Wie schön, wenn man mal einen Vogel hat

In den letzten Junitagen ging es los. Das mit dem Vogel. Oder besser: den Vögeln.
Unsere Wohnung verfügt über fünf Balkone: einer geht Richtung Westen, einer in Richtung Osten, drei in Richtung Süden. Auf den Balkonen stehen Pflanzkübel, Blumenkästen, jede Menge Pflanzen. Und meine Frau ist die Gießmeisterin.
Auf einem Südbalkon, direkt hinter der Satellitenschüssel, steht ein Blumenkasten mit einem großen Lavendel.

Da fanden sich ganz im Eck fünf kleine Eier (Foto vom 28.06.2016).

Und wenige Tage später – schneller als erwartet – waren die Jungen geschlüpft.

Es war alles andere als einfach, die Jungen zu fotografieren. Der Lavendel war im Weg; ging ich zu nah heran, machte die Kamera nicht mehr so richtig mit.
Und auch die Gießerei in den warmen Tagen war nicht immer einfach, denn natürlich wollte meine holde Gattin nicht, dass die Jungen in ihrem Blumenwasser ersoffen. Aber der Lavendel hat’s überlebt.

Und je mehr Tage ins Land zogen, um so seltener lagen die Jungen alle an einem Platz; vielmehr verteilten sie sich nach und nach gerne mal quer über den ganzen Blumenkasten, und wohl nur in der Nacht kuschelten sie sich an einem Platz zusammen.

Auch die Eltern waren nicht einfach zu fotografieren. Ihre Sehfähigkeit war offensichtlich exorbitant gut – nun ja, sie müssen im Flug Insekten erkennen können –, jedenfalls gab es nur extrem wenig Gelegenheiten, einen der beiden Vögel – ich nehme an, es war das Männchen – zu fotografieren.
Für diese beiden Fotos stand ich fast zwanzig Minuten so bewegungslos wie möglich hinter einem Mäuerchen mit Blick auf den Ort des Geschehens.

Bei den Vögeln handelte es sich übrigens um Bachstelzen. Und so schnell sie gekommen waren, so schnell die Jungen schlüpften, so schnell waren sie allesamt auch wieder weg. Eines Morgens war das Nest leer und verlassen – es liegt noch immer unter dem Lavendel. Nun ja, man kann ja nicht wissen, vielleicht will das noch mal jemand nutzen.

Vögel haben wir übrigens praktisch jedes Jahr – mehrmals. Die fünf Balkone haben allesamt Spitzgiebel, die von Längsträgern gehalten werden; West- und Ostbalkon verfügen sogar über je drei solcher Träger. Die sind oben zugänglich und dort nisten immer wieder die unterschiedlichsten Vögel – übrigens ganz unabhängig davon, wie intensiv der Balkon genutzt wird.
Mir gefällt das. Ich halte das für echten Wohnmehrwert.