Radfahrerabschaum, Rendsburg, 04.06.

Ich gebe zu, dass es vermutlich Ausnahmen sind, und ich bin bereit anzunehmen, dass das Gros deutscher Radfahrer am Ende auch nur ein Opfer von irgendetwas ist. Es ist klar, dass immer nur die schwarzen Schafe auffallen. Aber sie sind es auch, die Spuren hinterlassen.

Rendsburg, Schwebefähre, Südseite, 04.06. Wir stehen mit anderen Menschen auf dem schmalen Fußgängerweg, vielleicht 1,2 Meter breit. Dort warten wir wie alle anderen auf die nächste Fähre von der Nordseite. Die kommt, öffnet die Tore und auf dem gleichen Fußgängerweg kommen die Fußgänger zunächst von der Fähre, getreu dem Motto »Erst aussteigen lassen!«. Dabei auch – richtig: Radfahrer. Und es ist natürlich immens schwierig, auf einem vielleicht 1,2 Meter breiten Bürgersteig mit einem Fahrrad an einem Paar mit zwei Hunden vorbei zu kommen, wenn man geistig und körperlich nicht in der Lage ist, seinen Korpus auf die neben dem Fußweg liegende Straße zu bewegen.
Auf der Schwebefähre zur Nordseite dann sitze ich mit Naomi an einer Säule. Vor uns zwei Radler, problemlos. Hinter uns zwei Radler, und der fette Sack, dessen Rad direkt vor Naomi zum Stehen gekommen ist, muss mit seinem rostigen Drahtesel so lange herumhampeln, bis er das Vorderrad seines schändlichen Schrotthaufens dem Hund ins Gesicht gehauen hat. Gut – zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er sich entschuldigt hat. Zu seinem Glück fiel mir in diesem Augenblick keine passende Entgegnung zu so viel Dummheit ein.
Und am Ende dann, in Heide, vor der Sankt-Jürgen-Kirche, kam von links ein Radfahrer, der Naomi noch fixierte – und ihr dann fast über die Vorderpfoten gefahren wäre, hätte ich sie nicht weggezogen. Gut – zu seiner Hinrichtung sei zu erwähnen, dass zwischen Naomi und dem nächsten Hindernis, einer Hecke, fast zwei Meter Platz gewesen sind.

Am Ende zeigt sich einmal mehr, dass man das zweifelhafte Vergnügen mit Radfahrern überall in Deutschland nicht nur haben kann, sondern unzweifelhaft hat und immer haben wird.