Kurz bevor das Jahr rum ist …

… muss ich dann doch noch ein Jubiläum erwähnen, das ich 2014 zu feiern hatte (außer meinem 55. Geburtstag und meinem 4. Hochzeitstag in meiner 4. Ehe <g>): das 10jährige Bestehen meines Verlages p.machinery. Und gleichzeitig feiere ich das Erscheinen des 50sten Bandes meiner SF-Reihe »AndroSF«, die ich »für den SFCD« kreierte und verlege. Wenn das keine Erwähnung wert ist …

Im April 2004 erschien das erste Buch unter dem Verlagslabel p.machinery. Im Jahr 2014 feiert p.machinery sein 10jähriges Bestehen. Und noch im Dezember 2014 erscheint mit dem Band 50 der Reihe »AndroSF« das Jubiläumsgeschenk, das 15 Autoren dem Verlag und seinem Verleger Michael Haitel gemacht hat.

Michael Haitel (Hrsg.)
p.graffiti
10 Jahre p.machinery
AndroSF 50
p.machinery, Murnau, Dezember 2014, 332 Seiten
Paperback: ISBN 978 3 95765 022 1 – EUR 13,90 (DE)
Hardcover: ISBN 978 3 95765 023 8 – EUR 22,90 (DE) (limitierte Auflage)

Wir feiern das 10jährige Jubiläum eines Verlages.  Einer Propagandamaschinerie. p.machinery. Mit Geschichten ausgewählter Autoren: Paul Sanker, Vincent Voss, Arno Endler, D. J. Franzen, Gabriele Behrend, Marianne Labisch, Frederic Brake, Axel Kruse, Sven Klöpping, Achim Stößer, Tedine Sanss, Christian Künne, Arndt Waßmann, Galax Acheronian und Enzo Asui. Inspiriert von der Musik der Band »Extreme II« und ihrem Album »Pornograffitti«.
So – get the Funk out!
Mit einer Titelabbildung von Galax Acheronian, mit sieben 4farbigen Innenillustrationen von Lothar Bauer und einem erhellenden Nachwort des Herausgebers. Nämlich genau diesem hier:

Dass ich überhaupt angefangen habe, Bücher zu machen, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken. Die Gattin eines früheren Arbeitskollegen suchte nach einem bestimmten Buch und fragte mich, ob ich mich im Internet umschauen könnte, wo es eventuell antiquarisch zu bekommen wäre. Aber das Buch gab es nicht – für kein Geld der Welt. Und am Ende der Sucherei kam ich auf die Idee, das Buch einfach neu aufzulegen, denn das Original, nach dem ich suchen sollte, hatte 2003, als ich danach suchte, 18 Jahre auf dem Buckel.

Wie der Zufall es wollte, lebte die Autorin in Ottobrunn bei München – quasi um die Ecke. Sie hatte E-Mail, Telefon, sie war Japanerin, mit einem Deutschen verheiratet – es gab nicht nur keine Kommunikationsprobleme, sondern auch keine Frage, ob ich das Buch neu auflegen sollte.
Das war 2004 – vor zehn Jahren – mein erstes Buch unter dem Label p.machinery1:

Das Ikebana-Buch von Ayako Graefe ist bis heute auf dem Markt – inzwischen in einer dritten Ausgabe, bei Books on Demand, Norderstedt, laufend – und der Bestseller von p.machinery überhaupt. Es gibt kein Buch, dass ich bislang verlegt habe, dass sich besser verkauft hat und verkauft. Ich habe längst aufgehört, die Auflage zu zählen, aber sie liegt irgendwo zwischen 4000 und 5000 Exemplaren.

Das Ikebana-Buch hat fast ein Jahr gebraucht, bis es fertig war. Ich hatte keine Erfahrung mit DTP-Programmen, scheiterte an Quark Xpress und an InDesign und fand mein Glück schließlich beim Microsoft Publisher, mit dem ich heute noch arbeite. Ich habe das Ikebana-Buch auf die verschiedensten Arten und Weisen annähernd vierzig Mal Korrektur gelesen. Als ich die erste Auflage von – damals noch – Maro in Augsburg bekam, das erste Buch auspackte und aufschlug, sprang mir sogleich in Tippfehler ins Auge. Und dennoch –
Dieses erste Buch hat mir Spaß gemacht. Alle nachfolgenden haben das auch irgendwie getan, aber den Spaß, den ich an diesem Ikebana-Buch hatte, werde ich niemals vergessen.

