vorrangig an der technischen Ausführung krankt. Der Comic kommt im DIN A5-Format, was angesichts des (mit dem Computer gesetzten) Letterings viel zu klein ist. Die Schriftgröße ist auch der Grund, warum ich den Text nicht gelesen habe; die Schrift ist für meine Augen einfach zu klein, selbst ohne Brille und ganz nah vor die Augen gehalten, strengt das Lesen einfach nur an, erschwert dadurch, dass große Passagen »negativ« sind, d. h. mit weißer Schrift auf schwarzem Grund. Auch die Zeichnungen selbst leiden mitunter unter der geringen Größe, sie ersaufen in Details, und die zahlreichen Text»blasen« zerschießen jedes Bild letztlich in unkenntliche Splitter von was auch immer.
Insgesamt leidet der Comic als Comic zeichnerisch darunter, dass es praktisch keine Action gibt. Der allergrößte Teil der Zeichnungen zeigt Gesichter – die sich alle niemals ähneln, man findet keine Identifikationsmöglichkeiten für irgendeine Figur; es ist, als wäre der Comic von tausend Zeichnern gezeichnet worden, die keinerlei Anhaltspunkte zu den zu zeichnenden Figuren erhalten haben –, und auch der Rest ist letztlich statisch, manchmal ein ganzer Körper, manchmal – durch die Text»blasen« beschädigte – Raumschiffkorpusse.
Beim Durchblättern – das habe ich mir wenigstens gegönnt – habe ich mir überlegt, ob der Comic in Farbe nicht besser ausgefallen wäre …
Ein eindeutiger Fehler war es jedenfalls, Falkes Geschichte 1:1 in den Comic zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass dergleichen wirklich sinnvoll ist. Eine Geschichte, ein Text ist ein Text, ein Bild dazu eine Illustration; ein Comic, das sind Bilder, der Text dazu vielleicht nicht illustrativ, sondern wichtiger, aber keinesfalls so wichtig, dass es ihm erlaubt sein sollte, die Bilder zu erschlagen. Das ist hier jedoch der Fall.

WAS GEFIEL?
Die Idee.

EIN PAAR ZITATE GEFÄLLIG?
Schwerlich.

ZU EMPFEHLEN?
Nein. In dieser Form ehrlich gesagt nicht. Allenfalls für Sammler, aber auch für solche nur eingeschränkt.

NOCH WAS?
Es wäre zu wünschen, die beiden Schöpfer überlegen sich eine Neugestaltung und Neuausgabe im DIN-A4-Format. Books on Demand bietet das A4-Format an. Dadurch wird das Werk natürlich teurer, aber das ist immer noch preisgünstiger, als dieses Werk, das man nicht wirklich goutieren kann.