Eine Familie im Chatroom, letzte Nacht

  • Last Night. Es gibt natürlich mehr Schauspieler, die auftreten, aber eigentlich handelt es sich um ein Kammerstück für vier Personen: Keira Knightley und Sam Worthington als Paar, Eva Mendes und Guillaume Canet. Eigentlich glücklich verheiratet, brütet die Figur der Knightley ein Misstrauen aus, indem sie annimmt, ihr Mann könne an seiner Mitarbeiterin (Eva Mendes) Interesse haben. Was im Weiteren geschieht, geschieht sehr langsam, sehr ruhig, unaufregend und trotzdem überraschend spannend, denn es gibt viel »kleines Hin und Her«, viel Unentschiedenheit, um dann doch zum erwarteten Ende zu führen. Oder? Nein – das Ende ist ganz anders, als erwartet. – Für mich kein sensationeller Film, aber angenehm unseichte Unterhaltung, die man sich auch mal gönnen sollte.
  • High Fidelity: Der Film um den Plattenladenbesitzer Rob, gespielt von John Cusack, der sich inmitten einer Mid-Life-Crisis zu befinden scheint und es jedenfalls selbst glaubt. Der Streifen ist eine romantische Komödie, in der es sehr viel um Musik geht – weshalb sie wohl zu einem Klassiker wurde –, mit vielen bekannten Schauspielern: neben John spielt (beinahe schon »natürlich« ‹g›) seine Schwester Joan mit, und ansonsten Jack Black (der einen Faible für musikbezogene Filme hat, eindeutig), Lisa Bonet, Catherine Zeta-Jones und Tim Robbins …
  • Chatroom – Willkommen im Anti-Social Network: Ein Film aus Israel, aus dem Jahr 2010 – der mich schwer überrascht hat. Es geht um das, was in Chatrooms stattfindet: Beziehungen, die entstehen, sich entwickeln, aber auch Betrug, wie er dort immer wieder abläuft: Jemand gibt sich als jemand aus, der er nicht ist. In Chatrooms ist das einfach und lässt sich aufrechterhalten, bis … Der Film ist fesselnd. Man braucht eine Weile, bis man bemerkt, dass Szenen in bestimmten Räumen Szenen sind, die eigentlich in Chatrooms auf dem Bildschirm stattfinden, aber eben als Handlung mit richtigen Menschen, nein, besser Figuren in echt scheinenden Räumen dargestellt wird. Der Film ist nicht übertrieben komplex, aber komplex genug, um ein positives Urteil von mir zu erhalten. (Die Überraschung, die ich empfand, erinnerte mich spontan an die, die ich bei »Cube« erlebte.)
  • Eine Familie: Der Streifen kam vielleicht durch einen Langeweileklick in meine Sammlung, keine Ahnung. Der Film ist aus Dänemark und schildert ein Stück Familiengeschichte. Ich würde das Ganze in früherer Diktion einfach als »Problemfilm« abstempeln, aber heutige »Problemfilme« sind dramaturgisch besser als die der 60er und 70er Jahre, die noch stark unter französischem Einfluss standen. Und die Dänen hatten schon immer einen besseren Draht zur Umsetzung von Problemthemen in einem Film. – Die Familiengeschichte, die hier abgebildet wird, umfasst einen überschaubaren Zeitraum, ohne, dass dieser benannt wird. Familienmitglieder haben Befindlichkeiten, Hoffnungen, Wünsche, Pläne – und alles ändert sich, als beim Vater eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wird, die nicht zu behandeln ist. Alles ändert sich, Hoffnungen werden enttäuscht, Wünsche verfallen, Pläne werden geändert. Am Ende ist immer noch alles anders – aber nicht hoffnungslos. – Der Film widmet sich vordergründig einer solchen Familiengeschichte, hintergründig aber dem Credo, dass man die Hoffnung niemals aufgeben soll. Und jeder Weg führt letztendlich zu einem neuen Ziel. Und kein Ziel ist wirklich schlecht –