Der Arbeitskollege, dessen Gattin – ihr Name ist Margarethe Goebels, was man in dem Ikebana-Buch auch nachlesen kann – schuld an der Gründung meines Verlages ist, war auch mein zweiter Autor. Franjo Goebels ließ mich sein »Giovanni & Tamino« machen, die Geschichte einer Familie, die auf den Hund kam, obwohl sie scheinbar lebenslang davon überzeugt war, niemals einen Hund haben zu wollen. Ich lernte nicht nur meinen alten Arbeitskollegen besser kennen, sondern auch die beiden Hunde – die längst über die Regenbogenbrücke gegangen sind –, und ich lernte etwas über tiefe und bedingungslose Liebe zu Tieren, zu Hunden, die ich vorher nicht gekannt hatte, obwohl ich selbst schon Hundebesitzer gewesen war.uHun
Giovanni und Tamino leben nicht mehr, und über ihren Nachfolger Calimero wird es wohl kein eigenes Buch geben, aber das ist auch nicht nötig. Leider ist das Buch längst vergriffen – und eine Neuauflage ist seitens des Autors nicht geplant.

Claudia Hagn war meine dritte Autorin – wiederum mit einem Hundebuch. Die Seidlpark-Bekanntschaft2 von Franjo und Margarethe Goebels hatte ihren Johnny aus Hongkong nach Deutschland geholt, und wollte diese Geschichte erzählen. Und ich durfte das Buch machen.
Auch dieses Buch ist in der ursprünglichen Fassung vergriffen; es gibt allerdings eine Neuausgabe, so weit ich weiß, die die Autorin selbst gemacht hat.
Und auch Johnny lebt längst nicht mehr.

Das vierte Buch gibt es auch noch immer. Es ist »Bei Regen und bei Sonnenschein« von Bernd Robker, einem Autor, der unter dem Namen Bernard Craw und anderen Pseudonymen in der fantastischen Szene des deutschsprachigen Raumes längst bestens bekannt ist. Sein Buch war die Geschichte einer Weltumrundung 2004, und es war mein erstes Buch, das ich mit Books on Demand in Norderstedt realisierte, damals noch für viel, viel Geld. Das war 2007, und von den Büchern, die p.machinery heute produziert und zuletzt produziert hat, war noch nichts zu sehen. Obwohl –

Dass es dann 2009 richtig losging, ist eigentlich die Schuld ausgerechnet von Herbert Thiery, dem langgedienten SFCD-Kassierer, mit dem mich zwangsläufig eine gewisse Feindschaft verband. Er lehnte die im Herbst 2006 geäußerte Idee einer SFCD-eigenen Buchreihe rundheraus ab, sinngemäß feststellend: »Das braucht kein Mensch!« Ich entschied, dass ich das anders sehen wollte, und gründete die heute umfangreichste Reihe meines Verlages: »AndroSF«, die SF-Reihe, die »für den SFCD« publiziert wird, und die mit diesem vorliegenden Band 50 Ausgaben vorzuweisen hat.3 Und ein Ende ist nicht abzusehen …

Von meinem Verlag kann ich nicht leben. Noch nicht. Und vielleicht werde ich das nie können. Aber darum geht es auch nicht. Der eigentliche Grund, warum ich Bücher mache, ist meine Leidenschaft, Lektorate und Korrektorate zu machen, die Rechtschreibung richtig einzustellen und vor allem: Layouts zu bauen. Und mein Ziel, das ich im Grunde täglich verfolge, ist es dabei immer, die fehlerfreiesten und layouterisch konsistentesten Bücher der deutschen Kleinverlagsszene zu machen. Und ich glaube, das gelingt mir ganz gut.

Abschließend möchte ich mich bei allen Autoren, die mir bislang die Gelegenheit gegeben haben, ihre Geschichten und Romane zu veröffentlichen, bedanken; ganz besonderer Dank geht dabei an die Autoren, die sich an dieser Anthologie beteiligt haben, die die Songtexte und die Musik der Band »Extreme II« und deren Albums »Pornograffiti« in Texte verwandelt haben.
Und die Widmung ganz am Anfang des Buches, die verstehen die Leser nun wohl auch …

Michael Haitel
Murnau am Staffelsee
01.12.2014

1      Der Name p.machinery bedeutet übrigens nichts anderes als Propagandamaschinerie. Er basiert auf dem gleichnamigen Track der Düsseldorfer Band Propaganda aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein, wie ich meine, treffender Name für einen Verlag.
2      Der Seidlpark in Murnau ist ein Park, in dem man die meisten Hunde und deren Halter beim Gassigehen treffen kann.
3      Nun gut, es fehlen noch zwei, drei Ausgaben, aber die sind schon in der Pipeline, während ich dies hier schreibe.