Irreführend, aber nur ganz leicht

Uwe Post
WALPAR TONNRAFFIR UND DER ZEIGEFINGER GOTTES
Atlantis Verlag, Stolberg, August 2010, Paperback, 175 Seiten, ISBN 978 3 941258 27 3

VORBEMERKUNG
Ich war auf dieses Buch sehr, sehr gespannt. Auch dies eine Premiere: Von Uwe Post habe ich bislang nichts gelesen, höchstens eine Kurzgeschichte, die mir aber nicht in Erinnerung geblieben ist. Inzwischen habe ich mit Uwe durch die gemeinsame Arbeit im DSFP-Komitee ein wenig Kontakt, und so war ich eben gespannt. Kommt ja mal vor.

WORUM GEHT ES?
Bemühen wir doch den Klappentext: »Der Zeigefinger Gottes taucht im Erdorbit auf, und Weltraumdetektiv Walpar Tonnraffir übernimmt die Ermittlungen. Trash-Sänger, Anwaltsheere und obskure Sektenprediger kämpfen um Deutungs- und Besitzhoheit, während sich Walpar mit seinem DVD-abhängigen Neffen, seiner abenteuersüchtigen Ex-Schwiegermutter und einer alleinerziehenden Auftragskillerin herumschlagen muss. Der bissige und temporeiche All-Ages-Roman verkuppelt Dirk Gently mit Jackie Chan und serviert Lucy Liu mit Elfenohren als Dessert. Schräg, schrill, kreativ – ein typischer Post-SF-Roman.«
Was. Für. Ein. Scheiß. – Sicher ist, dass der letzte Satz korrekt ist. Als sicher kann auch gelten, dass eine anders formulierte Beschreibung im ersten Satz letztlich wohl auch nicht besser ausfallen würde, ohne dass man einen längeren Text bemühen müsste, der die Gefahr des Spoilerismus in sich bärge. Aber dieser Satz in der Mitte ist. Ein. Scheiß.

WIE IST DER STIL?
Bissig, temporeich, schräg, schrill, kreativ. Alles richtig. Nicht ganz so absolut, wie sich das so liest, aber deutlich erkennbar. Und das ist gut so – insgesamt ist der Stil rund, stimmig, sehr schön, sehr lesbar.

WAS GEFIEL NICHT?
Das Buch. Der Stil. Das Buch ist vollgepumpt mit Anspielungen, Seitenhieben, Nebensächlichkeiten, die den Leser ablenken und irritieren (sollen), mit Gedankenwendungen und -windungen, dass man die Hirnwindungen knarzen hört. Möglicherweise bin ich zu alt für den Scheiß. Möglicherweise habe ich ein anderes Problem. Aber ich fand den Roman vor allem eines: anstrengend.

WAS GEFIEL?
Das Buch. Der Stil. Das Buch ist vollgepumpt mit Anspielungen, Seitenhieben, Nebensächlichkeiten, die den Leser ablenken und irritieren (sollen), mit Gedankenwendungen und -windungen, dass man die Hirnwindungen knarzen hört. Und das ist gut so. Denn die ganzen faulen Schweine da draußen, die sich die Hirnwindungen – wenn sie überhaupt was lesen und nicht nur in die Glotze starren – mit Vampomantic-Wichse (und anderem Mist, für den ich gar keine Worte erfinden will) zukleistern, die haben genau so ein Buch verdient, das einem mentalen Lahmarsch den Tauchsieder zwischen die grauen Zellen bohrt und dann auf 120 °C erwärmt. Das ist richtig so, das ist gut so.

EIN PAAR ZITATE GEFÄLLIG?
Geht nicht. Es gibt ein paar Stellen, bei denen ich herzhaft gelacht habe, aber das ganze Buch befindet sich humoristisch auf so hohem Niveau, dass man nicht wirklich auswählen kann. Außerdem würde jedes Zitat von nur einigen Zeilen Länge bedeutet, etwas aus dem Gesamtzusammenhang zu reißen, und dann ist es möglicherweise nicht mehr witzig, sondern schlimmstenfalls albern.

ZU EMPFEHLEN?
Unbedingt.

NOCH WAS?
Nö. Das Buch ist ordentlich verarbeitet; die Glanzkaschierung ist ein wenig fingerabdruckempfindlicher als andere. Das Layout ist ordentlich; der »Setzer« kennt Silbentrennung, gehört jedoch auch zu den Akzeptanzlern von Schusterjungen. Die Tippfehler halten sich in dem bei zwei Korrekturlesungen für mich akzeptablen – weil nicht wirklich vermeidbaren – Rahmen, und allenfalls eine etwas ansprechendere Schrift hätte es sein dürfen. Aber gut: Das ist Ameisenfickerei, wenn man es genau nimmt.

Ach, doch, etwas fällt mir noch ein. Die Erklärung, warum mir der mittlere Satz des Klappentextes aufstieß. »All Ages« ist sowieso »Bullshit«, aber hier besonders, denn ein Kinderbuch ist das keinesfalls; selbst ein heute Sechzehnjähriger wird einen erklecklichen Teil des Buches nicht kapieren. Und Dirk Gently, Jackie Chan und Lucy Liu treten nicht nur nicht auf, sie sind nicht mal in einer Filmversion dieses Buches in irgendeiner Form vorstellbar; das würde so was von nicht passen, dass sich Uwe Post von dem Filmmachwerk unbedingt distanzieren müsste – und das auch tun würde.