Japan, Folgen: Gewohnheiten

Was mich an der ganzen Katastrophe ärgert, sind lauter Katastrophen, die mit Japan eigentlich nichts zu tun haben.
Ich war Nachrichtenjunkie. War, weil ich es nicht mehr bin – seit Montag, den 14.03.2011. Ich habe es aufgegeben, Nachrichten hören oder sehen zu wollen. Normalerweise höre ich im Büro via Internet B5 Aktuell, einen Infosender. Jetzt nicht mehr. Jetzt läuft den ganzen Tag Café Cody, ein Chillout-Sender, der von Mallorca aus das Internet mit seiner Mucke beliefert.
Was mich dazu bringt, solche alten Gewohnheiten abzulegen, das ist die Hysterie, die in diesem unserem Lande herrscht, in einem Land, das von Tschernobyl weit genug weg war, um nicht wirklich beeinträchtigt zu sein – auch, wenn uns die Medien nicht ganz unerfolgreich eingeredet haben, wir würden noch auf Jahre hinaus an Pilzen und Wildfleisch jämmerlich verrecken –, und das von Japan noch weiter entfernt ist, um sich überhaupt nicht um deren Atomreaktorprobleme kümmern zu müssen. Natürlich ist es sinnvoll, sich angesichts dieser Ereignisse einmal Gedanken über die eigenen Atomkraftwerke zu machen – aber das hätte man nicht nur schon tun können, als man sie erbaut hat – oder glaubt wirklich jemand, dass nach dem Zweiten Weltkrieg niemand davon überzeugt war, dass Atomenergie gefährlich ist –, das wäre spätestens angesichts der Ereignisse 1986 in Tschernobyl angesagt gewesen. Und die ganze Welt – allen voran die politischen Schw***lutscher Gabriel, Beck und Trittin – meint, es würde diesmal anders laufen. Zumal die Anzeichen dafür, dass die Regierung Merkel–Seehofer–Westerwelle mitsamt ihren gewählten finsteren Vasallen felsenfest an die Wiederholung der Geschichte glaubt, allzu deutlich erkennbar wären, würde auch nur ein deutscher Hysteriker seine vom Schreien, Jammern, Heulen und Wehklagen zusammengekniffenen Augen einfach einmal – … aufreißen!
Das alles passt zusammen. Da wird von deutschen Politikern erkannt, dass in einem hoch technisierten Land wie Japan das »niemals Denkbare« möglich geworden ist – was war das in Tschernobyl? Kollektives Currywurstbraten? –, da wird von deutschen Politikern immer noch gedacht, dass das ja in Deutschland gar nicht stattfinden könnte – ja, in Deutschland gibt es keine Tsunamis, das ist wahr; es gibt trotz journalistisch bedingtem Mentaldurchfall in Deutschland auch keine Tornados; die heißen hier »Wirbelwinde« –, und die Opposition weiß es auch nur deshalb besser, weil es die Position kontra Regierung ist; wäre die Opposition die Regierung, dann wäre es halt umgekehrt. Das alles ist eine Verdrängungstaktik, die Methode hat. Was nicht sein kann, das ist nicht.