Japan, Folgen: Bürger

Was mich ärgert, das sind zwei Dinge.
Das sind zum einen Bürger, die sofort wissen, wer schuld ist. Die Natur natürlich nicht. Der Mensch. Die Menschheit. Die Globalisierung. Die Manager. Die Banker. Der Klüngel. Korruption. Machtmissbrauch. Und lauter solche Dinge. Das mag auch durchaus richtig sein. Vielleicht sind das alles die Schuldigen; vielleicht noch viele mehr. Aber was hilft das den Japanern?
Nichts. Und es hilft auch sonst niemandem. Denn das alles ist nur die gleiche Ablenkungsstrategie, wie sie von Politik und Journalismus zelebriert wird. Wenn du ständig auf jemanden einredest, und es spielt keine Rolle, ob es eine identifizierbare Sprache oder sinnloses Gebrabbel ist, ob es gute Argumente oder dummes Zeug darstellt, wenn du ständig auf jemanden einredest, dann macht er die Ohren zu und hört nicht mehr hin. Und damit erreichst du ganz leicht, ganz schnell und sehr zuverlässig, dass alles, was du tust, getan hast, tust und tun willst, überhaupt niemanden interessiert, denn wenn er dich einmal als Schwätzer und Lügenbold identifiziert hat … wer drei Mal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die Wahrheit spricht.
Der Bürger ist es, der den Mechanismen eigentlich die Macht verleiht – indem er reagiert. Indem er so tut, als sei er mündig – was er nicht ist, niemals sein kann. Indem er Dinge in Gang zu setzen versucht, die an Irrealismus wenig zu unterbieten weiß. Japan kann seine Atomkraftwerke nicht einfach abschalten, ohne innere Probleme mit unzufriedenen Bürgern zu bekommen; wer spart denn schon freiwillig Strom – und wer tut es erst recht erzwungenermaßen? Wer glaubt denn in Deutschland wirklich, dass es auch nur einen Politiker gibt, der in der Lage ist, die deutsche Atomlobby so vor den Kopf zu stoßen, dass sie allesamt mehr als Aspirin bräuchten?
Der Bürger in diesem Land ist es, der die meisten Ärgernisse im Zusammenhang mit solchen Themen mit sich bringt. Nicht nur die Katastrophe in Japan, Erdbeben, Tsunamis, Atomkraft und so weiter. Alles. Es ist immer das Gleiche. Es gibt praktisch keinen Unterschied, sieht man davon ab, dass die Themen andere Etiketten tragen. Abgesehen von diesen Etiketten ist es immer das Gleiche. Es ist immer der gleiche Bürger. Und er reagiert immer gleich.
Ein Maschinchen. In einem Netzwerkchen. Auf einem Planetchen.